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Sonntag, 16. Dezember 2018

... ruft`s aus dem Wald ****














Manchmal sieht man vor lauter Bäumen die schwarzen Wäldern (respektive: die gesuchten Lokale) nicht. So wurde dieser Kuckuck erst im zweiten Anlauf und nach solider Vorplanung aufgespürt. Doch so viel Beharrlichkeit hat sich gelohnt.

Ist der Kuckuck ein Restaurant mit angegliederten Schwarzwald-Shop? Eine Fundgrube regionaler Spezialitäten mit Konsumationsmöglichkeit? Ein ganztägiges Frühstücks-Café? Ein (um mit unserer Lieblingsband Erdmöbel zu sprechen) Vergnügungslokal ohne Weinzwang?

Unser Herz schlägt auf jeden Fall höher zwischen Schwarzwälder Kirschtorte in der Dose, filigranen Mini-Krippen in Walnusshälften und einer originellen, mainstreamabgewandten Speisekarte. Darauf ist mein Leibgericht nicht einmal gelistet. Doch hier werden (fast) alle Wünsche auf Zuruf erfüllt und man fühlt sich wie auf Heimaturlaub bei vertrauter Verwandtschaft.


Menge: dieser Teller ist randvoll mit Köstlichkeiten beladen
Spätzle: vermutlich von Bürger, aber auch eine Aldi´sche Provenienz wird nicht verschmäht
Käse: eine herzhafte Melange aus Emmentaler und Bergkäse
Zwiebeln: extrem fein geschnittene und knusprige Röstzwiebeln
Viskosität: geschmeidige Fäden ziehend
Beilage: die Spätzle werden sehr ansprechend begleitet von warmem, sahnig abgeschmecktem  Lauchgemüse, hauchdünn geraspelten, ultrafrischen Möhrenstreifen und einem aromatischen Ackersalat
Zubereitungszeit: geschätzte 20 Minuten, die wir angeregt plaudernd und staunend verbringen
Abgang: wohlig
Preis: 9,50 Euro
Bewertung: Diese ebenso grundehrliche wie deliziöse und reichhaltige Variante meines Lieblingsessens macht rundherum glücklich! Die kreative Atmosphäre sowieso.

Lokalität: Kuckuck Laden & Café
Marktplatz 53
72250 Freudenstadt
Tel. 07441 /9326736

Sonntag, 5. August 2018

Mit Speck fängt man Mäuse ***

















Okay, okay, es gehört schon eine Menge Enthusiasmus dazu, um bei hitzigen Temperaturen von 30 Grad zum Kässpätzle-Essen auszuschwärmen. Doch Hausfreund Mike tritt mutig als Begleitung an - mit kurzen Hosen, einem Wassersprüher und vermeintlichen Ortskenntnissen. Als wir schon fast  dehydriert und halb komatös den Freudentstädter Marktplatz umrundet haben, entdecken wir durch  Zufall diese rustikale, einladende Location mit luftigem Gastgarten direkt vor der Türe. Augenblicklich können wir keinen Schritt mehr weitergehen und lassen uns erschöpft nieder.

Menge: diese zünftig in einem Pfännle servierte Portion ist eher für einen körperlich aktiven Holzfäller gedacht und lässt sich nur unter Stöhnen und durch Mithilfe eines mitleidigen Mitessers bewältigen
Spätzle: die wurden aus Lossburg zugekauft, wie der Patron überzeugend ehrlich zugibt
Käse: zahmer Bergkäse aus dem Schwarzwald
Zwiebeln: leicht karamellisierte Schmelzzwiebeln (leider viel zu wenig)
Viskosität: gefällig
Beilage: vom Beilagensalat mit Gurke, einem Alibi-Tomatenachtel und Blattsalaten sei vor allem der spektakulär knätschige Kartoffelsalat erwähnt - herrlich, ganz nach meinem Geschmack!
Zubereitungszeit: unglaublich kurze 10 Minuten
Abgang: enorm sättigend; das prophylaktisch konsumierte Zibärtle für verdächtig günstige 2,50 Euro schmeckt leider hauptsächlich sprittig
Preis: mit 9,80 Euro (inklusive Beilagensalat) knapp unter der magischen Schallgrenze
Bewertung: Gefällig komponierte schwäbische Speisen in einem klug inszenierten Setting aus Schwarzwald-Feeling, Rustikalität und gespielter Authentizität.

Lokalität: Zum Speckwirt 
Marktplatz 45
72250 Freudenstadt
Tel.: 07441 9195680  
E-Mail: info@speckwirt-fds.de

Sonntag, 14. August 2016

Gar nicht fad, nach dem Lotharpfad ***

















Nicht nur Adel verpflichtet. So besuche ich Lothar (den Pfad) mit Lothar (meinem Mann) - quasi als verspätetes Geburtstagsgeschenk. So viel umgestürzte Bäume, überquellende Heidelbeerbüsche und eindrucksvolle Wälder machen gehörig Hunger. Doch am Sturmwurferlebnispfad gibt es weder Imbissbuden noch Toilettenhäuschen. Gut so.

Der proppevolle Freizeitbus F2 bringt uns nach sensationellen Schlenkern über Mummelsee und Alexanderschanze zurück zum bodenständigen Freudenstadt. Müde und etwas schwindlig stolpern wir ins bahnhofsnahe Waagstadl, das mit günstigen Preise und balkanesker Küche lockt. Übermütig bestelle ich ein Gericht mit dem Beinamen "Mickey Mouse" - und werde nicht mal nach meinem Alter gefragt.

Menge: irgendwo zwischen üppiger Kinderportion und gut gemeinten Speisen für den kleinen Hunger
Spätzle: vollschlank und wohlgenährt
Käse: herzhafter Gouda, in Scheiben geschnitten und mit etwas Sahne und Gewürzen verfeinert
Zwiebeln: eher nicht
Viskosität: geschmeidig und dehnbar, mit knusprig angebratenen Stellen
Beilage: in der Micky-Mouse-Version keine; in der XL-Version mit Beilagensalat
Zubereitungszeit: knapp über eine Viertelstunde
Abgang: ergibt zusammen mit einer großen Cola und einem kleinen Ouzo ein harmonisches Konglomerat
Preis: unglaubliche 4,50 Euro
Bewertung: Üppige Portionen, herzhafte Aromen und günstige Preise halten sich die Waage in diesem rustikalen Stadl. Ebenfalls empfehlenswert: Cevapcici satt für 9 Euro. Kommt man zur richtigen Zeit, ist Familienanschluss fast inklusive. Schluss, aus, Mickey Maus.

Lokalität: Waagstadl
Am Stadtbahnhof 1/2
72250 Freudenstadt
Tel. 07441/869349
E-Mail: info@waagstadl.de

Sonntag, 10. April 2016

Herzog Friedrich hätte seine Freude ***




Freudenstadt lockt mit einer Vielfalt von Heilsversprechen nicht nur moribunde Rentner an. Oben auf dem Hausberg Kienberg (auch für Fußkranke und Versehrte bequem erreichbar mit dem Kurbähnle) hat vor gut einem halben Jahr - auf den Grundmauern des ehemals reichlich abgehalfterten und altjüngerferlichen Cafés am Friedrichsturm - eine sehr stylische Location im aufgemotzten Landhaus-Look eröffnet. Vermutlich hat der Innenarchitekt mit diesem geballten Black-Forest-Feeling seine Doktorarbeit vollbracht. Nicht umsonst gehört hier die Schwarzwälder Kirschtorte zu den gefühlt am häufigsten bestellten Speisen.


Menge: reichlich - nur der Anstand verbietet mir, den verbliebenen Rest einpacken zu lassen
Spätzle: schlank, gleichförmig und offenbar hausgemacht
Käse: der sehr bemühte, aber in Interna ziemlich unwissende Kellner versucht es mit folgenden Antworten (in dieser Reihenfolge): a) Allgäuer Hüttenkäse b) vom Großmarkt, "da muss ich mal auf die Tüte schauen" c) Emmentaler
Zwiebeln: geschmälzte Zwiebelringe
Viskosität: angenehm cremig, mit knackig überbackener Oberfläche
Beilage: keine (ein wahres Manko!)
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: wohlig
Preis: 7,50 Euro
Bewertung: Trotz mangelndem Beilagensalat und fehlender Transparenz der Inhaltsstoffe haben mich die grandiose Aussichtslage und das sichtliche Bemühen des Servicepersonals mehr als versöhnt.

Lokalität: Friedrichs am Kienberg
Herzog-Friedrich-Straße 33
72250 Freudenstadt
Tel. 07441/951196
E-Mail: info@friedrichs-kienberg.de

Sonntag, 8. September 2013

Auf Deutschlands größtem Marktplatz ***

















Der heutige Tag des offenen Denkmals führt uns nach Freudenstadt, auf dessen 4,7 ha großen Marktplatz man gehörig im Carree springen kann. Unsere Besichtigungstouren oszillieren zwischen einem original-historischen Jugenstilhotel aus dem Jahre 1895 und einem gefakt-traditionellen Bierstadel der Neuzeit.

In letzterem baumeln rustikale Holzschlitten neben gefühlten Discokugeln von der Decke und es würde einen nicht verwundern, wenn man auf dem Weg zur Toilette Anton aus Tirol begegne. Die durchweg knackigen Servicemädels tragen hauseigene Tracht zu marathongeeigneten Laufschuhen und scheinen geradewegs vom Step-Aerobic zu kommen. Auch den Gästen seien eiserne Durchhaltekraft und gestählte Ellenbogen anempfohlen, angesichts des schon am späten Nachmittag proppevollen Lokals und der üppig beladenen gußeisernen Pfannen.

Menge: turmhohe Riesenportion
Spätzle: umami-betonte Teigwaren, die beim Erkalten in einen teiglastigen Aggregatzustand übergehen
Käse: schlichter Edamer
Zwiebeln: saftig angeschmelzte und würzig abgelöschte frische Zwiebelscheiben (lecker!!)
Viskosität: oben herum leicht gratiniert, unten herum weicher werdend
Beilage: grüne Blattsalate in Sahnedressing, nebst dem obligatorischen Tomatenachtel
Zubereitungszeit: etwas über eine Viertelstunde
Abgang: ein massives Völlegefühl ist nicht zu leugnen
Preis: 8,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Okay, okay, statt Anton war immerhin schon Xavier vor Ort!! Und Geri, der Ex-Klostertaler. Bei dieser Promidichte sei vor versteckter Kamera gewarnt.

Mit der durchweg bodenständigen Hausmannskost und dem betont rustikalen Ambiente lassen sich entfernte Familienangehörige, durchreisende Bekannte und ausländische Geschäftspartner mächtig beeinrucken. Wer Halli-Galli liebt, fühlt sich hier zuhause.

Lokalität: TURM-BRÄU
Freudenstädter Brauhaus am Markt
Marktplatz 64
72250 Freudenstadt
Telefon:  074 41 / 90 51 21
Telefax:  074 41 / 90 51 22
E-Mail: info@turmbraeu.de