Montag, 18. Juli 2011

Linde mit Leidenschaft ****





























19 Minuten Fahrtzeit prophezeit verschwörerisch mein TomTom. Das ist nicht zu weit, um ein hochgelobtes Lokal zu testen, das laut Homepage "über die Grenzen der Landeshauptstadt Stuttgart hinaus bekannt" ist .

Jörg Mink ("Gastronom aus Leidenschaft") zeichnet sich seit 2008 verantwortlich für das Möhringer Gasthaus zur Linde, einer ehemaligen Poststation - zentral gelegen, wenngleich ohne Parkplätze; mit bodenständigem Gebaren, ohne das exquisite Ambiente vorschnell vorweg zu nehmen.

Helle Aussenfassade, rote Klappläden, zwei kaum mannshohe Lindenbäumlein links und rechts des Eingangs. Beim Eintreten viel frei gelegte Holzbalken und ein schlicht gehaltener Empfangstresen. Nachdem ich mich als Alleinesserin oute, wird mir der Katzentisch gleich hinter der Tür zugewiesen - doch das Grundgefühl ist heimelig und wohlig: rustikale Dielen, dunkles Holz, skandinavisch anmutenden Stühle, violette Tischsets, erlesene Leuchten, großformatige Blütenmotive an den Wänden.

Auf der Weg zur Toilette im Untergeschoß reihe ich mich selbstbewußt ein in die fotografischen Belege der vergangenen VIPs (Kohl, Waltz, Gottschalk). Als ich zurück komme, grüßt bereits die Küche mit sahnigem Frischkäse und Weißbrot.


Menge: der tiefe Teller hat es in sich - wider Erwarten muss ich vor dem Ziel passen
Spätzle: feingliedrige, wohlgeformte Unikate
Käse: eine würzige Mischung aus Emmentaler und Bergkäse (und das nicht zu wenig)
Zwiebeln: sehr dunkel, sehr knusprig angeröstet
Viskosität: moderat Fäden ziehend
Beilage: grüne Blattsalate, die geschmacklich hervorragend mit den Spätzle harmonieren
Zubereitungszeit: rasante 10 Minuten (habe ich ein Bimmeln vernommen?)
Abgang: glücklich machend
Preis: 12,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hier vereinen sich Kompetenz, Tradition und Perfektion zu einer geglückten Symbiose. Der Service lässt keine Wünsche offen. Was will man mehr?

Lokalität:
Gasthaus zur Linde
Sigmaringer Straße 49
70567 Stuttgart-Möhringen
Telefon (0711) 719 95 90
Telefax (0711) 719 95 92

Sonntag, 26. Juni 2011

Haus am See ***





























Das letzte Mal Güttingen - heute Bodman-Ludwigshafen. Wann immer wir Onkel Manfred besuchen, ist ein gemeinsames Mittagessen das krönende Highlight. Während der Onkel traditionell zu einem panierten Wiener Schnitzel mit reichlich Fritten tendiert, zieht es mich unweigerlich zu Kässpätzle. Die munden besonders gut mit einem Ausblick auf den sommerlichen Bodensee, auch wenn heute eine kühle Brise den zukünftigen Surfern die Lust gehörig herunterdimmt. Wir sitzen behaglich im Trockenen und kommentieren die verzweifelten Versuche der Surf-Aspiranten mit wechselhaftem Interesse.

Verwöhnt werden wir von zwei überaus aparten Service-Damen, deren pinkfarbener Dresscode sogar einen passenden Niederschlag im Lidschatten findet. Die Speisekarte bietet reichlich regionale Köstlichkeiten, so dass meine restliche Verwandtschaft mit Zander und Felchen beglückt wird, feinstens arrangiert auf überdimensionierten Glastellern in Fischform.

Und ich? Staune über eine außergewöhnliche Kässpätzle-Interpretation mit unverkennbar fruchtig-süsslich-tomatiger Note. Reichlich Schnittlauch-Röllchen und krosses Anrösten runden den positiven Eindruck ab.


Menge: überschaubar
Spätzle:
wohlgeformtes Fertigprodukt der Firma Tress
Käse:
Emmentaler
Zwiebeln:
großzügig in Würfel geschnitten und glasig angedünstet
Viskosität:
sehr dezent Fäden ziehend
Beilage:
leider keine, nicht mal eine kleine Salatdekoration
Zubereitungszeit:
20 Minuten
Abgang:
überzeugend leicht und herrlich unbeschwert
Preis:
8,20 Euro (ohne Salat)
Bewertung:
Pluspunkte für liebenswerten Service, einzigartigen Seeblick und eine charmante Spätzle-Variation. Gerne hätte ich mir eine jedoch etwas größere Portion und einen begleitenden Beilagensalat gewünscht. Vielleicht das nächste Mal?


Lokalität:
Hotel Restaurant Seehaus
Kaiserpfalzstr. 21
78351 Bodman
Telefon: 07773/ 5662
Telefax: 07773/ 1311
E-Mail: info@seehaus-bodman.de


Freitag, 10. Juni 2011

Doppelverkostung *****






























Selten einmal muss ich bei einem Testessen einen Befangenheitsantrag stellen. Noch seltener wird ihm statt gegeben. Was bleibt mir da anderes übrig, als pflichtschuldigst meine Wertung abzugeben?

Dora und Hans laden zur raffinierten Doppelverkostung ein: die Spätzle mal geschuettelt, mal gepresst. Der Aperitiv mal gespritzt, mal geeist. Die Knabbereien vom Feinsten: politisch korrekte Erdnüsse aus Kenia, mit Balsamico-Essig versetzte Kartoffelchips unbekannter Provenienz, würzige Pinienkerne und schlichte Salzstängele. Die Weissweine mal adlig vom Graf von Kanitz (Lorcher Pfaffenwies 2008 Riesling Goldkapsel), mal profaner, aber nicht minder feiner aus Lehrensteinsfeld. Der einzigartig aromatische Quittenbrand aus dem Keller eines Onkels.

Besondere Erwähung verdient der mit Tomatenachteln und Schnittlauch verfeinerte Blattsalat von Dora. Gleichzeitig brechen wir in Begeisterungsrufe aus. So haben die Salate unserer Kindheit geschmeckt: frisch, knackig, würzig - mit jener vagen Erinnerung an Sonntagsbraten und Grießnockerlsuppe. A la recherche du temps perdu! Und das alles in einem unvergleichlich franko- und bibliophilen Ambiente. Wir schmelzen förmlich vor Begeisterung dahin.

Menge: üppig
Spätzle: von Dora: schlank, rank und klassisch durch die Presse gedrückt / von Hans: etwas voluminöser und softer durch den Spätzle-Shaker gejagt
Käse: Emmentaler und Bergkäse in unterschiedlichen Mengenverhältnissen
Zwiebeln: reichlich, saftig, mit Röstaromen
Viskosität: optimal
Beilage: ein jahreszeitlich ausgerichteter Spargel-Ei-Salat nebst dem oben beworbenem Blattsalat
Zubereitungszeit: wir vermuten tagelange Vorbereitungsarbeiten
Abgang: überraschenderweise gar nicht beschwerlich (dank des Quittenbrands aus der Familie und einem nächtlichen Spaziergang nach Hause)
Preis: ??
Bewertung: Glücklich, wer solche Freunde hat! Am liebsten würden wir uns täglich einladen lassen. Das Duett von Kässpätzle-Variationen mit begleitenden kulinarischen Köstlichkeiten verdient die Höchstnote. Gerne wieder!

Lokalität: Dora und Hans
Kontaktdaten nur auf Anfrage

Dienstag, 7. Juni 2011

Erbsen auf halb acht ***





























Auf der Rückfahrt vom Salamander Werksverkauf in Kornwestheim verfransen wir uns kolossal. Geplant war eine lauschige Einkehr im Hohenasperg - gelandet sind wir schließlich am Max-Eyth-See, Stuttgarts kleines schwäbisches Meer, auf dem schon mancher zukünftige Möchtegern-Weltumsegler klar Schiff machte.

Das Haus am See lockt mit einem beeindruckenden Ausblick von der Sonnenterrasse, "denn unter unserer wetterfesten Großmarkise ist immer eine ganz besondere Stimmung" (O-Ton Werbebroschüre). So geniessen wir gegen halb acht den lauschigen Sonnenuntergang, samt Salatteller mit Erbsen, Möhrchen und reichlich Grünzeug (ein mutiges Angebot in Zeiten von Ehec). Achja, und als schließlich die Kässpätzle eintreffen, muss ich fast schon die Segel streichen!

Menge: für eine kleine Portion recht beeindruckend
Spätzle:
laut Auskunft der Servicekraft "natürlich selbst gemacht"
Käse:
laut Auskunft der Servicekraft: Emmentaler
Zwiebeln:
sehr fein gehackt, doch leider geschmacklich und visuell kaum wahrnehmbar
Viskosität: grisselig
Beilage: der absolute Hit dieses Lokals ist ein phänomenales Salat- und Gemüsebüffet von ausladenden Ausmaßen - der Gast darf sich davon gleich mehrmals nach Wunsch bedienen!! Und ist damit schon pappsatt!
Zubereitungszeit: nicht mal 10 Minuten
Abgang: leicht rumorend
Preis: kleine Portion 9,00 Euro (inklusive reichlich Grünzeug vom Büffet) - den normale Portion für 10,50 Euro können wir uns kaum vorstellen
Bewertung: Auch wenn die Spätzle für meinen Geschmack etwas zu blässlich ausfallen - das einzigartige Salat- und Gemüsebüffet, sowie die herrliche Aussicht sorgen für Pluspunkte! Zusätzlich Bonus für laue Sommerabende.


Lokalität: Haus am See
Inhaber: Holger Waiblinger
Mühlhäuser Straße 311
70378 Stuttgart
Telefon: 0711/53 41 97
Telefax: 0711/ 5 30 27 84
Mail: post@haus-am-see-stuttgart.de


Dienstag, 31. Mai 2011

Knöpfle mit Mainblick *





























Geradezu legendär sind die jährlichen Ausflüge von Hausfreund Mikes Kegelclub - besonders jene, die dank verwandtschaftlicher Verquickungen in das liebliche Mainfranken führen. Als feste Programmpunkte sind strahlendes Wetter, deftige, kulinarische Köstlichkeiten, sowie eine stramme Samstagswanderung vorgesehen. Für ausgelassene Stimmung sorgt selbstverständlich der regionale Wein.

Aber halt: nicht immer gelingt der Organisationsleitung ein reibungsloser Ablauf. In diesem Jahr bremst die Mittagspause des Fährmanns unsere samstägliche Wandertour von Dettelbach nach Münsterschwarzach (jaja, der Homebase von Anselm Grün) unversehens aus. Statt auf die andere Mainseite überzusetzen, wo ein herzhaftes Mittagessen auf uns warten würde, laufen wir spontan einfach weiter. Der Weg zieht sich, die Sonne knallt, der Kohldampf wächst - doch weit und breit ist kein Lokal in Sicht.

Als wir endlich am Campingplatz Mainblick stranden, bin ich restlos unterzuckert. Der einzige Trost: Kässpätzle auf der Speisekarte des angegliederten Lokals. Wieso eigentlich nur für Kinder gedacht?


Menge: für eine Kinderportion erstaunlich üppig!
Spätzle: Fertig-Knöpfle
Käse: auf diese Frage haben wir anstandshalber verzichtet
Zwiebeln: nicht vorhanden und auch nicht vorgesehen
Viskosität: nicht vorhanden und auch nicht vorgesehen
Beilage: ein neckischer kleiner Beilagensalat (Blattsalat, Zwiebeln, Tomate, rote Paprika aus dem Glas)
Zubereitungszeit: 25 Minuten - dabei ist das Bimmeln der Mikrowelle schon früher ertönt
Abgang: in Zusammenhang mit einem nachfolgenden Kaffee im Münsterschwarzacher Kloster-Cafe: absolut verheerend!
Preis: 6,90 Euro
Bewertung: kurz vor dem hyperglykämischen Schock ist die Kinderportion die letzte Rettung. Indes: auf einem Campingplatz lukullische Höhenflüge zu erwarten, dürfte nicht angebracht sein. Demütig fügen wir uns in unser Schicksal und wandern schnurstracks weiter.

Lokalität: Campingplatz Mainblick
Familien Gerbig und Gernert
Schwarzenau, Mainstr. 2
Tel. 093247/605
97359 Schwarzach am Main


Mittwoch, 4. Mai 2011

100% Bio ***






























München, zweite Runde. Die ausladenden unterirdischen Katakomben des Münchner Ratskellers sind so verwirrend, dass man zur Orientierung einen Ariadne-Faden benötigen würde - oder einen ausführlichen Lageplan. Sichtlich beeindruckt stolpern wir an bierkrugstemmenden asiatischen Geschäftsleuten und zünftigen Familienfeierlichkeiten vorbei, hinein in unsere reservierten Abteile. Überhaupt geht es hier sehr multikulti zu, inklusive Yilmaz, unserem stets scherzenden Kellner mit nicht-bayrischem Migrationshintergrund.

Ohne Scherz: die üppige Speisekarte denkt auch an gesundheitsbewusste Vegetarier und bietet neben einem beachtlichen "Omega 3 Salat" und einem exotischen "ORIENTAL AVOCADO - TOMATEN - TARTAR" ein komplettes "100% Bio" ausgerichtetes Angebot. Käsespätzle gehören selbstredend auch in diese Rubrik.


Menge: überschaubar
Spätzle:
bayrische Biospätzle, hausgemacht und in einem dekorativen Porzellan-Schiffchen angerichtet
Käse:
geschmolzener Kloster Andechs Käse
Zwiebeln:
knusprige Röstzwiebelringe
Viskosität:
elastisch
Beilage:
fünf Scheiben Tomate in balsamicolastiger Tomatenreduktion, garniert mit drei Basilikumblättchen
Zubereitungszeit:
circa 20 Minuten
Abgang:
unspektakulär
Preis:
stolze 11,00 Euro (inklusive formschöner Tomatenbeilage)
Bewertung:
Riesige Speisung der Zehntausend mitten im Bauch von München. Sehr umfangreiche, vielseitige, jahreszeitlich orientierte Karte. Die hochwertige Qualität leidet allerdings etwas zugunsten der Quantität: ganz satt bin ich nicht geworden! Dafür war die (reduzierte) Tomate an Tomatenreduktion ein Gedicht! Gerne mehr!

Lokalität:
C. Wieser Gastronomiebetriebs GmbH
Ratskeller München
Marienplatz 6
80331 München
Telefon: +49 (0)89 2199890
Telefax: +49 (0)89 21998930
E-Mail: info@ratskeller.com
Internet: http://www.ratskeller.com


Sonntag, 1. Mai 2011

Spatzl am Platzl ****



 

 

 


 

 

 

 













1. Mai. Rechtzeitig zum Tag der Arbeit starte ich auf Dienstreise nach München. Dort lädt ein lauer, blütengeschwängerter Abend zum Flanieren ein. Lärmende Touristengruppen treiben mich mit in Richtung Hofbräuhaus, wo gehörig geschunkelt wird und dirndlbestrapste Madln Lebkuchenherzen feilbieten. Bloß weg von hier! 

Schon auf der gegenüberliegenden Seite des Platzls herrscht angenehme Ruhe. Hübsch gelegen - zwischen Hard Rock Cafe und dem Schuhbeck`schen Kulinarik-Areal - verbindet das Wirtshaus Ayingers ein sehr gepflegtes Ambiente mit ansprechenden Details: hellgelbe Stoffservietten, hübsche Körbchen mit Brezn und im hohen Saftglas servierte Weissweinschorle. Eine deftig orientierte Speisekarte mit regionalen, bodenständigen Gerichten ist selbstverständlich! Und: von meinem Fensterplatz aus lässt sich prima die ein- und ausschwärmende Hofbräuhausklientel vis a vis beobachten. Herrlich schräg! 

Menge: reichhaltig
Spätzle: feiste Knöpfle 
Käse:
Emmentaler
Zwiebeln: sehr, sehr crispy 
Viskosität:
moderat Fäden ziehend
Beilage: eine üppige, gut bestückte Salatschlüssel mit Blattsalaten, roter Zwiebel, gelber und roter Paprika, Tomate, Karotte und Sellerie (vermutlich aus dem Glas), Sonnenblumenkernen (lecker), Croutons (Fertigware), Mais und Kidneybohnen (überflüssig) 
Zubereitungszeit:
der charmante, hilfsbereite Kellner ließ mich die Zeit vergessen - es war wohl höchstens eine Viertelstunde 
Abgang:
mächtig 
Preis:
11,00 Euro (inklusive Beilagensalat) 
Bewertung:
Hier findet sich alles, was mich glücklich macht: üppige, im gusseisernen Pfännle servierte Kasspatzn, delikater Salat, zuvorkommender Service und einladend gemütliche Atmosphäre. Für Kässpätzle bewegen wir uns hier schon im gehobenen Preissegment - doch das lohnt sich!  

Lokalität: Wirtshaus Ayingers Platzl 1A
80331 München
Telefon 089 / 23 703 - 666
Telefax 089 / 23 703 - 665