Sonntag, 30. Dezember 2018

Feiern einmal anders ****


Der Jahresausklang im Kloster Hegne hat Tradition. Gehobene Gastlichkeit verbindet sich mit anregender Spiritualität und gepflegten Spirituosen. Koch und Küchencrew vollziehen Mal ums Mal die wunderbare Leistung, auch regionale Gerichte extrem frisch, fein gewürzt und kulinarisch überzeugend zu kreieren.

Menge: das Büffet kennt keine Grenzen - so viel man auf den Teller häufeln mag
Spätzle: Hausgemachte, durch ein spezielles Sieb gepresste Knöpfle
Käse: eine exquisite Mischung aus Emmentaler, Edamer und Mainauer Käse (einer regionalen Sorte, die ursprünglich auf der Insel Mainau kreiert wurde und dem würzigen Elsässer Munster Käse nahesteht)
Zwiebeln: reichlich knusprige und würzige Zwiebelringe
Viskosität: habhaft
Beilage: am üppigen Salatbüffet mit knackig frischen Zutaten von der nahen (Gemüse-)Insel Reichenau kann man sich nach eigenem Gusto selbst bedienen
Zubereitungszeit: in der Küche wird sicherlich ohne Unterlass eifrig geschnitten, gebrutzelt, gehobelt und gepresst
Abgang: ein aromatischer Klosterbitter vom Kloster Beuron gibt den angemessenen Abschluss
Preis: Halbpension ist im Festtagsarrangement "Feiern einmal anders" inkludiert
Bewertung: Dieses topfrische, optisch wie geschmacklich beeindruckende Arrangement hat absolut nichts mit der trockenen Pappigkeit anderer Kässpätzle-Varianten im Büffetbetrieb gemein. Hier gerät jede Mahlzeit zum kleinen Fest!

Lokalität: Hotel St. Elisabeth
Kloster Hegne
Konradistraße 1
78476 Allensbach
Tel.
07533/ 93662000

Sonntag, 16. Dezember 2018

... ruft`s aus dem Wald ****














Manchmal sieht man vor lauter Bäumen die schwarzen Wäldern (respektive: die gesuchten Lokale) nicht. So wurde dieser Kuckuck erst im zweiten Anlauf und nach solider Vorplanung aufgespürt. Doch so viel Beharrlichkeit hat sich gelohnt.

Ist der Kuckuck ein Restaurant mit angegliederten Schwarzwald-Shop? Eine Fundgrube regionaler Spezialitäten mit Konsumationsmöglichkeit? Ein ganztägiges Frühstücks-Café? Ein (um mit unserer Lieblingsband Erdmöbel zu sprechen) Vergnügungslokal ohne Weinzwang?

Unser Herz schlägt auf jeden Fall höher zwischen Schwarzwälder Kirschtorte in der Dose, filigranen Mini-Krippen in Walnusshälften und einer originellen, mainstreamabgewandten Speisekarte. Darauf ist mein Leibgericht nicht einmal gelistet. Doch hier werden (fast) alle Wünsche auf Zuruf erfüllt und man fühlt sich wie auf Heimaturlaub bei vertrauter Verwandtschaft.


Menge: dieser Teller ist randvoll mit Köstlichkeiten beladen
Spätzle: vermutlich von Bürger, aber auch eine Aldi´sche Provenienz wird nicht verschmäht
Käse: eine herzhafte Melange aus Emmentaler und Bergkäse
Zwiebeln: extrem fein geschnittene und knusprige Röstzwiebeln
Viskosität: geschmeidige Fäden ziehend
Beilage: die Spätzle werden sehr ansprechend begleitet von warmem, sahnig abgeschmecktem  Lauchgemüse, hauchdünn geraspelten, ultrafrischen Möhrenstreifen und einem aromatischen Ackersalat
Zubereitungszeit: geschätzte 20 Minuten, die wir angeregt plaudernd und staunend verbringen
Abgang: wohlig
Preis: 9,50 Euro
Bewertung: Diese ebenso grundehrliche wie deliziöse und reichhaltige Variante meines Lieblingsessens macht rundherum glücklich! Die kreative Atmosphäre sowieso.

Lokalität: Kuckuck Laden & Café
Marktplatz 53
72250 Freudenstadt
Tel. 07441 /9326736

Samstag, 8. Dezember 2018

Doppelte Auswärtsniederlage **

 
















Auswärtsspiel ist immer auch Auswärtscheck. Kulinarisch, sowieso. Und was liegt da dann näher, als nach einem völlig verkorksten Fussballnachmittag (4:1 für die spielgegnerische Mannschaft) im fremden Stadion (mit dortigem Verzehr von Glühwein und Stadionfeuerwurst) kulinarisch noch mal zuzulangen? So lässt sich, downtown im Nachgang, zumindest die weite Anreise halbwegs erträglich gestalten.

So erwartet uns bereits die gastronomische Mannschaft des Gastgebers „Piazza“ voller Frohlockung und entspannter Erwartungen. Die Speisekarten sind schnell gezückt, das Personal ist flink vom Ruhemodus (wir scheinen die ersten Gäste gegen 15:30 Uhr am Piazza) ins geordnete Mittelmeerraumtreiben geschaltet. Wir sind angezogen von laufender Bundesligaberichterstattung, Heißgetränken nach lässigem Dauernieselregen nebst frisch gezapften Kaltschalen zum Bundesligageplapper. verlängerter Küchentätigkeit aus dem off. Diese befindet sich über Innenhöfe ausgelagert, backstage.
 
Menge: Eine lächerliche Winzigkeit, die - der Tageszeit geschuldet - von uns auch als Nachmittagssnack gewertet wird
Spätzle: aus einer dieser vielen Fertigpackungen unserer treuesten Fertiggerichtfabriken der Nation
Käse: nicht mal im Geschmack an Käse erinnernd: analogue is the future
Zwiebeln: die von der Sorte „ dänische Fingernagelfrittiertes“
Viskosität:  Visko-was, bitte? Der ganze Kladderadatsch ist so derart durch Mikrowellentätigkeit an den Teller versiegelt, dass hier nix mit Viskose um die nächste Ecke winkt
Beilage: immerhin inkludiert, mit Sorgfalt angerichtet, aber das war es auch schon
Zubereitungszeit: kaum die Länge einer Videobeweisanfrage des Schiris an die Kölner Experten (3-4 Minuten)
Abgang: aufgrund der überschaubaren Menge locker mit einem guten Schluck Chiemseer überspült
Preis: 9,00 Euro inklusive Beilagensalat
Bewertung: Die durchaus als eigenwillig zu bezeichnende architektonische Gesamtgestaltung von Fußballarena inklusive Bratwurstbudenloggia, ja selbst die ausgezeichnete gegrillte Stadionwurst, Marke Feuerwurst, sind es wert, jederzeit nach Heidenheim anzureisen. Käsespätzleliebhaber meiden dagegen zumindest das Piazza und bestellen sich dort lieber eine Tasse Cappuccino mit Schuss.

Lokalität: Piazza Lounge Café Bar
Friedrich Degeler Platz 4
89552 Heidenheim
Tel. 07321/21944
E-Mail: info@piazza-lounge.de

Dienstag, 20. November 2018

Treppauf, treppab ***

 


















"Die Stuttgarter Stäffele sind mehr als 400 Treppenanlagen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt", vermeldet Wikipedia stolz. Welch geschickter Schachzug der schwäbischen Gastronomen-Dynastie Wilhelmer, eines der besten Pferde in ihrem Stall Stuttgarter Stäffele zu taufen. Klingt zumindest um einiges reizvoller als Stuttgarter Schlachthof  (ebenfalls in geschäftstüchtiger Wilhelmer-Hand).

Stäffelesrutschend kann man durch fünf Gasträume (allesamt urig, eng, weinselig) schunkeln - doch Achtung: selbst durch extensives Treppensteigen werden sich kaum die herzhaft-gehaltvollen Gerichte der schwäbischen Speisekarte kompensieren lassen.

Menge: Portionsgröße (riesig) und Tellerumfang (bescheiden) stehen in ungünstiger Relation
Spätzle: handgeschabt, von mannigfaltiger Gestalt und Umfang
Käse: vollmundige Fäden ziehend
Zwiebeln: leider Fehlanzeige - vielleicht, um ungewollte Flatulenzen zu vermeiden?
Viskosität: angenehme Dichte
Beilage: nur ein gedrechseltes Radieschen - wer mehr mag, muss einen etwas überteuerten  Beilagensalat extra dazu bestellen
Zubereitungszeit: kaum 20 Minuten bei vollem Haus
Abgang: leicht und bekömmlich
Preis: 8,80 Euro plus 5,20 Euro für den Beilagensalat
Bewertung: Deftige schwäbische Hausmannskost in herausgeputztem, ausgeschmücktem Ambiente. Die Spätzialistin würde sich für den nächsten Besuch a) reichlich geschmälzte Zwiebeln als Topping und b) einen inkludierten Beilagensalat wünschen

Lokalität: Stuttgarter Stäffele
Buschlestrasse 2a/b
70178 Stuttgart
Tel.: 0711 66 41 90
E-Mail: service-staeffele@wilhelmer-gastronomie.de

Montag, 12. November 2018

Next generation ***

 
















Zeiten ändern sich, auch seit meinem letzten Besuch vor 8 Jahren. Inzwischen ist längst die nächste Generation in Küche und Management tätig - doch mir selbst eine Radtour nicht einmal mehr in Träumen möglich. Dafür immerhin ein vormittägliches Erklimmen des Schönbuchturms, hoch über Herrenberg.

Ein Lob auf den Hasen, der a) montags geöffnet hat und b) einen attraktiven Mittagstisch mit drei wechselnden Gerichten anbietet, günstig, oft saisonal geprägt und überraschend rasch serviert. Dazu jede Menge Eye-Catcher: braune Echtleder-Tischsets mit eingeprägtem Hasen, eine extravagante Speisekarte mit einem Cover aus Heu (=Hasenfutter!), sowie eine Kaffee-Röstmaschine im Foyer.


Menge: fast scheitere ich an dieser üppigen Portion (die mir - zwischendrin kalt geworden - sogar nochmals erwärmt wird)
Spätzle: sichtlich aus eigener Herstellung
Käse: Appenzeller
Zwiebeln: leider nur ein Hauch von Schmelzzwiebeln, dafür mit vollem Umami-Geschmack
Viskosität: über einem suppigen Fettspiegel verbinden sich die Spätzle leider kaum mit dem Käse
Beilage: die Vorspeise widmen wir flugs zum leckeren Beilagensalat um: einen fein gehobelten, gut mit Kümmel und Petersilie abgeschmeckten, frischen Sauerkrautsalat
Zubereitungszeit: unglaublich kurze 10 Minuten
Abgang: macht pappsatt
Preis: günstige 8,50 Euro, inklusive Vorspeise
Bewertung: Trotz hervorragendem Service, höchst gepflegtem Ambiente und adretter Sauberkeit vermögen mich die Kässpätzle nicht vollkommen zu überzeugen: bitte mehr habhafte Konsistenz und zurück zur früheren Würze (Pfeffer und Muskat).

Lokalität: Hotel Gasthof Hasen GmbH
Hasenplatz 6
71083 Herrenberg
Telefon (0 70 32) 20 40
E-Mail:post@hasen.de

Sonntag, 28. Oktober 2018

Über die Klinge springen ***

 
















Nein, eine Klinge ist - landschaftlich gesehen - nicht Teil eines floralen Bestecks, sondern ein durch Erosion entstandenes kleines Tal. Doch die Filderstädter Distelklinge steht für eine urige Waldschänke mit herzhaft-regionalem Angebot. Wo es solch deftige Leckereien wie Schweinebäckle, Kutteln und saure Nierle gibt, hofft auch die Spätzialistin auf ihr Leibgericht. Liegt es am Charme der Bedienung oder an der eigenen Beharrlichkeit, dass die Küche über ihren Schatten (nicht über die Klinge) springt und Kässpätzle hervorzaubert, obwohl sie gar nicht auf der Sonntagskarte stehen?


Menge: ideale Portionsgröße - für Weicheier gäbe es auch eine kleine Portion
Spätzle: hausgemachte Weizen-Dinkel-Spätzle
Käse: Bergkäse
Zwiebeln: lätschig geschmälzt und bedauerlicherweise nicht allzu viel
Viskosität: sahnig, mit anfänglich noch fädenziehendem Käse
Beilage: beim traditionellen Beilagensalat in knackiger Frische stechen besonders die erdige Möhre und der pikante Rettich hervor
Zubereitungszeit: es erschien uns kaum länger als 10 Minuten
Abgang: als probate Verdauungshilfe ist die Jungfraubirne von der Owener Destillerie Rabel ideal
Preis: 11,90 Euro, inklusive Beilagensalat
Bewertung: Grundehrliche Küche, liebreizender Service und eine behagliche Enge in der Gaststube machen den Besuch zum Genuss! Die Kässpätzle vereinen beste Zutaten, sind für meinen Geschmack allerdings etwas zu soft und schlonzig geraten.

Lokalität: Waldschänke zur Distelklinge
Distelklinge 3
70794 Filderstadt (Plattenhardt)
Telefon: 0711) 77 14 38
E-Mail: info@distelklinge.de

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Hätte es Hesse geschmeckt? ***

 


Bereits Hermann Hesse badete und angelte an den Gestaden des Flüsschens Nagold. Womit er sich stärkte, ist jedoch nicht überliefert. Über 100 Jahre später hat sich das Gebäude der ehemaligen Calwer  Festhalle zu einem beeindruckenden Brauhaus gemausert - samt spektakulärer Terrasse überm Fluss. Hier frönt man den Bieren von Schönbuch Bräu und herzhaft-schwäbischen Genüssen, die jedoch so publikumstauglich zurechtgestutzt werden, dass ihnen jegliche Eigenart abhanden kommt.

Menge: hier muss keiner Hunger leiden!
Spätzle: sieht sehr conveniencemäßig aus
Käse:  der Service behauptet Bergkäse, mein Gaumen erschmeckt eher Emmentaler
Zwiebeln: hellblond geschwitzt und fast geschmacksneutral
Viskosität: ultrasoft und schlonzig
Beilage: auch hier regiert ein puristischer Trend und der fehlende Beilagensalat muss extra geordert werden - eigentlich nur zur Vitamisierung und zum erhofften Gebrauch des Kauapparates
Zubereitungszeit: keine Viertelstunde
Abgang: erst am späten Nachmittag setzt leichtes Magengrummeln ein
Preis: 8,40 Euro (Kässpätzle) + 3,90 Euro (Beilagensalat)
Bewertung: Ein Spätsommernachmittag auf der Terrasse ersetzt glatt einen Tag Urlaub! Die Speisen wirken jedoch wie geklont - von den Brauhäusern in Böblingen und in Stuttgart. Auch den Kässpätzle mangelt es an individuellem Charakter. Was vielleicht keiner der Gäste bemerkt?

Lokalität: Brauhaus Calw
Auf dem Brühl 1
75365 Calw
Tel. 07051- 966 32 80
E-Mail: info@brauhaus-calw.de