Sonntag, 1. Mai 2011

Spatzl am Platzl ****



 

 

 


 

 

 

 













1. Mai. Rechtzeitig zum Tag der Arbeit starte ich auf Dienstreise nach München. Dort lädt ein lauer, blütengeschwängerter Abend zum Flanieren ein. Lärmende Touristengruppen treiben mich mit in Richtung Hofbräuhaus, wo gehörig geschunkelt wird und dirndlbestrapste Madln Lebkuchenherzen feilbieten. Bloß weg von hier! 

Schon auf der gegenüberliegenden Seite des Platzls herrscht angenehme Ruhe. Hübsch gelegen - zwischen Hard Rock Cafe und dem Schuhbeck`schen Kulinarik-Areal - verbindet das Wirtshaus Ayingers ein sehr gepflegtes Ambiente mit ansprechenden Details: hellgelbe Stoffservietten, hübsche Körbchen mit Brezn und im hohen Saftglas servierte Weissweinschorle. Eine deftig orientierte Speisekarte mit regionalen, bodenständigen Gerichten ist selbstverständlich! Und: von meinem Fensterplatz aus lässt sich prima die ein- und ausschwärmende Hofbräuhausklientel vis a vis beobachten. Herrlich schräg! 

Menge: reichhaltig
Spätzle: feiste Knöpfle 
Käse:
Emmentaler
Zwiebeln: sehr, sehr crispy 
Viskosität:
moderat Fäden ziehend
Beilage: eine üppige, gut bestückte Salatschlüssel mit Blattsalaten, roter Zwiebel, gelber und roter Paprika, Tomate, Karotte und Sellerie (vermutlich aus dem Glas), Sonnenblumenkernen (lecker), Croutons (Fertigware), Mais und Kidneybohnen (überflüssig) 
Zubereitungszeit:
der charmante, hilfsbereite Kellner ließ mich die Zeit vergessen - es war wohl höchstens eine Viertelstunde 
Abgang:
mächtig 
Preis:
11,00 Euro (inklusive Beilagensalat) 
Bewertung:
Hier findet sich alles, was mich glücklich macht: üppige, im gusseisernen Pfännle servierte Kasspatzn, delikater Salat, zuvorkommender Service und einladend gemütliche Atmosphäre. Für Kässpätzle bewegen wir uns hier schon im gehobenen Preissegment - doch das lohnt sich!  

Lokalität: Wirtshaus Ayingers Platzl 1A
80331 München
Telefon 089 / 23 703 - 666
Telefax 089 / 23 703 - 665

Dienstag, 26. April 2011

Herrenberger Hexe spezial ***


















Gretchenfrage am Ostermontag: wo (nach einem inspirierenden Blütenspaziergang des Obst- und Gartenbauvereins Herrenberg-Haslach) kann man sich im umliegenden Gäu bei den besten Kässpätzle stärken? Unsere Wahl fällt spontan auf den Schlosskeller in Herrenberg, dessen phänomenale Terrasse einen grandiosen Weit- und Ausblick bietet. Und eine regional orientierte Tageskarte, die auch nachmittags ganz selbstverständlich warme Gerichte serviert. Das ist leider nicht selbstverständlich!

Die jugendlichen Servicekräfte sind bemüht und engagiert - der Blick auf Herrenberg und die weitere Region (bis zur Wurmlinger Kapelle) beeindrucken alle Sinne. Schöner liesse sich der Ostermontag kaum zelebrieren!!


Menge: durchaus genügend
Spätzle:
die laut Karte hausgemachten Spätzle sind sehr teiglastig und voluminös geraten
Käse:
laut Karte: Gouda
Zwiebeln:
süsslich aromatisch und reichlich
Viskosität:
von pampig-matschiger Konsistenz
Beilage:
leider keine - bis auf einen geschmacksneutralen Tomatenviertel und etwas Kresse als Dekoration
Zubereitungszeit:
15 Minuten
Abgang:
anstandslos
Preis: 7,40 Euro (ohne Beilage oder Vorspeise)
Bewertung: Der Herrenberger Schlossberg gehört zu meinen favorisierten Lieblingsorten. Hier geht mir das Herz auf. Nicht zuletzt aufgrund der regionalen Spezialitäten, zu denen auch Produkte der nahen Streuobstwiesen gehören. Die langjährige Partnerin des Schlosskeller-Chefs findet sich getränkemäßig verewig: Mit Hexe Extra kann man ein Schorle aus naturtrübem Apfelsaft mit einem Schuss Kirschnektar genießen. Großartig!

Den Kässpätzle könnte allerdings eine Optimierung gut tun: wie wär es mit einer Mengenreduzierung mit zusätzlich serviertem Beilagensalat? Wir hoffen auf eine gleichzeitige Verschlankung des Spätzlesdurchmessers. Danke!

Lokalität:
Schlosskeller Herrenberg
Schloßberg 3
71083 Herrenberg
Telefon: 07032 / 920777

Montag, 11. April 2011

Ferropolispätzle ***





























Gewinnen ist mein Lieblingshobby. An diesem Wochenende beglückt uns herzensbrechermäßig die Investitionsgesellschaft Sachsen-Anhalt mit einer Trabi-Safari durch Lutherstadt Wittenbergs spektakuläre Umgebung. Beglückt und euphorisiert hoppeln wir durch Wörlitz und die Dübener Heide, verkosten Ost- und Westprodukte am Lutherstein und befragen im Rahmen eines DDR-Quizes die werktätige Bevölkerung nach Liebeszauber, Pittiplatsch und "Sing, mei Sachse sing".

Leicht entkräftet, jedoch mit ungebrochenem Elan, landen wir nach Erkundung von Ferropolis - im Schatten der fünf atemberaubenden Giganten - in der dort ansässigen Orangerie. Nicht in unseren kühnsten Träumen hätten wir so weit im Osten Deutschlands Altausseer Kässpätzle aus der Steiermark erwartet. Auf unsere Jubelschreie reagiert die Servicekraft allerdings mit berechtigter Skepsis - und die hübsche Speisekarte möchte sie uns nur gegen 15 Euro überlassen. Da verlinken wir lieber für umsonst.


Menge: gut dosiert
Spätzle:
Convenience-Ware von Burgis, mit würzigen Waldpilzen und Kräutern versetzt
Käse: Schweizer Emmentaler
Zwiebeln: eher zurückhaltend
Viskosität:
leichte Fäden ziehend
Beilage: kleiner unspektakulärer Beilagensalat (Rucola, Tomate, Gurke)
Zubereitungszeit: überraschend kurze 10 Minuten
Abgang: leider stundenlang wie zementiert im Magen liegend (oder war die Aufregung Schuld?)
Preis: 9,20 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung:
Dicker Exotismusbonus für Kässpätzle in Sachsen-Anhalt! Das Arrangement ist würzig, rezent und angenehm pilzdominant gelungen. Auch meine Mitstreiter sind begeistert: Currywürste, Lyonersalat und Bergmannsbuletten geben "Einblicke in die Kochtöpfe vom Ruhrgebiet über das Erzgebirge bis ins Saarland, von Südengland über Bosnien bis in die Ukraine, von der Steiermark über Ligurien bis in die Toskana". Ausgesprochen kreativ!

Lokalität:
Orangerie Ferropolis
Ferropolisstraße 01
06773 Gräfenhainichen

Kontakt:
Safari Catering
Tel.: 0340 - 266 02 11
Fax.: 0340 - 266 02 12
Mail: info@safari-events.de

Montag, 28. März 2011

Nächster Halt: Pasta und Vegetarisch ***

























Wahlsonntag, Halsschmerzen, Migräne. Ich nehme mir einen unsozialen Nachmittag und schreibe Rezensionen. Derart ausgepowert kommt eine Essensverabredung in den Alten Bahnhof Holzgerlingen gerade recht. Der liegt (innen)architektonisch bemerkenswert gestaltet an der Trasse der reanimierten Schönbuchbahn, mit Haltestelle direkt vor der Haustür.

Unter freigelegtem Fachwerk und denkmalgeschützten Remineszenzen an den ehemaligen Jugendstilbau diniert man anspruchsvoll-rustikal an groben Holztischen unter Designlämpchen der Jetzt-Zeit. Die Karte offeriert schwäbische Klassiker, kombiniert mit kosmopolitischen Zutaten (z.B. Riesenmaultasche mit gegrilltem Garnelenspieß und Ingwer – Zitronengrasssauce).

Dazu passt der unprätentiöse Stil des Services. Hier wird nicht lang diskutiert, sondern gehandelt. Als ich behutsam anmerke, dass meine Kässpätzle-Portion etwas kleiner ausgefallen ist als die der Mitesser, erhalte ich umgehend eine zusätzliche zweite Portion. Übrigens ohne Aufpreis! Daraus könnte noch manches Kult-Lokal lernen!



Menge: stark varierend - doch mit überaus generösem "Nachschlag"
Spätzle:
mit dominanter Umami-Note
Käse:
muss noch geklärt werden
Zwiebeln:
sehr lätschig, sehr feucht und insgesamt vage an feingehobeltes Sauerkraut erinnernd
Viskosität:
perfekte Konsistenz
Beilage:
ein zwar formschöner, doch relativ geschmacksarmer Beilagensalat (leider Punkteabzug für den harten Kartoffelsalat)
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang:
leicht und aromatisch
Preis:
7,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung:
Ansprechendes Ambiente, cooler Service, sympathisches Speisenangebot (ganz hervorragend auch die Miesmuscheln meines Nebensitzers). Anregungen werden sofort aufgegriffen, noch ehe sie in Beschwerden ausarten könnten. Im Sommer sitzt man auf der Aussenterrasse mit Blick auf die vorüberfahrende Schönbuchbahn und die untergehende Sonne hinter dem Maurener Täle.

PS
Unbedingt als Digestif probieren: Zibärtle-Schnaps oder Haselnuss-Brand. Eine wahre Geschmacksexplosion!

Lokalität: Restaurant Alter Bahnhof
Bahnhofsplatz 1
71088 Holzgerlingen
Telefon: (0 70 31) 68 27 96

Mittwoch, 23. März 2011

Holz hinter der Hütte **





























So kurz kann keine Mittagspause sein, dass nicht noch ein paar Kässpätzle reinpassen würden!

Meine heutigen Mitesser haben alle Urlaub, inklusive Vater Hans (im 28. Jahr seines Ruhestandes) und die Hausfreunde Mike und Heidi, die zuletzt durch ambitionierte Heimarbeit glänzten. Ihnen ist auch der Hinweis auf die Gastroempfehlungen der Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung zu verdanken. Allerdings kann sich das Restaurant im Waldhotel Eichholz heute nicht über großen Andrang beklagen: den großzügig bemessenen Gastraum teilen wir uns mit einem einsamen Rentnerpärchen.

Die bemühte Bedienung agiert schnell und zuverlässig. Kaum haben wir unsere Bestellung aufgegeben, wird bereits die Selleriecremesuppe ausgeliefert. Vermutlich ein Fertigprodukt, jedoch wohlschmeckend und würzig. Der Hauptgang folgt standepede, wobei die Käsespätzle allgemeinen Zuspruch erhalten, das zweite Tagesessen (Schweinerücksteakt mit Champignonrahnsauce, dazu Spätzle und Salat) jedoch durch salzlose, fade Teigwaren enttäuscht.


Menge: reichlich; Reste werden selbstverständlich eingepackt
Spätzle: von unbekannter Provenienz
Käse: nach längerer Diskussion zwischen Servicekraft und Koch kristallisieren sich Gouda und Edamer heraus
Zwiebeln: sehr fein unter die Spätzlemasse gemischt
Viskosität: sahnig-feucht
Beilage: ein etwas frugaler, relativ geschmackloser Beilagensalat (Eisbergsalat, ein halbes Radieschen und drei Scheiben Gurke) mit Fertigdressing
Zubereitungszeit: knappe 10 Minuten
Abgang: leicht und beschwingt
Preis: 6,80 Euro als Tagesessen (inklusive Beilagensalat und Vorsuppe)
Bewertung: Der wechselnde Mittagstisch im Waldhotel Eichholz bietet kostengünstige, reichlich bemessene Menüs mit kurzer Zubereitungszeit. Kulinarische Glanzleistungen sollte man allerdings nicht erwarten. Im Sommer lockt die Außenterrasse!

Lokalität:
Waldhotel / Restaurant Eichholz
Friedrich-Ebert-Straße 40
71067 Sindelfingen

Sonntag, 20. März 2011

Küche, Koch und Cousinen ****





























Stuttgart hat nicht mehr viele solcher Lokalitäten zu bieten: knorriges Butzelhaus, niedrige Decken, enger Gastraum, urige Deko. Gegessen wird - vor allem wochenends - in knapper Taktung: die wenigen Tische werden oft mehrfach hintereinander reserviert.

Hier sitzen hippe Pärchen aus dem nahen Heusteigviertel, bodenständig schlemmende Patchworkfamilien und ganze Abteilungen mit staunenden Geschäftspartner aus dem Ausland. Dabei geht es eng zu - und das gehört zum Konzept. Wer in diesem Lokal nicht unweigerlich mit seinem Nebensitzer ins Gespräch kommt, muss schon Autist sein.

Über den Namen des Lokals kursieren die wildesten Gerüchte. Auf der Homepage kann man die offizielle und einzig wahre Geschichte nachlesen. Apropos Lokal: zuerst einmal ist die Kochenbas eine Weinstube mit hervorragenden Winzererzeugnissen aus der Region. Darüber hinaus ist die Kochenbas Garant für urwüchsige, unverkünstelte, geradlinige schwäbische Küche. Wer einmal der hiesigen Bratenstücke, Saucen und Maultaschen ansichtig wurde, bedauert es, sich zum Vegetarismus zu bekennen.


Menge: für hungrige Esser kann es knapp werden
Spätzle: selbst gemachte voluminöse Spatzen
Käse: noch nicht geklärt
Zwiebeln: sehr filigran, sehr kross, sehr würzig
Viskosität: überaus saftig
Beilage: schlichter grüner Salat ohne jegliches schmückendes Beiwerk - doch der herrliche Geschmack erinnert an die 60er-Jahre-Sonntagessen meiner Oma
Zubereitungszeit: 15 Minuten
Abgang: kräftig rumorend
Preis: 8,80 Euro (inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Die Kochenbas ist Kult. Da verzeiht man schon mal den direkten Umgangston. Als ich vorsichtig auf meine kleine Portion und den noch nicht gestillten Hunger hinweise, wird mir rundheraus ein Dessert nahegelegt. Hier werden zwar meine Mitesser schwach (großartige Rote Grütze!) - doch ich selbst stille meinen Kohldampf lieber mit einer zusätzlichen Beilagenportion Kässpätzle.

PS. Dank an Laura M. für die Empfehlung!

Lokalität:
Weinstube Kochenbas
Immenhofer Straße 33
70180 Stuttgart
Deutschland
Telefon.: 0711/602704


Freitag, 18. März 2011

Du bist mein Käsespätzle















Fundstück auf der diesjährigen Bildungsmesse Didacta. Eingeladen wird zum großen Mensa-Check.

Auja, dazu könnten wir durchaus auch einen lesenswerten Beitrag beisteuern!