Samstag, 8. Juni 2013

Von Pontius zu Pilatus ***






























Nach zwei herben Enttäuschungen pilgern wir in Oberammergau buchstäblich von Pontius zu Pilatus auf der Suche nach doch noch schmackhaften Käsespatzen. Am Abend meines Geburtstages wird mir dann glücklicherweise eine so wohlschmeckende Version vorgesetzt, dass ich mich letztendlich versöhnt zeigen kann.

S`Wirtshaus verfügt über einen freundlich-rustikal eingerichteten Innenraum, einigen Sitzplätzen an der vorderen Dorfstrasse, sowie einer liebevoll ausstaffierten Terrasse mit einem herrlichen Ausblick auf das gegenüberliegend Pilatushaus samt blühendem Garten. Letzte Sonnenstrahlen tauchen die abendliche Szenerie in satte Goldtöne.

Welch zusätzliches Glück, dass man die auf der Karte geführten "Käse-Schinken-Tomaten-Spätzle" extra für mich modifiziert. Dankeschön!

Menge: eindeutig satt machend
Spätzle: bei den regional bevorzugten Knöpfle hat man endlich mal nicht an den Eiern gespart
Käse: ein rezenter Mix aus der nahen Ettaler Käserei
Zwiebeln: kross, aber nicht zuuu trocken
Viskosität: leicht emulgierend
Beilage: grüne Blattsalate und einige Tomatenachtel mit einem erwähnenswerten Kürbiskernöl-Dressing
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: der wird mit einer Ettaler Spirituose erfolgreich besiegelt
Preis: 11,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Na also - es geht doch! Trotz Verzicht auf das übliche anbiedernde Brimborium (gusseisernes Pfännle und dirndlbestückte Bedienung) können am Fusse der Ammergauer Alpen durchaus leckere Käsespatzen serviert werden. Ebenfalls gut gelungen sind die pikant gewürzten Tiroler Hirtennudeln meines Mitessers (8,80 Euro ohne Beilagensalat).

Ein aufmerksamer Service und selbstverständliche Flexibilität bei Umbestellungen runden den soliden Eindruck ab.

Lokalität: s`Wirtshaus
Dorfstrasse 28
82487 Oberammergau
Tel.: +49(0) 08822-948770
Email: info@swirtshaus-ogau.de


Donnerstag, 6. Juni 2013

Passionierte Spätzle **





























Auf Recherche-Reise in Oberammergau. Wo seit 1634 die legendären Passionspiele aufgeführt werden, fühlt man sich der göttlichen Dreieinigkeit gleich viel näher. Besonders wenn man einen begehrten Sitzplatz vor der Alte Post ergattert, die an einer strategisch wichtigen Kurve der zentralen Dorfstrasse gelegen ist.

Hier kann man allen aufgebrezelt vorüberbrausenden Cabriofahrern zuwinken, sowie einen verheißungsvollen Blick auf die Schaufenster einheimischer Holzschnitzkunst werfen. Wer ahnt schon, dass Oberammgergau mit dem weltgrößten geschnitzten Abendmahl aufwarten kann?

Weniger verlockend gestaltet sich unser eigenes bescheidenes Abendmahl. Internationale Gäste und angesagte kulturelle Veranstaltungen sind dem Niveau des Traditionslokals nicht nur zuträglich. Die Servicedame agiert uninspiriert und gelangweilt, das Weinschorle schmeckt abgestanden und schal, selbst die Käsespatzen entpuppen sich als enttäuschender Tiefpunkt.


Menge: nicht übermäßig viel, doch angemessen für den günstigen Preis
Spätzle: derart bröselig-trockene Knöpfle, dass sie mir einzeln von der Gabeln purzeln
Käse: scheinbar nicht vorhanden
Zwiebeln: wie Minitatur-Chips schmeckend
Viskosität: die kloß-artigen Knöpfle liegen wie eingedampfte Pellets ausgetrocknet auf dem Teller
Beilage: Beilagensalat in leichter Sahnesauce: Blattsalate, würziger Rucola, Gurkenscheiben und überraschenderweise mit Kümmel abgeschmeckte Karottenstiftchen
Zubereitungszeit: 25 Minuten
Abgang: vagen Hunger hinterlassend
Preis: 7,40 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Eine Anhäufung von trockenen Teigklumpen im gusseisernen Pfännle machen noch keine Käsespatzen! Die unschlagbare Lage des schmucken Gebäudes und der abendliche Blick auf das Bergpanorama stimmen uns dennoch etwas versöhnlich.

Lokalität: Hotel Alte Post GmbH
Dorfstraße 19
82487 Oberammergau
Postfach 89
82483 Oberammergau
Tel.: 0 88 22 / 91 0-0
FAX: 0 88 22 / 91 0- 100
e-mail: info@altepost.com

Dienstag, 4. Juni 2013

Hundesporthotel **


















Tapeten- und Ortswechsel. Oberammergau lockt mit Alpenpanorama, Lüftlmalerei und kernigen Leut. Hier ist der Himmel kobaltblau und der Ausblick auf das nächste Dirndl grandios. Benommen von all den ungeahnten Eindrücken stolpern wir in die erste verheißungsvolle Location hinter dem Ortseingang.

Das überregional bekannte Hundesporthotel Wolf bietet ein umfangreiches Kurs- und Seminarprogramm nicht nur für den Hund. Selbstredend stehen dem anspruchsvollen Vierbeiner ein Physiotherapiebereich mit Unterwasserlaufband, eine Magnetfeldmatte und ein eigener Kühlschrank mit Leckerli bereit.

Unsereins empfiehlt sich der Weg eher in die angegliederten Hafner Stub`n. Beeindruckt nehmen wir Platz inmitten von Wandmalereien aus Szenen der Oper "Freischütz". Doch obgleich Ambiente und Service vielversprechend daherkommen, entdecken wir mehr Schein als Sein. 

Der "Gruß aus der Küche" entpuppt sich als aufgeschnittene Semmel, der Salat entbehrt jeglicher Würze und die Kässpätzle sind weitgehend geschmacksneutral. Schade: dabei war alles so schmackhaft angerichtet!

Menge: genau richtig
Spätzle: teigige Knöpfle
Käse: aus dem nahen Ettal kommend, doch überraschenderweise sehr fade und nichtssagend
Zwiebeln: knurpselig
Viskosität: trocken
Beilage: ein hübsch anzusehender, jedoch völlig eindrucksloser Beilagensalat mit Kresse, grünen Blattsalaten, gestiftelter Möhre, etwas Tomate und dicken Bohnen
Zubereitungszeit: 15 Minuten
Abgang: schwer verdaulich
Preis: 9,00 € (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Selten war der äussere Anschein so blendend, jedoch die inneren Werte so vernichtend! Die Darreichung im gußeisernen Pfännle, wunderschön mit frischen Kräutern dekoriert, lässt Gaumenfreuden erwarten, die jedoch zu bitterer Enttäuschung führen. Die Speisen sind weitgehend fad und lassen jeglichen  Geschmack vermissen.

Lokalität: Hotel Wolf
Hafner Stub`n
Dorfstr. 1
82487 Oberammergau
Telefon 08822-9233-0
Telefax 08822-9233-33

Donnerstag, 23. Mai 2013

Tu felix Suebia ***


















Heute empfiehlt mir mein Trend-Scout aus dem Back Office wärmstens den Besuch des Cafe Felix. So flaniere ich durch unbekannte Stuttgarter Ecken und konstatiere staunend, dass mir das Wiener Museumsquartier bekannter vorkommt als das Stuttgarter Bosch-Areal. Das muss sich ändern.

Apropos Wien: die riesigen Hallen des Felix wirken wie eine gekonnte Kreuzung zwischen österreichischem Kaffeehaus und bayrischem Bierkeller, in warmen Brauntönen möbliert und unterlegt mit einem leicht jazzigen Soundtrack im Hintergrund. Kein schlechter Mix!

Tragisch nur der Moment, als mir die Servicedame eröffnet, dass die Kässpätzle der vergangenen Wochenkarte angehören, nicht der aktuellen. Doch der Koch lässt sich erweichen und zaubert exklusiv für mich noch einmal das schwäbische Leibgericht. Danke, das ist mehr als eine lohnende Erwähnung wert!

Menge: genau richtig
Spätzle: normalerweise selbstgemacht, heute - schnell improvisierend - Fertigware aus dem Hause Schmid
Käse: ein kräftiger Emmentaler
Zwiebeln: saftig und würzig geschmälzt; nicht zu sparsam dosiert
Viskosität: in warmem Zustand feine Spinnwebfäden ziehend
Beilage: ein hübsch anzusehener, leider geschmacklich uninspirierter Beilagensalat aus grünem Blattwerk, gestiftelten Möhren, gewürfelter Gurke und Tomate
Zubereitungszeit: so rasch, dass ich nicht mal auf die Uhr blicken kann
Abgang: herzhaft, jedoch leicht
Preis: 8,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Pluspunkte für den sehr aufmerksamen, ehrlichen Service und die flexible Küche. Die wohlschmeckenden Kässpätzle werden recht ansprechend mit frischer Deko und reichlich Schnittlauchröllchen serviert. Gerne komme ich mal mit Freunden zum Sonntagsbrunch wieder oder greife  abends zur umfangreichen Getränkekarte.

Lokalität: Café Felix GmbH
Robert-Bosch-Platz 1
70174 Stuttgart
Telefon: +49.711 9978784
Telefax: +49.711-9978786
E-Mail: cafefelix.stuttgart@web.de

Dienstag, 7. Mai 2013

Spätzle für Noah ****

 
















Kaum zeigt sich die erste Maisonne über Stuttgart, hyperventiliert die ganze Stadt. Es wuselt und wimmelt an allen Ecken und Enden.

Einen ruhigen, beschaulichen Platz mitten im tosenden Epizentraum suchend, werde ich zufällig an die Gestade des Restaurants Arche gespült. Gegenüber der Markthalle leuchtet der Name des Lokals in geschwungener Schreibschrift auf terrakottafarbenem Grund. Gepflegte Teaktische und -stühle laden zum Draussensitzen ein. Und verheißt nicht das Attribut "Vinothek" ein ansprechendes Getränkeangebot?

Leider verströmt mein gewählter Platz so viel Beschaulichkeit, dass es mich einige Mühe kostet, einen Ober auf mich aufmerksam zu machen. Doch als ich einmal erfolgreich registriert werde, geht es schließlich ratzfatz voran.


Menge: in den Tiefen eines unglaublich ausladenden Tellers finden erstaunliche Mengen Platz
Spätzle: wohlgeformt
Käse: die Mischung macht´s: ein gehaltvollerer Mix verschiedener mächtiger Käsesorten ist mir noch selten untergekommen

Zwiebeln: üppig, reichhaltig, tiefbraun angeschmälzt und im Geschmack nicht mehr zu toppen!
Viskosität: massiv
Beilage: hier schlägt sehr sympathisch die mediterrane Note durch: ein frischer Salat aus Rucola, roten Zwiebeln und Tomaten, nebst lauwarmen Pizzabrötchen
Zubereitungszeit: beeindruckend rasche 10 Minuten
Abgang: mein Sättigungszentrum schlägt vor Begeisterung Purzelbäume
Preis: 10,50 Euro (inklusive Beilagensalat und Brötchen)
Bewertung: Mit diesen sensationellen Käsespätzle rudert Noah locker einmal über die Weltmeere:  gehaltvolle und opulente Mischung mit beeindruckend aufgehäuften Zwiebelmassen (die man sich auch prächtig auf einem Rostbraten vorstellen kann!). Wechselnde Tagesgerichte und mediterrande Köstlichkeiten runden das Speisenangebot ab.


Lokalität: Hotel-Restaurant und Vinothek Arche
Bärenstr. 2 
70173 Stuttgart 
Telefon: 0711 / 24 57 59 
Telefax: 0711 / 25 996 02 

Samstag, 4. Mai 2013

Festakt, Feuerwerk, Fässle ***
















Sindelfingen im Rausch der 750-Jahr-Feier - zwischen Festakt und Feuerwerk, zwischen Publikationen und Projekten, zwischen Sindolf-Bier und Kuchenritt. Freudentrunken taumelt die Stadt durch ihr eigenes Jubiläumsjahr.

Ich dagegen wanke eher über die brüchig gewordenen Zebrastreifen aus legendärem Carrara-Marmor in Richtung Marktplatz. Noch sind die Mai-Abende zu kühl, um draussen zu sitzen. Doch sind die dunkel gebeizten Räume des Restaurants "Fässle" nicht zu trist, um drinnen zu speisen?

Großflächiger Rauputz, braune Klinkerfliesen und rustikales Mobiliar lassen auf gediegene Gastlichkeit schließen. Überaus herzliche Service-Damen und mehrere laufende Meter der Zeitschriften "Feinschmecker" und "Slow Food" zerstreuen meine letzten Zweifel. Nicht mal den obligatorischen Katzentisch gibt es hier, so dass ich auch als Single großherrschaftlich residiere!


Menge: die kleine Portion als Sonderwunsch sättigt vollauf
Spätzle: buttrig, aber nicht sahnelastig, dafür leicht kross gratiniert
Käse: reiner Edamer
Zwiebeln: ein minimaler Hauch von Röstzwiebeln (das nächste Mal bitte, bitte mehr!!)
Viskosität: tendenziell angenehm trocken, mit elastischen Käsefäden
Beilage: einige überschaubare Blätter grüner Blattsalate in Vinaigrette
Zubereitungszeit: rasend schnelle 10 Minuten
Abgang: fein und leicht
Preis: 7,50 Euro für die kleine Portion, 8,80 Euro für die Normalportion (jeweils inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Ehrliche, bodenständige Küche ohne überflüssiges Chichi. Ein Tomatenachtel als Deko muss ausreichen, dafür überzeugen Service (sehr aufmerksam!), Geschmack (vorzüglich!) und Preis (absolut angemessen!). Auch für fleischliebende Carnivoren ist dieses gemütlich Lokal ein wahres Eldorado.

Lokalität: Fässle
Marktplatz 4/1
71063 Sindelfingen
Telefon: 07031/ 814398
Telefax: 07031/ 814398

Sonntag, 24. März 2013

Wie Wagner in Wangen ***
















Ungeschickter hätte mein Einstand im Landgasthaus Adler kaum sein können. Als ich die Patronin Rosemarie Hangarter nach der Behindertentoilette frage, ernte ich ein herzhaftes Lachen. Nein, so etwas gäbe es hier nicht, meint die umtriebige Chefin - sie selbst werde dieses Jahr 72, ihr Mann sogar 80 und man sei immer ohne ausgekommen, da lohne sich jetzt auch kein Umbau mehr...

Während ich beschämt die geschwungene Treppe zur Damentoilette ins obere Stockwerk erklimme,  schwöre ich mir insgeheim, zukünftig den Spätzlekonsum zu drosseln und mehr an meiner Fitness zu arbeiten.

Doch wenige Minuten später sind alle guten Vorsätze vergessen. Das Gasthaus Adler in der Bodensee-Gemeinde Wangen gibt ein perfektes Landhaus-Ambiente ab, gepaart mit einer gutbürgerlichen Speisekarte und handfestem Charme. Der große Speisesaal ist dekoriert wie das Bühnenbild zu einer opulenten  Wagner-Oper (Wandmalereien, Klavier, Blütendekorationen). Ebenso üppig fallen die Portionen aus!

Menge: überreichlich
Spätzle: saftige, hausgemachte Knöpfle
Käse: damit wurde absolut nicht gegeizt - nur die Käsesorte mag uns Frau Hangarter nicht verraten
Zwiebeln: jede Menge glasig gedünstete Frischware
Viskosität: ein herrliches Netzwerk üppiger Fäden ziehend
Beilage: frische Blattsalate mit Möhren- und Rettichstiften, rezent gewürzt und mit einem sahnigen Dressing versehen
Zubereitungszeit: in angeregte Gespräche verstrickt, vergesse ich ganz, auf die Uhr zu schauen
Abgang: ohne nennenswerte Schwierigkeiten
Preis: 10,80 (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Herzhafte Küche, bodenständige Gerichte und geradliniger Umgangston. Wie häufig am Bodensee werden auch hier Knöpfle serviert. Ebenfalls empfehlenswert: der feine Tafelspitz mit Meerrettichsauce.

Lokalität: Landhaus Adler in Wangen am Untersee
Kirchplatz 6 

78337 Öhningen-Wangen 
Telefon: 07735 / 724 
info@adler-wangen.de