Donnerstag, 16. März 2017

Hilfe, ein Kunde! *


















16 Plusgrade an einem 16.März bringen die halbe Stadt in Wallung. Auch mich verleiten die frühlingshaften Temperaturen zu einem spontanem Essen unter freiem Himmel - als erstes Kässpätzle-Openair in diesem Jahr.

Das Kostbar hinterm Stuttgarter Rathaus lockt mit großzügigen Terrassen und entspannter Lounge-Atmosphäre. Dermaßen easy-going, dass nach einer halben Ewigkeit immer noch keine Bedienung auftaucht und die vergrätzten Gäste um mich herum bereits wieder das Weite suchen. Hier benötigt  man starke Nerven und gehörig Eigeninitiative, um überhaupt eine Bestellung aufzugeben.


Menge: nicht allzu üppig
Spätzle: ich verzichte entkräftet auf Herkunftsnachforschungen
Käse: in der Hektik wurde nicht mal der Scheib(lett)en-Käse ganz geschmolzen und dümpelt nun noch stückchenweise auf der Oberfläche dahin
Zwiebeln: die angekündigten geschmelzten Zwiebeln entpuppten sich als Rudimente frischer Frühlingszwiebeln
Viskosität: schlonzig
Beilage: ein kleiner Beilagenalat, der unter würzigem Rucola leider mit geschmackloser Gurke und undiskutablem Dosenmais aufgefüllt ist
Zubereitungszeit: die fast drohend prophezeiten 25 Minuten reduzieren sich nach meinen Missmutsbezeugungen auf ratzfatz 5 Minuten. Dafür erhalte ich als Besteck lediglich einen Löffel (Messer und Gabel müssen selbst organisiert werden).
Abgang: Lieb- und Geschmacklosigkeit treiben mich nach diesem verunglückten Essen in die Hände von Lebe Gesund auf der anderen Straßenseite (wo man mir mitleidvoll zwei Scheiben Brot schenkt)
Preis: 8,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Manche Latte-Macchiato-Locations fühlen sich so stylish, dass offenbar auf einen funktionierenden Service und eine handwerklich solide Küche verzichtet werden kann.

Lokalität: Kostbar Stuttgart
Steinstraße 3
70173 Stuttgart
Tel: 0711/ 4704595

Dienstag, 7. März 2017

Willkommen im Club **

















Ehemals galt der IBM-Klub Böblingen als Insel der Glückseligen, als eigenständiger Mikrokosmos ausserhalb der profanen restlichen Welt. Einst in den Wirtschaftswunderjahren für einen elitären Mitarbeiterkreis gegründet, hat sich der Klub in den vergangenen Jahren großzügig der Allgemeinheit geöffnet. Die sich inzwischen im Rentenalter befindlichen Altvorderen halten dem Ort trotzdem noch die Treue.

Sollten zwischen Aquaristik und Yoga Hunger und Durst aufkommen, lädt das Klub-Restaurant zu deftigen Speisen jugoslawischer Prägung und günstigem Mittagstisch ein. Absolut sehenswert: die 70er-Jahre-Architektur mit geklinkerten Wänden und rustikalem Parkettboden.


Menge: immens
Spätzle: Fertigware von Schmid`s
Käse: laut Auskunft von Kellner 1: Emmentaler
Zwiebeln: eher rudimentär als gedämpfte Stückchen vorhanden
Viskosität: suppig-schlüpfrig
Beilage: standardmäßig leider keine - doch ich greife zum Beilagensalat vom Büffet (dessen Bestandteile durch unspektakuläre Mittelmäßigkeit glänzen)
Zubereitungszeit: eine Viertelstunde
Abgang: am Gaumen bleibt eine latent aromatische Würze zurück
Preis: 7,90 Euro
Bewertung: Als Vorspeise ein Salat, als Hauptgang eine Suppe - diese Anmutung hatte das heutige Mittagessen. Wer seine Kässpätzle gerne schlürft, wird mit dieser Variante sicherlich glücklich werden. Mir perssönlich mangelte es an Biss.

Lokalität: IBM Klub-Restaurant Böblingen 
Schönaicher Straße 216
71032 Böblingen
Tel: 07031 / 27 22 47
E-Mail: kovacevd@hotmail.com

Donnerstag, 16. Februar 2017

Bei Graf Eberhard (ohne Bart) ****

 
















Je mehr man sich Bad Urach nähert, desto höher wird die Rollatoren- und Gehhilfendichte. Als Hotspot der künstlichen Hüften und rheumatischen Zipperlein mögen die Albthermen gelten. Gleich daneben residiert, schon etwas angejahrt, das Biosphärenhotel Graf Eberhard. Hier leben noch die 70er Jahre auf, in Form von grobem Rauhputz, Toast Hawai und schwadronierenden Altherrenriegen. Doch wenn man sich erst einmal akklimatisiert hat, bestellt man gern ein Viertele mehr (das hier übrigens noch im traditionellen Henkelglas serviert wird).


Menge: zusammen mit einem selbst gewählten Salat vom Büffet so umfangreich, dass ich mir die Hälfte einpacken lassen muss
Spätzle: überzeugend handgeschabt
Käse: Albkäs von der Hohensteiner Bioland Hofkäserei
Zwiebeln: fein gedämpft
Viskosität: von rahmig-sahniger Geschmeidigkeit
Beilage: das beeindruckende und einzigartige Salat- und Vorspeisenbüffet ist eindeutig das A (wie Anchovis) und O (wie Olive) dieses Lokals. Hier darf man sich einen Beilagensalat nach eigener Wahl holen und gerät dabei unwillkürlich in Verzückung angesichts des pesto-kräuterigen Baby-Mozzarellas, der erdigen Roten Bete, des sahnigen Krautsalats, der krossen Croutons, des bunten Pfannengemüses...
Zubereitungszeit: geschätzte 15-20 Minuten, die man jedoch mit einem großzügigen Amuse Gueule (Körnerbrot mit einem Glas Schmalz) wunderbar überbrücken kann
Abgang: so einlullend, dass ich auf der Nachhausefahrt sofort einschlafe
Preis:  stolze, aber vollkommen gerechtfertigte 14,50 Euro (inklusive Salat vom Büffet)
Bewertung: Während man bei manchen Schmeck-den-Süden-Gastgebern schon mal an der Redlichkeit zweifelt, regiert hier oberste Transparenz: auf einer Tafel gegenüber des Eingangs sind die aktuellen Lieferanten der Rohstoffe zu sehen. Das Salatbüffet kann als sensationell bezeichnet werden. Lediglich den Kässpätzle fehlt es an Würze - und da hilft auch der Einsatz der Pfeffermühle nicht.


Lokalität: Biosphärenhotel Graf Eberhard
Bei den Thermen 2
72574 Bad Urach
Telefon: 07125/1480
E-Mail: info@hotel-graf-eberhard.de

Mittwoch, 8. Februar 2017

Tempi passati ****

















Zwischen Carl Lämmle und 200 Jahre Landesgeschichte vergeht die Zeit wie im Fluge. Als sich kurz nach 14 Uhr heftiger Appetit anbahnt, haben vielerorts schon die Küchen geschlossen - oder man schliddert haarscharf in das Loch zwischen Mittagstisch und kleiner Abendkarte. Nicht so im "Tempus", das nach mehrmonatiger Auszeit erst vor wenigen Wochen unter neuer Flagge wieder eröffnet hat und ein ambitioniertes Programm zwischen mediterranen Speisen und schwäbischen Klassikern anbietet.

Tatsächlich fühlt man sich fast in ferne Gestade entführt, in diesem hell durchfluteten, großzügig konzipierten Raum - vor bunt lasierter Keramik, die allen Speisen ein verheissungsvolles Leuchten unterlegt. Tröstlicher lässt sich ein düsterer Februarnachmittag bei Stuttgarter Feinstaubalarm fast nicht zubringen!

Menge: gerade richtig
Spätzle: die entstammen zwar nicht originär der mediterranen Küche, wurden aber überzeugend interpretiert
Käse: sortenreiner Emmentaler und Bergkäse mit ausgewiesener Herkunftsbezeichnung (Sennerei Lehern)
Zwiebeln: ein beachtenswertes Duett aus blond angeschmelzter Frischware und knurpselig frittierten Röstzwiebeln
Viskosität: angenehm soft
Beilage: dieses bescheiden als "kleiner Salat" titulierte Kunstwerk erinnert an blühende Landschaften: buschige Blattsalate, fruchtiges Rotkraut, gelb leuchtende Paprika, erdige Rote Bete, erstaunlich geschmacksintensive Scheiben von Gurke und Tomate - so wirkungsvoll drapiert, dass man das liebevolle Arrangement fast nicht zerstören mag
Zubereitungszeit: grob geschätzte 10 Minuten
Abgang: als wir noch im geschmacklichen Nachhall schwelgen, wird unser Wohlbefinden von einem Gratis-Tiramisu abgerundet (verspäteter Gruß aus der Küche, Restbestand von der Mittagskarte oder Wiedergutmachung für die mehrfach vergessene Cola?)
Preis: 10,50 Euro
Bewertung: Diese farbexplosive und mutig die imaginäre 10-Euro-Grenze überschreitende Kässpätzle-Variante hat mich rundherum glücklich gemacht!

Lokalität: Restaurant Tempus

Konrad-Adenauer Straße 16
70173 Stuttgart
Tel. 0711/86021283
E-Mail: essen@tempus-stuttgart.de

Montag, 16. Januar 2017

Ein Leben ohne Spätzle?
















Fundstück im Radolfzeller Seestern....

Samstag, 7. Januar 2017

Zur Krippe her kommet... ***

 
















Not- und Zufall liegen oft nah beisammen. Welch Glück, dass Maria und Josef einst eine Unterkunft mit Krippe gefunden haben. Und wir 2000 Jahre später eine offene Herberge gleich neben dem Krippenmuseum.

Dass dort auch noch wohlschmeckende Kässpätzle serviert werden, bietet unerwartete Stärkung und Trost an einem frostigen Winterabend. Die Speisekarte listet so viel deftige Hausmacherkost auf, dass mit Sicherheit auch Fleischliebhaber glücklich werden. Freunde regionalen Bieres ebenso.


Menge: die bestellte "kleine Portion" entpuppte sich glatt als doppelte oder dreifache
Spätzle: hier bewahrheitet sich meine These: je südlicher, desto knöpfleartiger
Käse: ein vollmundiger Emmentaler-Bergkäse-Mix - und davon nicht zu wenig!
Zwiebeln: jede Menge knurpselige Röstzwiebeln
Viskosität: kompakt und massiv
Beilage: der dazu bestellte kleine Beilagensalat würde allein schon satt machen und überzeugt mit frischem Feldsalat, würzigem Kartoffelsalat, gestiftelten Möhren, Rettich, Kraut plus zwei Tomatenachteln und einem Topping aus knackigen Sprossen
Zubereitungszeit: der Salat wurde nach 15 Minunten, die Spätzle gut 10 Minuten später kredenzt
Abgang: so pappsatt habe ich mich selten gefühlt
Preis: 7,00 Euro (für die offiziell "kleine Portion") plus 3,60 Euro (für den extra georderten Beilagensalat)
Bewertung: Gemütliches Ambiente, freundlicher Service und enorme Portionsgrößen verleiten zum Wiederkommen.

Lokalität: Gasthof zum Adler
Kirchplatz 31
89613 Oberstadion
Tel. +49735792050
E-Mail: info@adler-oberstadion.de 

Freitag, 6. Januar 2017

Bürger, Burger, Brauhaus **


















Schon beim Betreten der riesigen Hallen ergreift nich latenter Schwindel: eine wahre Armada emsiger Servicekräfte umschwirrt 280 Plätze, untermalt von einem grandiosen Gräuschpegel aus Geschirrklappern, Kindergeplärre und Gesprächsfetzen. Lange Holzbänke und -tische imitieren ein zünftiges  Brauhaus, internationale Besuchergruppen huldigen "pork shanks" und "swabian pasta".

An den Wänden historische Fotos der letzten beiden Jahrhunderte vom "Oberamt Böblingen", stattlichen Mannsbildern und fliessigen Frauen. Instintiv suche ich nach meinen Vorfahren, die keine 500 Meter von manchem Aufnahmeort gewohnt haben. Das ist durchaus noch weitere Recherchen wert!

Menge: was ursprünglich überschaubar wirkt, sättigt dann in Kombination mit einem Beilagensalat doch für etliche Stunden
Spätzle: die kommen von Bürger
Käse: auf meine Anfrage antwortet die Servicekraft mit Inbrunst: "Bergkäse  - der gibt auch den würzigen Geschmack!" Als ich um Nennung der genauen Herkunft bitte, kommt erste Unsicherheit auf und der Großhändler Metro wird als Lieferant genannt. Beim dritten Anlauf erfahre ich, dass immerhin  "Schwarzwald" auf der Tüte stehe. So viel zur ausgewiesenen Regionalität...
Zwiebeln: die laut Karte "gebräunten Zwiebel" verströmen einen angenehm herzhaften Umami-Geschmack
Viskosität: suppig-sahnig
Beilage: offiziell keine, ich bestelle jedoch einen kleinen Beilagensalat dazu (vorkonfektionierte Fertigblattsalate, geraspelter Rettich und Möhre)
Zubereitungszeit: die Kässpätzle werden nach schnellen 10 Minuten von Servicekraft A kredenzt, während der Salat einige Minuten später von Servicekraft B geliefert wird
Abgang: leicht, keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassend
Preis: 7,90 Euro (Käserahmspätzle) plus 3,90 Euro (kleiner Salat)
Bewertung: Etwas mehr Individualität und Persönlichkeit könnten diesem schwäbischen Leibgericht nicht schaden. Bei der gepriesenen Regionalität (laut der "Schmeck-den-Süden"-Philosophie sollten diese Käsespätzle "ausschließlich aus Rohstoffen unserer Region" bestehen. Offenbar: "nachweislich und kontrolliert") kommen Zweifel auf. Das kann auch durch das bemühte Engagement der Servicekräfte nicht wettgemacht werden. 

Lokalität: Brauhaus Schönbuch - Stuttgart
Bolzstrasse 10
70173 Stuttgart
Tel.: 0711- 722 30 930
E-Mail: info@brauhaus-schoenbuch.de