Sonntag, 23. Juni 2013

Am Tisch mit Grimma ***


















Die Ettaler Mühle - bei Einheimischen wie Touristen gleichermassen beliebt - liegt malerisch zwischen Ettal, Oberammergau und Graswangtal. An einem regnerischen Sonntagabend platzt das enge Wirtshaus förmlich aus allen Fugen.

Drinnen quetschen sich einheimische Lodenträger mit disziplinierten tschechischen Reisegruppen und amerikanischen Gästen der nahen NATO-Schule an rustikalen Holztischen zusammen. Der Geruch feuchter Wolle dominiert die Gaststube. Die Amis fotografieren kreischend vor Begeisterung ihre Speisen aus verschiedenen Blickwinkeln (kommt uns irgendwie bekannt vor). Nur das tschechische Kombinat verlässt pünktlich um 19 Uhr das Lokal, um sich geschlossen auf den morgigen Besuch von Salzburg vorzubereiten.

Wir kommen an einem gemischten Tisch mit verhalten neugierigen Eingeborenen und zwei eben aus Grimma angereisten Touristen zu sitzen, die vor dem überfluteten Elbtal ins leider ebenso regnerische Ammergau geflüchtet sind. Als geborene Kosmopoliten bestreiten wir geschickt die Konversation nach allen Seiten und fühlen uns spontan akklimatisiert.

Menge:eine mächtige Riesenportion
Spätzle: kurzbeinige Hausmacherware
Käse: schlichter Edamer, mit etwas Sahne verfeinert
Zwiebeln: leider die regional üblichen knurpseligen Röstzwiebeln
Viskosität: elastische Fäden ziehend
Beilage: grüne Blattsalate mit Fertig-Croutons und Sprossen-Topping
Zubereitungszeit: sensationelle 10 Minuten (trotz vollem Haus)
Abgang: aufrührerisch brodelnd
Preis: 7,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hier steppt der Bär! Die zackige, toughe Bedienung bespielt gekonnt mehrsprachig den ganzen Gastraum. Sowohl meine Käsespatzen als auch der gebratene Leberkäs mit Ei meiner Mitesser entsprechen der landläufigen Vorstellung gutbürgerlicher, rustikaler Küche. Absolut empfehlenswert ist hier die Forelle vom Grill (falls wir in diesem Leben noch eine Outdoor-Saison erleben dürften).

Lokalität: Ettaler Mühle
Ettaler Mühle 1
82488 Ettal
Telefon: 08822/6422
Telefax: 08822/6482

Donnerstag, 20. Juni 2013

Im Schatten von St. Martin ***


















Ich liebe Geschäftsessen: ein bisschen plaudern, ein bisschen fachsimpeln, das Angenehme mit dem noch Angenehmeren verbinden. Heute darf ich mit einem Redakteur der Lokalpresse sehr kommod und entspannt zu Mittag speisen, mit dem Anreiz, der Rubrik "Presse" noch mehr Substanz zu verleihen.

Mein Gegenüber entpuppt sich als wahrer Kässpätzle-Connaisseur und lässt mich an seinem ausgeprägten Geschmack teilhaben. Schwingt nicht in der salzlastigen Käsemischung ein Hauch von Parmesan mit? Würde ein etwas säurebetontes Salatdressing nicht perfekt mit den Spätzle harmonieren? Diverse Zubereitungstipps verinnerlichend, ärgere ich mich kolossal, auf keine Homestory bestanden zu haben. Egal, vielleicht beim nächsten Mal!

Dafür ist das hiesige Outdoor-Ambiente doch zu schön! Der einladende Gastgarten des Lokals liegt zwischen ehrwürdiger Martinskirche und quirliger Ziegelstrasse. Und während ein aufkommendes Sommergewitter durch die Wipfel braust, sitzt man herrlich versorgt im Schatten alter Bäume.


Menge: überschaubar (dürfte gerne etwas mehr sein...)
Spätzle: in bandnudelartiger Form
Käse: eine lokale Eigenkreation aus Emmentaler, Tilsiter,  Gouda
Zwiebeln: saftig angeschmelzte Frischware mit reichlich Röstaromen
Viskosität: soft und schlüpfrig
Beilage: der übliche Beilagensalat mit grünen Blattsalaten, etwas Kartoffelsalat und fein gestiftelten Möhren, mit einem leichten Sahnedressing verfeinert
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: beschwingt und unbelastend
Preis: 9,50 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Herausragender Service und einladendes Ambiente lassen das ältestete Wirtshaus Sindelfingens im Jubiläumsjahr brillieren. Die Kässpätzle bewegen sich im soliden Mittelfeld, gehören aber wahrscheinlich nicht zu ausgewiesenen Highlights des Lokals. Im nächsten Leben würde ich zu gerne die Hirnsuppe goutieren.

Lokalität: Gasthaus Hirsch GmbH
Ziegelstr. 32
71063 Sindelfingen
Telefon : 07031 809006
Telefax : 07031 805332
eMail : info@gasthaus-hirsch-sindelfingen.de

Samstag, 8. Juni 2013

Von Pontius zu Pilatus ***





























Nach zwei herben Enttäuschungen pilgern wir in Oberammergau buchstäblich von Pontius zu Pilatus auf der Suche nach doch noch schmackhaften Käsespatzen. Am Abend meines Geburtstages wird mir dann glücklicherweise eine so wohlschmeckende Version vorgesetzt, dass ich mich letztendlich versöhnt zeigen kann.

S`Wirtshaus verfügt über einen freundlich-rustikal eingerichteten Innenraum, einigen Sitzplätzen an der vorderen Dorfstrasse, sowie einer liebevoll ausstaffierten Terrasse mit einem herrlichen Ausblick auf das gegenüberliegend Pilatushaus samt blühendem Garten. Letzte Sonnenstrahlen tauchen die abendliche Szenerie in satte Goldtöne.

Welch zusätzliches Glück, dass man die auf der Karte geführten "Käse-Schinken-Tomaten-Spätzle" extra für mich modifiziert. Dankeschön!

Menge: eindeutig satt machend
Spätzle: bei den regional bevorzugten Knöpfle hat man endlich mal nicht an den Eiern gespart
Käse: ein rezenter Mix aus der nahen Ettaler Käserei
Zwiebeln: kross, aber nicht zuuu trocken
Viskosität: leicht emulgierend
Beilage: grüne Blattsalate und einige Tomatenachtel mit einem erwähnenswerten Kürbiskernöl-Dressing
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: der wird mit einer Ettaler Spirituose erfolgreich besiegelt
Preis: 11,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Na also - es geht doch! Trotz Verzicht auf das übliche anbiedernde Brimborium (gusseisernes Pfännle und dirndlbestückte Bedienung) können am Fusse der Ammergauer Alpen durchaus leckere Käsespatzen serviert werden. Ebenfalls gut gelungen sind die pikant gewürzten Tiroler Hirtennudeln meines Mitessers (8,80 Euro ohne Beilagensalat).

Ein aufmerksamer Service und selbstverständliche Flexibilität bei Umbestellungen runden den soliden Eindruck ab.

Lokalität: s`Wirtshaus
Dorfstrasse 28
82487 Oberammergau
Tel.: +49(0) 08822-948770
Email: info@swirtshaus-ogau.de


Donnerstag, 6. Juni 2013

Passionierte Spätzle **





























Auf Recherche-Reise in Oberammergau. Wo seit 1634 die legendären Passionspiele aufgeführt werden, fühlt man sich der göttlichen Dreieinigkeit gleich viel näher. Besonders wenn man einen begehrten Sitzplatz vor der Alten Post ergattert, die an einer strategisch wichtigen Kurve der zentralen Dorfstrasse gelegen ist.

Hier kann man allen aufgebrezelt vorüberbrausenden Cabriofahrern zuwinken, sowie einen verheißungsvollen Blick auf die Schaufenster einheimischer Holzschnitzkunst werfen. Wer ahnt schon, dass Oberammgergau mit dem weltgrößten geschnitzten Abendmahl aufwarten kann?

Weniger verlockend gestaltet sich unser eigenes bescheidenes Abendmahl. Internationale Gäste und angesagte kulturelle Veranstaltungen sind dem Niveau des Traditionslokals nicht nur zuträglich. Die Servicedame agiert uninspiriert und gelangweilt, das Weinschorle schmeckt abgestanden und schal, selbst die Käsespatzen entpuppen sich als enttäuschender Tiefpunkt.


Menge: nicht übermäßig viel, doch angemessen für den günstigen Preis
Spätzle: derart bröselig-trockene Knöpfle, dass sie mir einzeln von der Gabeln purzeln
Käse: scheinbar nicht vorhanden
Zwiebeln: wie Minitatur-Chips schmeckend
Viskosität: die kloß-artigen Knöpfle liegen wie eingedampfte Pellets ausgetrocknet auf dem Teller
Beilage: Beilagensalat in leichter Sahnesauce: Blattsalate, würziger Rucola, Gurkenscheiben und überraschenderweise mit Kümmel abgeschmeckte Karottenstiftchen
Zubereitungszeit: 25 Minuten
Abgang: vagen Hunger hinterlassend
Preis: 7,40 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Eine Anhäufung von trockenen Teigklumpen im gusseisernen Pfännle machen noch keine Käsespatzen! Die unschlagbare Lage des schmucken Gebäudes und der abendliche Blick auf das Bergpanorama stimmen uns dennoch etwas versöhnlich.

Lokalität: Hotel Alte Post GmbH
Dorfstraße 19
82487 Oberammergau
Postfach 89
82483 Oberammergau
Tel.: 0 88 22 / 91 0-0
FAX: 0 88 22 / 91 0- 100
e-mail: info@altepost.com

Dienstag, 4. Juni 2013

Hundesporthotel **


















Tapeten- und Ortswechsel. Oberammergau lockt mit Alpenpanorama, Lüftlmalerei und kernigen Leut. Hier ist der Himmel kobaltblau und der Ausblick auf das nächste Dirndl grandios. Benommen von all den ungeahnten Eindrücken stolpern wir in die erste verheißungsvolle Location hinter dem Ortseingang.

Das überregional bekannte Hundesporthotel Wolf bietet ein umfangreiches Kurs- und Seminarprogramm nicht nur für den Hund. Selbstredend stehen dem anspruchsvollen Vierbeiner ein Physiotherapiebereich mit Unterwasserlaufband, eine Magnetfeldmatte und ein eigener Kühlschrank mit Leckerli bereit.

Unsereins empfiehlt sich der Weg eher in die angegliederten Hafner Stub`n. Beeindruckt nehmen wir Platz inmitten von Wandmalereien aus Szenen der Oper "Freischütz". Doch obgleich Ambiente und Service vielversprechend daherkommen, entdecken wir mehr Schein als Sein. 

Der "Gruß aus der Küche" entpuppt sich als aufgeschnittene Semmel, der Salat entbehrt jeglicher Würze und die Kässpätzle sind weitgehend geschmacksneutral. Schade: dabei war alles so schmackhaft angerichtet!

Menge: genau richtig
Spätzle: teigige Knöpfle
Käse: aus dem nahen Ettal kommend, doch überraschenderweise sehr fade und nichtssagend
Zwiebeln: knurpselig
Viskosität: trocken
Beilage: ein hübsch anzusehender, jedoch völlig eindrucksloser Beilagensalat mit Kresse, grünen Blattsalaten, gestiftelter Möhre, etwas Tomate und dicken Bohnen
Zubereitungszeit: 15 Minuten
Abgang: schwer verdaulich
Preis: 9,00 € (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Selten war der äussere Anschein so blendend, jedoch die inneren Werte so vernichtend! Die Darreichung im gußeisernen Pfännle, wunderschön mit frischen Kräutern dekoriert, lässt Gaumenfreuden erwarten, die jedoch zu bitterer Enttäuschung führen. Die Speisen sind weitgehend fad und lassen jeglichen  Geschmack vermissen.

Lokalität: Hotel Wolf
Hafner Stub`n
Dorfstr. 1
82487 Oberammergau
Telefon 08822-9233-0
Telefax 08822-9233-33

Donnerstag, 23. Mai 2013

Tu felix Suebia ***


















Heute empfiehlt mir mein Trend-Scout aus dem Back Office wärmstens den Besuch des Cafe Felix. So flaniere ich durch unbekannte Stuttgarter Ecken und konstatiere staunend, dass mir das Wiener Museumsquartier bekannter vorkommt als das Stuttgarter Bosch-Areal. Das muss sich ändern.

Apropos Wien: die riesigen Hallen des Felix wirken wie eine gekonnte Kreuzung zwischen österreichischem Kaffeehaus und bayrischem Bierkeller, in warmen Brauntönen möbliert und unterlegt mit einem leicht jazzigen Soundtrack im Hintergrund. Kein schlechter Mix!

Tragisch nur der Moment, als mir die Servicedame eröffnet, dass die Kässpätzle der vergangenen Wochenkarte angehören, nicht der aktuellen. Doch der Koch lässt sich erweichen und zaubert exklusiv für mich noch einmal das schwäbische Leibgericht. Danke, das ist mehr als eine lohnende Erwähnung wert!

Menge: genau richtig
Spätzle: normalerweise selbstgemacht, heute - schnell improvisierend - Fertigware aus dem Hause Schmid
Käse: ein kräftiger Emmentaler
Zwiebeln: saftig und würzig geschmälzt; nicht zu sparsam dosiert
Viskosität: in warmem Zustand feine Spinnwebfäden ziehend
Beilage: ein hübsch anzusehener, leider geschmacklich uninspirierter Beilagensalat aus grünem Blattwerk, gestiftelten Möhren, gewürfelter Gurke und Tomate
Zubereitungszeit: so rasch, dass ich nicht mal auf die Uhr blicken kann
Abgang: herzhaft, jedoch leicht
Preis: 8,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Pluspunkte für den sehr aufmerksamen, ehrlichen Service und die flexible Küche. Die wohlschmeckenden Kässpätzle werden recht ansprechend mit frischer Deko und reichlich Schnittlauchröllchen serviert. Gerne komme ich mal mit Freunden zum Sonntagsbrunch wieder oder greife  abends zur umfangreichen Getränkekarte.

Lokalität: Café Felix GmbH
Robert-Bosch-Platz 1
70174 Stuttgart
Telefon: +49.711 9978784
Telefax: +49.711-9978786
E-Mail: cafefelix.stuttgart@web.de

Dienstag, 7. Mai 2013

Spätzle für Noah ****

 
















Kaum zeigt sich die erste Maisonne über Stuttgart, hyperventiliert die ganze Stadt. Es wuselt und wimmelt an allen Ecken und Enden.

Einen ruhigen, beschaulichen Platz mitten im tosenden Epizentraum suchend, werde ich zufällig an die Gestade des Restaurants Arche gespült. Gegenüber der Markthalle leuchtet der Name des Lokals in geschwungener Schreibschrift auf terrakottafarbenem Grund. Gepflegte Teaktische und -stühle laden zum Draussensitzen ein. Und verheißt nicht das Attribut "Vinothek" ein ansprechendes Getränkeangebot?

Leider verströmt mein gewählter Platz so viel Beschaulichkeit, dass es mich einige Mühe kostet, einen Ober auf mich aufmerksam zu machen. Doch als ich einmal erfolgreich registriert werde, geht es schließlich ratzfatz voran.


Menge: in den Tiefen eines unglaublich ausladenden Tellers finden erstaunliche Mengen Platz
Spätzle: wohlgeformt
Käse: die Mischung macht´s: ein gehaltvollerer Mix verschiedener mächtiger Käsesorten ist mir noch selten untergekommen

Zwiebeln: üppig, reichhaltig, tiefbraun angeschmälzt und im Geschmack nicht mehr zu toppen!
Viskosität: massiv
Beilage: hier schlägt sehr sympathisch die mediterrane Note durch: ein frischer Salat aus Rucola, roten Zwiebeln und Tomaten, nebst lauwarmen Pizzabrötchen
Zubereitungszeit: beeindruckend rasche 10 Minuten
Abgang: mein Sättigungszentrum schlägt vor Begeisterung Purzelbäume
Preis: 10,50 Euro (inklusive Beilagensalat und Brötchen)
Bewertung: Mit diesen sensationellen Käsespätzle rudert Noah locker einmal über die Weltmeere:  gehaltvolle und opulente Mischung mit beeindruckend aufgehäuften Zwiebelmassen (die man sich auch prächtig auf einem Rostbraten vorstellen kann!). Wechselnde Tagesgerichte und mediterrande Köstlichkeiten runden das Speisenangebot ab.


Lokalität: Hotel-Restaurant und Vinothek Arche
Bärenstr. 2 
70173 Stuttgart 
Telefon: 0711 / 24 57 59 
Telefax: 0711 / 25 996 02