Dienstag, 12. März 2019

Würfel mit Ausblick ***


 





























Urbaner, zentraler, transparenter könnte sich ein internatinales Top-Restaurant kaum gebärden. Wer tatsächlich einen Tisch in vorderster Reihe ergattert, glaubt freischwebend über dem Stuttgarter Schlossplatz zu dinieren - Schwindelfreiheit vorausgesetzt.

Im vierten Stock des gläsernen Kubus treffen sich zur Mittagszeit Business People, japanische Touristen, bildungsbürgerliche Familien und Freundinnengrüppchen nach dem Stadtbummel. Die Kunst kann später kommen. Im Gegensatz zur hochpreisigen Abendkarte ist das Mittagsangebot durchaus finanzierbar.

Menge: eine etwas magersüchtige Mini-Portion
Spätzle: augenscheinlich durch die Spätzlespresse gedrückt
Käse: gefälliger Edamer
Zwiebeln: blond angeschmelzte Würfelchen mit einem Kresse-Topping
Viskosität: von cremiger Geschmeidigkeit
Beilage: keine - der extra hinzu bestellte Beilagensalat ist tendenziell fade, geschmacklos und nur nach ausgiebiger Benutzung von Salz- und Pfefferstreuer zu geniessen
Zubereitungszeit: just in time
Abgang: kaum spürbar
Preis: 9,90 Euro (plus 4,90 Euro für einen Beilagensalat)
Bewertung: Der sensationelle Ausblick und der adrette Service können kaum über die Dürftigkeit der Portion und den Mangel an Geschmack hinwegtrösten. Doch wir wissen den Genius Loci zu schätzen und drücken sämtliche Augen zu (auch angesichts der blendenden Mittagssonne).

Lokalität: CUBE Restaurant
Kunstmuseum Stuttgart
Kleiner Schloßplatz 1
70173 Stuttgart
Tel.: 0711 / 280 44 41
E-Mail: info@cube-restaurant.de

Donnerstag, 7. März 2019

Betende Hände ***



Im historistischen Nürnberg muss Altmeister Albrecht Dürer für alles mögliche herhalten: sein Konterfei auf Zinnkrügen und Bierhumpfen, am Flughafen und in Restaurants. Der allgegenwärtige Gebrauch seines Namens kann schon mal zu gastronomischen Verwechslungen führen. Doch Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

Mit letzter Muskelkraft erklimmen wir den zweiten Stock des schmalen Fachwerkgebäudes. Alle Achtung: wer hier als Servicekraft werkelt, muss über athletische Durchtrainiertheit verfügen.

Menge: ausreichend
Spätzle: deftig und vollschlank
Käse: ein würziger Gruyére
Zwiebeln: leider wurde mit den krossen Schnipseln sehr gespart (beim nächsten Mal bitte mehr davon)
Viskosität: schlonzig
Beilage: grob geraspeltes Weiss- und Blaukraut in fruchtigem Orangendressing auf Blattsalatbett
Zubereitungszeit: fast eine halbe Stunde bei vollem Haus zur besten Essenszeit
Abgang: das Kraut-Gruyére-Konglomerat sorgt für respektable Blähungen
Preis: 10,60 Euro (inklusive Salatbeilage)
Bewertung: Gepflegtes Brauhaus mit fränkisch-kreativer Küche und günstigen Preisen.

Lokalität: Zum Albrecht-Dürer-Haus
Obere Schmiedgasse 58
90403 Nürnberg
Tel.: +49 (0) 911 211 449 40
E-Mail: info@zum-albrecht-duerer-haus.net

Freitag, 15. Februar 2019

Rottweil, schwarz-gelb ****

















Wer in der Fasnetszeit durch das geschmückte Rottweil spaziert, glaubt sich in der Fankurve von Borussia Dortmund. Dermaßen geblendet von schwarz-gelben Girlandenschmuck und halb betäubt vom lauten Klepfen, finden wir am frühen Nachmittag kaum ein offenes Lokal.

Welch Glück, dass uns das historische Rößle (neben dem Becher eines der ältesten Lokale der Stadt) geradezu mit offenen Armen empfängt - und mit einer beeindruckenden Geschichte. Hier hat zwar Napoleon noch nicht übernachtet, aber immerhin Herzog Carl Eugen mit seiner früheren Mätresse Franziska diniert. Und das schon vor 230 Jahren!

Menge: wer kann nur diese riesigen Portionen verdrücken? Wir nicht! Gut die Hälfte wird eingepackt.
Spätzle: sehr eierlastige und gehaltvolle, sattgelbe Hausmacherware
Käse: heute ein Lindenberger pur - ansonsten zuweilen ein Mix mit Emmentaler
Zwiebeln: ein Berg aus sanft geschmelzten Gemüsezwiebelringen legt sich wie eine schützende Decke über die Kässpätzle
Viskosität: eher trocken, mit phänomenal langen Käsefäden
Beilage: wo andernorts gespart wird, gehört hier selbstverständlich ein üppiger Salatteller mit frischen Blattsalaten, knätschigem Kartoffelsalat und würzigen Weisskraut-, Karotten- und Rettichstreifen zum Arrangement
Zubereitungszeit: die aromatische Flädlesuppe als Vorspeise erreicht uns nach knapp 20 Minuten, der Hauptgang etwas später
Abgang: nach dieser Völlerei zwickt es an allen Ecken und Enden
Preis: 9,50 Euro inklusive eines riesigen Beilagensalates
Bewertung: Mächtige Portionen zu unerwartet günstigen Preisen. Dazu ein bodenständiges, ungestyltes Ambiente wie aus unserer Jugendzeit. 

Lokalität: Gaststätte Rößle
Waldtorstraße 25
78628 Rottweil
Tel. 0741/9429969     

Mittwoch, 13. Februar 2019

Heimspiel mit zwei Duisburgern ****


















Allein die Tatsache, dass man nach der abendlichen Schließung des Daimler-Benz-Museums sehr lange und sehr vergebens auf den komplett im Stau stehenden Bus wartet, lässt einen die famosen Erfindungen von Daimler, Benz und Maybach glatt wieder verteufeln.

Zur Überbrückung der Wartezeit führt uns eher Verzweiflung als Überzeugung ins nahe gelegene VfB-Clubrestaurant. Das wurde erst vor einem Monat komplett umgekrempelt und vom renommierten Gastronomen Michael Braun einem Relaunch unterzogen. Das Lokal ist noch so neu, dass es noch nicht einmal eine Homepage besitzt. Dafür aber mächtig Zulauf. Und obwohl geradezu der Bär steppt, geleitet uns eine gut gelaunte Servicedame sehr charmant zu einem noch freien Tisch auf der Empore. Mein Herz macht Freudensprünge, besonders als es die schwarzen Ledertischdecken entdeckt (wie von Vater Hans geschaffen).

Menge: vom Fassungsvermögen eines opulenten Pfännchens
Spätzle: augenscheinlich Convenience-Ware
Käse: auch wenn der aufgeweckte Kellner erst auf Emmentaler tippt, steckt ein aromatischer Bergkäse dahinter
Zwiebeln: einige kräftig mit Paprikapulver eingestäubte angeschmelzte Zwiebelsteifen
Viskosität:  angenehm geschmeidig, aber nicht sahnig-schlonzig
Beilage: der selbstverständlich dazu gereichte Beilagensalat ist der Hit: ein fruchtig-oliviges Dressung umschmeichelt frische Pflücksalate, halbe Cocktailtomaten, Zwiebelwürfelchen und knackige Croutons
Zubereitungszeit: obwohl der Laden brummt, lediglich eine Viertelstunde
Abgang: macht pappsatt und ruft nach einem Verdauungs-Willy
Preis: sehr angemessene 11,00 Euro
Bewertung: Das macht Spass: ein ansprechender Mix aus verschiedenen Geschmacksrichtungen, Texturen und Konsistenzen, serviert von einem gut gelaunten Serviceteam in einem neu arrangierten Ambiente. Seit unserem letzten Besuch im Jahre 2010 hat sich doch viel getan.

Lokalität: VfB Clubrestaurant by braun
Mercedesstr. 109
70372 Stuttgart
Tel.  0711/57718870

Freitag, 1. Februar 2019

Terminal 2 **

 















Networking, Pitching, Meet & Greet - das macht hungrig und lässt sich nicht unbedingt an einem coolen Foodtruck auf dem diesjährigen Start-up BW Summit aussitzen. So erscheint ein kleiner Abstecher zum nahen Flughafen gastronomisch weit erfolgversprechender.

Hier betreibt die Confiserie-Dynastie Leysieffer (unter der Ägide von Wöllhaf-Gastroservice) ein hübsch inszeniertes Bistro: der Service adrett schwarz-weiß gekleidet, die Bestelltheke an einen schmucken Marktstand erinnernd, das Ambiente auf Vintage getrimmt. Von der Optik sollte man sich allerdings nicht allzu blenden lassen.

Menge: recht überschaubar
Spätzle: gefällige, geschmacksneutrale Fertigware
Käse: Emmentaler
Zwiebeln: würzige Convenience-Schnipsel mit aufgepimpten Röstaromen
Viskosität: suppig
Beilage: das auf dem gleichen Teller gereichte Salatschälchen wirkt auf den ersten Blick vernachlässigbar, überrascht jedoch mit frischem Blattsalat, sowie recht brauchbaren Tomaten- und Gurkenscheiben (in der Summe fast voluminöser als die Kässpätzle)
Zubereitungszeit: kommt schon 3 Minuten nach der Bestellung auf den Tisch, wie geradewegs vom Himmel gefallen
Abgang: fast umgehend kehrt bohrender Hunger zurück
Preis: 11,20 Euro inklusive Salatbeilage
Bewertung: Überteuertes Fastfood für Vielflieger mit Schwaben-Heimweh. Die sparsame Portion ist was für den hohlen Zahn, die Konsistenz taugt gar für Zahnlose.

Lokalität: Leysieffer - Stuttgart Airport
Flughafenstraße
70629 Stuttgart
Tel. 0711 / 94 82 721

Montag, 21. Januar 2019

Leibspeisung ***

 
















Nein, dieser Restaurantname ist keine Verballhornung der Speisemeisterei, eher eine Wortspielerei und Schmeichelei, möglicherweise gar gipfelnd in leichter Völlerei. Etwas kokett und kapriziös verkündet schon die Homepage das gleichermaßen nebulöse wie rätselhafte Motto: "Dem LEIBSPEIS- Gericht nach Wunsch vom Gast".

Okay, der Gast sollte hier kein Erbsenzähler oder Rosinenpicker sein. Doch falls Kässpätzle zu seinen Leibspeisen zählen, liegt er nicht ganz falsch. Das Restaurantambiente hat allerdings den anspruchsvollen Charme eines Showrooms der Möbelbranche. Das muss man mögen.Und sich nicht vom Speisen ablenken lassen.

Menge: mehr als der hungrige Gast vertilgen kann
Spätzle: buttrig und vollmundig
Käse: ein rezenter Mix aus Emmentaler und Bergkäse
Zwiebeln: einige würzig geschmelzte Streifen als Topping
Viskosität: tendenziell eher trocken - notorischen Sößlesschlotzern sei deshalb die fakultative Variante mit Rahmsauce anempfohlen
Beilage: standardmäßig ohne, ein aparter Beilagensalat kann auf Wunsch sehr günstig dazu geordert werden
Zubereitungszeit: gefühlt kaum eine Viertelstunde
Abgang: macht pappsatt und sorgt zusammen mit einem am späten Vormittag genossenen Cappucino für reichlich Auftrieb
Preis: 9,20 Euro (Kässpätzle) plus 2,00 Euro (kleiner Beilagensalat)
Bewertung: Die etwas zu angestrengte Originalität und Kreativität des Lokals steht in hehrem Kontrast zur soliden Küche mit regionalen Wurzeln und heimischen Gerichten. Meine Leibspeise kommt immerhin sehr traditionell daher.

Lokalität: Leibspeiserei Altdorf
Alemannenstr. 2
71155 Altdorf

Sonntag, 30. Dezember 2018

Feiern einmal anders ****


Der Jahresausklang im Kloster Hegne hat Tradition. Gehobene Gastlichkeit verbindet sich mit anregender Spiritualität und gepflegten Spirituosen. Koch und Küchencrew vollziehen Ma(h)l ums Ma(h)l die wunderbare Leistung, auch regionale Gerichte extrem frisch, fein gewürzt und kulinarisch überzeugend zu kreieren.

Menge: das Büffet kennt keine Grenzen - so viel man auf den Teller häufeln mag
Spätzle: Hausgemachte, durch ein spezielles Sieb gepresste Knöpfle
Käse: eine exquisite Mischung aus Emmentaler, Edamer und Mainauer Käse (einer regionalen Sorte, die ursprünglich auf der Insel Mainau kreiert wurde und dem würzigen Elsässer Munster Käse nahesteht)
Zwiebeln: reichlich knusprige und würzige Zwiebelringe
Viskosität: habhaft
Beilage: am üppigen Salatbüffet mit knackig frischen Zutaten von der nahen (Gemüse-)Insel Reichenau kann man sich nach eigenem Gusto selbst bedienen
Zubereitungszeit: in der Küche wird sicherlich ohne Unterlass eifrig geschnitten, gebrutzelt, gehobelt und gepresst
Abgang: ein aromatischer Klosterbitter vom Kloster Beuron gibt den angemessenen Abschluss
Preis: Halbpension ist im Festtagsarrangement "Feiern einmal anders" inkludiert
Bewertung: Dieses topfrische, optisch wie geschmacklich beeindruckende Arrangement hat absolut nichts mit der trockenen Pappigkeit anderer Kässpätzle-Varianten im Büffetbetrieb gemein. Hier gerät jede Mahlzeit zum kleinen Fest!

Lokalität: Hotel St. Elisabeth
Kloster Hegne
Konradistraße 1
78476 Allensbach
Tel.
07533/ 93662000