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Samstag, 1. Februar 2025

Ohne Weißbier am Wettbachplatz ***

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Mike und Heidi laden zum Neujahrsessen ins Wirtshaus Erdinger, auch wenn sie selbst lieber Wein(schorle) trinken. Im zünftigen Ambiente wird ganzjährig gebechert, geschunkelt, Oktoberfest gefeiert und der Maibaum hochgehalten. So jung kommen wir nicht mehr zusammen!

Wie gerne wären wir noch der Aufforderung am Büdchen vor der Türe nachgekommen: "Sport gibt dir das Gefühl, besser auszusehen. Glühwein übrigens auch." Doch eine bleierne Schwere zwingt uns in die Mittagsruhe.

Menge: unsere großen Augen beim Servieren kontert der Kellner geübt: "Wir haben was zum Einpacken"
Spätzle: immer wieder gern genommen: Fertigware der Firma Schmid
Käse: meinen vermeintlich eruierten Emmentaler dementiert die Servicedame ganz bestimmt: "Auf der Packung stand doch Gouda"
Zwiebeln: krosse Röstzwiebeln und eine verborgene Knoblauchpaste
Viskosität: nicht zu sahnig, nicht zu trocken, schöne Käsefäden ziehend
Beilage: ein üppiger Beilagensalat mit Blattsalaten, gehobeltem Kraut, gestiftelten Möhren und einem Allerweltskartoffelsalat
Zubereitungszeit: mittags muss es fix gehen
Abgang: erstaunlich leicht und beschwingt
Preis: 15,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Riesige Portionen und eine hemdsärmelige Gemütlichkeit lassen den unverhohlenen Einsatz von Convenience-Produkten glatt verzeihen. Wieder aufgewärmt schmecken die Reste anderntags gleich noch mal besser.

Lokalität: Wirtshaus zum Erdinger
Wettbachstraße 1
71063 Sindelfingen
Tel.: 07 031 – 816633
E-Mail: kontakt@erdinger-sindelfingen.de

Sonntag, 20. Oktober 2024

Mach mal einer das große Licht an ***

 



 

 

 

 

 

 

 


Kaum zu glauben: a) meine Prophezeiung aus dem Jahre 2010 hat sich bewahrheitet und b) fast 15 Jahre später herrscht hier immer noch das alte Funzellicht. Obwohl gleich mehrfach in den letzten Jahren Inhaber, Betreiber und Pächter gewechselt haben dürften. Und haben wir nicht auf diese grünkarierte Tischdecke schon mal gekleckert, unsere Rücken nicht an diese fein bestickten Kissen gedrückt? Ein bisschen fühlt sich das geschickt kuratierte Ambiente wie eine Inszenierung im Europapark Rust an. Themenpark Almhütten.

Menge: eine nicht zu wuppende Holzfällerportion: auch das taffe Mannsbild zwei Tische weiter bittet - ganz nach meinem Vorbild - um eine Mitnahmebox
Spätzle: voluminös und habhaft ("die werden hier hausgemacht")
Käse: Emmentaler as usual
Zwiebeln: leider nur ein kleines Häuflein Schmelzzwiebeln on top
Viskosität: von sämiger Kompaktheit
Beilage: ein (vorbereiteter) Beilagensalat: unter schlapp gewordenen Salatblättern in einer senfbetonten Vinaigrette finden sich feine Möhrenstiftchen, grob gehobelter Rettich und 1a schlonziger Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: nach 7 Minuten kommt der Salat, nach 15 Minuten das Bier, nach 18 Minuten die Kässpätzle
Abgang: der Hopfengehalt des begleitenden Bieres sediert das Rumpeln und Pumpeln
Preis: 15,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Die Kontinuität hat ihre Grenzen. Feierten wir bei unserem letzten Besuch noch das feurige Paprrrrika-Puszta-Feeling, suchen wir jetzt vergebens nach einer Pfeffermühle. Doch die schiere Menge, das heimelige Ambiente und der belastbare Service imponieren. Und versprochen: in der nächsten Dekade kommen wir wieder. Wenn die Sindelfinger Altstadt dann noch steht.

Lokalität: Altstadtlokal Funzel
Untere Vorstadt 12
71063 Sindelfingen
Tel.: 07031 7655122
E-Mail: kontakt@altstadtlokal-funzel.de

Mittwoch, 24. Januar 2024

Böhmisches Paradies ***

 



Gut 10 Jahre (und wohl einige Pächterwechsel) nach unserem letzten Besuch wischen wir uns verwundert die Augen angesichts des rundherum aufgehübschten Interieurs und der überbordenden Herzlichkeit der neuen Betreiberinnen Arina Gendlin und Marketa Nepevny.  Kurz vor Mariä Lichtmess ist noch weihnachtlich eindekoriert - und wer nicht vorsorglich einen Tisch reserviert hat, könnte das Nachsehen haben. Denn die tschechische Enklave im Sindelfinger Outback hat sich schnell zum Rentner-Eldorado entwickelt.

Menge: reichlich
Spätzle: leider lätschig weichgekocht
Käse: "auch Bergkäse", verrät Arina Gendlin lächelnd, "auch Gouda", fügt sie auf Nachfragen hinzu
Zwiebeln: fein gehackt im Kässpätzlekonglomerat, plus einige frische rote Zwiebelscheiben on top
Viskosität: eine Blindverkostung hätte uns wohl eher Brei vermuten lassen
Beilage: eine überzeugend frische, knackige Blattsalatmischung mit feinem Kresse-Topping und kräuteriger Vinaigrette
Zubereitungszeit: gut eine halbe Stunde
Abgang: trotz der Menge lockerleicht
Preis: 13,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Geschmacklich und optisch eine Freude, jedoch haptisch eine herbe Enttäuschung. Nur zahnlose Gäste könnten diese Konsistenz goutieren. Wir drücken alle Augen zu - denn liegt die Kernkompetenz der Küche nicht in böhmischen Spezialitäten?

Lokalität: Gaststätte SchützenHaus
Mönchsbrunnen 2
71065 Sindelfingen
Tel.: 07031 306 95 07
E-Mail: schuetzenhaus.info@gmail.com

Donnerstag, 15. Dezember 2022

Finnische Sauna **

 


 

 

 

 

 

 

 



Kenner schwärmen gerne vom finnischen Flammlachs auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Wer es jedoch muckeliger und etwas abseitiger wünscht, reist in die Provinz. Im Maichinger Industriegebiet, mit Aussichtsblick auf die dortige Reithalle, hat die finnische Gastronomin Krista eine ehemalige Pizzeria übernommen. Die kulinarische Neuausrichtung ist sichtlich bemüht, Fans der nordischen Lebensart genauso zu beglücken wie alteingesessene Schwaben. Manches mag der engagierten Küche gelingen, manches eher nicht. Kässpätzle gehören eindeutig zur zweiten Kategorie.

Menge: lässt sich mangelnde Qualität durch überbordende Quantität wettmachen?
Spätzle: ein weichgekochter Brei
Käse: Maasdamer
Zwiebeln: nur nach intensiver Suche wurden rudimentäre Partikelchen gefunden
Viskosität: sämig-schlüpfrig
Beilage: ein etwas wässriger Beilagensalat, dessen Marinade Maggi mit einem süßlichen Unterton vermuten lässt
Zubereitungszeit: eine gefühlte kurze Viertelstunde
Abgang:
flutscht wie geschmiert
Preis: 11,20 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung:  Die optische und kulinarische Enttäuschung scheint vorprogrammiert - hat die finnische Sprache doch nicht mal einen äquivalenten Ausdruck für Spätzle parat. Einen Versuch war es dennoch wert - nicht zuletzt wegen der heimeligen Wärme an diesem klirrend kalten Wintertag.

Lokalität: Reiterstüble
Gutenbergstr. 9
71069 Sindelfingen
Tel. 07031/681381
E-Mail: krista-weigt@t-online.de

Sonntag, 23. August 2020

Spätzle im Duett ***



 

 

 

 

 

 




Wieder einmal beweist sich Hausfreund Mike als verlässlicher Tippgeber und Co-Tester. In der altbekannten Sindelfinger Traditonswirtschaft Bierstadel hat der bisherige Patron Manne nach fast 40jährigem Einsatz den (Koch)Löffel abgegeben. Dass einer seiner Nachfolger - Besnik Gashi - zuletzt auf der Nordseeinsel Borkum am Herd stand, verwundert nicht. Durften wir kurz vor Juist doch die bislang nördlichste Kässpätzle-Variante testen. 

Im Sindelfinger Bierstadel indes wagt man keine Experimente und weicht nicht vom altbewährten Muster ab: Spätzle und Pfännle gehen immer. Kässpätzle-Fanatiker finden gleich zweierlei Dareichungsformen. Mal puristisch mit einem Beilagensalat, mal gemüsig aufgemotzt als "Marktpfännle".

Menge: passt!
Spätzle: zur äußeren Gestalt von breiten Nudeln tendierende Fertigware
Käse: eine nicht alltägliche Mischung aus Emmentaler, Gouda und Mozzarella
Zwiebeln: zu lätschig und zu wenig
Viskosität: geschmeidig und smooth
Beilage: mal mit einem kleinen bunten Beilagensalat, mal mit sahnigen Rahmchampignons und TK-Gemüse angereichert
Zubereitungszeit: überraschend kurz
Abgang: erst locker-flockig, später zunehmend beschwerlich
Preis: 11,20 Euro (mit Beilagensalat) / 11,80 Euro (mit Gemüse und Champignons als Marktpfännle-Gebinde)
Bewertung: Beide gefällige Mainstream-Varianten dürften die größtmögliche Schnittmenge aller Erwartungen bedienen: optisch hübsch angerichtet, geschmacklich ohne Extreme und Ausreisser. Doch nur Mut - wir wären auch Experimenten durchaus aufgeschlossen!
 
Lokalität: Restaurant Bierstadel
Pfarrwiesenallee 16
71067 Sindelfingen
Tel. 07031/8039-99
E-Mail: mail@bierstadel.de

Dienstag, 11. Februar 2020

Ist denn schon Valentinstag? ***

 
















Hausfreund Mike, ausgewiesener Wirtschaftswissenschaftler, sowie langjähriger Weggefährte, Tippgeber und Co-Spätzialist, lädt in unregelmäßigen Abständen zum Heimspiel ein.  Drei Tage vor dem Fest der Liebe folgen wir erneut seinem Lockruf an den gepflegt dekorierten Esstisch. Nicht ohne eine gewisse Spannung: liegen unsere letzten Testessen (siehe hier und hier) doch schon etliche Jahre zurück.

Menge: zusammen mit diversen Nachspeisen mehr als ausreichend
Spätzle: aus extra Spätzlesmehl und feingemahlenen Steinpilzen handgefrickelte Hausmacherware - vermutlich wieder unter Einsatz der legendären Spätzleria
Käse: eine einzigartige Mischung aus Cheddar, Bergkäse und Emmentaler
Zwiebeln: skurril in Mehl gewendete und sehr crispy gebratene Onion Rings
Viskosität: tendenziell immer noch zu trocken und leider erst beim letzten Rest zu einer homogenen Melange zusammenschmelzend
Beilage: quasi aus dem Nichts heraus haben die geladenen Gäste einen ansprechenden Salatteller mit würzigen Blattsalaten, knackigen Radieschen, kräuterigem Kartoffelsalat und winterlichen Sprossen gezaubert
Zubereitungszeit: unbekannt
Abgang: nach einem kombinierten Dessert aus Negerkuss, Schokoladenkuchen und Eierlikör ist insgesamt ein robuster Magen gefragt
Preis: kostenlos, aber nicht umsonst
Bewertung: Außergewöhnliche Zutaten und wechselnde Variationen in der Zubereitung lassen einen nie versiegenden Ehrgeiz erkennen. Weiter so - wir kommen wieder!

Lokalität: Michael Kurt Beichert
Brandenkopfweg 14
1. Stock
71067 Sindelfingen
Telefonnummer und Mailadresse auf Anfrage

Montag, 3. Juni 2019

The local Gouda Geheimnis ***

















Mit The Local hat sich das Sindelfinger Marriott Hotel ein sinniges Wortspiel ausgedacht - changierend zwischen netter Stammkneipe und regionalen Genüssen. Denn wer sich zum Speisen nicht ins habhafte hoteleigene Steakhouse begeben möchte, kann sich fortan sehr leger im luftigen Ambiente dieses Erlebnisraumes niederlassen.

Neben Burger, Chicken Wings und Spare Ribs darf man hier ruhig auch mal schwäbisches Soulfood erwarten. Meine Leibspeise findet sich zwar nicht auf der Karte, wird auf meine Anfrage hin jedoch mutig aus den "Small local bites" ("Meatballs meets Swabian cheese noodles") extrahiert. Der Flexibilität des Kochs sei gedankt!


Menge: ausreichend
Spätzle: Convenience
Käse: offenbar Gouda (was eigentlich ein Geheimnis ist, wie uns die jugendliche Servicedame insgeheim eröffnet)
Zwiebeln: knurpselige Fertigröstzwiebeln, wie sie Hotdogs gut zu Gesicht stehen würden
Viskosität: sahnig-suppig
Beilage: kleiner Beilagensalat, in ebenso kleiner Suppentasse serviert: einige Blätter grüner Salat, zwei Cherrytomatenhälften, zwei Stückchen Zwiebel - schmackhaft angerichtet mit einer würzigen Senf-Vinaigrette
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: füllig
Preis: 15,00 Euro (inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Bei aller Wertschätzung dieser exklusiven Sonderanfertigung, bewegt sich das Resultat doch eher im gefälligen Mittelbereich (bei nicht ganz angemessenem Preis). Angenehm versöhnt werden wir dagegen durch das runderneuerte Marriott-Ambiente im skandinavischen Stil.

Lokalität: The Local
Mahdentalstr. 68
71065 Sindelfingen
Tel. +49 7031 6960

Dienstag, 6. September 2016

Pfännle, Park und Pflücksalat ***


















Von vergangenen Urlauben schwärmend und über die anstehende Obsternte grübelnd, sitzen wir im familiären Kreise beisammen und lassen uns genüsslich die ganze Bandbreite der hiesigen Kulinaria auftischen: leichten Fisch, deftiges Fleisch und unweigerlich Vegetarisches. Entspannter könnte ein Abend kaum verlaufen...

So relaxed, dass wir fast das Ende der Öffnungszeiten aus den Augen verlieren. Kaum daheim, sinken wir satt und zufrieden sofort ins Bett.

Menge: so viel, wie in ein gusseisernes Pfännle passt
Spätzle: wohlgeformt
Käse: ein Küchengeheimnis - der freundliche Ober verrät jedoch, dass wohl ein Greyezer mit im Spiel ist
Zwiebeln: knusprig frittierte Zwiebelstreifen als Topping
Viskosität: angenehm soft
Beilage: ein vielfältiger Beilagensalat mit leichten Blatt- und Pflücksalaten, feinen Gurkenscheiben, rezentem Kartoffelsalat und Tomaten-Deko
Zubereitungszeit: die kaum wahrgenommene Wartezeit wird mit gemischten Hors d´Oeuvres ganz angenehm verkürzt: feine Leberpastete, frische Shrimps, gebratene Aubergine und knackige Paprikastreifen
Abgang: würzig und einen leichten nächtlichen Durst erzeugend

Preis: 9,50 Euro (inklusive gemischtem Beilagensalat)
Bewertung: Klassische Variante, im brutzelnd heissem Pfännle serviert - ganz, wie ich es mag!

Lokalität: Parkrestaurant
Schillerstraße 23/2
71065 Sindelfingen
Tel. +49 (0) 70 31 / 81 24 09

Email : info@parkrestaurant-sindelfingen.de

Montag, 2. November 2015

Schuster, bleib bei Deinen Leisten *

 
















Die Ikeanisierung gastronomischer Kultur nimmt inzwischen bedenkliche Ausmaße an. Was mit Graved Lachs und Köttbullar beim schwedischen Einrichtungshaus begann, führte längst zum wechselnden Mittagstisch in jedem x-beliebigen Möbelgeschäft. Bei Hofmeister gar zu Seniorentanz, Jazzbrunch und Kinderbuchkino.

Aber man kann nicht alles haben. Im Reich von Klappsofas, Kristalleuchten und Klodeckeln können Kässpätzle eindeutig nicht zu den Kernkompetenzen gehören. So kehre ich nach meinem letzten Besuch des hofmeisterlichen Ambientes zur althergebrachten Binsenweisheit zurück: "Schuster, blieb bei Deinen Leisten!"

Menge: überschaubar
Spätzle: die stammen laut Auskunft der Thekenkraft von Schmid`s
Käse: Emmentaler, "mit Sahne und Muskatnuss verfeinert" (O-Ton der Thekenfachkraft)
Zwiebeln: da mir die standardmäßige Speck-Zwiebelschmelze als Vegetarier kaum bekäme, erhalte ich auf Wunsch einen Klacks fruchtige Rieslingzwiebeln
Viskosität: trocken, teigig, krisselig
Beilage: ein winziges Schälchen mit Blattsalat, sowie je einer abgezählten Alibi-Scheibe Tomate und Gurke - ertränkt in einem versalzenen Balsamico-Dressing.
Zubereitungszeit: unbekannt
Abgang: ausdruckslos
Preis: 6,10 Euro als Tagesessen (inkl. kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Geschmackloses Convenience-Food wird durch Überwürzung kaum schmackhafter. Ein Segen, dass man sich zu jedem Tagesessen einen Softdrink für 1,50 Euro zapfen darf.

Lokalität: Hofmeister Gastronomie
Eschenbrünnlestraße 12
71065 Sindelfingen
Telefon: 07031 4371-0

Freitag, 9. Oktober 2015

Dinkel ohne Dünkel ***

 
















Über die optimale Zusammensetzung der Zutaten meiner Leibspeise kursieren die tollsten Thesen und Geheimtipps. Manch einer favorisiert speziellen Käse, ein anderer schwört auf ein bestimmtes Spätzlemehl, ein dritter glaubt die ultimative Zubereitungsart zu kennen.

Geheimniskrämerische Köche schweigen beharrlich auf meine Rückfragen und halten ihre Küchen-Interna genauso verschlossen wie die Rezeptur von Coca Cola. Nicht so bei Frish. Wieso gerade Dinkel für den Spätzlesteig verwendet wird, rufe ich in die Runde. Die Fachkraft hinterm Tresen antwortet mit entwaffnender Ehrlichkeit: "Gute Frage. Wir kaufen die Spätzle halt so ein."

Weitere Diskussionen erübrigen sich. Denn zu High Noon herrscht im Selbstbedienungsrestaurant einer gut besuchten Shopping Mall natürlich eine drängende Drucketse. Schnell ab mit dem Tablett!

Menge: riesiger Teller mit ebensolcher Portion
Spätzle: eines steht fest: definitiv nicht hausgemacht
Käse: laut Auskunft der Tresenkraft: Bergkäse (was wir geschmacklich bestätigen können)
Zwiebeln: ein wahres Füllhorn von kross ausgebackenen, höchst aromatischen Zwiebelringen
Viskosität: comme il faut!
Beilage: so groß der Spätzlesteller, so winzig das Salatschüsselchen - dazu nichtssagend befüllt mit ein paar Salatblättern, einer geschmacklosen Tomatenscheibe und frischer Kresse, die leider auch nichts mehr retten kann
Zubereitungszeit: nicht bekannt
Abgang: leicht und unkompliziert
Preis: 8,90 Euro als Mittagstisch (inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Aromatischer Geschmack und gefällige Konsistenz auf der Basis von Convenience Food.

Lokalität: Frish Sindelfingen
Breuningerland
Tilsiter Strasse 15
71605 Sindelfingen

Dienstag, 8. September 2015

Gut. Besser. Paulaner ***

 
















Ende der Sommerpause! Schluß mit luftigen Salatbergen, frischen Melonenscheiben und kalten Getränken - jetzt bricht wieder die Zeit für mein wärmendes, pappsatt machendes Leibgericht an!

Passend zum finster umwölkten Himmel zeigt sich das Interieur des Sindelfinger Paulaner reichlich düster. Doch die fesch bedirndelte Servicedame, die kurz vor 12 selbst noch ihr Mittagsmahl an der Theke vertilgt, nickt mir einladend zu und ist auch schnell zur Stelle. Da ich meine Rentenbescheinigung nicht dauerhaft bei mir führe, verzichte ich auf das Rentnerviertele (zwischen 10 und 16 Uhr) für 3,20 Euro und komme ohne Umschweife zur Spätzlebestellung. Die Auslieferung erfolgt pünklich zum Mittagsläuten.

Menge: reichhaltig
Spätzle: "natürlich hausgemacht", wie die glaubwürdige Servicedame inbrünstig betont
Käse: mal wieder der Klassiker: Emmentaler
Zwiebeln: schön lätschig geschmälzte Zwiebelscheiben
Viskosität: weichgummiartig soft
Beilage: heute wahlweise eine Linsensuppe oder knackig frische Blattsalate mit Möhrenstiften und Beigaben von Kraut, roter Paprika, Gurke
Zubereitungszeit: unglaublich kurze 5 Minuten
Abgang: gut sättigend, jedoch nicht völlerisch
Preis: als Tagesessen - wahlweise mit Suppe oder Salatteller - sehr günstige 6,80 Euro (sonst 8,50 Euro)
Bewertung: Große Portionen, günstige Preise und fast keine Wartezeiten - die Grundbedürfnisse sind befriedigt! Einen kleinen Punkteabzug gibt es lediglich für den etwas faden Geschmack, doch die Pfeffermühle steht schon vorsorglich auf dem Tisch. 

Lokalität: Paulaner Sindelfingen
Mercedesstr. 9
71063 Sindelfingen
Tel. 0 70 31 / 43 64 727
Fax 0 70 31 / 43 64 726
E-Mail: info@paulaner-sindelfingen.de

Dienstag, 14. Juli 2015

Trojanische Spätzle ***

















Bereits in früheren Zeiten bemerkten wir die Durchsetzung indigener Speisen durch die multikulturelle Crossover-Küche - zur allseitigen Bereicherung! So entpuppen sich türkische Kässpätzle nicht als einmaliger Marketing-Gag, sondern als bleibender Bestandteil auf der osmanischen Speisekarte. Und mitnichten als trojanisches Pferd.

Das Sindelfinger Troya überzeugt durch ein wahrlich sultanisches Ambiente, herzliche Gastlichkeit, geschmackvolle Gedecke und kaum zu glaubende Preise (letzteres zumindest für den Mittagstisch). Herrlich kühl sitzt man im Sommer im überdachten Aussenbereich, mit Blick auf einen künstlerisch in Stein gehauenen Trojaner. Und gleich daneben ein muschelverziertes Pelargonien-Arrangement.

Menge: zusammen mit einer köstlich cremig-leichten Tomatensuppe, frischem Fladenbrot, einem kleinen Beilagensalat und einer karamelisierten Puddingschnitte im Mittags-Quintett: wunderbar sättigend!
Spätzle: natürlich nicht selbst gemacht, sondern vom Großhandel bezogen (wird offenherzig zugegeben)
Käse: ein sehr untürkischer Emmentaler
Zwiebeln: keine, denn das ist der ausgewiesene Unterschied zum deutschen Original
Viskosität: schlüpfrig
Beilage: siehe unter Bewertungskriterium "Menge" - oder was die Homepage als 4-Gang-Business-Lunch propagiert!
Zubereitungszeit: die vielen kleinen Beigaben und das angeregte Geplänkel mit einer Mitesserin am Nebentisch lassen uns gänzlich die Zeit vergessen
Abgang: leicht, wohlig, wohltuend (auch dank einem reichlich mit Eiswasser verdünntem Yeni Raki)
Preis: alles in allem unglaubliche 6,90 Euro
Bewertung: Hier wird mit allem erfrischend großzügig umgegangen: mit der Speisenabfolge, dem Geschirr, der Gastfreundschaft. Allein genommen, wären die Kässpätzle keine besondere Erwähnung wert, doch nach der Summe der durchweg positiven Erfahrungen kommen wir sehr gerne wieder!

Lokalität: Troya
Gartenstr. 24
71063 Sindelfingen
Tel. 07031/ 7288816
E-Mail: info@troya-restaurant.de

Montag, 8. Dezember 2014

Mit schwäbischer Handschrift ***



Kinder, wie die Zeit vergeht! Vor kurzem bespielten Wioletta und Gebhard Baur-Kacperek noch den Böblinger Platzhirsch, wo wir eine gelungene Session für ein bekanntes Stuttgarter Stadtmagazin abhielten (Stichwort: die Spätzialistin). Inzwischen ist das Gastro-Ehepaar in den Heimathafen Sindelfingen zurückgekehrt. Auf ebenso traditionsreiches Terrain.

Hier verspricht das Speisenangebot "mediterrane Köstlichkeiten, frisch und phantasievoll zubereitet mit schwäbischer Handschrift". Das loten wir gerne bei einem Mittagessen aus. Und sind freudig erstaunt darüber, dass die kleine Karte erheblich mehr Auswahl bietet als das andernorts oft spärliche Mittagstisch-Duett.


Menge: vollkommen ausreichend
Spätzle: die flutschen prächtig
Käse: eine gelungene und gefällige Melange aus Emmentaler und Tilsiter
Zwiebeln: reichlich herzhaft und deftig geschmälzte Zwiebelstreifen
Viskosität: sahnig-soft-geschmeidig
Beilage: was auf der Mittagskarte als kleiner Salat firmiert, entpuppt sich als auf dem selben Teller servierte Dekoration aus Ackersalat und etwas Radicchio und noch mehr Kartoffelsalat (leider ziemlich  trocken und geschmacksneutral)
Zubereitungszeit: eine Viertelstunde nach meinem Eintreffen öffnet die Küche; eine weitere Viertelstunde später steht das Bestellte auf dem Tisch (so schwungvoll, dass der Brotkorb gleich mit umkippt)
Abgang: lang sättigend, etliche Bäuerchen erzeugend
Preis: 7,90 Euro (als Mittagstisch, mit Salatbeilage)
Bewertung:  Die geschmackvollen Käsespätzle werden hübsch dekoriert und ebenso angerichtet. Lediglich Textur und Geschmack des Kartoffelsalates sollten überdacht werden. Auch dem jugendlichen Service würde etwas mehr Ambitioniertheit gut zu Gesicht stehen.

PS. Nach wie vor sehenswert: die noblen Toiletten mit Lüsterlicht (die uns sehr an Bad Wildbad erinnern)

Lokalität: Viola
Vaihinger Straße 14
71063 Sindelfingen
Tel.: 07031/61143
E-Mail: info@restaurant-viola.de

Donnerstag, 11. September 2014

Griechische Würze ***

 
















Internationale Wochen im Kässpätzle-Testcenter. Während wir noch kürzlich der türkischen Variante aufgesessen sind, dinieren wir heute (fast unbemerkt) unter griechischer Flagge.

Das in früheren Jahren bereits schon mal angestestete Waldhotel Sindelfingen, firmiert nach umfangreichen Renovierungsarbeiten neu unter der Inhaberin Matina Patsia mit ihrem griechischen Koch Chris Kopesidis. Der sorgt für deftig-pikante Würze und kraftvolle Interpretationen bekannter Klassiker. So sind meine heutigen Mitesser begeistert von der rustikalen Gulaschsuppe mit deutlich spürbaren Kartoffel- und Tomatenstückchen.


Menge: was großzügig auf eine längliche Vorlagenplatte passt
Spätzle: solide und wohlgeformt
Käse: Gouda (in der Küche erfragt)
Zwiebeln: reichlich in allen Aggregatzuständen: crispy als Topping / sanft angeschmelzt unter der Spätzlemasse
Viskosität: geschmeidig bis sämig
Beilage: ein recht überschaubarer, unspektakulärer Beilagensalat mit 3 Salatblättern und einem einsamen Tomatenachtel
Zubereitungszeit: obwohl nicht auf der Mittagskarte stehend: nur eine knappe Viertelstunde
Abgang: einen nachhaltig pikanten Nachgeschmack hinterlassend
Preis: 8,90 Euro (inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Die Runderneuerung der Location ist optisch gelungen, scheint jedoch das Nervenkostüm der Inhaberin arg ramponiert zu haben. Zukünftig wünschen wir uns deutlich mehr Contenance im Service. An der paprika-tomatigen Würze der reichhaltigen Kässpätzle ist dagegen nichts auszusetzen.

Lokalität: Waldhotel Sindelfingen
Friedrich-Ebert-Str. 40
71067 Sindelfingen
Telefon: 07031/ 7088500
Telefax: 07031/ 7088550
E-Mail: info@waldhotel-sindelfingen.de

Mittwoch, 20. August 2014

Peynirli eriste **




Türkische Kässpätzle?? Diesen Bauernfang hätten die 3 Mohren gar nicht nötig gehabt! Seit der fulminanten Eröffnung im Mai 2014 beeindruckt das Restaurant am Schafhausener Platz mit gehobener türkischer Küche und gepflegtem Ambiente, nebst historischen Wurzeln und mediterran angehauchtem Aussenbereich. Unser erstes Testessen am Muttertag zog sich zwar bis kurz vor Mitternacht dahin, überzeugte jedoch durch eine ambitionierte Küche und einzigartigem Feeling.

Inzwischen bieten die Mohren täglichen Mittagstisch mit jeweils einem vegetarischen Gericht, sowie zwei weiteren fisch- und/oder fleischhaltigen Menüs. Wenn "türkische Kässpätzle" locken, wird auf  Überraschungseffekte gebaut. Leider konnte der sichtlich gestresste Ober keine hinlänglich überzeugende Erklärung liefern. Der Koch wohl auch nicht. Bleibt ein bedauerliches Schulterzucken...

Menge: ohne Beilage, Vor- und Nachspeise hätten wir Hunger leiden müssen - doch die Summe aller Darbietungen hat uns satt gemacht!
Spätzle: lauwarme Fertigware
Käse: konnte nicht näher eruiert werden
Zwiebeln: Fehlanzeige
Viskosität: elastisches Polymer
Beilage: beachtlich: eine sämige Pilzsuppe als Vorspeise und ein formschöner Pudding mit Pistazienkernen als  Nachspeise - dazwischen ein ordentlicher Beilagensalat mit allen üblichen Komponenten (Blattsalat, Möhrenstifte, Blaukraut, Mais, leichtes Sahnedressing)
Zubereitungszeit: eindeutig zu lange (= eine gefühlte Dreiviertelstunde, bis der Hauptgang, leider schon wieder abgekühlt, unseren Tisch erreichte)
Abgang: leicht, unbeschwert, entspannt
Preis: unglaubliche 5,90 Euro für 3 Gänge
Bewertung:  Geschmacklich mittelmäßige Kässpätzle ohne besonderen Charme. Lediglich die Idee als solche versöhnt, gekoppelt mit einem beachtlichen Aufgebot an mehreren Gängen, zahlreichen Geschirrteilen und langen Wartezeiten.

Lokalität: 3 Mohren
Lange Straße 25
71063 Sindelfingen
Deutschland
Telefon: 07031 677 22 75
Telefax: 07031 677 22 76
Mobil: 0152 28990667

Donnerstag, 15. Mai 2014

Spätzle bei Wilhelm Tell **

 
















Das Sindelfinger Schützenhaus wirbt publikumswirksam mit dem Slogan "Das Original ist zurück", einer attraktiven Homepage und einem erstaunlich runderneuertem Innenleben, nebst komplett eliminierter Kegelbahn. Die Anfahrt durch ein kleines Waldstück und die wenig vertrauenserweckende Aussenansicht wirken jedoch eher abschreckend. Dass sich der als "Sonnenterrasse" angepriesene Bereich als öde Bierbank-Oase entpuppt, hebt nicht gerade die Stimmung.

Drinnen reibt man sich jedoch verwundert die Äuglein. So viel Lifestyle-Ambiente hätte man dieser etwas maroden Immobilie gar nicht zugetraut. Chapeau! Der Service ist fix, aufmerksam und rasch zur Stelle. Der Chef wiederum residiert aufmerksam im Back-Office und ruft die verlangten Auskünfte sicher durch den Gastraum. Die hochwertig gestaltete, zweisprachig gehaltetene Speisekarte ist offenbar der Nähe zu den amerikanischen Streitkräften geschuldet.

Menge: weitaus mehr, als der umtriebige Testesser vertilgen kann
Spätzle: werden, wie der Chef Rafael Balado Perez aus seinem Büro hervorruft "frisch bestellt"
Käse: laut Auskunft: Gouda (dabei hätten wir sensorisch auf Emmentaler getippt)
Zwiebeln: einige lätschig geschmälzte, erstaunlich breite Streifen
Viskosität: eher sahnig-soft
Beilage: kann am Salatbüffet auf einem großen Teller selbst zusammengestellt werden. Im Angebot sind: verschiedene Salatsaucen, ein ziemlich trockener Kartoffelsalat, relativ geschmacksneutrale Tomatenscheiben, grüne Bohnen aus der Dose, frischer Blattsalat, zu lange durchgezogener Rettich und einiges mehr
Zubereitungszeit: kurze 10-15 Minuten
Abgang: vollkommen problemlos
Preis: 6,80 Euro (inkl. großem Beilagensalat vom Büffet) als Mittagstisch - oder als Allgäuer Variante mit Speck und Beilagensalat für 8,80 Euro
Bewertung: Hier überschreitet der selbst gesetzte Anspruch die tatsächlich Leistung. Mittelmäßige Küche ohne große Finessen. Nicht mal Pfeffer und Salz stehen auf dem Tisch. Dem Slogan "Noch schöner! Noch leckerer! Noch besser!" würden wir gerne folgen. Wir kommen gerne wieder.

Lokalität: Gaststätte Schützenhaus
Mönchsbrunnen 2
71065 Sindelfingen
Tel.: 07031 22 96 99
E-Mail: info@schuetzenhaus-sindelfingen.de

Donnerstag, 6. Februar 2014

Mehr Masse als Klasse **


















Einst verbanden wir mit "Onkel Otto"
a) ein traditionsreiches, urgemütliches Ausflugslokal auf der Wangener Höhe
b) die Erinnerung an unseren Lieblingsverwandten
c) eine vage Verknüpfung zu Ernst Jandls bekanntestem Gedicht

Leider scheinen die bewegten Zeitenläufte sowohl das eine als auch das andere Gedenken schwer überschattet zu haben. Im kurzlebigen Internet-Zeitalter wurden alle Zeugnisse des ehemals urigen, überaus originellen Lokals in den Stuttgarter Stubenweinbergen offenbar restlos getilgt. Wann bloß erfolgte die gesichtslose Mutation zu einer XXL-Schnittzelparadies-Restaurant-Kette?

Heutzutage laden Attribute wie "Monster", "Schnitzeltaxi" oder  "Schnitzel to go" zum hemmungslosen Kampfessen ein. Ein dutzend vegetarische Speisen runden das Otto`sche Portfolio zumindest pro forma ab.

Menge: groß-größer-gewaltig
Spätzle:gefälliges Convenience Food mit Umami-Geschmack
Käse: Emmentaler
Zwiebeln: knurpselig angebraten - und nicht zu sparsam verwendet (was fast schon einen Sonderbonuspunkt wert ist)
Viskosität: von weicher Teigigkeit
Beilage: am großzügigen Salatbüffet (diverse grüne Blattsalate, Tomatensalat mit feinen Zwiebelscheiben, Kartoffelsalat, trockene Radieschen, ausgelaugte Rettichstiftchen, Krautsalat, grüne und schwarze Oliven, Paprikastreifen) darf ein kleines Salatschälchen selbst befüllt werden.
Zubereitungszeit: etwas mehr als eine Viertelstunde
Abgang: den ersten naiven Freuden folgt ein schwerfälliger, mühseliger Abgang, verbunden mit verhaltenen Selbstvorwürfen über die ungenierte Völlerei. Später anhaltender Durst.
Preis:8,50 Euro (inkl. Beilagensalat vom Büffet)
Bewertung: Wer Riesenschnitzel in der Größe von Elefantenohren bevorzugt und gerne die Grenzen seiner Kapazitäten auslotet, mag hier richtig sein. Empfindsamere Gemüter sollten den Besuch noch einmal überdenken.

Lokalität: Onkel Otto
Vaihingerstraße 28
71063 Sindelfingen
Tel. 07031 - 8 19 05 83
Mail: info@onkelotto-stuttgart.de

Freitag, 19. Juli 2013

Come in & see! **

 
















In einem sommerlichen Reigen von Einladungen und Gegeneinladungen führt uns heute die Brandenkopf-Connection in griechische Gefilde aus. Ganz entgegen des anglophilen Mottos des Lokals (Come in & see!)  suchen wir uns einen schattigen Tisch im Aussenbereich und geniessen eher das Gesehenwerden.

Ganz Sindelfingen rüstet zum Höhepunkt der 750-Jahr-Feier auf und hyperventiliert förmlich vor Überschwang. Da wirkt die Gaststätte Planie - nur wenige Schritte vom betriebsamen Marktplatz entfernt - geradezu als Ruhepol. Zahlreiche Stammgäste geniessen den wechselnden Mittagstisch. Heute sind das Fischfilet mit buntem Kartoffelsalat und der Salatteller mit Räucherlachs und Kartoffeltalern der Renner!

Wirt Plioukas Vassilios bedient höchstselbst, serviert zackig und schwungvoll, zeigt sich jedoch unbeugsam gegenüber ungeliebten Fragen. Da kann selbst unser Wunsch nach einem echt griechischen Mokka keine Wogen mehr glätten.

Menge: gerade ausreichend für ein Mittagessen an einem heissen Sommertag
Spätzle: mit der Frage nach der Herkunft verscherze ich es mir nachhaltig:
Käse: hierzu kann oder mag sich der Patron nicht äussern
Zwiebeln: fein gehackt, glasig gedünstet und recht sparsam unter der Spätzlemasse versteckt
Viskosität: tendenziell eher trocken
Beilage: der Beilagensalat (grüne Blattsalate, gestiftelte Möhre und ein Alibi-Tomatenachtel) überrascht hauptsächlich durch einen mit Gewürzgurken verfeinerten Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: nicht nennenswert
Preis: als Mittagstisch unschlagbar günstige 6,20 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Zentral gelegenes Lokal mit günstigem Mittagstisch, das sich einigen Convenience-Produkten ganz legitim bedient. Die Käsespätzle gehören eher nicht zu den Spezialitäten des Hauses, wirken blässlich und etwas fade.

Lokalität: GaststättePlanie
Planiestrasse 9
71063 Sindelfingen
Tel.:07031/8188044
Fax.:07031/7624474

Donnerstag, 20. Juni 2013

Im Schatten von St. Martin ***


















Ich liebe Geschäftsessen: ein bisschen plaudern, ein bisschen fachsimpeln, das Angenehme mit dem noch Angenehmeren verbinden. Heute darf ich mit einem Redakteur der Lokalpresse sehr kommod und entspannt zu Mittag speisen, mit dem Anreiz, der Rubrik "Presse" noch mehr Substanz zu verleihen.

Mein Gegenüber entpuppt sich als wahrer Kässpätzle-Connaisseur und lässt mich an seinem ausgeprägten Geschmack teilhaben. Schwingt nicht in der salzlastigen Käsemischung ein Hauch von Parmesan mit? Würde ein etwas säurebetontes Salatdressing nicht perfekt mit den Spätzle harmonieren? Diverse Zubereitungstipps verinnerlichend, ärgere ich mich kolossal, auf keine Homestory bestanden zu haben. Egal, vielleicht beim nächsten Mal!

Dafür ist das hiesige Outdoor-Ambiente doch zu schön! Der einladende Gastgarten des Lokals liegt zwischen ehrwürdiger Martinskirche und quirliger Ziegelstrasse. Und während ein aufkommendes Sommergewitter durch die Wipfel braust, sitzt man herrlich versorgt im Schatten alter Bäume.


Menge: überschaubar (dürfte gerne etwas mehr sein...)
Spätzle: in bandnudelartiger Form
Käse: eine lokale Eigenkreation aus Emmentaler, Tilsiter,  Gouda
Zwiebeln: saftig angeschmelzte Frischware mit reichlich Röstaromen
Viskosität: soft und schlüpfrig
Beilage: der übliche Beilagensalat mit grünen Blattsalaten, etwas Kartoffelsalat und fein gestiftelten Möhren, mit einem leichten Sahnedressing verfeinert
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: beschwingt und unbelastend
Preis: 9,50 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Herausragender Service und einladendes Ambiente lassen das ältestete Wirtshaus Sindelfingens im Jubiläumsjahr brillieren. Die Kässpätzle bewegen sich im soliden Mittelfeld, gehören aber wahrscheinlich nicht zu ausgewiesenen Highlights des Lokals. Im nächsten Leben würde ich zu gerne die Hirnsuppe goutieren.

Lokalität: Gasthaus Hirsch GmbH
Ziegelstr. 32
71063 Sindelfingen
Telefon : 07031 809006
Telefax : 07031 805332
eMail : info@gasthaus-hirsch-sindelfingen.de

Samstag, 4. Mai 2013

Festakt, Feuerwerk, Fässle ***

















Sindelfingen im Rausch der 750-Jahr-Feier - zwischen Festakt und Feuerwerk, zwischen Publikationen und Projekten, zwischen Sindolf-Bier und Kuchenritt. Freudentrunken taumelt die Stadt durch ihr eigenes Jubiläumsjahr.

Ich dagegen wanke eher über die brüchig gewordenen Zebrastreifen aus legendärem Carrara-Marmor in Richtung Marktplatz. Noch sind die Mai-Abende zu kühl, um draussen zu sitzen. Doch sind die dunkel gebeizten Räume des Restaurants "Fässle" nicht zu trist, um drinnen zu speisen?

Großflächiger Rauputz, braune Klinkerfliesen und rustikales Mobiliar lassen auf gediegene Gastlichkeit schließen. Überaus herzliche Service-Damen und mehrere laufende Meter der Zeitschriften "Feinschmecker" und "Slow Food" zerstreuen meine letzten Zweifel. Nicht mal den obligatorischen Katzentisch gibt es hier, so dass ich auch als Single großherrschaftlich residiere!


Menge: die kleine Portion als Sonderwunsch sättigt vollauf
Spätzle: buttrig, aber nicht sahnelastig, dafür leicht kross gratiniert
Käse: reiner Edamer
Zwiebeln: ein minimaler Hauch von Röstzwiebeln (das nächste Mal bitte, bitte mehr!!)
Viskosität: tendenziell angenehm trocken, mit elastischen Käsefäden
Beilage: einige überschaubare Blätter grüner Blattsalate in Vinaigrette
Zubereitungszeit: rasend schnelle 10 Minuten
Abgang: fein und leicht
Preis: 7,50 Euro für die kleine Portion, 8,80 Euro für die Normalportion (jeweils inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Ehrliche, bodenständige Küche ohne überflüssiges Chichi. Ein Tomatenachtel als Deko muss ausreichen, dafür überzeugen Service (sehr aufmerksam!), Geschmack (vorzüglich!) und Preis (absolut angemessen!). Auch für fleischliebende Carnivoren ist dieses gemütlich Lokal ein wahres Eldorado.

Lokalität: Fässle
Marktplatz 4/1
71063 Sindelfingen
Telefon: 07031/ 814398
Telefax: 07031/ 814398