Mittwoch, 9. August 2017

Rustikale Ranch ***


Verkehrte Welt: während wir noch letzte Woche echt Allgäuer Kasspatzen im vermeintlich griechischem Ambiente goutiert haben, wird nun das ferne Allgäu ins hiesige Heckengäu zitiert.

Ansonsten bietet das Renninger Golfer- und Reiterstüble Hippocampus 1a schwäbische Speisen, über die noch meine Eltern jubiliert hätten (Ochsenmaulsalat, Luggeleskäs, Linsen und Spätzle...) Auch das Ambiente erinnert stark an die Ranch von Onkel Bernhard, inklusive Pferdekoppel und holzlastiger Gemütlichkeit. Grund genug, um mich erst mal wohl und heimisch zu fühlen.

Menge: sooo viel hätte es nicht sein müssen: selbst mit Mithilfe meines Begleiters war diese Portion nicht zu schaffen
Spätzle: diese zerkochte, überweiche Masse erinnert vage an Grießbrei
Käse: ausgiebige Fäden ziehend - und das nicht zu sparsam!
Zwiebeln: die angekündigte Zwiebelschmelze ist feingehackt und von hellblonder Farbe
Viskosität: auch wenn "die Frau vom Chef und Servicekraft" versichert, dass so nun mal Allgäuer Kässpätzle seien, mag ich mich mit dieser weichen, breiartigen Substanz nicht so recht anfreunden
Beilage: ein ordentlicher, vielseitiger Beilagensalat aus: Blatt- und Kartoffelsalat mit Möhre, Tomate, Gurke, Radieschen
Zubereitungszeit: etwas über eine Viertelstunde
Abgang: nur mit geöffnetem Hosenknopf schaffe ich es nach Hause
Preis: 9,20 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Rustikaler Ort für alle Pferde- und Naturfreunde, Schnitzel- und Hausmannskostliebhaber. Nur die Interpretation meiner Leibspeise traf nicht komplett meinen Geschmack.

Lokalität: HIPPOCAMPUS
Kriegsbäum 2
71272 Renningen
Tel: +49 160 91 34 82 74
E-Mail: awullinger@yahoo.de

Von Kasspatzen und Schafkopfen **


 
Die Abgeschiedenheit des Allgäuer Ortes am Rottachsee schreckt uns kaum. Auch nicht das durchlebte Ambiente der 60/70er Jahre. Dieses Gastlokal hat seine besten Touristenströme bereits um unzählig servierte Schweinsbraten schon hinter sich.
 
Menge: Minipfännle, Portion "Gesamtschule" (nicht zu viel, am Nachmittag findet schließlich noch Unterricht statt), nix für Hungrige, doch für Testesser (mit Hang zum nur mal "schnabulieren")
Spätzle: für unsereins eindeutig Knöpfle. Man beharrt: "Knöpfle sind doch Spätzle!"
Käse: "Ha, Emmentaler! Und was wir so an Resten haben." Die Reste sind heute eindeutig ausdrucksloser Emmentaler.
Zwiebeln: heißen hier Schnittlauch, sind überschaubar per Handstreich der Portion angeglichen flugs darüber geweht
Viskosität: nicht vorhanden, weil Knöpfle
Beilage: Sauereingelegtes dem Lagereimer entnommen, plus Kopfsalat, müde gewürzt
Zubereitungszeit: halb Liter Bier für Durstige (15 Minuten)
Abgang: nach etwa einer Stunde, von dort, wo wir herkamen - durch die Eingangstür
Preis: der überschaubaren Leistung angemessen: 6,80 Euro
Bewertung:  Hier ist das alt tradierte Allgäu noch in Ordnung. Ältere Herrschaften des Ortes treffen sich mittags unterm Rehgeweih zur halben Maß und zum Schafkopfen. Sonst können wir leider keine weiteren Trümpfe im Lokal entdecken. Außer, dass das große Peststerben (von 1635) fast 400 Jahre vorüber ist.

Lokalität: Gasthof Pension Löwen
Schachenstraße 1
87466 Oy-Mittelberg / OT: Petersthal

Tel: 08376/929784

Montag, 31. Juli 2017

Reise in den Süden ****

















Schluss mit der Sommerpause - rein ins hochkalorische, herzhafte Vergnügen! Nach über 6 Wochen Abstinenz lockt das Allgäu als ausgewiesenes Kässpatzen-Land. Doch am Zielort erst mal tote Hose. Das verschlafene Wertach war vielleicht in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein touristischer Hotspot. Heutzutage muss man lange durch die Straßen cruisen, um überhaupt mal ein offenes Lokal zu finden.

Optisch würde man den Olivenbauer eher in südländischen Gefilden verorten, doch die Speisekarte rubriziert unter "Heimweh" eine ganze Reihe Allgäuer Spezialitäten. Erleichtertes Aufatmen! Also müssen wir den Hunger doch nicht mit Pfannengyros und Tsatsiki stillen.

Menge: diese Riesenportion ist selbst für einen hungrigen Gourmand nicht zu annähernd schaffen - gottseidank packt der Service in weiser Voraussicht gleich die Reste ein
Spätzle: mollige, knöpfleartige Exemplare
Käse: vollmundiger, würziger Bergkäse mit Emmentaler
Zwiebeln: selbstgemachte knackig-krosse Röstzwiebeln zum Sattessen
Viskosität: angenehm gummiartig und kompakt
Beilage: der an sich unspektakuläre grüne Salat wird von einer sensationellen, hausgemachten dunklen Senfmarinade gekrönt, die man sich am liebsten literweise abfüllen möchte
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: macht gleich 2x pappsatt (die Reste gibts zum Abendessen)
Preis: überaus günstige 8,90 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Mediterrane Speisen mit Allgäuer Traditionskost zu kreuzen und das Ganze in einem leicht shabby Ambiente zu servieren, mag ein gelungener Marketing-Gag sein. Wir waren von Geschmack, Kreativität und Preis auf jeden Fall begeistert.

Lokalität: Beim Olivenbauer
Marktstr. 46 
87497 Wertach
Tel. 08365 /1818
E-Mail:
info@beim-olivenbauer.de

Samstag, 17. Juni 2017

Schwarzwald-Fake **


















An Orten, die vor einem Kloster Döner nicht zurückschrecken, muss man - lukullisch gesehen -  mit dem Schlimmsten rechnen. So wählt der konservative Spätzle-Esser sicherheitshalber eine gastronomische Location, die traditionsreiche Heimatverbundenheit suggeriert. Dass sich dies als folgenschwerer Trugschluss erweist, zeigt sich leider viel zu spät.

Weder die flinke Servicedame, noch der Chef oder gar der Koch scheinen schwäbische Wurzeln zu haben, sind nachgerade meilenweit davon entfernt. So entpuppen sich die schwarzwälderisch angehauchten Käsespätzle eher als Potemkinsche Dörfer. Nur weit angereiste Touristen mögen sich von solchem Blendwerk täuschen lassen. Ich schlinge tapfer die Enttäuschung hinunter und freue mich schon auf das Frühstücksbüffet am nächsten Morgen.

Menge: dass ich nicht die ganze Portion esse, liegt nicht an ihrem Umfang
Spätzle: einheitlich geformt
Käse: der Chef verkündet, wie aus der Pistole geschossen: Gouda
Zwiebeln: eher Fehlanzeige
Viskosität: die oberflächlich gebräunten Spätzle schwimmen in einer suppigen, fast flüssigen Substanz, die an warm gemachten Streichkäse erinnert
Beilage: ein ärmlicher Beilagensalat aus echten, aber substanzlosen Zutaten
Zubereitungszeit: kaum eine Viertelstunde
Abgang: einen fahlen Nachgeschmack latenter Enttäuschung hinterlassend
Preis: für die Leistung nicht ganz angemessene 10,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Weniger Suppigkeit und höherer Bräunungsgrad könnten aus diesem gut gemeinten Versuch durchaus noch akzeptable Kässpätzle machen. Es ist nie zu spät!

Lokalität: Schwarzwaldstube
Kurpromenade 5
76332 Bad Herrenalb
Tel.:  07083/2298

Samstag, 20. Mai 2017

Gut gehopft ***

















Manche Landgasthöfe wirken wie eine Kreuzung aus Freilandmuseum und Disneyland. Plus einer Überdosis an Lokalkolorit. Auch im Brauereigasthof Schäffler haben Innenarchitekten, Eventmanager und Marketingspezialisten ihre Bestleistung vollbracht. Ein idealer Ort für Betriebsausflüge und Familienfeiern.

Wer nicht nur den Hopfen im Kopf hat, kann hier auch zünftig an Schweinshaxen nagen oder sich sein Essen selbst brutzeln. Natürlich stilgerecht zwischen Zapfanlage und Schnapsbrennerei. Als bemerkenswerte Koninzidenz werden meine Allgäuer Kässpatzen im gleichen Porzellanschiffchen serviert wie zuvor schon die Allgäuer Käserahmsuppe meines Nebensitzers.

Menge: mehr als ausreichend
Spätzle: voluminöse Knöpfle
Käse: eine Melange aus Emmentaler, Bergkäse, Limburger, Weisslacker
Zwiebeln: musig-würzig-marmeladiges Zwiebel-Topping
Viskosität: Käsemix und trockene Knöpfle gehen leider keine verbindende Symbiose ein
Beilage: ein Viertel Kopf Frisee-Salat
Zubereitungszeit:   keine Ahnung - in froher Runde haben wir komplett die Zeit vergessen
Abgang: zur Verdauung empfiehlt sich ein zarthopfiger Bierbrand
Preis: haarscharf kalkuliert: 9,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Eventgastronomie mit gestyltem Lokalkolorit. Ein Landgasthof wie aus dem Bilderbuch. Die grundsoliden Speisen lassen allerdings eine persönliche Handschrift vermissen.

Lokalität: Brauereigasthof Schäffler
Hauptstraße 17
87547 Missen
Tel.: +49 8320 920-0

Freitag, 19. Mai 2017

Da geht die Sonne auf ****



Das Allgäu ist ausgewiesenes Kasspatzen-Land. Nirgendwo sind die Spätzle voluminöser, die Käsesorten würziger, die Salate knackiger. Kaum steigen wir nach bequemer Anreise in Missen-Wilhalms aus unserem Auto, stolpern wir auch schon hungrig und hoffnungsfroh in den hiesigen Landgasthof Sonne. Eine gute Wahl, steht in diesem sympathischen Familienbetrieb doch Sohn Thomas hinterm Herd, der nicht umsonst seine Ausbildung in einem 5-Sterne-Lokal absolviert hat. Vom Service werden wir so freundlich aufgenommen, als hätte man geradewegs auf uns gewartet. Das passt!

Menge: einen tiefen Teller füllend
Spätzle: stattliche Knöpfle
Käse: eine im Detail geheim gehaltene Hausmischung aus Emmentaler, Bergkäse, Limburger, Romadur und ???
Zwiebeln: hellblond angedünstete butterweiche Streifen
Viskosität: tendenziell eher trocken, aber nicht kross
Beilage: hier folgt man der Tradition und reicht einen knackigen grünen Salat, lediglich mit etwas Kräutern und einer leichten Vinaigrette verfeinert
Zubereitungszeit: trotz offensichtllich frischem Finishing unglaublich kurze 10 Minuten
Abgang:  macht satt, bläht jedoch nicht
Preis: mit sehr angemessenen 9,60 Euro (inklusive Beilagensalat) knapp unter der magischen Preisgrenze
Bewertung: Gut verdauliche, kraftvolle Kässpätzle in einem gepflegt-gemütlichen Ambiente mit überaus freundlichem Service. Was will man mehr?

Lokalität: Sonne Wilhalms
Wilhams 8
87547 Missen-Wilhams
Tel. 08320/226
E-Mail: gudermann@sonne-wilhams.de

Montag, 15. Mai 2017

Lieber einen Spatz in der Hand ***

















Der legendäre "Ulmer Spatz" entpuppt sich in vielen bildlichen Darstellungen eher als Taube - mit einem Ölzweig im Schnabel. Das dürfte der interessierte Ethnologe sogar im überaus volkstümlich ausgestatteten Interieur des gleichnamigen Restaurants im Schatten des Ulmer Münsters entdecken. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Nicht umsonst fühle ich mich stark an die Gasthäuser meiner Kindheit erinnert, als jede Madonnenschnitzerei an der Wand und jedes verschnörkelte schmiedeeiserne Gitter noch ein kleines Wunder für sich war.

Menge: eine Riesenschüssel voll
Spätzle: kräftige Knöpfle
Käse: rezenter Bergkäse
Zwiebeln: knusprige Röstzwiebeln
Viskosität: leider gehen die tendenziell eher trockenen Spätzle mit dem angenehm fädenziehenden Bergkäse keine bleibende Verbindung ein
Beilage: dieses Salat-Arrangement erinnert vage an die Tomatenpilze der 60er-Jahre
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: liegt leicht bleiern im Magen
Preis: überschreitet mit 10,90 Euro (inklusive Beilagensalat) knapp die magische Preisgrenze
Bewertung: Idealer Ort für nostalgische Zeitreisende und interessierte Touristen mit Hang zum  Lokalkolorit. Traditionsbehaftet auch das Speisenangebot!

Lokalität: Ulmer Spatz
Münsterplatz 27
89073 Ulm
Tel. 0731/ 68081
E-Mail:
info@hotel-ulmer-spatz.com
info@hotel-ulmer-spatz.com Read more at: http://www.hotel-ulmer-spatz.com/de/impressum
Münsterplatz 27 Read more at: http://www.hotel-ulmer-spatz.com/de/
Hotel Restaurant Ulmer Spatz oHG Münsterplatz 27 D - 89073 Ulm Read more at: http://www.hotel-ulmer-spatz.com/de/
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