Sonntag, 23. August 2020

Spätzle im Duett ***



 

 

 

 

 

 




Wieder einmal beweist sich Hausfreund Mike als verlässlicher Tippgeber und Co-Tester. In der altbekannten Sindelfinger Traditonswirtschaft Bierstadel hat der bisherige Patron Manne nach fast 40jährigem Einsatz den (Koch)Löffel abgegeben. Dass einer seiner Nachfolger - Besnik Gashi - zuletzt auf der Nordseeinsel Borkum am Herd stand, verwundert nicht. Durften wir kurz vor Juist doch die bislang nördlichste Kässpätzle-Variante testen. 

Im Sindelfinger Bierstadel indes wagt man keine Experimente und weicht nicht vom altbewährten Muster ab: Spätzle und Pfännle gehen immer. Kässpätzle-Fanatiker finden gleich zweierlei Dareichungsformen. Mal puristisch mit einem Beilagensalat, mal gemüsig aufgemotzt als "Marktpfännle".

Menge: passt!
Spätzle: zur äußeren Gestalt von breiten Nudeln tendierende Fertigware
Käse: eine nicht alltägliche Mischung aus Emmentaler, Gouda und Mozzarella
Zwiebeln: zu lätschig und zu wenig
Viskosität: geschmeidig und smooth
Beilage: mal mit einem kleinen bunten Beilagensalat, mal mit sahnigen Rahmchampignons und TK-Gemüse angereichert
Zubereitungszeit: überraschend kurz
Abgang: erst locker-flockig, später zunehmend beschwerlich
Preis: 11,20 Euro (mit Beilagensalat) / 11,80 Euro (mit Gemüse und Champignons als Marktpfännle-Gebinde)
Bewertung: Beide gefällige Mainstream-Varianten dürften die größtmögliche Schnittmenge aller Erwartungen bedienen: optisch hübsch angerichtet, geschmacklich ohne Extreme und Ausreisser. Doch nur Mut - wir wären auch Experimenten durchaus aufgeschlossen!
 
Lokalität: Restaurant Bierstadel
Pfarrwiesenallee 16
71067 Sindelfingen
Tel. 07031/8039-99
E-Mail: mail@bierstadel.de

Sonntag, 9. August 2020

Verwöhnen auf Bayrisch *****

 














Unversehens erweist sich eine Tour nach München als perfektes Spätzles-Schlemmerwochenende - und das in einem Jahr, das fast schon kulinarisch abgeschrieben war. Nach dem bislang heißesten Tag des Jahres heizen die Hundstage weiterhin ein und verwandeln einen schattigen bayrischen Biergarten zum idealen Aufenthaltsort. Auch wenn schon etwas Mut dazu gehört, bei Temperaturen um die 30 Grad der hochkalorischen Kässpätzlepassion zu folgen.

Menge: diese Portion übersteigt bei weitem mein Fassungsvermögen
Spätzle: zu herzhaften Knöpfle tendierende Hausmacherware
Käse: leider wurde auch der rustikale Bergkäse mit Sahne versetzt
Zwiebeln: superkross, superwürzig und wahrlich nicht zu wenig
Viskosität: zartschmelzend mit sahnigem Unterton
Beilage: ein knackig frischer Beilagensalat mit stückig geschnittener Paprika, Tomate, Gurke und Zwiebel, von Frisée-Salat gekrönt
Zubereitungszeit: geschätzte 20 Minuten
Abgang: ein wundervoller, nougatfülliger Haselnussgeist aus der Zamdorfer Hausbrennerei (4,50 Euro) streichelt den strapazierten Magen
Preis: 13,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Eine höchst charmante Bedienung und ein gepflegter Biergarten mit Kastanienbäumen runden den (fast) perfekten Kässpätzlesgenuss ab. Dass man in dieser Gegend gern zur Sahne greift, verzeihe ich generös.

Lokalität: Wirtshaus Zamdorfer Biergarten
Schwarzwaldstraße 2a
81677 München
Tel.: +49 89 916 921
E-Mail: info@wirtshaus-zamdorfer.com

Samstag, 8. August 2020

Reindl im Rohr ****


















Auf dem Weg von der Firma Rohi zum Münchner Moosfeld ist gegen einen Genuss-Abstecher bei Familie Rohrmoser nichts einzuwenden. Die haben nicht nur eine Reindl im Rohr, sondern eine Vielzahl bodenständig-bayrischer Schmankerl im Angebot. Fast ist man versucht, sich der Heilkraft des hiesigen Kurortes hinzugeben und seinen erhitzten Leib in einem der schmucken Gästezimmer der Reindlschmide abzulegen, wenn nicht weitere Missionen locken würden.

Menge: eine gewaltige Portion, bei der selbst ein hungriger Schmied passen müsste
Spätzle: hausgemachte Spatzen
Käse: Emmentaler mit reichlich Sahne
Zwiebeln: die knusprigen Röstzwiebeln können kaum leugnen, dass sie herzhaft in Mehl gewendet wurden
Viskosität: nach meinem Gusto etwas zu cremig-schlüpfrig
Beilage: trotz des günstigen Preises und der erschlagenden Spätzlemenge wird noch ein bunt gemischter Beilagensalat mit zusätzlichem Sahnedressing gereicht
Zubereitungszeit: rund eine Viertelstunde - und das bei einem proppevollen Biergarten
Abgang: es rumpelt und pumpelt gewaltig
Preis: haarscharf kalkuliert und knapp unter der magischen 10-Euro-Grenze liegend: 9,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Trotz der Überdosis Sahne (der ich mit einem Willi zu Leibe rücke) begeistern das sommerliche Biergartenambiente, die fixe Bedieung, der unschlagbare Komplettpreis - und nicht zuletzt der Genuss eines lange vermissten Leibgerichts.

Lokalität: Landgasthof Reindlschmiede
Familie Rohrmoser
Reindlschmiede 8
83670 Bad Heilbrunn
Tel.:  08046/285
E-Mail: info@reindlschmiede.de

Freitag, 24. Juli 2020

#venividivorarlberg *****





























Je länger die Hungerstrecke der erzwungenen Enthaltsamkeit, desto größer die Vorfreude auf das lang ersehnte Highlight. Doch schon der Weg ist das Ziel. Tatsächlich bedarf es 5 verschiedener Verkehrsmittel, 6 Stunden Fahrtzeit, 3 Mitreisender und 1 Grenzübertritt bis zum Aufstieg in den legendären Vorarlberger Käsknöpflehimmel, vulgo Jagdgasthaus Egender.

Das Geheimnis der regionalen Spezialität? Der würzige hiesige Bergkäse dürfte seinen unvergleichlichen Geschmack den saftigen Bergwiesen und dem Umstand verdanken, dass Schönenbach in einer der niederschlagreichsten Regionen Europas liegt. Selbstverständlich setzt der Regen während unseres Aufenthalts weiträumig aus und wir können - dank den glücklichen Interventionen unserer Organisatorin und Reiseleiterin Sabine - hochsommerliches Wanderwetter genießen.

Menge: der rustikale hölzerne Trog fasst vier großzügige Portionen
Spätzle: natürlich griffige Knöpfle, wie es hier üblich ist
Käse: eine gelungene Mischung aus örtlichem Bergkäse in dreierlei verschiedenen Reifegraden und einem Räßkäse
Zwiebeln: Crispy Röstzwiebeln im Übermaß
Viskosität: geschmeidig
Beilage: mit einem bunten Beilagensalat (Blattsalate, Tomate, Rettich, Weißkraut) flutschen die Käsknöpfle noch viel besser
Zubereitungszeit: im Handumdrehen
Abgang: die Konsultation der reizvollen Digestifkarte ist angebracht
Preis: 14,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Die Egender´schen Kässpätzle haben derartigen Kultcharakter, dass sie in jedem Reiseführer, Blog und Tourenplaner als (Geheim?)Tipp gehandelt werden. Vollkommen zu Recht! Eine Tischreservierung ist empfehlenswert, eine Übernachtung in einem der urwüchsigen Zimmer des Gasthauses ein unvergessliches Erlebnis.

Lokalität:  Jagdgasthaus Egender
Schönenbach 342
6870 Bezau
Tel. +43 5514 2888
E-Mail: info@jagdgasthaus-egender.at

Sonntag, 26. April 2020

Essen auf Rädern ***

















Wo einst Klemm´sche Leichtflugzeuge und Linienflüge für den Postverkehr starteten, schwärmt in Corona-Zeiten eine motorisierte Armada für den Essenslieferdienst aus. Nachhaltig, umweltbewusst und ohne soziale Kontakte - wie die Homepage des Check Inns vollmundig wirbt.

So erliegen auch wir in unserer "Splendid Isolation" dem Lockruf der Genüsse. Ermässigungen gegenüber der Standardkarte und ein kostenloser Bringdienst erweichen das Schwabenherz obendrauf. Wer weiss, wie lange uns der Shutdown noch zu solchen Übersprungshandlungen verleitet?


Menge: eine ansprechende, mehr als ausreichende Portion
Spätzle: schlank und soft
Käse: könnte Emmentaler sein
Zwiebeln: die angekündigten "Crunchy-Zwiebeln" scheinen sich auf den zusätzlich bestellten Roastbeef-Salat verirrt zu haben - dafür findet sich der dort annoncierte "junge Lauch" auf den Kässpätzle wieder
Viskosität: cremige Textur
Beilage: ein überraschend frischer, säurebetonter und vielseitig komponierter Beilagensalat aus Lollo Rosso, halbierten Cocktailtomaten, ausgehöhlten Gurkenscheiben, knackigen Sojasprossen - wobei Quinoa und Kürbiskerne für den Crunchy-Faktor sorgen, der andernorts fehlt
Zubereitungszeit:  unbekannt
Abgang: gefällig, angenehm und lange sättigend
Preis: 12,00 Euro (inklusive Beilagensalat) im Lieferservice
Bewertung: Die Herausforderungen eines Lieferdienstes werden mit Bravour gemeistert. Alle Bestandteile landen sauber verpackt, adrett arrangiert und fast termingerecht vor unserer Haustüre. Nur die ausgesparten sozialen Kontakte fehlen dann doch ein bisschen.

Lokalität: Check Inn Foodport
Liesel-Bach-Straße 10
71034 Böblingen
Tel. 07031/2053200
E-Mail: kontakt@check-inn.events

Dienstag, 11. Februar 2020

Ist denn schon Valentinstag? ***

 
















Hausfreund Mike, ausgewiesener Wirtschaftswissenschaftler, sowie langjähriger Weggefährte, Tippgeber und Co-Spätzialist, lädt in unregelmäßigen Abständen zum Heimspiel ein.  Drei Tage vor dem Fest der Liebe folgen wir erneut seinem Lockruf an den gepflegt dekorierten Esstisch. Nicht ohne eine gewisse Spannung: liegen unsere letzten Testessen (siehe hier und hier) doch schon etliche Jahre zurück.

Menge: zusammen mit diversen Nachspeisen mehr als ausreichend
Spätzle: aus extra Spätzlesmehl und feingemahlenen Steinpilzen handgefrickelte Hausmacherware - vermutlich wieder unter Einsatz der legendären Spätzleria
Käse: eine einzigartige Mischung aus Cheddar, Bergkäse und Emmentaler
Zwiebeln: skurril in Mehl gewendete und sehr crispy gebratene Onion Rings
Viskosität: tendenziell immer noch zu trocken und leider erst beim letzten Rest zu einer homogenen Melange zusammenschmelzend
Beilage: quasi aus dem Nichts heraus haben die geladenen Gäste einen ansprechenden Salatteller mit würzigen Blattsalaten, knackigen Radieschen, kräuterigem Kartoffelsalat und winterlichen Sprossen gezaubert
Zubereitungszeit: unbekannt
Abgang: nach einem kombinierten Dessert aus Negerkuss, Schokoladenkuchen und Eierlikör ist insgesamt ein robuster Magen gefragt
Preis: kostenlos, aber nicht umsonst
Bewertung: Außergewöhnliche Zutaten und wechselnde Variationen in der Zubereitung lassen einen nie versiegenden Ehrgeiz erkennen. Weiter so - wir kommen wieder!

Lokalität: Michael Kurt Beichert
Brandenkopfweg 14
1. Stock
71067 Sindelfingen
Telefonnummer und Mailadresse auf Anfrage

Donnerstag, 6. Februar 2020

Spätzle unter Arrest ***

















Mit NRW-Besuch im Schlepptau durchkämmen wir das vorabendliche Kirchheim auf der Suche nach bodenständiger Schwabenküche. Die Empfehlung einer Passantin führt uns zu einem vereinigten Pizza-Pasta-Spätzle-Kombinat, dessen einladender Service und aussergewöhnliche Historie unsere anfänglichen Bedenken jedoch aufzuheben scheinen. Wann diniert man schon mal in einem ehemaligen Polizeirevier?

PS. Fast wären wir mit unserem Bärenhunger wieder hier gestrandet.

Menge: hier muss sogar der hungrige Gourmand passen!
Spätzle: bestimmt nicht handgeschabt
Käse: leider 0815-Emmentaler
Zwiebeln: aromatisch und schön lätschig geschmälzt
Viskosität: zu trockener Festigkeit tendierend
Beilage: ein Beilagensalat, der mit seinen frisch gehobelten Blaukrautstreifen, den zarten Salatblättern und der sämigen Vinaigrette deutlich den Bewertungsschnitt hebt
Zubereitungszeit: keine Viertelstunde
Abgang: zieht mir am Abend komplett den Stecker und sorgt für lang sedierenden Tiefschlaf
Preis: 9,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Auch wenn die Riesenportion samt schmackhaftem Salat löblich unter der magischen 10-Euro-Grenze bleibt, enttäuscht die fade Adrettheit der Fertigspätzle.

Lokalität: Altes Wachthaus
Marktstr. 56
73230 Kirchheim unter Teck
Tel. 07021/42666
E-Mail: info@altes-wachthaus.de