Sonntag, 10. April 2016

Herzog Friedrich hätte seine Freude ***




Freudenstadt lockt mit einer Vielfalt von Heilsversprechen nicht nur moribunde Rentner an. Oben auf dem Hausberg Kienberg (auch für Fußkranke und Versehrte bequem erreichbar mit dem Kurbähnle) hat vor gut einem halben Jahr - auf den Grundmauern des ehemals reichlich abgehalfterten und altjüngerferlichen Cafés am Friedrichsturm - eine sehr stylische Location im aufgemotzten Landhaus-Look eröffnet. Vermutlich hat der Innenarchitekt mit diesem geballten Black-Forest-Feeling seine Doktorarbeit vollbracht. Nicht umsonst gehört hier die Schwarzwälder Kirschtorte zu den gefühlt am häufigsten bestellten Speisen.


Menge: reichlich - nur der Anstand verbietet mir, den verbliebenen Rest einpacken zu lassen
Spätzle: schlank, gleichförmig und offenbar hausgemacht
Käse: der sehr bemühte, aber in Interna ziemlich unwissende Kellner versucht es mit folgenden Antworten (in dieser Reihenfolge): a) Allgäuer Hüttenkäse b) vom Großmarkt, "da muss ich mal auf die Tüte schauen" c) Emmentaler
Zwiebeln: geschmälzte Zwiebelringe
Viskosität: angenehm cremig, mit knackig überbackener Oberfläche
Beilage: keine (ein wahres Manko!)
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: wohlig
Preis: 7,50 Euro
Bewertung: Trotz mangelndem Beilagensalat und fehlender Transparenz der Inhaltsstoffe haben mich die grandiose Aussichtslage und das sichtliche Bemühen des Servicepersonals mehr als versöhnt.

Lokalität: Friedrichs am Kienberg
Herzog-Friedrich-Straße 33
72250 Freudenstadt
Tel. 07441/951196
E-Mail: info@friedrichs-kienberg.de

Montag, 4. April 2016

Kellner verzweifelt gesucht **

















An manchen Tagen gibt es was zu feiern - und sei es nur das Leben! Merkwürdig jedoch, dass an diesem schnöden Montagabend wohl halb Böblingen auf dieselbe Idee kommt: wahre Heerscharen von Ruheständlern, Jahrgangskollegen und Feierabendtrinkern.

Da geraten selbst die ausladenden Dimensionen des Brauhauses und die Kapazitäten des Servicepersonals an ihre Grenzen. Wer hier zu seinem Recht (respektive: Essen) kommen möchte, braucht starke Nerven, endlose Geduld und eine gute Portion Galgenhumor. Noch während wir auf die potentielle Synchronisierung von Getränke und Speisen hoffen, erinnern wir uns wehmütig an die selbstverständlichen Fähigkeiten eines Kölner Köbes. Brauhaus ist halt doch nicht gleich Brauhaus.

Menge: möglicherweise ausreichend - aufgrund mangelnden Geschmacks jedoch ein derartiges Hungergefühl hinterlassend, dass ich noch eine Brezel als Zugabe bestellen muss
Spätzle: die Speisekarte nennt sie "pfannenfrisch"
Käse: ließ sich nicht definieren
Zwiebeln: gebräunte Zwiebeln mit angenehm süsslichem, marmeladigem Aroma
Viskosität: suppig-wässrig
Beilage: ein 0815-Beilagensalat, gnädigerweise ohne das übliche Alibi-Tomaten-Achtel, dafür mit ultrafein geraspeltem Rettich (lecker!)
Zubereitungszeit: 15 Minuten
Abgang: fad bis säuerlich
Preis: 8,90 Euro (inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Umtriebiges Ambiente, unzuverlässiger Service und mittelmäßige Qualität hinterlassen ein schales Gefühl. Allein die Attraktivität der Speisen am Nebentisch lassen uns höhere Ambitionen erahnen.

Lokalität: Brauhaus Böblingen
Lange Strasse 20
71032 Böblingen
Tel.: 07031 / 68 13 23
info@brauhaus-bb.de

Sonntag, 13. März 2016

Spätzle im Quadrat ***

















Wer im Hause Ritter-Sport nur cremige Sahnetorten und pappsüsse Warmgetränke erwartet, darf im Waldenbucher Museumscafé staunend durch die Speisekarte blättern. Hier locken gleichermaßen "heiss & knusprig" wie "frisch & knackig". Auch wenn kulinarisch Unerschrockene tatsächlich Schoko-Spätzle RITTER-Art  im Angebot finden (Schwäbische Eierspätzle mit Vanille-Sahne und heißen Schokowürfeln).

Da kehren wir doch lieber zum Altbewährten zurück.  Ein Rätsel allerdings, wo sich in diesem Eldorado der Schocoholics eine vernünftige Küche befindet, die ein vollwertiges warmes Essen in Nullkommanix herbeizaubert. Ein Schelm, wer Mikrowelle dabei denkt.


Menge: die Portion wird in der Karte als "für den etwas größeren Hunger" geführt
Spätzle: Eierspätzle von Omega Sorg
Käse: vermutlich Emmentaler
Zwiebeln: die Röstzwiebeln (laut Karte) entpuppen sich als Rudimente geschmelzter Zwiebelstückchen
Viskosität: sahnig-schlonzig
Beilage: das quadratische Salatschüsselchen ist leider wenig praktisch: es bedarf ergonomischer Höchstleistung, um die großflächigen Salatblätter, nebst Paprikascheibe, Gurkenstück und Maiskörner hinaus zu katapultieren
Zubereitungszeit: ebenso sensationelle wie zweifelhafte 5 Minuten bei absolut vollem Haus
Abgang: mild und sanft
Preis: 7,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Auch wenn sich die Convenience-Spätzle eher im gefälligen Mittelmaß bewegen, möchten wir den architektonisch gelungenen Ort mit reizvollem landschaftlichem Ausblick positiv in die Wertung mit einbeziehen.

Lokalität: Museum Ritter - Museumscafé
Alfred-Ritter-Straße 27
71111 Waldenbuch
Tel.: 07157/538169

Dienstag, 8. März 2016

Die Grillsaison ist eröffnet *

 
















Zuweilen zwingen einen körperliche und geistige Immobilität an den heimischen Esstisch - auch wenn balzende Amseln und knospende Krokusse bereits die nahende Outdoor-Saison ankündigen. Nach Herzhaftem lechzend, greifen wir blindlings in unseren Kühlschrank und fördern staunend ein innovatives Convenience-Gericht zutage, das offiziell wohl noch gar nicht auf dem Markt zu finden ist.

Kässpätzle in einer Aluschale zum Grillen sind eindeutig ein Novum in der internationalen Gastroszene. Ohne Zutaten- und Nährwertliste befinden wir uns somit in einer waghalsigen Doppeltblindstudie. Da Anfang März der Aussengrill noch nicht betriebsbereit ist, wird das Überraschungspackage mutig in den Backofen geschoben.


Menge: die 300-Gramm-Packung wird als "Grillbeilage" angepriesen und sättigt (zusammen mit reichlich Grünzeug) unter Mühen 2 Personen 
Spätzle: gedrungene Knöpfle
Käse: hier tappen wir geschmacklich komplett im Dunkeln
Zwiebeln: ein Mangel an denselbigen gleichen wir mit dem ersten Bärlauch des Jahres aus
Viskosität: eher trocken
Beilage: der heimische Koch wertet das frugale Tellergericht mit reichlich Chicoree, Bärlauch, Radieschen und Petersilie farblich und geschmacklich auf
Zubereitungszeit: unglaublich: nach 10 Minuten im Backofen ist die Grillbeilage bereits genießbar
Abgang: des Nachts rumpelt es gefährlich im Bauch
Preis: unbekannt
Bewertung: Nicht alles, was technisch machbar ist, muss die Marktreife erlangen. Ob sich diese Grillbeilage zum sommerlichen Kassenschlager entwickeln wird, mag bezweifelt werden.

Lokalität: Adresse und Kontaktdaten können von der Verfasserin erfragt werden.

Mittwoch, 10. Februar 2016

Pop, der Speisemeister ***

















Pop-up-Locations sind derzeit schwer in Mode und sprießen allerorts aus dem Boden. Davor ist auch unser popeliger Heimatort nicht gefeit. Während Frank Oehlers Küche in der mondänen Hohenheimer Speisemeisterei  renoviert wird, gastiert der Sterne-, Star- und Fernsehkoch ("Die Kochprofis" - Einsatz am Herd) für einige Wochen in der profanen Provinz. Passt gut, denn im Platzhirsch hat der letzte Patron grad das Handtuch geworfen.

Während in der traditionsreichen Gaststube alles noch am alten Fleck steht, wurde der bislang gerne für Vereins- und Familienfeiern genutzte Nebensaal stylish aufgemotzt. Harmoniert prima zur Böblinger Schickeria, die nun zu günstigen Konditionen auch mal Sterneluft schnuppern möchte. 


Menge: glücklicherweise etwas üppiger als die rundum gesichteten Miniportionen
Spätzle: vollschlank und vollmundig
Käse: eine rezent-würzige Melange aus Bergkäse und Limburger
Zwiebeln: in unterschiedlichen Schattierungen geschmälzt
Viskosität: griffig
Beilage: auf den ersten Blick ist der Beilagensalat in 0815-Manier eine einzige Enttäuschung: langweilig, farblos, ideenlos. Erst während des Essens eröffnet sich die Geschmacksvielfalt der leicht süßlichen Vinaigrette, der feinzarten Gurkenscheiben und des robusten Kartoffelsalates
Zubereitungszeit: über 45 Minuten
Abgang: so unbelastet, dass mir nicht mal ein Digestif in den Sinn kommt
Preis: 13,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Auch wenn dieses Gericht - vor allem wegen der hocharomatischen Käsesorten - geschmacklich überzeugt, wirkt die Präsentation unambitioniert und lustlos. Kreative Küche stelle ich mir anders vor!

PS.
Die durchaus soliden Kässpätzle-Interpretationen einiger Platzhirsch-Vorgänger haben wir übrigens bereits 2010 und 2012 goutiert.


Lokalität: Speisemeisterei im Platzhirsch
Pop-up-Restaurant bis 14.01.2016
Postplatz 5
71032 Böblingen
Tel. 07031/ 6333241

Mittwoch, 3. Februar 2016

Gewonnen!!!

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Jipieehh!

Mein Beitrag Wir pilgern ins Pilzparadies hat die Jury des Outdoor Blogger Wettbewerbs auf Wandersüden.de überzeugt.

Kein Wunder: singe ich doch ein Loblied (in Wort und Bild) auf die Kässpätzle der Rösersmühle.

Der Gewinn wird in das Wein- und Naturparkparadies Stromberg-Heuchelberg führen. Wenn´s da mal keine Kässpätzle gibt...

Montag, 18. Januar 2016

Brüder im Geiste ***

















Die Schweiz - als Partnerland der CMT 2016 - legt sich dieses Jahr ganz schön ins Zeug. Da lockt nicht nur die mondäne Grand Tour of Switzerland oder ein Preview des Filmes Schellen-Ursli, sondern natürlich auch eine landestypische Verköstigung im Pressezentrum.

Okay: dieses Gericht unter Kässpätzle zu subsumieren, wäre grob verlässig. Doch während die CMT als Ersatz für reale Reisen herhalten muss, dürften auch die Älpler Makkaroni als gleichrangige Stellvertreter für mein schwäbisches Leibgericht durchgehen. Brüder im Geiste sind sie allemal. 

Menge: zur Einstimmung eine kleinere Portion
Spätzle: keine - stattdessen geschätzte 80% Makkaroni und 20% Kartoffelstückchen
Käse: wir vermuten eine Mischung mit kräftigem Bergkäse
Zwiebeln: sind hier nicht vorgesehen
Viskosität: sämig, mit stärkehaltigem Unterton
Beilage: Apfelmus!
Zubereitungszeit: nicht bekannt
Abgang: wohltuend
Preis: in diesem Falle nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden
Bewertung: Pikante und süße Geschmacksaromen gehen hier eine überraschende, durchaus ausbaufähige Symbiose ein.

Lokalität: Aramark
Messe Stuttgart
Telefon: 0711-18560-3100
E-Mail: messe.standcatering@aramark.de