Montag, 12. November 2018

Next generation ***

 
















Zeiten ändern sich, auch seit meinem letzten Besuch vor 8 Jahren. Inzwischen ist längst die nächste Generation in Küche und Management tätig - doch mir selbst eine Radtour nicht einmal mehr in Träumen möglich. Dafür immerhin ein vormittägliches Erklimmen des Schönbuchturms, hoch über Herrenberg.

Ein Lob auf den Hasen, der a) montags geöffnet hat und b) einen attraktiven Mittagstisch mit drei wechselnden Gerichten anbietet, günstig, oft saisonal geprägt und überraschend rasch serviert. Dazu jede Menge Eye-Catcher: braune Echtleder-Tischsets mit eingeprägtem Hasen, eine extravagante Speisekarte mit einem Cover aus Heu (=Hasenfutter!), sowie eine Kaffee-Röstmaschine im Foyer.


Menge: fast scheitere ich an dieser üppigen Portion (die mir - zwischendrin kalt geworden - sogar nochmals erwärmt wird)
Spätzle: sichtlich aus eigener Herstellung
Käse: Appenzeller
Zwiebeln: leider nur ein Hauch von Schmelzzwiebeln, dafür mit vollem Umami-Geschmack
Viskosität: über einem suppigen Fettspiegel verbinden sich die Spätzle leider kaum mit dem Käse
Beilage: die Vorspeise widmen wir flugs zum leckeren Beilagensalat um: einen fein gehobelten, gut mit Kümmel und Petersilie abgeschmeckten, frischen Sauerkrautsalat
Zubereitungszeit: unglaublich kurze 10 Minuten
Abgang: macht pappsatt
Preis: günstige 8,50 Euro, inklusive Vorspeise
Bewertung: Trotz hervorragendem Service, höchst gepflegtem Ambiente und adretter Sauberkeit vermögen mich die Kässpätzle nicht vollkommen zu überzeugen: bitte mehr habhafte Konsistenz und zurück zur früheren Würze (Pfeffer und Muskat).

Lokalität: Hotel Gasthof Hasen GmbH
Hasenplatz 6
71083 Herrenberg
Telefon (0 70 32) 20 40
E-Mail:post@hasen.de

Sonntag, 28. Oktober 2018

Über die Klinge springen ***

 
















Nein, eine Klinge ist - landschaftlich gesehen - nicht Teil eines floralen Bestecks, sondern ein durch Erosion entstandenes kleines Tal. Doch die Filderstädter Distelklinge steht für eine urige Waldschänke mit herzhaft-regionalem Angebot. Wo es solch deftige Leckereien wie Schweinebäckle, Kutteln und saure Nierle gibt, hofft auch die Spätzialistin auf ihr Leibgericht. Liegt es am Charme der Bedienung oder an der eigenen Beharrlichkeit, dass die Küche über ihren Schatten (nicht über die Klinge) springt und Kässpätzle hervorzaubert, obwohl sie gar nicht auf der Sonntagskarte stehen?


Menge: ideale Portionsgröße - für Weicheier gäbe es auch eine kleine Portion
Spätzle: hausgemachte Weizen-Dinkel-Spätzle
Käse: Bergkäse
Zwiebeln: lätschig geschmälzt und bedauerlicherweise nicht allzu viel
Viskosität: sahnig, mit anfänglich noch fädenziehendem Käse
Beilage: beim traditionellen Beilagensalat in knackiger Frische stechen besonders die erdige Möhre und der pikante Rettich hervor
Zubereitungszeit: es erschien uns kaum länger als 10 Minuten
Abgang: als probate Verdauungshilfe ist die Jungfraubirne von der Owener Destillerie Rabel ideal
Preis: 11,90 Euro, inklusive Beilagensalat
Bewertung: Grundehrliche Küche, liebreizender Service und eine behagliche Enge in der Gaststube machen den Besuch zum Genuss! Die Kässpätzle vereinen beste Zutaten, sind für meinen Geschmack allerdings etwas zu soft und schlonzig geraten.

Lokalität: Waldschänke zur Distelklinge
Distelklinge 3
70794 Filderstadt (Plattenhardt)
Telefon: 0711) 77 14 38
E-Mail: info@distelklinge.de

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Hätte es Hesse geschmeckt? ***

 


Bereits Hermann Hesse badete und angelte an den Gestaden des Flüsschens Nagold. Womit er sich stärkte, ist jedoch nicht überliefert. Über 100 Jahre später hat sich das Gebäude der ehemaligen Calwer  Festhalle zu einem beeindruckenden Brauhaus gemausert - samt spektakulärer Terrasse überm Fluss. Hier frönt man den Bieren von Schönbuch Bräu und herzhaft-schwäbischen Genüssen, die jedoch so publikumstauglich zurechtgestutzt werden, dass ihnen jegliche Eigenart abhanden kommt.

Menge: hier muss keiner Hunger leiden!
Spätzle: sieht sehr conveniencemäßig aus
Käse:  der Service behauptet Bergkäse, mein Gaumen erschmeckt eher Emmentaler
Zwiebeln: hellblond geschwitzt und fast geschmacksneutral
Viskosität: ultrasoft und schlonzig
Beilage: auch hier regiert ein puristischer Trend und der fehlende Beilagensalat muss extra geordert werden - eigentlich nur zur Vitamisierung und zum erhofften Gebrauch des Kauapparates
Zubereitungszeit: keine Viertelstunde
Abgang: erst am späten Nachmittag setzt leichtes Magengrummeln ein
Preis: 8,40 Euro (Kässpätzle) + 3,90 Euro (Beilagensalat)
Bewertung: Ein Spätsommernachmittag auf der Terrasse ersetzt glatt einen Tag Urlaub! Die Speisen wirken jedoch wie geklont - von den Brauhäusern in Böblingen und in Stuttgart. Auch den Kässpätzle mangelt es an individuellem Charakter. Was vielleicht keiner der Gäste bemerkt?

Lokalität: Brauhaus Calw
Auf dem Brühl 1
75365 Calw
Tel. 07051- 966 32 80
E-Mail: info@brauhaus-calw.de

Sonntag, 30. September 2018

Vor der BUGA begutachtet ***

 















Die letzte Baustellenführung der nächsten BUGA lockt bei bestem Wetter glatt 25.000 Besucher an. Wer sich nicht dem Halligalli des dort gastierenden SWR1-Pfännle aussetzen möchte, tut gut daran, die umliegende Gastronomie zu testen. Ob es dabei ruhiger und gesitteter zugeht, sei dahingestellt.

In sichtlicher Oktoberfestlaune brezeln sich Familien- und Freundeskreise noch mal gehörig auf. Das klappt offenbar am besten bei bayrischen Schmankerl und frisch gezapftem Bier. Alles nur eine Inszenierung, befinden wir uns doch mitten in Heilbronn. 

Menge: hätte mehr sein können ...
Spätzle: ganz offensichtliche Fertigware von einem Großlieferanten
Käse: die angekündigten "dreierlei zartschmelzenden Käsesorten" sind laut Service: Limburger / Emmentaler / Brie (schmecken jedoch eher wie Streichkäse / Streichkäse / Streichkäse)
Zwiebeln: im Fett etränkte Röstzwiebelscheiben
Viskosität: siehe oben: zartschmelzend
Beilage: laut Karte leider keine - der zusätzlich bestellte Beilagensalat entpuppt sich jedoch als wahrer Hit: knackige Möhren- und Rotkohlrohkost auf frischem, aromatischem Blattsalat samt geschmackvoller Tomate und dicker Scheibe von der Bauerngurke
Zubereitungszeit: die in Windeseile nach 10 Minuten servierten Spätzle kamen so lauwarm an, dass  sie sofort zurück in die Mikrowelle geschickt werden
Abgang: weniger zur Verdauung als zur Abrundung empfiehlt sich die geniale "Alte Haselnuss" aus dem Hause Prinz (für unglaubliche 3,00 Euro)
Preis: 8,60 Euro (Kässpätzle) + 3,40 Euro (Beilagensalat)
Bewertung: Während sich die dürftigen Kässpätzle eher im unteren Mittelbereich bewegen, wird der Gesamteindruck durch knackig-frische Salate, erstklassige Getränke und engagierten Service  deutlich aufgepimpt.

Lokalität: Lehner's Wirtshaus Heilbronn
Bahnhofstraße 1
74072 Heilbronn
Telefon +49 7131 6427927
E-Mail: heilbronn@lehners-wirtshaus.de

Sonntag, 2. September 2018

Unter einem guten Stern ****

















Während draussen vor der Türe, am Bodanplatz, ein vermeintlicher Genussmarkt tobt, spielen sich die wahren Genüsse hinter geschlossenen Türen und auf der 1. Etage ab. Im stilvollen Ambiente längst vergangener Zeiten wird im Goldenen Sternen bei blank geputztem Tafelsilber und gestärkten weißen Tischdecken feinste Küche zelebriert. Hier werden die Speisen noch auf einem Wägelchen angerollt und unter einer Cloche warm gehalten.

Menge: mehr als ausreichend
Spätzle: breite, füllige, handgeschabte Prachtstücke
Käse: reiner Emmentaler, mit Sahne verfeinert
Zwiebeln: reichlich crispy Röstzwiebeln
Viskosität: samtweiche, butterzarte Konsistenz
Beilage: ein Gedicht von einem Beilagensalat: zarte Kopfsalatblätter, würziger Rucola, Möhrenspiralen und Tomatenstückchen
Zubereitungszeit: etwa 20 Minuten
Abgang: macht satt und glücklich
Preis: ambitionierte, aber angemessenene 14,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Gehobene, leicht skurrile Gastrokultur mit kuriosem Service. Einzigartig: ein ausladendes Spirituosenregal als Raumteiler.

Lokalität: Hotel Restaurant Goldener Sternen
Bodanplatz 1
78462 Konstanz
Telefon   +49 7531 / 25228
Telefax   +49 7531 / 21673
E-Mail: info@goldener-sternen-konstanz.de

Freitag, 10. August 2018

Hinter Schloss und Riegel ***

















Man nehme ein verwunschenes Dornröschenschloss aus dem Jahre 1550, ein geschicktes Marketingkonzept  und einige vollmundige, verbale Ausschweifungen: fertig ist das "Historant" im Immenstadter Stadtschloss. An einem lauen Augustabend kann man hier malerisch vor der Tür sitzen - wie auf einem Renaissance-Marktplatz in Mittelitalien.

Eine der adretten weiblichen Servicemädel erklärt uns enthusiastisch die Zubereitungsweise der Kässpätzle, die zufälligerweise auch ihr Lieblingsgericht sind. Bei so viel Begeisterung kann kaum was schief gehen, oder?

Menge: das gusseiserne Pfännle fasst eine stattliche Portion - die Reste werden uns gerne eingepackt
Spätzle: gehobelte knurpselige Knöpfle
Käse: eine einzigartige Mischung aus Allgäuer Bergkäse, Limburger und Emmentaler
Zwiebeln: soft geschmälzt und leider viel zu wenig
Viskosität: in suppiger, salziger Brühe schwimmend
Beilage: der überschaubare Beilagensalat besteht hauptsächlich aus Blattsalaten, mit ein paar Gurken- und Paprikastückchen garniert
Zubereitungszeit: die gar nicht lange Wartezeit wird uns mit einem Gruß aus der Küche verkürzt: ein Schälchen mit Kräuterquark, samt dreierlei Brotscheiben
Abgang: die stark übersalzene Käse-Brühe-Mischung sorgt für nachhaltigen Durst
Preis: 11,90 (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Das ambitionierte Nutzungskonzept des Schlosses, das historische Ambiente und der authentische Service können leider über einige kleine Unzufriedenheiten nicht hinwegtrösten. Beim nächsten Besuch probieren wir einfach ein anderes Gericht!

Lokalität: Schloss Immenstadt
Historant
Marienplatz 3
87509 Immenstadt
Tel: 08323-999 56 22
E-Mail: reservierung@schloss-immenstadt.de

Donnerstag, 9. August 2018

Fast ein Volltreffer ***


















"Früher begann der Tag mit einer Schusswunde" schrieb Wolf Wondratschek anno 1969. Obwohl wir es weniger martialisch lieben, jubilieren wir lauthals, als nach langer vergeblicher Restaurantsuche endlich ein Gasthaus namens "Schießstätte" auftaucht. Da wird nicht lang gefackelt, sondern ein schattiger Tisch gesucht und - schon halb hypoglyklämisch - der Chefin die Bestellung übern Tisch zugerufen.

Menge: der riesige Teller von der Größe einer Schießscheibe fasst tatsächlich eine stattliche Portion
Spätzle: wie überall im Allgäu: eher Knöpfle
Käse: rezenter Allgäuer Bergkäse
Zwiebeln: reichlich Röstzwiebeln von angenehm ledriger Konsistenz und würzigem Geschmack
Viskosität: gehörige Fäden ziehend
Beilage: ein Beilagensalat kann am Büffet selbst nach Wunsch zusammengestellt werden - augenscheinlich alles hausgemacht und in der Küchenmaschine zerkleinert: Gurke, Möhre und Rettich in dicken Stiften, Blaukraut in Scheiben. Der Kartoffelsalat kommt nach Schwabenmanier noch lauwarm und gut sämig daher!
Zubereitungszeit: kaum eine Viertelstunde
Abgang: etwas beschwerend
Preis: 9,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hier zeigt sich einmal wieder: Vereinsheime (auch  nur vermeintliche) sind nicht das Schlechteste! Dieser Schießstand hat uns auf jeden Fall vorm Verhungern und Verdursten bewahrt. Mit bodenständiger Hausmannskost, herzhaften Schmankerln und ehrlichem Service.

Lokalität: Gasthaus Schießstätte
Schützenstraße 4
87544 Blaichach
Tel. 08321 / 788 000 0
 E-Mai: info@schiessstaette-blaichach.de