Sonntag, 30. September 2018

Vor der BUGA begutachtet ***

 















Die letzte Baustellenführung der nächsten BUGA lockt bei bestem Wetter glatt 25.000 Besucher an. Wer sich nicht dem Halligalli des dort gastierenden SWR1-Pfännle aussetzen möchte, tut gut daran, die umliegende Gastronomie zu testen. Ob es dabei ruhiger und gesitteter zugeht, sei dahingestellt.

In sichtlicher Oktoberfestlaune brezeln sich Familien- und Freundeskreise noch mal gehörig auf. Das klappt offenbar am besten bei bayrischen Schmankerl und frisch gezapftem Bier. Alles nur eine Inszenierung, befinden wir uns doch mitten in Heilbronn. 

Menge: hätte mehr sein können ...
Spätzle: ganz offensichtliche Fertigware von einem Großlieferanten
Käse: die angekündigten "dreierlei zartschmelzenden Käsesorten" sind laut Service: Limburger / Emmentaler / Brie (schmecken jedoch eher wie Streichkäse / Streichkäse / Streichkäse)
Zwiebeln: im Fett etränkte Röstzwiebelscheiben
Viskosität: siehe oben: zartschmelzend
Beilage: laut Karte leider keine - der zusätzlich bestellte Beilagensalat entpuppt sich jedoch als wahrer Hit: knackige Möhren- und Rotkohlrohkost auf frischem, aromatischem Blattsalat samt geschmackvoller Tomate und dicker Scheibe von der Bauerngurke
Zubereitungszeit: die in Windeseile nach 10 Minuten servierten Spätzle kamen so lauwarm an, dass  sie sofort zurück in die Mikrowelle geschickt werden
Abgang: weniger zur Verdauung als zur Abrundung empfiehlt sich die geniale "Alte Haselnuss" aus dem Hause Prinz (für unglaubliche 3,00 Euro)
Preis: 8,60 Euro (Kässpätzle) + 3,40 Euro (Beilagensalat)
Bewertung: Während sich die dürftigen Kässpätzle eher im unteren Mittelbereich bewegen, wird der Gesamteindruck durch knackig-frische Salate, erstklassige Getränke und engagierten Service  deutlich aufgepimpt.

Lokalität: Lehner's Wirtshaus Heilbronn
Bahnhofstraße 1
74072 Heilbronn
Telefon +49 7131 6427927
E-Mail: heilbronn@lehners-wirtshaus.de

Sonntag, 2. September 2018

Unter einem guten Stern ****

















Während draussen vor der Türe, am Bodanplatz, ein vermeintlicher Genussmarkt tobt, spielen sich die wahren Genüsse hinter geschlossenen Türen und auf der 1. Etage ab. Im stilvollen Ambiente längst vergangener Zeiten wird im Goldenen Sternen bei blank geputztem Tafelsilber und gestärkten weißen Tischdecken feinste Küche zelebriert. Hier werden die Speisen noch auf einem Wägelchen angerollt und unter einer Cloche warm gehalten.

Menge: mehr als ausreichend
Spätzle: breite, füllige, handgeschabte Prachtstücke
Käse: reiner Emmentaler, mit Sahne verfeinert
Zwiebeln: reichlich crispy Röstzwiebeln
Viskosität: samtweiche, butterzarte Konsistenz
Beilage: ein Gedicht von einem Beilagensalat: zarte Kopfsalatblätter, würziger Rucola, Möhrenspiralen und Tomatenstückchen
Zubereitungszeit: etwa 20 Minuten
Abgang: macht satt und glücklich
Preis: ambitionierte, aber angemessenene 14,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Gehobene, leicht skurrile Gastrokultur mit kuriosem Service. Einzigartig: ein ausladendes Spirituosenregal als Raumteiler.

Lokalität: Hotel Restaurant Goldener Sternen
Bodanplatz 1
78462 Konstanz
Telefon   +49 7531 / 25228
Telefax   +49 7531 / 21673
E-Mail: info@goldener-sternen-konstanz.de

Freitag, 10. August 2018

Hinter Schloss und Riegel ***

















Man nehme ein verwunschenes Dornröschenschloss aus dem Jahre 1550, ein geschicktes Marketingkonzept  und einige vollmundige, verbale Ausschweifungen: fertig ist das "Historant" im Immenstadter Stadtschloss. An einem lauen Augustabend kann man hier malerisch vor der Tür sitzen - wie auf einem Renaissance-Marktplatz in Mittelitalien.

Eine der adretten weiblichen Servicemädel erklärt uns enthusiastisch die Zubereitungsweise der Kässpätzle, die zufälligerweise auch ihr Lieblingsgericht sind. Bei so viel Begeisterung kann kaum was schief gehen, oder?

Menge: das gusseiserne Pfännle fasst eine stattliche Portion - die Reste werden uns gerne eingepackt
Spätzle: gehobelte knurpselige Knöpfle
Käse: eine einzigartige Mischung aus Allgäuer Bergkäse, Limburger und Emmentaler
Zwiebeln: soft geschmälzt und leider viel zu wenig
Viskosität: in suppiger, salziger Brühe schwimmend
Beilage: der überschaubare Beilagensalat besteht hauptsächlich aus Blattsalaten, mit ein paar Gurken- und Paprikastückchen garniert
Zubereitungszeit: die gar nicht lange Wartezeit wird uns mit einem Gruß aus der Küche verkürzt: ein Schälchen mit Kräuterquark, samt dreierlei Brotscheiben
Abgang: die stark übersalzene Käse-Brühe-Mischung sorgt für nachhaltigen Durst
Preis: 11,90 (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Das ambitionierte Nutzungskonzept des Schlosses, das historische Ambiente und der authentische Service können leider über einige kleine Unzufriedenheiten nicht hinwegtrösten. Beim nächsten Besuch probieren wir einfach ein anderes Gericht!

Lokalität: Schloss Immenstadt
Historant
Marienplatz 3
87509 Immenstadt
Tel: 08323-999 56 22
E-Mail: reservierung@schloss-immenstadt.de

Donnerstag, 9. August 2018

Fast ein Volltreffer ***


















"Früher begann der Tag mit einer Schusswunde" schrieb Wolf Wondratschek anno 1969. Obwohl wir es weniger martialisch lieben, jubilieren wir lauthals, als nach langer vergeblicher Restaurantsuche endlich ein Gasthaus namens "Schießstätte" auftaucht. Da wird nicht lang gefackelt, sondern ein schattiger Tisch gesucht und - schon halb hypoglyklämisch - der Chefin die Bestellung übern Tisch zugerufen.

Menge: der riesige Teller von der Größe einer Schießscheibe fasst tatsächlich eine stattliche Portion
Spätzle: wie überall im Allgäu: eher Knöpfle
Käse: rezenter Allgäuer Bergkäse
Zwiebeln: reichlich Röstzwiebeln von angenehm ledriger Konsistenz und würzigem Geschmack
Viskosität: gehörige Fäden ziehend
Beilage: ein Beilagensalat kann am Büffet selbst nach Wunsch zusammengestellt werden - augenscheinlich alles hausgemacht und in der Küchenmaschine zerkleinert: Gurke, Möhre und Rettich in dicken Stiften, Blaukraut in Scheiben. Der Kartoffelsalat kommt nach Schwabenmanier noch lauwarm und gut sämig daher!
Zubereitungszeit: kaum eine Viertelstunde
Abgang: etwas beschwerend
Preis: 9,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hier zeigt sich einmal wieder: Vereinsheime (auch  nur vermeintliche) sind nicht das Schlechteste! Dieser Schießstand hat uns auf jeden Fall vorm Verhungern und Verdursten bewahrt. Mit bodenständiger Hausmannskost, herzhaften Schmankerln und ehrlichem Service.

Lokalität: Gasthaus Schießstätte
Schützenstraße 4
87544 Blaichach
Tel. 08321 / 788 000 0
 E-Mai: info@schiessstaette-blaichach.de

Sonntag, 5. August 2018

Mit Speck fängt man Mäuse ***

















Okay, okay, es gehört schon eine Menge Enthusiasmus dazu, um bei hitzigen Temperaturen von 30 Grad zum Kässpätzle-Essen auszuschwärmen. Doch Hausfreund Mike tritt mutig als Begleitung an - mit kurzen Hosen, einem Wassersprüher und vermeintlichen Ortskenntnissen. Als wir schon fast  dehydriert und halb komatös den Freudentstädter Marktplatz umrundet haben, entdecken wir durch  Zufall diese rustikale, einladende Location mit luftigem Gastgarten direkt vor der Türe. Augenblicklich können wir keinen Schritt mehr weitergehen und lassen uns erschöpft nieder.

Menge: diese zünftig in einem Pfännle servierte Portion ist eher für einen körperlich aktiven Holzfäller gedacht und lässt sich nur unter Stöhnen und durch Mithilfe eines mitleidigen Mitessers bewältigen
Spätzle: die wurden aus Lossburg zugekauft, wie der Patron überzeugend ehrlich zugibt
Käse: zahmer Bergkäse aus dem Schwarzwald
Zwiebeln: leicht karamellisierte Schmelzzwiebeln (leider viel zu wenig)
Viskosität: gefällig
Beilage: vom Beilagensalat mit Gurke, einem Alibi-Tomatenachtel und Blattsalaten sei vor allem der spektakulär knätschige Kartoffelsalat erwähnt - herrlich, ganz nach meinem Geschmack!
Zubereitungszeit: unglaublich kurze 10 Minuten
Abgang: enorm sättigend; das prophylaktisch konsumierte Zibärtle für verdächtig günstige 2,50 Euro schmeckt leider hauptsächlich sprittig
Preis: mit 9,80 Euro (inklusive Beilagensalat) knapp unter der magischen Schallgrenze
Bewertung: Gefällig komponierte schwäbische Speisen in einem klug inszenierten Setting aus Schwarzwald-Feeling, Rustikalität und gespielter Authentizität.

Lokalität: Zum Speckwirt 
Marktplatz 45
72250 Freudenstadt
Tel.: 07441 9195680  
E-Mail: info@speckwirt-fds.de

Freitag, 27. Juli 2018

Essen wie im Krankenhaus **

















Alle Wege führen ins Landratsamt. Wem zwischen Kfz-Zulassung und BaföG-Beantragung der Magen brummt, dem sei ein Gang ins Untergeschoss durchaus geraten. Das hiesige Betriebsrestaurant - nach der kürzlichen Renovierung äußerst schmuck herausgeputzt - steht selbst externen Besuchern offen. Dafür dürfte der Landrat wohl nie gesichtet werden und auch die Inhouse-Bediensteten essen hier vorsichtshalber nicht viel mehr als ein Joghurt.

Schade, denn die blitzeblanke Sauberkeit und der schattige Gastgarten dürften in Böblingens Innenstadt kaum zu toppen sein.

Menge: kann selbst dosiert werden
Spätzle: zu einem rechteckigen Klotz zusammengepresst
Käse: bergeweise geriebener Käse
Zwiebeln: blähungsvermeidend gar nicht erst vorhanden
Viskosität: von der Konsistenz einer soften Grießschnitte
Beilage: beliebige Mengen beliebiger Beilagen können selbst auf den Teller gehäufelt werden - wir entscheiden uns für Kaisergemüse (Convenience) und Rahmspinat (geschmacklos-fad), aber auch Reis, Dampfkartoffeln und zweierlei Saucen wären großzügig im Angebot
Zubereitungszeit: unbekannt
Abgang: flau
Preis: 4,50 Euro (für Externe)
Bewertung: Geschmacksneutrale, leicht zu schlürfende Speisen ohne Biss und ohne Schmiss! Täuschen wir uns oder trägt der Speiseplan das selbe Logo wie der Klinikverbund Südwest? Wir vergeben dennoch zwei Gnadenpunkte für den absolut günstigen Preis, die ansprechende Präsentation und den sehr freundlichen Service.

Lokalität: Landratsamt Böblingen
Betriebsrestaurant "Meet & eat"
Parkstr. 16
71034 Böblingen

Donnerstag, 28. Juni 2018

Wälderkäse und Ochsenblut ****

 


Dass im Vorarlberg mit die besten Kässpätzle (vulgo: Käsknöpfle) serviert werden, gehört zu den gastronomischen Grunderkenntnissen. Da schlägt das Spätzialistenherz jedes Mal höher, wenn wieder eine kleine Kulturreise ins austriakische Ländle führt.

Das Rote Haus in Dornbirn ist eine Empfehlung der Concierge. Größer könnten die architektonischen Unterschiede kaum sein: hier die amorphe futuristische Blase unseres Hotels, dort das mehrere Jahrhundert alte Traditionsgebäude, das einst im 18. Jahrhundert seinen Schutzanstrich durch rotes Ochsenblut und Ochsengalle erhielt. Heutzutage ist höchstens noch Tafelspitz im Spiel - und das sehr gepflegt auf dem Teller.

Menge: so habhaft und sättigend, dass keine Vorspeise, kein Dessert noch Platz hätten
Spätzle: handgepresste Vorarlberger Knöpfle
Käse: ein rezent würziger Wälderkäse, der einem glatt die Schuhe auszieht
Zwiebeln: sanft angedämpfte Schmelzzwiebeln
Viskosität: überraschend trocken
Beilage: weder das in der Karte ausgewiesene Apfelmus (urrrgghhh!) noch der alternative Kartoffelsalat erscheinen uns angebracht, so dass wir freihändig einen kleinen bunten Blattsalat ordern (Kellner András schaut kritisch über seine Lesebrille: "Passt das denn??")
Zubereitungszeit: Zitat aus der Karte: "Auf Grund unserer über 300 Jahre alten Räumlichkeiten und hieraus resultierenden kleinen Küche, entschuldigen wir uns für etwaige, daraus entstehende Wartezeit."
Abgang: so perfekt, dass nicht mal ein Digetif vonnöten ist
Preis: 14,20 Euro für Käsknöpfle mit Beilage (Möglichkeiten siehe oben)
Bewertung: Ein harmonisches kulinarisches Geschmackserlebnis im historischen Ambiente des sorgsam restaurierten Wahrzeichen Dornbirns. Vinologisch empfehlen wir dazu einen zartschmelzenden Blaufränkisch vom burgenländischen Weingut Gager.

Lokalität: Rotes Haus
Marktplatz 13
A-6850 Dornbirn
Tel. ++43557231555
E-Mail: roteshausdornbirn@gmail.com

Donnerstag, 10. Mai 2018

Zwischen Maibock und Mostschorle ***



Kein Wunder, dass sich der Goldene Adler seit 1876 in den Händen einer Metzgersdynastie befindet: die umfangreiche Speisekarte mit schmückender Schmeck-den-Süden-Zertifizierung dürfte jedes Carnivorenherz höher schlagen lassen! Da ich die letzten Sauren Nierle im letzten Jahrhundert goutiert habe, bleibt mir nur der interessierte Blick auf übervolle Nachbarteller, die vor glänzenden Fleischbrocken und sämiger Soße förmlich überquellen. Sogar die vom Grund her vegetarischen Kässpätzle werden mit Speck angeboten. Ist aber kein Muß!

Dass wenige Hundert Meter entfernt eine nahe Verwandte liegt, der ich bei zahlreichen Hausschlachtungen assistiert habe, setzte den Koinzidenzen noch die Krone auf. Ich erhebe mein überaus leckeres Mostschorle (grandios!) und stoße in Gedanken auf unser aller Wohl an!


Menge:  eine riesige Portion, serviert in einem noch riesigeren tiefen Teller
Spätzle: eindeutig hausgemacht
Käse: vermutlich Emmentaler
Zwiebeln: winzige Stückchen von ledrig-würzigen Röstzwiebeln
Viskosität: kurz zierliche Fäden ziehend, danach eher trocken (der Speck hätte sicherlich für mehr  Geschmeidigkeit gesorgt)
Beilage: der extra dazu bestellte Beilagensalat ist förmlich ein Gedicht: schön knätschiger Kartoffelsalat, zweierlei Möhre (rohe Juliennestreifen und gekochte Scheiben), sauer eingelegte rote Paprika, süsslich marinierter Chinakohl, gehobelte Gurke und Blattsalate in sahnigem Dressing
Zubereitungszeit: kaum länger als eine Viertelstunde
Abgang: trotz gleichzeitigen Konsums von fast einem Liter Mostschorle aus eigener Herstellung ergibt sich keine explosive Mischung, sondern eine angenehme Symbiose
Preis: 8,20 Euro (Kässpätzle) plus 4,00 Euro (Beilagensalat)
Bewertung:  Das Maibockgulasch meines Mitessers, der entzückende Blick auf ein verwunschenes Gärtlein und das nun angenehm reduzierte Ambiente des nach einem verheerenden Brand wiederaufgebauten Gasthofes: das alles hinterlässt wohlige Gefühle. Bei den Kässpätzle würde ich mir eine kleinere Portion, doch dafür mit begleitendem Beilagensalat wünschen.

Lokalität: Goldener Adler
Neckarstraße 5
72160 Horb
Tel. +49 (0) 7451 - 55 29 90
E-Mail: info@goldener-adler-hotel.de

Freitag, 27. April 2018

Die letzten Kässpätzle vor Juist ***


















Eben noch im sonnigen Allgäu - eine Woche später schon an der windumtosten Nordsee. Größer könnte der Kontrast kaum sein! Doch die kulinarische Welt besteht nicht nur aus Matjes und Krabben. Seit 2012 hat sich auf Borkum eine Multi-Kulti-Crew um Osman Kalkinc geschart, die sich  "Genussvoll, wohlschmeckend, heimisch, herzlich, aufmerksam, gastfreundlich" auf die Fahnen (respektive die Speisekarte) geschrieben hat.

Die aufmerksame Gastfreundlichkeit geht so weit, dass sich Chef Osman überraschend an unseren Tisch setzt, um dort die Teelichter anzuzünden und gerne auch unsere Fragen zu beantworten. So erfahren wir, wie die Allgäuer Kässpätzle und das (eigentlich badische) Schäufele auf die Nordseeinsel kommen.

Menge: eher dürftig
Spätzle: der (leider inzwischen verstorbene) aus Ulm stammende Koch hat das Handschaben noch Osmans Söhnen gelehrt - heutzutage wird der Teig aus "Bio-Mehl und Bio-Eiern" aber wohl gehobelt
Käse: laut Karte: Allgäuer Emmentaler
Zwiebeln: die angekündigen Röstzwiebeln muss man leider suchen
Viskosität: die bereits abgekühlt servierten, nur noch lauwarmen Kässpätzle lassen die gewünschte Homogenität wermissen
Beilage: zusammen mit den Kässpätzle werden auf einer länglichen, formschönen Schale aus gelbem Craquelé noch etwas Rucula, Krautsalat, Gurkenscheiben und Apfelspalten angerichtet
Zubereitungszeit: lange 25 Minuten, bei vollem Haus
Abgang: zurück bleibt Hunger und ein schales Gefühl
Preis: das "Spezialitäten-Restaurant" lässt sich nicht lumpen und verlangt 14,90 Euro
Bewertung: Am nordwestlichsten Zipfel Deutschlands haben Kässpätzle eindeutig einen hohen Exotismus-Faktor. Der Kenner wird jedoch einiges an Güte und Menge vermissen. Wir honorieren dennoch den guten Willen und das gehobene Ambiente.

Lokalität: Restaurant Alt-Borkum
Roelof-Gerritz-Meyer Str. 10
26757 Borkum
Tel. +49 4922 2005
E-Mail: info@restaurant-altborkum.de

Samstag, 14. April 2018

Mit Nathan dem Weisen in Weiler ****

















Wer hätte gegenüber des kargen Simmerberger Busbahnhofs ein solch stilvolles, schmuckes Kleinod erwartet? In einem Ensemble von fein renovierten Jugendstilvillen lockt die Villa Lessing nicht nur mit einem prächtigen Garten samt Sonnenterrasse. Jedes Detail des Ambientes, jede Geste der Inhaber und des Services signalisieren: hier darf man sich willkommen fühlen! Viele aufmerksame Kleinigkeiten erfreuen den Gast: adrette Tischläufer, grazile Trinkgläser mit Gravur, fedriges Fenchelgrün als Speisendekoration, frische Handtücher auf den Toiletten.

Auch wenn Lessing der Familienname der Inhaber ist, bleibt anzumerken: heute vor genau 235  Jahren fand die Uraufführung von Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise" statt. Wenn das kein Zeichen ist!

Menge: selbst die kleine Portion (als Sonderwunsch) ist noch enorm und macht pappsatt
Spätzle: gut von einander abgegrenzte Knöpfle
Käse: eine spezielle Ländle-Käs-Mischung aus Vorarlberg
Zwiebeln: Röstzwiebeln mit leicht süßlicher Note (aber leiderleider nur ein Versucherle)
Viskosität: von eher trockener Konsistenz, mit fädenziehendem Käse
Beilage: allein dieser, in einem formschönen Porzellanschiffchen servierte, bunte Salat verdient Höchstnoten: zarte Pflücksalate, knackige Gurkenrechtecke, mit Kreuzkümmel orientalisch gewürzte gelbe Möhren und aromatischer Fenchel werden von einer gelben Blüte frühlingshaft gekrönt
Zubereitungszeit: keine Ahnung - während wir über Architektur, Ornamentik, Natur und Garten staunen, kommt auch schon das Essen
Abgang: erstaunlich sättigend
Preis: 10,50 für die normale und 9,50 Euro für die (auf Extrawunsch) kleine Portion - beides mit gemischtem Salat
Bewertung: Erstklassige Zutaten, küchenhandwerkliches Können, sowie viel Liebe und Kreativität beim Arrangement sorgen für genussvolles Speisen. Gerne hätte ich noch weitere Gerichte neben den vorzüglichen Kässpätzle probiert - allein der täglich wechselnde Mittagstisch bietet genügend Verlockungen! Und wäre nicht auch eine Übernachtung in der adretten Jugenstil-Villa reizvoll?

Lokalität:  Pension Villa Lessing
Bahnhofstraße 14
88171 Weiler-Simmerberg
Tel. 08387 / 463
E-Mail: info@pension-villa-lessing.de

Freitag, 13. April 2018

Wirtshaus mit Bettstatt ****

















Nur knapp verpassen wir das Highlight der Woche, den tradtionellen Kässpatzenabend jeden Donnerstag.  Das bedeuet: Show-Cooking in der Gaststube und bedenkenloses All you can eat. Davon schwärmen sogar die Eingeborenen.

Schon allein die malerische Fahrt nach Akams toppt visuell das morgendliche Alpenpanorama auf 3SAT. Auch das schmucke Wirtshaus in der Ortsmitte könnte geradewegs einem Landlust-Magazin entsprungen sein. Und man spürt: die feschen Dirndl der aufgeweckten Service-Damen sind keinesfalls pure Staffage, sondern gelebte Heimatverbundenheit.

Menge: so viel, wie in eine traditionelle hiesige Keramikschüssel passt (= nicht zu bewältigen!)
Spätzle: von Hand gehobelte Knöpfle
Käse: ein beeindruckend kräftiger, ungeheuer herzhafter  Diepolzer-Käserei-Mix aus Bergkäse, Emmentaler und - an bestimmten Tagen - Limburger. Und jawoll, wir haben genau einen bestimmten Tag erwischt!
Zwiebeln: reichlich krosse Röstzwiebeln, von denen man am liebsten ein Pfund mitnehmen würde
Viskosität: cremig-kompakt
Beilage: dieser traurige, wässrige, geschmacklose Beilagensalat aus einigen Kopfsalatblätter und einer Alibi-Tomate ist das einzige Ärgernis
Zubereitungszeit: kaum mehr als 10 Minuten
Abgang:  die zutiefst glücksbringende Sättigung wird nur noch durch einen Schlehengeist aus der Selection45 der der Sulzberger Allgäu-Brennerei versüsst
Preis: 9,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hier stimmt einfach alles: zünftiges Ambiente im gehobenen Landhausstil, entwaffnend herzlicher Service und absolut großartige Kässpätzle. Einen Punkteabzug gibt nur der Beilagensalat, der leider weit unter dem hiesigen Niveau rangiert. 

PS. Den Posttitel haben wir der farbenfrohen Serviette entnommen.

Lokalität: Wirtshaus "Zum lustigen Hirsch"
Akams 3
87509 Immenstadt im Allgäu
Telefon +49 (0) 8323 49 15
E-Mail: info@lustiger-hirsch.de

Montag, 2. April 2018

In Kürze: ohne Würze ***
















Oberlengenhardt muss man erst mal finden - wenn man nicht zufällig zu Fuss auf dem Heidelbeerweg unterwegs ist. Glücklicherweise können wir heute als Local Guide und Chauffeur einen Freund gewinnen, dessen überraschende Ortskenntnisse noch auf Erfahrungen der 80er Jahren des letzten Jahrhunderts basieren. Aber die sind fundierter als jegliche GPS-Koordinaten!

Wer vom still und ruhig gelegenen Landgasthof Ochsen übrigens nicht mehr heimfinden sollte, kann hier auch übernachten. Doch auf der Homepage wird gemahnt: "Stellen Sie sich aber auf jeden Fall den Wecker, denn unsere Betten sind so gemütlich, dass Sie vielleicht gar nicht mehr aufstehen möchten."

Menge: die beachtliche Portion wird direkt im gusseisernen Pfännle an den Tisch gebracht - Reste werden gerne eingepackt
Spätzle: leider vollkommen geschmacksneutral
Käse: was uns hier als Bergkäse propagiert wird, zieht zwar ansehnliche Fäden, hat jedoch keinerlei Aroma und Würze
Zwiebeln: crispy Röstzwiebeln, von denen wir gerne noch mehr gehabt hätten
Viskosität: fädenziehend (s. Käse)
Beilage: am Salatbüffet darf man sich eine grosse Schale nach eigenem Gusto selbst befüllen, z.B. mit Kartoffelsalat, Blattsalaten, fein gestifteltem Rettich, noch feiner geriebenen Möhren, Krautsalat, Gurkensalat, Maiskörnern, Artischockenböden, Croutons, Kürbiskernen, Leinsamen
Zubereitungszeit:  überraschend kurz und zudem mit einem Gruss aus der Küche schnell überbrückt
Abgang: leider etwas schal und unbefriedigend - ein geheimnisvoller Moor-Birnen-Brand sorgt für den letzten Kick!
Preis: 11,80 Euro (inkl. Salat vom Büffet)
Bewertung: An der ambitionierten Speisekarte und dem Engagement des Services lässt sich ein deutlich höheres Niveau erahnen, als wir letztendlich auf unserem Teller vorfinden. Die Kässpätzle sind leider derart geschmacklos, dass auch reichlich Pfeffer und Salz dieses doch optisch hübsche Arrangement nicht mehr retten können. War der Koch heute einfach undisponiert und nicht ganz bei der Sache?

Lokalität: Landgasthof Hotel Ochsen
Burgweg 3
75328 Schömberg-Oberlengenhardt
Tel. +49 7084 927950
E-Mail: info@landgasthof-ochsen.de


Sonntag, 11. März 2018

Üppiges Gastmahl ****
















Die Erfahrung zeigt: je mehr man sich in Richtung Allgäu oder Vorarlberg bewegt, desto schmackhafter werden die Kässpätzle und desto intensiver nähern sie sich meinem favorisierten Idealzustand an.

Auch wenn die Zeppelinstadt Friedrichshafen noch kaum auf meiner imaginierten Kässpätzle-Landkarte verzeichnet ist, reise ich neugierig an. Eine aktuelle Kunstausstellung und das längst überfällige Treffen mit alten Freunden ist Anlass genug! Den einheimischen Freunden ist dann auch die Empfehlung dieses hervorragenden, fast bis zum letzten Platz belegten, recht zünftigen Restaurants zu verdanken. Kein Wunder, wurde es doch nach einem römischen Feldherrn benannt, der für seine üppigen Gastmahle bekannt war...


Menge: eine kaum zu bewältigende Portion, formschön im gusseisernen Pfännle serviert
Spätzle: natürlich hausgemacht (und das schmeckt man!)
Käse: eine höchst gelungene, rezente Mischung aus 65% Bergkäse und 35% Emmentaler von der Sennerei Bremenried aus Weiler im Allgäu
Zwiebeln: jede Menge crispy Röstzwiebeln
Viskosität: saftig-knusprig
Beilage: leider keine - ein extra Beilagensalat (z.B. nach Reichenauer Art) kann jedoch dazu bestellt werden
Zubereitungszeit: eine geschätzte Viertelstunde
Abgang: wohlig
Preis: 9,90 Euro
Bewertung: Höchst schmackhafte Kässpätzle, sehr ansprechende Präsentation, rustikales Ambiente und ein überaus freundlicher Service machen dieses Essen zum Genuss. Lediglich ein fehlender Beilagensalat verhindert die Vergabe der Höchstpunktzahl.

Lokalität: Lukullum
Friedrichstraße 21
88045 Friedrichshafen
Tel. +49 (0) 75 41 68 18
E-Mail: info@lukullum.de

Donnerstag, 8. März 2018

Unter Hauben und Sternen *****

 

Wallfahrt in den Wanderhimmel und das Haubenparadies. Wenn ein befreundeter Wirtschaftskundler einen runden Geburtstag begeht, kann man den schon mehrfach feiern. Und das nicht zu sparsam...

In der urigen, rustikalen Bauernstube der Traube Tonbach habe ich vor gefühlt einer Dekade bereits sensationelle Käsespätzle gegessen. Ob das wiederholbar ist? Auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin, zaubert der Küchenchef Florian Stolte eine neue Interpration meiner Leibspeise, obwohl sie derzeit nicht auf der Karte steht. Zusammen mit einem prickelnden Hausaperitiv, aromatischen Hors d´Oeuvres (winzige Quiches, sahniger Kräuterquark, deftiges Griebenschmalz) und liebreizendem Konfekt zum Digestiv ergibt dieses Mittagsmahl ein unvergessliches Geburtstagsarrangement. Dermaßen gestärkt hält unser Freund sicherlich weitere 10 Jahre durch!

Menge: schlichtweg die Idealportion
Spätzle: habhaft
Käse: Emmentaler pur
Zwiebeln: knackige Röstzwiebeln als Topping
Viskosität: Spätzle, Käse und mikroskopisch feingehackte Kräuter vermengen sich herrlich homogen
Beilage:  ein extra georderter Beilagensalat aus megafrischen Blattsalaten und aromatisch würzigen Rettichstiften in delikatem Dressing
Zubereitungszeit: circa 20 Minuten, die mit einem formidablen Gruß aus der Küche und nach Wunsch mit einer Vorspeise sehr angenehm verkürzt werden
Abgang: dank 4cl Zibärtle aus dem Hause Scheibel ganz vorzüglich
Preis: 12,00 Euro (Käsespätzle) plus 6,00 Euro (Beilagensalat)
Bewertung: Für mich ein lang ersehntes Revival der besonderen Art! Hochwertige Zutaten, eine qualitätsvolle Zubereitung und ein höchst aufmerksamer Service sorgen für ein genussvolles Erlebnis!

Lokalität: Traube Tonbach
Tonbachstraße 237
72270 Baiersbronn
Telefon : +49 7442 492-0
E-Mail : reservations@traube-tonbach.de

Donnerstag, 22. Februar 2018

Fenster zum (Bechtle-)Hof ****

 


Waldhäuser Ost war für mich immer die am häufigsten besuchte Ecke meiner Geburtsstadt. Dort wohnten entfernte Verwandte, dort lockte der Botanische Garten. Spannend wird es, wenn man in die unbekannten Tiefen des alten Fleckens Waldhausen vordringt: hier dampfen noch die Misthaufen, hier stapfen noch die Ackergäule durch das Dorf.

Wer mit etwas mehr PS anreisen möchte, kann den aussichtsreichen Feldweg allerdings nur wochentags passieren. Sonntags sind hier zu viele Spaziergänger mit akademischen Hintergrund unterwegs. Der Waldhäuser Hof hatte sicherlich nicht immer eine gastronomische Nutzung. Auch heutzutage blickt man von Terrasse und Fenster erst mal auf landwirtschaftliche Betriebe, einen Hofladen, eine Milchzapfanlage.

Menge: eine nicht zu bewältigende Riesenportion - für solche Fälle wird gleich auf der ersten Seite der Speisekarte eine Mitnahmebox für 1,50 Euro angeboten
Spätzle: die sind dermaßen hausgemacht, dass sogar der Teig von Hand geschlagen wurde (nicht unerheblich, wie ich von meiner Mutter weiß!)
Käse: ein Bergkäse mit einer Mischung von speziellem Spätzleskäs (Emmentaler, Gouda, Parmesan) - gibts beim Edeka!
Zwiebeln: kross gebräunte Röstzwiebeln in zweierlei Aggregatzuständen
Viskosität: der Käsemix zieht wundervolle Fäden, geradezu lehrbuchmäßig
Beilage:  so stellt man sich den idealen Beilagensalat vor: eine ehrliche, authentische Mischung aus ultrafrischen Blattsalaten, würziger Kresse, erdverbundener Möhre
Zubereitungszeit: die wird uns von einem wohlschmeckenden "Gruß aus der Küche" (Bauernbrot mit Kräuterfrischkäse) verkürzt - wär gar nicht nötig gewesen: der Briefkasten befindet sich direkt vor der Haustüre
Abgang: dank eines Haselnussbrands mit betörendem Nutella-Aroma aus dem Hause Theurer (5,60 Euro) ganz problemlos
Preis: 11,50 Euro
Bewertung: Wohlschmeckende, klassische schwäbische Küche auf hohem Niveau, mit hochwertigen Zutaten und authentischer Zubereitung. Aufmerksamer, entspannter, auskunftsfreudiger Service. Empfehlenswert als Ausflugsziel!

Lokalität: Waldhäuser Hof
Waldhausen 9 
72076 Tübingen
Tel: 07071 - 95 94 175
E-Mail: restaurant@waldhaeuserhof.de

Montag, 19. Februar 2018

Nunc est bibendum ***

 


Es bedarf schon gewiefter Recherchen, um am Mittelrhein - und zudem zur besten Fastenzeit! - ein zünftiges Lokal mit Allgäuer Kässpätzle im Angebot zu finden. Zwar ist dem Rheinländer an sich ein Brauhaus nicht fremd, doch dort sind eher Halver Hahn und Reibeküchlein angesagt.

Das Bonner Wirtshaus Salvator wirkt wie geradewegs vom Münchner Marienplatz hergebeamt, inclusive Schweinshaxen und Starkbier. Die kernigen bayrischen Sprüche an den Wänden werden allerdings noch von einer Reminiszenz an die römische Vergangenheit von Bonna getoppt: Nunc est bibendum - später auch als beliebter Trinkspruch in studentischen Verbindungen benutzt!

Menge: eine immense Portion, an der ich - trotz mächtigem Hunger - letztendlich doch scheitere
Spätzle: vollmundig, vollschlank, mollig
Käse: das Servicemädel federt energiegeladen zur Küche und kommt mit erstaunlichem Resultat zurück: verwendet wird ein Emmentaler der Marke "President"  (mengenmäßig gefühlt ein 500-Gramm-Klotz)
Zwiebeln: grob geschnittene und würzig gebräunte Zwiebelscheiben (vermutlich von überdimensionalen Gemüsezwiebeln)
Viskosität: von breiig-rahmiger Suppenkonsistenz
Beilage: ein vom Sahnedressing förmlich etränkter, ansonsten geschmacksneutraler und nicht sehr ideenreicher Beilagensalat
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: fühle mich um mindestens 2 Kilo schwerer
Preis: 9,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: So beeindruckend die schiere Menge und so deftig der Käse, so ambivalent war doch der Service und geradewegs grottenschlecht der Salat.

Heinrich Knieps 
In der Sürst 5-7
53111 Bonn
Tel: 0228/94499200
E-Mail: info@salvator-bonn.de

Donnerstag, 15. Februar 2018

Von hinten Lyzeum, von vorne Museum ***

















Nach langer Krankheit und Appetitlosigkeit treibt uns die Rekonvaleszenz nun erstmals wieder in die Gasthäuser. Welche Stadt könnte - Gesundung und Genesung betreffend - heilsamer sein als mein Geburtsort Tübingen?

Die Klientel des Restaurant Museum bewegt sich altersmäßig in ebenselbigem - durchsetzt von einigen Nadelstreifen-Jung-Honoratioren beim Business-Lunch.  Hier muss ich mir an  meinem Katzentisch erst mal entsprechenden Respekt verschaffen. Nachdem dies gelungen ist, dienert sich die übereifrige Servicedame so bemüht und devot davon, dass man ihr am liebsten mal den Blutdruck messen würde. Der meinige entspannt sich auf jeden Fall verlässlich, nachdem die Speisen endlich auf dem Tisch sind. 

Menge: was erst mal beschämend dürftig aussieht, entpuppt sich zusammen mit einem üppigen Salat vom Büffet als nachhaltig sättigend
Spätzle: selbstredend hausgemacht
Käse: der ideale Mix aus Bergkäse und Emmentaler
Zwiebeln: grazil geschnittene Ringe von Frühlingszwiebeln
Viskosität: ein homogenes Spätzle-Käse-Konglomerat
Beilage: vom vielseitigen Salatbüffet nehme ich mir: erstaunlich aromatische Tomatenscheiben / kleine Abschnitte von frischem grünen und weißen Spargel / einen herrlich lauwarmen, knätschigen Kartoffelsalat / knackig-scharfen, gestiftelten Rettich / einen fruchtigen Krautsalat mit unterschwelligem Apfelaroma / sämige, weiße Dicke Bohnen / Kidneybohnen in Cocktailsauce / Mozzarellastückchen
Zubereitungszeit: nach übermäßig langer Wartezeit auf die Annahme der Bestellung flutscht es dann gewaltig und die Spätzle landen binnen 5 Minuten auf dem Tisch
Abgang: etwas grummelig, was sicherlich meiner noch instabilen Gesundheit geschuldet ist
Preis: 12,50 Euro (inklusive Salat vom Büffet)
Bewertung: Gehobene schwäbische Küche mitten in Tübingen. Durch den sichtlich hohen Stammgastanteil hat man sich als "Reig´schmeckter" erst mal seinen Platz zu erkämpfen. Die Kässpätzle bewegen sich nur preislich im oberen Segment.

Lokalität: Restaurant Museum
Wilhelmstraße 3
72074 Tübingen
Tel 07071-22828
info@restaurant-museum.de

Donnerstag, 4. Januar 2018

Kulinarische Reise gen Osten ***

 
















Wer im Lift nach oben noch einen Nina-Hagen-Song auf den Lippen hat ("Dann lagen wir auf der Veranda übereinander"), wird beim Betreten des Lokals staunend verstummen. Das Interieur verbreitet internationales Flair, die Dachterrasse bietet einen ungeahnten Ausblick auf den nahen Schönbuch. Das alles am Rande eines schnöden Industriegebietes - doch mit "russischer Gastfreundlichkeit, ukrainischer Fröhlichkeit und mit kaukasischem Flämmchen" (Zitat Homepage).

Von östlichem Charme zeugt auch die umfangreiche Speisekarte, die solch wundersame Gerichte wie "Hering unter Pelzmantel", "Kamtschatka Schmetterling" oder "Vogelmilch-Torte" offeriert. Wie sich Kässpätzle unter diese exotischen Gerichte verirren konnten, ist selbst dem Service rätselhaft. Doch wir ergreifen mutig die Chance, nach in der Vergangenheit goutierten griechischen und türkischen Interpretationen meiner Leibspeise, nun auch eine russische zu probieren.

Menge: überschaubar
Spätzle: in dieser Form einzigartig westlich des Urals
Käse: die beflissene Servicedame wusste zwar nichts zum Käse zu berichten, konnte jedoch mehrere Rezept-Varianten eines Bratapfels (unser Dessert!) empfehlen
Zwiebeln: Sonderpunkte für den Seltenheitswert: herzhafte, vermutlich in Rotweinessig gedünstete Zwiebelstreifen
Viskosität: flaumig-samtig, mit suppigem Charakter
Beilage: ein knackig-frischer Beilagensalat mit Spinatblättern, grünen Blattsalaten, Gurkenscheiben und fein geraspelten Möhren - dazu leckeres Gebäck mit Kartoffel-Ei-Füllung
Zubereitungszeit: ruckizucki in kaum 15 Minuten
Abgang: leicht, magenfreundlich
Preis: überaus günstige 6,00 Euro als Mittags-Menü (inklusive Beilagensalat und Gebäck)
Bewertung: Dass Kässpätzle vermehrt Eingang in die internationale Küche finden, erfreut unser schwäbisches Gemüt. Doch beim nächsten Veranda-Besuch werden wir uns wieder experimentierfreudiger geben. Wie wärs mit "Zeppelin weissrussischer Art"?

Lokalität: Restaurant Veranda
MWM GmbH & Co. KG
Max-Eyth-Str. 35
71088 Holzgerlingen
Tel. : +49 7031 77825-27
E-Mail:  info@mwm-group.eu