Dienstag, 29. September 2026

Göttliche Kässpätzle ***

 


 

 










Über die internationale Interpretation meiner schwäbische Leibspeise wurde bereits ausgiebig referiert. Doch im Ranking der exotischten Varianten dürfte das Lingam an vorderster Stelle stehen. Sehr selbstbewusst offeriert das Lokal im Böblinger Zimmerschlag deutsche, amerikanische und indische Küche und kündigt auf seiner Homepage "die besten Geschmacksrichtungen aus drei Kulturen"an. Also Maultaschen, Burger und Chicken Masala?

Dass der Lokalname im Sanskrit für die hinduistischen Gottheit Shiva steht und im Hintergrund der sri-lankesische Inhaber daselbst köchelt, fordert unsere höchste Wertschätzung ein. 

Menge: von der mächtigen Portion werden mir die Reste schwuppdiwupp eingepackt - und schmecken am nächsten Tag noch gensauso gut
Spätzle: in meiner Vorstellung aus einer angesehenen Spätzleproduktion aus Anuradhapura?
Käse: vermutlich kein nichtschmelzender Paneer, sondern eher europäischer Emmentaler 
Zwiebeln: kaum vorhanden, werden jedoch auch nicht vermisst
Viskosität: resch as resch can
Beilage: Salate nach europäischem Gusto kennt die asiatische Küche nicht - umso rührender wirkt das Arrangement dieses Beilagensalats mit Grünzeug, schwäbischem Kartoffelsalat, gestiftelten Möhren und einem neckisch nach oben ragenden Tomatenachtel
Zubereitungszeit: cool down: bis alles auf dem Tisch steht, vergeht eine Dreiviertelstunde
Abgang: leicht und unbeschwert
Preis: die stolzen 17,90 Euro (inklusive Beilagensalat) ist diese Erfahrung wert
Bewertung: Volle Anerkennung für die kross überbackenen und im heißen Pfännle servierten Kässpätzle, die ein schwäbischer Koch nicht besser gewuppt hätte. Schwächen beim Beilagensalat und in der langen Wartezeit nehmen wir gelassen in Kauf. 

Lokalität: Restaurant Lingam
Im Zimmerschlag 8
71032 Böblingen
Tel. +4970316581061
E-Mail: Lingamrestaurant@gmail.com


Mittwoch, 23. September 2026

Und ewig lockt der Schiller ***

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Keine Sorge: wir begeben uns nicht auf fremdgängerische Exkursionen zu Schillerlocken und Haifischflossen, sondern lediglich zu einem Ausflug auf den Marbacher Musenhügel. Vor gut einem Jahr bezog die Gastronomenfamilie Neuberth das schon etwas angegraute bisherige Restaurant Schillerhöhe in prominenter Nähe zum Schillernationalmuseum und dem stylishen Deutschen Literaturarchiv (erschaffen vom Star-Architekten Chipperfield). 

Bei so viel Chic erstrahlt sogar die Speisekarte in Illustrationen von schillernder Seligkeit und bacchantischem Vergnügen. Nebst neckischen Speisebezeichnungen wie "Kabale & Rind" oder "Don Carlos Genuss". Nur meiner Leibspeise hätte ich mehr Ideenreichtum gewünscht als "Das poetische Pfännchen". 

Menge: nach der Hälfte muss ich passen, doch der Rest wird mir sorgsam eingepackt 
Spätzle: laut Karte: hausgemacht
Käse: Bergkäse
Zwiebeln: so muss es sein: schön schlüpfrig geschmälzte deftige Zwiebelstreifen
Viskosität: softe Grundkonsistenz, unterm Salamander knackig gebräunt
Beilage: der kleine Beilagensalat ist so winzig, dass er in eine Schale von der Größe einer Kaffeetasse passt - und so einfallslos, dass die paar darauf verirrten Sesamsamen schon als lukullische Leistung gelten
Zubereitungszeit: eine gute Viertelstunde
Abgang: rumpelig
Preis: 17,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Allein schon die Marbacher 1a-Lage entpuppt sich als "a gmäht´s Wiesle." Dabei hätte es nicht so viel sichtliche Bemühtheit um Originalität bedurft, um diese soliden, schmackhaften, traditionell ausgeführten Kässpätzle zu kreieren. 

Lokalität: Schillers Blick
Schillerhöhe 12 
71672 Marbach am Neckar
Tel.: 07144 9989509
E-Mail: info@schillers-blick.de