Mittwoch, 6. Januar 2016
Mit Carle ins neue Jahr ***
Am Dreikönigstag liegt das neue Jahr noch blank und leer vor uns wie ein aufgeschlagenes, ungelesenes Buch. Dasselbe kann man von Carls Brauhaus sagen, falls man es schaffen sollte, das beliebte Lokal noch vor dem Zwölfuhrläuten zu betreten. Danach bleiben nur noch Reserviert-Schilder und Katzentische.
Der Erfolg des Hauses muss an der perfekten Inszenierung einer Illusion von Gemütlichkeit und Bodenständigkeit liegen. Ganze Heerscharen von Innenarchitekten und Food-Designer scheinen ein intelligentes Cross-over von Mutterns Küche und der guten alten Zeit arrangiert zu haben.
Menge: was in ein kleines gusseisernes Pfännle passt
Spätzle: trotz mehrfacher Nachfrage beim Service mag man mir die Herkunft nicht nennen ("das ist ein Geheimnis der Küche")
Käse: je ein Drittel Emmentaler, Bergkäse und Edamer
Zwiebeln: eine überschaubare Menge fein geschmelzter Zwiebeln
Viskosität: elastisch bis sämig
Beilage: bedauerlicherweise keine; auf Wunsch erhalte ich einen kleinen Beilagensalat mit den üblichen Ingredienzien: Blattsalate, geraspelte Möhre, ein Tomatenachtel und eine Alibischeibe Gurke - im aromatisch-würzigen Dressing
Zubereitungszeit: eindeutig zu kurz, um vorbehaltlos an eine frische Zubereitung zu glauben
Abgang: sättigt beschwerde- und umstandslos
Preis: mit 8,90 Euro + 3,90 Euro für den Beilagensalat liegt man glatt im zweistelligen Bereich
Bewertung: Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Auch wenn die perfekte Inszenierung fast schon industriellen Charakter hat, kann an Geschmack und Aussehen nicht gemäkelt werden. Am Komplettpreis und der mangelnden Transparenz vielleicht schon eher.
Lokalität: Carls Brauhaus (Wirtshaus am Schlossplatz GmbH)
Stauffenbergstraße 1
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 -25974611
Telefax: 0711 – 25974612
E-Mail: stuttgart@carls-brauhaus.de
Montag, 21. Dezember 2015
Vom Rentenfonds zum Bratenfond ***
Zuweilen liegen Vermögens- und Sättigungsmanagement überraschend nah beisammen. Gerne Synergieeffekte nutzend, schätzen wir den bequemen Weg vom Dax zum Lachs, vom Rentenfonds zum Bratenfond.
So gewann die Modernisierung der Böblinger Kreissparkasse durch die Aufrüstung mit einem Mitarbeiterrestaurant an unschätzbarer Attraktivität. Liquiden Kunden im Gäste-Status stehen ebenfalls die Annehmlichkeiten des Ortes zur Verfügung.
Menge: auch wenn die Schöpfkellenportion den riesigen Teller kaum auszufüllen vermag, muss ich kurz vor der Vollendung pappsatt passen
Spätzle: wohlbeleibt und kräftig von Statur
Käse: eine seltene Exklusiv-Mischung aus Emmentaler, Mozzarella und Parmesan
Zwiebeln: saftig angeschmälzte Streifen
Viskosität: angenehm trocken, tendenziell etwas krisselig
Beilage: fein mit Dill gewürzter Gurkensalat, der mengenmäßig noch ausbaufähig wäre
Zubereitungszeit: unbekannt
Abgang: sehr befriedigende Langfristperformance
Preis: 3,50 Euro für Mitarbeiter / 5,50 Euro für Gäste
Bewertung: Günstiges Chance-Risikoprofil bei geringem Einsatz und optimaler Partizipation am gastronomischen Vor-Ort-Portfolio.
Lokalität: Mitarbeiterrestaurant der Kreissparkasse Böblingen
SV-Group
Bahnhofstr. 8
71034 Böblingen
Freitag, 11. Dezember 2015
Und dann ziehn wir mit Gesang in das nächste Restaurang **
Wer - wie wir - erst mal über die Abkürzung GSV im Lokalnamen rätselt, erhält die Auflösung gleich vorneweg: Gesangs- und Sportverein. Und das auf Maichingens grüner Wiese, den ehemaligen Allmendäckern. Glücklicherweise lassen sich die riesigen Gasträume von der geschätzten Größe eines halben Fussballplatzes gnädig abtrennen, so dass nicht nur der Gesang aussen vor bleibt, sondern auch der Kellner Nr. 4 lange nicht den Weg an unseren Tisch findet.
Deftige Tagesessen und überschaubare Seniorenteller lassen durchaus Rückschlüsse auf die Hauptklientel zu. Auch ein geschmacklicher Hang zum Balkan kann dem Gast nicht schaden.
Menge: ausladende Portion, die auch vier weiteren Mitessern ein großzügiges Versucherle bot
Spätzle: leider habe ich die Gretchenfrage nach der Herkunft nicht stellen können
Käse: Kellner Nr. 4 wollte für den ausgerufenen Edamer nicht seine Hand ins Feuer legen - daher konnte ich ihn vom gefühlten Emmentaler überzeugen
Zwiebeln: zuerst nicht sichtbar, da - glasklar angedünstet - unter die Spätzlemenge gemischt
Viskosität: dichter Körper, massig
Beilage: ein etwas uninspirierter Beilagensalat aus fertiger Dosenware (zwei Mal Bohnen: grüne Brech- und rote Kidney-) und frischen Bestandteilen (einige Gurkenscheiben, ein Tomatenviertel, gestiftelte Möhren, ein Salatherz)
Zubereitungszeit: 20-30 Minuten
Abgang: unbeschwert
Preis: 9,00 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Sportlich: Landesliga / Kulinarisch: Bezirksliga.
Lokalität: Vereinsgaststätte GSV Maichingen
Allmendweg 24
71069 Sindelfingen
Telefon: 07031 / 382371
E-Mail: info@gsv-vereinsgaststaette.de
Samstag, 7. November 2015
Der Punkt auf Schiller *****
Welch Wonne, wenn sich literarische und kulinarische Ambitionen verbinden lassen. Als uns der redegewandte Bundestagspräsident Norbert Lammert zur Eröffnung der diesjährigen Schillerwoche nach Marbach lockt, erhoffen wir uns nicht mehr als ein kaltes Büffet in den Katakomben des Mustentempels.
Stattdessen machen wir im ehemaligen Wohnhaus von Schillers Urgroßvater Kodweiss eine unerwartete gastronomische Entdeckung. Erst seit einem Monat setzt hier das i-dipfele kulinarische Akzente mit liebevollen Unterstreichungen. Während Rolf Sälzle in der winzigen Küche von der Größe einer Kombüse kraftvoll und kreativ werkelt, mache ich im urgemütlichen Gastraum zufällig die Bekanntschaft eines Akteurs des morgigen Speed-Reading im Schiller-Nationalmuseum.
Menge: eine beachtiche Portion, mit Tomaten- und Melonenscheiben im Pfännle serviert
Spätzle: aus Eigenproduktion
Käse: eine gelungene Mischung aus Bergkäse und Emmentaler
Zwiebeln: reichlich und saftig geschmälzt
Viskosität: gelungene Symbiose aus allen Aggregatzuständen
Beilage: allein der Beilagensalat erhebt Anspruch auf Sonderpunkte: knackige Frische bei Blattsalaten, Gurke und Tomate, dazu superfein gehobelter Kohl, aromatische Karotte, würziger Kartoffelsalat, erfrischende Scheiben von Kaki und Melone - das alles in leichtem, sahnigem Dressing
Zubereitungszeit: nach anfänglicher Überzeugungsarbeit (dank dem Service!) in Nullkommanichts
Abgang: Seligkeit und Sattheit liegen nah beisammen
Preis: 9,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Perfektes Lieblingsessen an einem harmonischen Wohlfühlort im Herzen der Schillerstadt Marbach.Wir wünschen dem Dipfele-Team viel Erfolg für die Zukunft!
Lokalität: i-dipfele
Marktstraße 8
71672 Marbach am Neckar
Tel: 07144 818964
E-Mail: reservierung@i-dipfele.de
Montag, 2. November 2015
Schuster, bleib bei Deinen Leisten *
Die Ikeanisierung gastronomischer Kultur nimmt inzwischen bedenkliche Ausmaße an. Was mit Graved Lachs und Köttbullar beim schwedischen Einrichtungshaus begann, führte längst zum wechselnden Mittagstisch in jedem x-beliebigen Möbelgeschäft. Bei Hofmeister gar zu Seniorentanz, Jazzbrunch und Kinderbuchkino.
Aber man kann nicht alles haben. Im Reich von Klappsofas, Kristalleuchten und Klodeckeln können Kässpätzle eindeutig nicht zu den Kernkompetenzen gehören. So kehre ich nach meinem letzten Besuch des hofmeisterlichen Ambientes zur althergebrachten Binsenweisheit zurück: "Schuster, blieb bei Deinen Leisten!"
Menge: überschaubar
Spätzle: die stammen laut Auskunft der Thekenkraft von Schmid`s
Käse: Emmentaler, "mit Sahne und Muskatnuss verfeinert" (O-Ton der Thekenfachkraft)
Zwiebeln: da mir die standardmäßige Speck-Zwiebelschmelze als Vegetarier kaum bekäme, erhalte ich auf Wunsch einen Klacks fruchtige Rieslingzwiebeln
Viskosität: trocken, teigig, krisselig
Beilage: ein winziges Schälchen mit Blattsalat, sowie je einer abgezählten Alibi-Scheibe Tomate und Gurke - ertränkt in einem versalzenen Balsamico-Dressing.
Zubereitungszeit: unbekannt
Abgang: ausdruckslos
Preis: 6,10 Euro als Tagesessen (inkl. kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Geschmackloses Convenience-Food wird durch Überwürzung kaum schmackhafter. Ein Segen, dass man sich zu jedem Tagesessen einen Softdrink für 1,50 Euro zapfen darf.
Lokalität: Hofmeister Gastronomie
Eschenbrünnlestraße 12
71065 Sindelfingen
Telefon: 07031 4371-0
Freitag, 9. Oktober 2015
Dinkel ohne Dünkel ***
Über die optimale Zusammensetzung der Zutaten meiner Leibspeise kursieren die tollsten Thesen und Geheimtipps. Manch einer favorisiert speziellen Käse, ein anderer schwört auf ein bestimmtes Spätzlemehl, ein dritter glaubt die ultimative Zubereitungsart zu kennen.
Geheimniskrämerische Köche schweigen beharrlich auf meine Rückfragen und halten ihre Küchen-Interna genauso verschlossen wie die Rezeptur von Coca Cola. Nicht so bei Frish. Wieso gerade Dinkel für den Spätzlesteig verwendet wird, rufe ich in die Runde. Die Fachkraft hinterm Tresen antwortet mit entwaffnender Ehrlichkeit: "Gute Frage. Wir kaufen die Spätzle halt so ein."
Weitere Diskussionen erübrigen sich. Denn zu High Noon herrscht im Selbstbedienungsrestaurant einer gut besuchten Shopping Mall natürlich eine drängende Drucketse. Schnell ab mit dem Tablett!
Menge: riesiger Teller mit ebensolcher Portion
Spätzle: eines steht fest: definitiv nicht hausgemacht
Käse: laut Auskunft der Tresenkraft: Bergkäse (was wir geschmacklich bestätigen können)
Zwiebeln: ein wahres Füllhorn von kross ausgebackenen, höchst aromatischen Zwiebelringen
Viskosität: comme il faut!
Beilage: so groß der Spätzlesteller, so winzig das Salatschüsselchen - dazu nichtssagend befüllt mit ein paar Salatblättern, einer geschmacklosen Tomatenscheibe und frischer Kresse, die leider auch nichts mehr retten kann
Zubereitungszeit: nicht bekannt
Abgang: leicht und unkompliziert
Preis: 8,90 Euro als Mittagstisch (inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Aromatischer Geschmack und gefällige Konsistenz auf der Basis von Convenience Food.
Lokalität: Frish Sindelfingen
Breuningerland
Tilsiter Strasse 15
71605
Sindelfingen
Dienstag, 8. September 2015
Gut. Besser. Paulaner ***
Ende der Sommerpause! Schluß mit luftigen Salatbergen, frischen Melonenscheiben und kalten Getränken - jetzt bricht wieder die Zeit für mein wärmendes, pappsatt machendes Leibgericht an!
Passend zum finster umwölkten Himmel zeigt sich das Interieur des Sindelfinger Paulaner reichlich düster. Doch die fesch bedirndelte Servicedame, die kurz vor 12 selbst noch ihr Mittagsmahl an der Theke vertilgt, nickt mir einladend zu und ist auch schnell zur Stelle. Da ich meine Rentenbescheinigung nicht dauerhaft bei mir führe, verzichte ich auf das Rentnerviertele (zwischen 10 und 16 Uhr) für 3,20 Euro und komme ohne Umschweife zur Spätzlebestellung. Die Auslieferung erfolgt pünklich zum Mittagsläuten.
Menge: reichhaltig
Spätzle: "natürlich hausgemacht", wie die glaubwürdige Servicedame inbrünstig betont
Käse: mal wieder der Klassiker: Emmentaler
Zwiebeln: schön lätschig geschmälzte Zwiebelscheiben
Viskosität: weichgummiartig soft
Beilage: heute wahlweise eine Linsensuppe oder knackig frische Blattsalate mit Möhrenstiften und Beigaben von Kraut, roter Paprika, Gurke
Zubereitungszeit: unglaublich kurze 5 Minuten
Abgang: gut sättigend, jedoch nicht völlerisch
Preis: als Tagesessen - wahlweise mit Suppe oder Salatteller - sehr günstige 6,80 Euro (sonst 8,50 Euro)
Bewertung: Große Portionen, günstige Preise und fast keine Wartezeiten - die Grundbedürfnisse sind befriedigt! Einen kleinen Punkteabzug gibt es lediglich für den etwas faden Geschmack, doch die Pfeffermühle steht schon vorsorglich auf dem Tisch.
Lokalität: Paulaner Sindelfingen
Mercedesstr. 9
71063 Sindelfingen
Tel. 0 70 31 / 43 64 727
Fax 0 70 31 / 43 64 726
E-Mail: info@paulaner-sindelfingen.de
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