Montag, 30. Januar 2012

Im Land der Muskazinen **































Eine jährliche Wallfahrt zum mainfränkischen Pilgerort Dettelbach steht bei uns fest auf dem Programm. Sei es, um unsere Vorräte an Muskazinen aufzufrischen, sei es, um wieder ein paar Sixpacks eines Rotlings mit dem verführerischen Namen Seitensprung auszufassen.

Der Januar fällt dabei nicht gerade in eine favorisierte Jahreszeit. Eisig bläst der Nordwind um die Ecke, hartnäckig hängen "Geschlossen"-Schilder an Cafes, Weinstuben und Gaststätten. Kurz vor der finalen Dunkelheit stranden wir im Akzent Hotel Am Bach, das mit "gepflegter fränkischer Küche von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr und harmonisierenden Dettelbacher Weinen und Bier" wirbt.

Zufrieden nehmen wir in dem beeindruckend geschmückten Gastraum Platz, in dem wir die Fertigkeiten der örtlichen Holz- und Madonnenschnitzer, sowie der metallverarbeitenden Zunft bestaunen können.


Menge: Für den kleinen Hunger reicht es vollkommen
Spätzle: offensichtlich ein Fertigprodukt
Käse: nur rudimentär zu erspüren
Zwiebeln: schon wieder diese an Sägespäne erinnernden Fertigschnipsel, die uns schon beim vorangegangenen Test-Essen unangenehm aufstießen
Viskosität: trocken
Beilage: keine - ein erstaunlich frischer, appetitlich angemachter Beilagensalat kann für 3,60 Euro dazu bestellt werden
Zubereitungszeit: unglaubliche 40 Minuten
Abgang: vernichtend
Preis: sensationelle 3,80 Euro
Bewertung: Zwei Superlative auf einen Schlag: die mit Abstand kostengünstigsten Käsespätzle mit der längsten Zubereitúngszeit! Lediglich die schauderlichen Röstzwiebeln kommen uns merkwürdig bekannt vor!

Losgelöst betrachtet, verdienen diese Spätzle nicht mehr als einen Stern (wie seinerzeit in Münsterschwarzach). Wir zeigen uns jedoch beeindruckt vom schmackhaften Beilagensalat, der Wahl des Mitessers (Blaue Zipfel) und den bemühten, dirndlberockten Service-Mädels.


Lokalität:  AKZENT Hotel Am Bach
Eichgasse 5
D-97337 Dettelbach
Telefon  
+49 (0) 93 24 / 9 73 00
E-Mail: info@hotelambach.de
 

Sonntag, 22. Januar 2012

Spätzle to do **

 




























Fast Food ist ja eher nicht so mein Ding. Zum einen mag es der Schwabe an sich eher gemütlich - zum anderen deklariert er selbst das Essen gern noch zum G´schäft. Das ist vermutlich gut so.

Doch wenn zwischen Arbeitsende und Theaterbesuch nicht mehr viel Zeit bleibt, bietet sich huschhusch ein schnelles Essen in der Stuttgarter Stadtmitte an. Stand das Todi´s eh schon seit langem auf meiner To-do-Liste, hat mich Thomas kesselfiebrige Sammelrezension letztendlich zum mutigen Eigentest animiert.

Zu Happy-Hour-Zeiten (Gaffel Kölsch für 1 Euro) ist das Lokal proppevoll von hippen Youngstern, denen das Vapiano zu schnöselig und McD. zu doof ist.  Bei Todi`s hockt man auf rustikalen Holzbänken und frönt zufrieden pseudobodenständiger Küche zwischen Maultaschen und Currywurst. Man will ja auch nicht immer bei Muttern abhängen.


Menge: ausreichend für den schnellen Hunger
Spätzle: Industrieware von Bürger
Käse: eine rezente Mischung aus Emmentaler und Bergkäse
Zwiebeln: Hilfe! Diese knurpseligen Plastikdinger akzeptiere ich höchstens noch als Topping am Salatbüffet der Stuttgarter Mensa - auf Kässpätzle sind sie absolut unterirdisch und unakzeptabel!
Viskosität: tendenziell eher trocken
Beilage: keine
Zubereitungszeit: ultraschnelle, rekordverdächtige 3 Minuten (reicht gerade für einen Toilettengang)
Abgang: pfefferlastig, dursterzeugend und bauchgrimmig
Preis: 5,70 Euro (ein gemischter Beilagensalat ab 3,40 Euro könnte dazu bestellt werden)
Bewertung: Schnell, sauber, freundlich - und vom Ansatz her sicherlich gut gemeint. Gut gemacht ist allerdings etwas anderes. Die vielleicht noch genießbaren Käsespätzle werden ertränkt in einer wahren Flut von Fertigröstzwiebeln und Pfefferaromen.  Zum Stillen des hartnäckigen Durstes reicht kaum die Happy Hour aus!

PS. Aufklärung für Unwissende: "Todi" ist der einst von der Cousine ersonnene Spitzname für den Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter Tobias Meyer.

Lokalität: todi’s I Stuttgart
Bolzstraße 7
(Eingang Theodor-Heuss-Straße)
70173 Stuttgart
Telefonl: 0711 – 2293307
Telefax: 0711 – 2293308
eMail:  stuttgart@todis.de

Donnerstag, 19. Januar 2012

So schmeckt der Süden ****

















1x Käsespätzle - 5 Servicekräfte. So umfassend betreut werden wir selten!!

Kennen wir das Paladion bislang nur vom reichhaltigen, vielseitigen, gut frequentierten Mittagsbüffet, gönnen wir uns nun erstmals einen abendlichen Besuch. Während im Sportstudio nebenan Hanteln geschwungen und Expander gedehnt werden, regiert in den Gasträumen gepflegter Genuß.

Viel vorgenommen hat sich das Wirts-Ehepaar Heiling: Gehobene, regionale Küche versprechen die Label "Schmeck den Süden", "Heckengäu-Köche" und "Eurotoques". Doch wir werden nicht enttäuscht! Hier setzt man wirklich auf Nähe: die Tomaten kommen von der Insel Reichenau, die Champignons vom Hofgut Mauren - und der kleine Gruß aus der Küche.

Die Kässpätzle werden formschön im gusseisernen Pfännle serviert und sind kreativ mit Möhrenstangen, geschnitzter Zucchini und geschmorter Cocktailtomate verziert. Sonderpreis für die Deko!


Menge: sehr üppig (Reste werden selbstverständlich und kreativ eingepackt)
Spätzle: handgeschabt
Käse: Allgäuer Bergkäse
Zwiebeln: fein geschnitten, braun geschmälzt und großzügig unter die Spätzlemasse gemengt
Viskosität: buttrig-sahnig
Beilage: erstklassiger Beilagensalat aus frischen Produkten (Blatt- und Ackersalat, Möhre, Tomate, Kartoffeln)
Zubereitungszeit: die sehr kurzweilige Wartezeit von kaum 20 Minuten wird durch ein kleines Kräutersüppchen verschönt
Abgang: herzhaft bis blähend
Preis: 8,80 Euro (Beilagensalat und Gruß aus der Küche inkludiert)
Bewertung: Hochwertige, saisonal wechselnde Speisen mit regionalem Bezug, sowie ein zuvorkommender Service und helle, freundliche Räume lassen den Besuch zum entspannten Erlebnis werden. Absolut empfehlenswert! Allerdings wünschen wir uns einen Relaunch der Restaurants-Website, die derzeit kaum  die Stärken dieses Lokals abbilden kann.

PS. Hier ein weiterer Exkurs zu einem Heckengäu-Koch!


Lokalität: Restaurant Paladion
Silberweg 18-20
71032 Böblingen
Telefon: 07031 / 72 185 16
Telefax: 07031 / 72 185 17
E-Mail: paladionbb@aol.com

Donnerstag, 5. Januar 2012

Schwanengesänge ***
















Pünktlich zum neuen Jahr streben wir auf die Hundertergrenze zu. Heute teste ich im mutigen Eigenversuch bereits zum 91. Mal mein Leibgericht Käsespätzle. Nennenswerte Nebenwirkungen konnten bislang noch nicht festgetellt werden!

Im Herzen Böblingens gelegen, glänzt das Gasthaus Schwanen mit einer langen Wirtschafts-Tradition und hausgemachten schwäbischen Spezialitäten, die weniger begnadete Hobbyköche wahlweise auch küchenfertig mit nach Hause nehmen könnten.

So sehr uns der Untertitel "Restaurant zum singenden Wirt" bislang von einem Besuch abhalten konnte, so unspektakulär gestaltet sich der heutige Abend. Das Mikro ist ausgestöpselt, die Musikinstrumente liegen artig beiseite - lediglich der überraschende Einfall einer Kleingruppe von Faschingshexen stört unsere kontemplative Ruhe zwischen spätweihnachtlicher Dekoration und zünftigem Landhaus-Ambiente.

Käsespätzle befinden sich zwar nicht mehr auf der aktuellen Karte, können jedoch gerne für mich aus der Küche gezaubert werden.

Spätzle: selbstgemacht - sehr ansprechend im gusseisernen Pfännle serviert
Käse: Gouda
Zwiebeln: sparsames, durchaus noch ausbaufähiges Topping von saftiger  Echtware
Viskosität: trotz sahnig schmelzendem Unterton ist die Basis knackig und würzig geröstet (prima!)
Beilage: keine - auf Wunsch wird ein großzügiger, vielseitiger Beilagensalat extra serviert (geraspelter Rettich, Möhre, Blaukraut - dazu Blattsalate und je zwei Alibi-Scheiben Tomate und Gurke)
Zubereitungszeit: lediglich eine knappe Viertelstunde
Abgang: in der gewählten Kombination: wohlig sättigend (Spätzle) und herrlich erfrischend (Salat)
Preis: 7,80 Euro + 3,00 Euro für den Beilagensalat
Bewertung: Herzhafte Küche, rasche Bedienung, gemütliches Ambiente. Für 2012 wünschen wir uns dringend die Wiederaufnahme von Käsespätzle - bitte mit einem Beilagensalat! - auf die Speisekarte.

Lokalität: Hotel-Gasthaus Schwanen
Heike & Fred Nestele GbR
Poststr. 50
71032 Böblingen
Telefon: 07031 /225914
Telefax: 07031 /232727
E-Mail: info@schwanenBB.de

Freitag, 30. Dezember 2011

Voilá, le Café ***































Herrlich, diese Tage zwischen Weihnachten und Neujahr - wie aus Raum und Zeit gefallen!

Hierzu passt das Ambiente des Café le Théatre, das wundersam zwischen American Diner, französischem Bistro und rotseidener Burlesque-Show changiert. Hier treffen sich beste Freundinnen, die bei einem Proseccöchen die vergangenen Feiertage Revue passieren lassen. Oder verliebte jugendliche Pärchen, erschöpft von der nachweihnachtlichen Shopping-Tour. Oder ältere Herrschaften vor dem gepflegten abendlichen Kinobesuch. Dabei lassen sich entspannt die durch die Gloria-Passage flanierenden Passanten beobachten.

Hier muss das Servicepersonal besonders flexibel sein. Der sehr süsse, sehr aufmerksame Jungkellner versucht, seine offensichtlichen Sprachprobleme durch ein absolut reizendes Lächeln wett zu machen. Hätte ich ihn besser auf französisch angesprochen?


Menge: üppig, sehr ansprechend in einer ovalen Auflaufform serviert
Spätzle: die Herkunft konnte leider nicht ermittelt werden
Käse: der aparte Jungkellner nuschelt etwas, das vage an "Schweizer Käse" erinnern könnte
Zwiebeln: falls eventuell vorhanden, dann sehr unauffällig kaschiert
Viskosität: innen geschmeidig und sanfte Fäden ziehend - von oben knusprig überbacken
Beilage: kleiner Beilagensalat aus Chicoree und Eisbergsalat in einem leider zuuuu sahnigen Fertigdressing
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: herrlich leicht und dennoch sättigend
Preis: 8,80 Euro (inklusive kleinem Salat

Bewertung: Kässpätzle ganz nach meinem Gusto (innen soft und aussen kross). International wirkendes Ambiente und ansprechende, zentral gelegene Location mit lustvollem Ausblick! Sehr sympathisch: kein Ruhetag!

Lokalität: Café Le Théatre 
Bolzstr. 6
70173 Stuttgart-Mitte
Telefon: 0711 - 226 26 10
Telefax: 0711 - 226 26 07
E-Mail: info@clt-projects.de

Sonntag, 11. Dezember 2011

Böhmische Dörfer ***





























42 Tage ohne Kässpätzle! Wahrlich ein Rekord, wenngleich auch ein ungewollter.

Notgedrungen tröste ich mich mit überbackenem Baguette (30.10., Besenwirtschaft Breitenholz) / Lachshäppchen mit Feigensenf (10.11., Literaturhaus Stuttgart) / Käse-Blätterteigstangen (17.11., Landratsamt Böblingen) / Kartoffelsalat mit Bauernbrot (20.11., Haus der Wirtschaft, Stuttgart) / Barbara-von-Gonzaga-Ballen (27.11., Zehntscheuer Böblingen) / Pilzpfanne mit Semmelknödeln (06.12., Gourmet Compagnie Stuttgart).

Doch die besinnliche Adventszeit entführt zu alten Gelüsten. Ein gesegneter Appetit treibt uns an die Ränder des K.-u.-K.-Reichs, das sich bekanntlich schon immer durch eine herzhafte Küche auszeichnete. "Bei Schweijk" wird kräftig geböhmakelt, geknödelt und dem Becherovka zugesprochen. Hier sind wir richtig, hier fühlen wir uns wohl.

Die in freundlichen Erdtönen gehaltene Wirtsstube ist am 3. Advent nicht zu sparsam mit Tannengirlanden, Lichterketten und Weihnachtsmännern dekoriert. Eine gut gewürzte Gratis-Vorspeise (sehr dunkel geröstete Brotscheiben mit Kräuteraufstrich) hält uns bis zum Eintreffen des Hauptgangs weiterhin bei Laune.

Menge: die Tschechen essen gerne deftig - selbst bei meinem gehörigen Appetit muss ich mir die Hälfte einpacken lassen
Spätzle: vollschlank und ausladend
Käse: Emmentaler
Zwiebeln: herrlich würzig auf den Punkt angeröstet
Viskosität: tendenziell eher sahnig
Beilage: ein reichhaltig ausstaffierter Beilagensalat (Tomate, Gurke, Radieschen, Möhre, Ackersalat), an dem nur die Maiskörner überflüssig sind
Zubereitungszeit: 25 Minuten
Abgang:
unbeschwert
Preis: 8,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Deftige und herzhafte Küche, trotz der bekannten Fleischlastigkeit durchaus mit vegetarischen Schmankerl. Die Portionen sind üppig und preiswert. Beim Anblick des von meinem Mitesser goutierten "Svickova" (böhmischer Sauerbraten von geschmorter Rinderschulter dazu böhmischen Semmelknödel) läuft mir glatt das Wasser im Mund zusammen.

Zu putzig: der Becherovka wird tatsächlich in winzigen Keramikbechern mit Henkelchen serviert. Doch leider ist dieser Eye-Catcher mit Seltenheitswert nicht käuflich zu erwerben....

Lokalität:
Restaurant "Bei Schwejk"
Inhaber: Thomas Wika
Zimmerstr. 49
71063 Sindelfingen
Telefon: 07031/ 435303
Telefax: 07031/ 435303

Montag, 31. Oktober 2011

Berg- und Talfahrt **





























Einst genoss das Reustener Bergcafé geradezu Kultstatus. Unter der Ägide der früheren Patroninnen Marie und Sophie (verstorben 1997 und 2003) schnauften Heerscharen von Ausflüglern (gerne mit akademischem Hintergrund) den Ammerbucher Kirchberg hinauf, um dort oben - im holzgetäfelten, kachelofenbeheizten Gastraum oder auf der lauschigen Gartenterrasse - beste schwäbische Hausmannskost zu geniessen.

Nach dem Tod der sagenumwobenen Wirtinnen nahm die Griechin Ioanna Savidou das Zepter in die Hand, mit profunden Kenntnissen im Schwäbischen und im Spätzleschaben. Leider reichen diese Fertigkeiten nicht aus, um eine gastronomische Legende fortzuführen.

Menge: einen Teller voll
Spätzle:
von griechischer Hand selbstgemacht und kurz angebraten
Käse:
leider unbekannt
Zwiebeln:
kleine Fitzelchen, glasig angedünstet
Viskosität:
Käse und Spätzle liegen weitaus unbeteiligt nebeneinander, von einem kurzen fadenziehenden Tete-a-Tete abgesehen
Beilage:
auf unseren Wunsch hin: keine - allerdings war das Tellergericht so minimalistisch angerichtet, dass sogar auf jegliche Deko verzichtet wurde
Zubereitungszeit:
unverständlich lange 30 Minuten
Abgang:
unbemerkt
Preis:
stolze (eher unverschämte) 7,50 Euro ohne Beilage oder Dekoration

Bewertung:
Reine Nächstenliebe und melancholische Remineszenzen an bessere Zeiten verbieten es uns, hier eine Wertung im Minusbereich zu vergeben. Entweder war diese Kässpätzle-Variation ein Versehen - oder Ioanna Savidou ruht sich etwas zu selbstvergessen auf dem hervorragenden Ruf dieses legendären Lokals aus. Uns kommen die Tränen, wenn wir an frühere Besuche denken. Eine solch beschämende Talfahrt hat das Bergcafé nicht verdient.

PS. Zumindest dem Anschein nach immer noch einen Hingucker wert: die selbstgemachten Kuchen und Süßspeisen.


Lokalität: Bergcafé Reusten
Am Kirchberg 14
72119 Ammerbuch-Reusten
Telefon: 07073/ 7252