Freitag, 10. Juli 2026

Wie auf der Kirmes ***

 

 
Ein Ausflug zum Antiquariat Alt-Hoheneck gehört zu den Highlights des Jahres. An diesem Abschnitt des Neckars residieren Kanus und Ausflugsschiffe, Sandstrände und Sonnenstühle. Seit 2002 auch das legendäre Uferstüble, das erst vor kurzem die Besitzer gewechselt hat - zu Deutschlands größter mobiler Wurstbude, bekannt und berühmt vom Cannstatter Wasen. Kein Wunder, dass das imposante kirmesträchtige Zwiebelfleisch meiner Leibspeise fast die Show stiehlt. 


Menge: mächtig
Spätzle: einmal in der Pfanne rumgejagt 
Käse: Emmentaler und Bergkäse, wohldosiert eingesetzt
Zwiebeln: in würzig-popürziger Vorstufe zum Zwiebelfleisch meines Mitessers
Viskosität: trocken-resch, mit leichten Anklängen von Röstaromen
Beilage: leider keine; ein artiger kleiner Beilagensalat vereint alle Standardbestandteile von grünen Blättern bis zu überflüssigem Mais, von Cocktailtomatenhälften bis zu Möhrenraspeln aus dem Glas
Zubereitungszeit: der Beeper beept nach einer Viertelstunde
Abgang: erst im Wegfahren entdecken wir den riesigen Abluftschacht auf der Rückseite des Gebäudes
Preis: Käsespätzle (12,90 Euro) + kleiner Beilagensalat (4,90 Euro)
Bewertung: Überraschend maggilastige Pikanterie, die angenehm den Durst beflügelt. Nicht umsonst befinden wir uns in einem Biergarten! 

Lokalität: Uferstüble by Weeber
Uferstr. 95
71642 Ludwigsburg
Tel. 07141 /2997599

Samstag, 4. Juli 2026

Griechisches Lamm ***



 

 

 

 

 

 

 

 

Kaum aus der minoischen Antike wieder aufgetaucht, strande ich erneut an griechischen Gestaden. Wenngleich ganz ohne Absicht. 

Auch wenn die Schorndorfer Traditionsgaststätte "Weisses Lamm" auf eine 100jährige Geschichte zurückgreifen kann, dürfte Gottlieb Daimler all die Maultaschen, Spätzle und Buabaspitzle um ein Vierteljahrhundert verpasst haben. Dafür sind jetzt neue Pächter am Start, die - Kalispéra hin oder her - die schwäbischen Spezialitäten wieder aufleben lassen. Stilgerecht und zu humanen Preisen. 

Menge: nicht umsonst offeriert die Karte zweierlei Portionsgrößen - zu spät erkenne ich: die kleinere hätte vollkommen gereicht
Spätzle: lammfrommes Convenience
Käse: Gouda (wie uns die Köchin verrät) und dies gleich batzenweise
Zwiebeln: nach einer langen Durststrecke von knurpseligen Fertigröstzwiebeln endlich wieder echte, grob geschnittene und in reichlich Fett geschmelzte
Viskosität: zäh, mit ellenlangen Käsefäden
Beilage: ein kleiner Beilagensalat mit Alibi-Tomatenachtel, - Radieschenhälfte und -Gurkenscheibe
Zubereitungszeit: knapp 20 Minuten
Abgang: wieso werden die Himbeergeist-Absacker nur am Nebentisch kredenzt?
Preis: 14,90 Euro inklusive Beilagensalat (für die normale Portion) oder 11,90 Euro (für die kleine Portion)
Bewertung: Schattiger Gastgarten, engagierter Service und zivile Preise locken gleichermaßen Einheimische wie Touris und Exil-Griechen an. 

Lokalität: Weisses Lamm
Neue Str. 21
73614 Schorndorf
Tel.: +49 (0)7181 622 40
E-Mail: weisses.lamm@t-online.de 

Samstag, 27. Juni 2026

O, heiliger Sankt Benedikt ****

 

 


 

 

 

 

 

 

 



Klagenfurt im Sommerfieber: 100 Jahre Ingeborg Bachmann, 50 Jahre Bachmannpreis, Österreich-Algerien 3:3 - dazu die hitzigsten Junitage ever.  Die Deutsche Bahn bittet, von nicht dringend notwendigen Zugfahrten abzusehen. Aber wir sind ja schon hier. Wunderbar!

Weil sich der Mensch nicht nur von Weißen Spritzern ernährt, suchen wir vorzugsweise den Benediktinermarkt ums Eck auf. Wo "der Spagat zwischen eingesessenen Standlern und urbaner Haubenküche" (O-Ton visit.klagenfurt.at) gelingt. 

Hitzeresistent und frei von Klaustrophobie sollte man schon sein beim Besuch der winzigen Marktlokale, in denen sich zwei oder drei Tischlein auf engstem Raum an eine Mini-Küche schmiegen. Über die Theke im Marktwirt hinweg kann man Koch Sebastian beim Brutzeln, Schmurgeln, Abschmecken zuschauen. 

Menge: eine dickwandige braune Schüssel hält die Wärme und lädt zum Mitessen ein 
Spätzle: die dichten, fast graupenartigen Knöpfle wurden tatsächlich in dieser butzeligen Kombüse  hausgemacht
Käse: eine gelungene Mischung von dreierlei Almkäse
Zwiebeln: krachende Röstzwiebeln und frische Schnittlauchröllchen
Viskosität: cremig
Beilage: offiziell keine, doch wir wünschen uns grüne Blattsalate, die knackig frisch, in einer säurebetonten Vinaigrette und mit reichlich Schnittlauch gereicht werden
Zubereitungszeit: grob geschätzte 20 Minuten
Abgang: einige Weiße Spritzer helfen enorm 
Preis: 11,90 € (Kässpätzle) + 4,30 € (Beilagensalat)
Bewertung: Nicht nur Vorarlberg kann Kässpätzle. Dass Spätzle durchaus zur kulinarischen DNA Österreichs gehören können - und noch weiter bis zur Alpe-Adria-Region - zelebriert der Marktwirt auf ganz exzellente Weise. 

Lokalität: Der Marktwirt
Benediktinermarkt 15b
9020 Klagenfurt am Wörthersee
Tel.: +43 664 2436665
E-Mail: michael@dermarktwirt.at

Mittwoch, 20. Mai 2026

Heute Bier, morgen dort ***

 



 












Okay, okay, die Überschrift ist geklaut. Doch in einem Landstrich mit hoher Brauereidichte dürfte deftiges Essen nicht weit sein. In unserem Falle liegen barocke Basilika, bayrische Brotzeit und Bockbier nur ein paar Schritte auseinander. Kässpatzen gibt es sowieso.

Zünftiges Ambiente und fesche Burschen im Service versprechen einen Aufenthalt mit Genuss. Am liebsten würden wir uns gleich einen Stock höher in eines der rustikalen Gastzimmer legen. Doch vielleicht beim nächsten Besuch?

Menge: sehr ordentlich
Spätzle: Augen auf bei der Wortwahl: wer hier etwas anderes als Spatzen deklamiert, wird vielleicht als Touri massakriert
Käse: das geheime Verhältnis von Allgäuer Bergkäse zu Emmentaler sorgt für spektakuläre Fäden 
Zwiebeln: krosse Röstzwiebeln
Viskosität: etwas zu knätschig
Beilage: wir zitieren die Karte: "Dazu perfekt: Grüner Blattsalat nur 3,9 €"
Zubereitungszeit: gefühlt eine Viertelstunde
Abgang: es rumpelt und pumpelt noch Tage später 
Preis: 12,90 Euro (Kässpatzen) + 3,90 Euro (grüner Blattsalat)
Bewertung: Solide und extrem sättigende Interpretation meiner Leibspeise, jedoch noch ohne jene legendären Röstaromen, für die die Allgäuer Variante sonst bekannt ist. 

Lokalität: Akzent Brauerei Hotel Hirsch
Marktplatz 12
87724 Ottobeuren
Tel: +49 (0) 8332 796 77-0
E-Mail: hotel@hirsch-ottobeuren.de

Samstag, 18. April 2026

Hier möcht man gerne Reblaus sein ****

 










 

 

 








Nach Burger, Bowls und Boule vom Vorabend steht uns heute der Sinn nach gutbürgerlich schwäbischer Wirtshausküche. Gar nicht so einfach inmitten fremdländischer Speisen und einer steigenden Fast-Food-Tendenz. Doch dank investigativer Forschungswanderungen wurde schon im Vorfeld dieses gastronomische Kleinod entdeckt.


Menge: diese mächtige Riesenportion ist nur durch finale Mithilfe meines Mitessers zu wuppen
Spätzle: gleichförmig gepresst
Käse: Bergkäse (meint die Karte) / ein Mix aus dreierlei Käsesorten (meint das Servicemädel - erinnert sich aber nur noch an den Käse vom Fondue)
Zwiebeln: diese üppigste Garnitur aus Zwiebeln unterschiedlicher Couleur und Röstgraden erhält den diesjährigen Prix d`Ognion
Viskosität: solide Griffigkeit mit einem winzigen Hauch Schlonz
Beilage: ein knackiger kleiner Beilagensalat mit eigenen Geschmacksnuancen: sehr frische grüne Salatblätter, leicht scharfe Radieschen, feine rote Paprikastreifen und zum Schluss eine Winzigkeit von fein geraspelten Möhrenstiftchen
Zubereitungszeit: schneller als gedacht
Abgang: pappsatt pupsend kugle ich zurück in mein Hotel
Preis: sehr faire 18,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Ehrlich, authentisch, wohlgefällig - so genussvoll habe ich lange nicht gespeist! Ein wahres kulinarisches Highlight nach einer langen Durststrecke der Mittelmäßigkeit! 

Lokalität: Rebstöckle Reutlingen 
Gartenstr. 37
72764 Reutlingen
Tel.: 07121 9639783
E-Mail: info@rebstoeckle-reutlingen.de

Freitag, 10. April 2026

Es grünt so grün **


 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 


Der April taucht das traditionelle Goldgelb der Käsespätzle gerne in ein frisches Grün. Doch angesichts der dürftigen Temperaturen im einstelligen Celsius-Bereich werde ich dem diesjährigen Bärlauch weder in seinem  natürlichen Habitat noch auf dem gastronomischen Präsentierteller ansichtig.  

So inszeniert das Hause Frech eine spinatlastige Variante, die mich unwillkürlich an den italienischen Verwandten einer verschwisterten Filiale erinnert. Oder vage an einen Käsetoast der vergangenen 70er Jahre. Für ein Revival ist es nie zu spät! 

Menge: der Inhalt einer porzellanenen Frittenschale wirkt erst mal übersichtlich, sättigt dann jedoch enorm
Spätzle: kurzkettige Spinatspätzle aus Fertigproduktion 
Käse: Mozzarella, der sich im erwärmten Zustand leider als recht zäh erweist
Zwiebeln: Fehlanzeige
Viskosität: oben rum gebräunt, unten rum in einem sahnigen See schwimmend
Beilage: keine; drei integrierte Tomatenscheiben sorgen für minimale Vitaminzufuhr 
Zubereitungszeit: geschätzte 5 Minuten, in der die gewagte Kreation vermutlich unter den Grill oder den Salamander geschoben wird 
Abgang: pappsatt blähend
Preis: 11,80 Euro als Mittagstisch
Bewertung: Das Bemühen, der treuen Kundschaft angesichts steigender Fixkosten dennoch ein erschwingliches Mittagsmahl zu servieren, ist deutlich spürbar. Am heutigen Tag erweisen sich jedoch die Fleischküchle mit Kartoffel-Gurken-Salat (12,80 Euro) als Publikumsliebling. Leider nichts für Vegetarier. 

Lokalität: Frechdax
Poststr. 6
71032 Böblingen
Tel. 07031 209 15 50

Mittwoch, 25. Februar 2026

Servus und Baba ***

 















Inzwischen fast 90jährig, lässt der Irdninger Wirt Seebacher noch immer seinen Stern im Schwäbischen leuchten. Proppevoll ist das Lokal schon um die Mittagszeit und ohne Reservierung geht gar nichts. Ambros-Plakate und steirische Devotionalien an den Wänden treiben uns zudem Tränen der Rührung in die Augen. 

Und obwohl Kässpätzle eindeutig nicht zu den originären Ennstaler Spezialitäten gehören, erliegen wir erneut der Verlockung. Ein Gedächtnisessen wird es sowieso.

Menge: mein Nebensitzer zur Rechten muss am Ende mithelfen
Spätzle: gefällige Durchschnittsware
Käse: ganz klassisch, doch nicht sehr geschmacksintensiv: Emmentaler 
Zwiebeln: es knurpselt
Viskosität: zähe Fäden ziehend
Beilage: beim adrett im Porzellanschiffchen arrangierten Beilagensalat imponiert vor allem der grob geschnittene Rettich
Zubereitungszeit: um einiges kürzer als die der Zwetschgenknödel meiner Nebensitzerin zur Linken
Abgang: auch ohne Kriecherl-Brand beschwerdefrei
Preis: 14,90 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: 12 Jahre nach unserem letzten Besuch wird noch immer im Pfanderl und Porzellanschiffchen serviert, nur unsere Begeisterung ist etwas abgekühlt, die Farben sind verblasst. Auch wir werden älter.

Lokalität: Gasthof Stern
Herrenbergerstr. 8
71263 Weil der Stadt
Tel. +4970337869
E-Mail: seebacher-stern@gmx.de