Sonntag, 12. November 2017

Mühle am rauschenden Bach ****

















Manche Vorhaben dauern in der Umsetzung etwas länger.  Stand die Pfrondorfer Mühle schon seit Jahren auf unserer Wunschliste, führt uns erst jetzt eine Hochzeitseinladung an die Gestade des Flusses Nagold und der B 463.

Einst durch seine legendären Brathähnchen berühmt geworden, glänzt das Restaurant heutzutage mit gehobener schwäbischer Küche und einem Vorzeige-Ambiente wie aus einer frühen Ausgabe des  Landlust-Magazins. Während die ehemalige Mühle neuerdings ein kleines Wasserkraftwerk samt angrenzende Fischtreppe beherbergt, kann man in der Gaststube nicht nur rustikales Steinofenbrot und heimische Regenbogenforelle verzehren.

Menge: reichlich
Spätzle: ganz tief unten werden vage geschmackliche Erinnerungen an die hausgemachten Nudeln meiner Großmutter wach
Käse: ganz klassisch: ein Emmentaler
Zwiebeln: saftig, kräftig aromatisch und leicht süßlich angeschmelzt
Viskosität: von sanfter Geschmeidigkeit
Beilage: leider keine - mit einem extra dazu bestellten Salatteller (für etwas überzogene 5,80 Euro) ist das Gericht komplett
Zubereitungszeit: keine Ahnung: einige Aperitive und eine würzige Festtagssupe lassen uns ganz die Zeit vergessen...
Abgang: am Gaumen hält noch lange eine vollmundige Wohligkeit an
Preis: 9,00 Euro (Kässpätzle), sowie 5,80 Euro (Salatteller)
Bewertung: Freundlicher Service, gepflegte Tischkultur und geschmackliche Vielfalt überzeugen. Zu den Kässpätzle würden wir uns jedoch auch hier standardmäßig einen Beilagensalat wünschen.

Lokalität: Pfrondorfer Mühle
Pfrondorfer Mühle 1
72202 Nagold
Tel.  07452 84000
E-Mail:  info@pfrondorfer-muehle.de


Donnerstag, 9. November 2017

Unter Windmühlen und Palmen ****












Kaum wurden die diesjährigen Stuttgarter Buchwochen unter spanischer Gastland-Flagge eröffnet, sorgt ein Don-Quijote-Abend auch schon für volles Haus. Doch den literarischen Schmankerln folgt leider kein lukullisches: zu dürftig das Angebot im Buchcafé, zu überteuert die Preise bei schnöder Selbstbedienung.

Schon zwei Etagen tiefer verheißt eine Anschlagtafel spontane Stärkung: Logo Tagestipp: Allgäuer Käsespätzle € 7,50. Zwar sitzt es sich etwas zugig im weiten Lichthof unter hohen Palmen, doch zwei holde Jungfern in Service und Küche verwöhnen mich aufs vorzüglichste. Und beim psychedelischen Tellermuster fühle ich mich glatt an rotierende Windmühlenräder erinnert.

Menge: davon würden Don Quichote und Sancho Pansa gemeinsam satt (gut die Hälfte packt mir die Wirtstochter großzügig als Proviant ein)
Spätzle: hausgemacht
Käse: Allgäuer Emmentaler pur
Zwiebeln: eher nicht - dafür fein geschnittene Schnittlauchröllchen als Topping
Viskosität: unter einer vom Salamander gebräunten superkrossen Oberfläche schmilzt soft das Käse-Magma
Beilage: merkwürdigerweise einige Scheiben Baguette (naja, low carb ist dieses Gericht eh nicht)
Zubereitungszeit: weniger als eine Viertelstunde
Abgang: nicht blähend, nicht bedrückend, sondern glücklich sättigend
Preis: 7,50 Euro
Bewertung: Kässpätzle sucht man vergebens auf der festen Speisekarte das Restaurants. Sie sind nur im Angebot, wenn aus anderem Anlass eine größere Menge Spätzle gefertigt wird. Dieser Umstand und das Fehlen eines Beilagensalates lassen dieses sonst tadellose Gericht leider haarscharf an der Höchstpunktzahl vorbeischrammen.

Lokalität: Logo
im Haus der Wirtschaft
Wilhelm-Bleicher-Str. 19
70174 Stuttgart
Tel. 0711/2265002
E-Mail: kontakt@logo-restaurant.de

Freitag, 29. September 2017

Mehr haben mit Multikulti **



Kässpätzle beim Türken kommen uns immer etwas spanisch vor. Doch der quirlige, stets zu Scherzen aufgelegte Ober des Merhaba versichert uns, der hiesige Koch hätte in Schwaben gelernt und die Kässpätzle seien bei den Gästen sehr beliebt. Tja, schlechte Zeiten für Köfte, Moussaka und Sigara Böregi.

Vom lauen Herbstwetter inspiriert, eröffnen wir wieder die Freiluftsaison und nehmen auf der Terrasse Platz. Der Service zieht mit und rollt spontan einen farbenfrohen Tischläufer aus. Merhaba!

Menge: reichlich
Spätzle: Fertigteigwaren (wir ersparen uns die obligatorische Frage nach der Herkunft)
Käse: offenbar ein "würziger Emmentaler, speziell für Kässpätzle" (wie der Ober auf Nachfrage deklamiert)
Zwiebeln: die offerierten "Röstzwiebeln" sind eher zart gedämpft
Viskosität: schlonzig und butterweich
Beilage: ein leider indiskutabler kleiner Salat, der im Sahnedressing untergeht - davor eine grandiose Gemüsesuppe mit getoasteten Baguettescheiben, danach eine ebenfalls hervorragend gelungene Crème-Caramel-Interpretation
Zubereitungszeit: keine Ahnung - die verschiedenen Gänge trudeln zeitlich versetzt ein und lassen nie Langeweile aufkommen
Abgang: gut sättigend bis zum Abend
Preis: unglaubliche 6,50 Euro (als 4-Gänge-Mittagsmenü)
Bewertung: Die gelungene Vor- und Nachspeise, sowie der phänomenale Preis würden zu uneingeschränktem Lob verleiten. Allein die Kässpätzle - der eigentlich Grund meines Besuches - sind nicht gerade der Hit! Beim nächsten Mal vielleicht doch lieber Moussaka?

Lokalität: Restaurant Merhaba
Breslauer Str. 15
71034 Böblingen
Tel: +49 7031 68 69 20
E-Mail: info@restaurant-merhaba.de

Freitag, 1. September 2017

Mops Jackson mopst nicht mal ein Spätzle ***

 


Die Naturfreundehäuser, in denen wir während der letzten Monate zu Gast waren, changierten zwischen zweckmäßiger Einrichtung + ruppigem Personal und liebevoll gestaltetem Ambiente  + herzlichem Service.  Glücklicherweise gehört das Nagolder zur zweiten Kategorie. Wozu auch die anmutige Lage mit Blick auf Streuobstwiesen und die Burg Hohennagold beiträgt.

Pünktlich zum Monats- und Jahreszeitenwechsel kommt es zum großen Temperatursturz. Bibbernd und regennaß betreten wir die gemütliche Wirtsstube. Kaum auf der Eckbank Platz genommen, kuschelt sich auch schon ein feuchtes Fellbüschel an uns.

Menge: eine mächtige Portion, geradewegs für hungrige Wanderer und Biker konzipiert
Spätzle: vollschlank und vollmundig
Käse: selbst die Chefin ist sich unsicher: entweder Emmentaler (was wir bestätigen könnten) oder eine Spätzleskäs-Mischung
Zwiebeln: grazile, karamellige Röstzwiebeln
Viskosität: sahnig
Beilage: 3-Schicht-Betrieb im Einmachglas: knusprige Sommenblumenkerne auf knackig-frischen Blattsalaten auf leckerem Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: Hausmops Jackson gestaltet uns die kurze Wartezeit so vergnüglich, dass wir jegliches Zeitgefühl vergessen
Abgang: ganz anstandslos, auch dank eines fruchtig-aromatischen Himbeergeistes (2,30 Euro)
Preis: 9,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Solide, gefällige Kässpätzle mit kreativem Anstrich (breitpinselig auf dem Tellerrand aufgetragen), sowie ansprechend präsentiertem Beilagensalat. Ausserhalb der Wertung, aber überaus  positiv anzumerken: die grandiosen hausgemachten Haselnuss-Gnocchi mit Pfifferlingen (14,90 Euro).

Lokalität: Naturfreundehaus Nagold
In den Mulden 1 
72202 Nagold
Tel. 07452/4147
E-Mail: info@Naturfreundehaus-Nagold.de

Mittwoch, 9. August 2017

Rustikale Ranch ***


Verkehrte Welt: während wir noch letzte Woche echt Allgäuer Kasspatzen im vermeintlich griechischem Ambiente goutiert haben, wird nun das ferne Allgäu ins hiesige Heckengäu zitiert.

Ansonsten bietet das Renninger Golfer- und Reiterstüble Hippocampus 1a schwäbische Speisen, über die noch meine Eltern jubiliert hätten (Ochsenmaulsalat, Luggeleskäs, Linsen und Spätzle...) Auch das Ambiente erinnert stark an die Ranch von Onkel Bernhard, inklusive Pferdekoppel und holzlastiger Gemütlichkeit. Grund genug, um mich erst mal wohl und heimisch zu fühlen.

Menge: sooo viel hätte es nicht sein müssen: selbst mit Mithilfe meines Begleiters war diese Portion nicht zu schaffen
Spätzle: diese zerkochte, überweiche Masse erinnert vage an Grießbrei
Käse: ausgiebige Fäden ziehend - und das nicht zu sparsam!
Zwiebeln: die angekündigte Zwiebelschmelze ist feingehackt und von hellblonder Farbe
Viskosität: auch wenn "die Frau vom Chef und Servicekraft" versichert, dass so nun mal Allgäuer Kässpätzle seien, mag ich mich mit dieser weichen, breiartigen Substanz nicht so recht anfreunden
Beilage: ein ordentlicher, vielseitiger Beilagensalat aus: Blatt- und Kartoffelsalat mit Möhre, Tomate, Gurke, Radieschen
Zubereitungszeit: etwas über eine Viertelstunde
Abgang: nur mit geöffnetem Hosenknopf schaffe ich es nach Hause
Preis: 9,20 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Rustikaler Ort für alle Pferde- und Naturfreunde, Schnitzel- und Hausmannskostliebhaber. Nur die Interpretation meiner Leibspeise traf nicht komplett meinen Geschmack.

Lokalität: HIPPOCAMPUS
Kriegsbäum 2
71272 Renningen
Tel: +49 160 91 34 82 74
E-Mail: awullinger@yahoo.de

Von Kasspatzen und Schafkopfen **


 
Die Abgeschiedenheit des Allgäuer Ortes am Rottachsee schreckt uns kaum. Auch nicht das durchlebte Ambiente der 60/70er Jahre. Dieses Gastlokal hat seine besten Touristenströme bereits um unzählig servierte Schweinsbraten schon hinter sich.
 
Menge: Minipfännle, Portion "Gesamtschule" (nicht zu viel, am Nachmittag findet schließlich noch Unterricht statt), nix für Hungrige, doch für Testesser (mit Hang zum nur mal "schnabulieren")
Spätzle: für unsereins eindeutig Knöpfle. Man beharrt: "Knöpfle sind doch Spätzle!"
Käse: "Ha, Emmentaler! Und was wir so an Resten haben." Die Reste sind heute eindeutig ausdrucksloser Emmentaler.
Zwiebeln: heißen hier Schnittlauch, sind überschaubar per Handstreich der Portion angeglichen flugs darüber geweht
Viskosität: nicht vorhanden, weil Knöpfle
Beilage: Sauereingelegtes dem Lagereimer entnommen, plus Kopfsalat, müde gewürzt
Zubereitungszeit: halb Liter Bier für Durstige (15 Minuten)
Abgang: nach etwa einer Stunde, von dort, wo wir herkamen - durch die Eingangstür
Preis: der überschaubaren Leistung angemessen: 6,80 Euro
Bewertung:  Hier ist das alt tradierte Allgäu noch in Ordnung. Ältere Herrschaften des Ortes treffen sich mittags unterm Rehgeweih zur halben Maß und zum Schafkopfen. Sonst können wir leider keine weiteren Trümpfe im Lokal entdecken. Außer, dass das große Peststerben (von 1635) fast 400 Jahre vorüber ist.

Lokalität: Gasthof Pension Löwen
Schachenstraße 1
87466 Oy-Mittelberg / OT: Petersthal

Tel: 08376/929784

Montag, 31. Juli 2017

Reise in den Süden ****

















Schluss mit der Sommerpause - rein ins hochkalorische, herzhafte Vergnügen! Nach über 6 Wochen Abstinenz lockt das Allgäu als ausgewiesenes Kässpatzen-Land. Doch am Zielort erst mal tote Hose. Das verschlafene Wertach war vielleicht in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein touristischer Hotspot. Heutzutage muss man lange durch die Straßen cruisen, um überhaupt mal ein offenes Lokal zu finden.

Optisch würde man den Olivenbauer eher in südländischen Gefilden verorten, doch die Speisekarte rubriziert unter "Heimweh" eine ganze Reihe Allgäuer Spezialitäten. Erleichtertes Aufatmen! Also müssen wir den Hunger doch nicht mit Pfannengyros und Tsatsiki stillen.

Menge: diese Riesenportion ist selbst für einen hungrigen Gourmand nicht zu annähernd schaffen - gottseidank packt der Service in weiser Voraussicht gleich die Reste ein
Spätzle: mollige, knöpfleartige Exemplare
Käse: vollmundiger, würziger Bergkäse mit Emmentaler
Zwiebeln: selbstgemachte knackig-krosse Röstzwiebeln zum Sattessen
Viskosität: angenehm gummiartig und kompakt
Beilage: der an sich unspektakuläre grüne Salat wird von einer sensationellen, hausgemachten dunklen Senfmarinade gekrönt, die man sich am liebsten literweise abfüllen möchte
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: macht gleich 2x pappsatt (die Reste gibts zum Abendessen)
Preis: überaus günstige 8,90 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Mediterrane Speisen mit Allgäuer Traditionskost zu kreuzen und das Ganze in einem leicht shabby Ambiente zu servieren, mag ein gelungener Marketing-Gag sein. Wir waren von Geschmack, Kreativität und Preis auf jeden Fall begeistert.

Lokalität: Beim Olivenbauer
Marktstr. 46 
87497 Wertach
Tel. 08365 /1818
E-Mail:
info@beim-olivenbauer.de