Samstag, 24. August 2019

Wer dem Flusse folgt, kommt einmal an die See ***

  
















Die BUGA 2019 in Heilbronn kann zwar mit städtebaulichen und ökologischen Leistungen brillieren, eher nicht jedoch mit gastronomischen. Wessen kulinarische Ansprüche über Pizza und Soljanka hinausgehen, der sollte unbedingt in der Alten Reederei andocken. Mit Blick auf Neckar und vorüberziehende Schiffe kann man schwäbische Köstlichkeiten geniessen und sich an der internationalen Belegschaft erfreuen. Wie an der gut gelaunten thailändischen Servicekraft, die kichernd am Nachbartisch "Maulbacken" auftischt.

Menge: eine riesige Schüssel voll
Spätzle: kompakte Knöpfle
Käse: der Service hat keine Ahnung, die Spätzialistin vermutet eine Fertigmischung
Zwiebeln: die Karte übertreibt nicht: tatsächlich "geschmälzte und geröstete Zwiebeln"
Viskosität: eher trocken
Beilage: leider, leider keine - die in der Karte ausgewiesenen frischen Kräuter (=Schnittlauch) und eine gekochte Tomate müssen als Begleitung ausreichen
Zubereitungszeit: gut 20-25 Minuten
Abgang: ohne Beschwerden
Preis: 10,50 Euro
Bewertung: Grandiose Lage, maritime Stimmung, das einzige BUGA-Restaurant mit regionalen Spezialitäten. Dafür wird aber auch mutig die magische 10-Euro-Grenze überschritten - und das noch ohne Salat. Schade.

Lokalität: Alte Reederei
Am Neckaruferpark 20
74076 Heilbronn
Tel.: +49 (0) 71 31 / 3 82 80 41‬
E-Mail: mail@voltino.hn

Samstag, 17. August 2019

Und wo ist Frau Peters? ***

















In den 1980er und 90er Jahren waren "Frau Kächele & Frau Peters" ein kultiges Nonsense-Duo auf SDR, unter anderem gesprochen vom legendären Teflon Fonfara. Jahrzehnte später ist nun "Herr Kächele" aufgetaucht, möglicherweise verwandt oder verschwägert, jedoch unbedingt ohne Teflonbeschichtung, wenn man die zahlreichen Kupferkessel und -pfännle in der Deko beachtet.

Nach erstmaliger Sichtung in Stuttgart ist eine Kächele-Dependance seit einiger Zeit auch in der Böblinger Shopping-Mall Mercaden zuhause. Eine heimelige Alternative zu all den Döner- und Asia-Büdchen rundherum.

 Menge: deutlich mehr als ein Snack, doch etwas weniger als eine üppige Mahlzeit
Spätzle: natürlich von Herrn Kächele selbstgemacht
Käse: ein spezieller "Spätzleskäs"-Mix aus Bergkäse und Emmentaler
Zwiebeln: crispy Röstzwiebeln, vermutlich fertig hinzugekauft
Viskosität: tendenziell sahnig-kompakt
Beilage: etwas Pflücksalat und herrlicher Gurkensalat (mit viel Dill), auf demselben Teller angerichtet
Zubereitungszeit: gefühlte 5 Minuten (bei Show-Cooking mit teilweise vorbereiteten Bestandteilen)
Abgang: geschmeidig
Preis: günstige 6,50 Euro
Bewertung: Mögliche Vorbehalte gegenüber Fastfood schmelzen dahin wie das Fett in der unbeschichteten Pfanne. Herr Kächele hat durchaus Kult-Potential, auch ohne seine Frau.

Lokalität: Herr Kächele
Mercaden
Wolfgang-Brumme-Allee 27
71034 Böblingen
Tel.: 07031/6333477
E-Mail: post@herr-kaechele.de

Dienstag, 6. August 2019

Der Gesundheitsminister warnt

Achtung: die verdächtige Lücke in meiner Kässpätzle-Chronologie ist mitnichten erlahmendem Interesse, sondern der vergangenen Hitzeperiode geschuldet. Dennoch halte ich ständig meine Fühler nach neuen Erfahrungen ausgestreckt.

So wurde in der formidablen Büchertauschbörse im Nufringer Rathaus dieses Fundstück gesichtet (aus: Volker Klüpfel / Michael Kobr: Zwei Einzelzimmer, bitte!):




Samstag, 8. Juni 2019

Metzge meets Schickeria **

 
















Was früher eine Metzge war, ist heute eine Bistro-Bar. Mitten im fränkisch-fleischlastigen Bad Windsheim hat die alt eingessene Metzger-Familie Hahn ziemlich viel Geld in die Hand genommen und ihren Betrieb einmal auf links gedreht. Nun rennen ihnen Einheimische wie Touristen begeistert die Bude ein. Und: vegetarische Schmankerln sind nicht nur Verlegenheitslösungen, sondern fester Bestandteil des aktuellen Angebots.

Menge: das komplette Gericht wird übersichtlich und handlich auf einer länglichen Platte drapiert
Spätzle: eher Knöpfle, wie wir es aus Bayern oder Vorarlberg kennen
Käse: trotz überraschend würzigem Aroma handelt es sich um einen schlichten Emmentaler
Zwiebeln: crispy Convenience-Röstzwiebel-Topping
Viskosität: trocken bis bröselig
Beilage: der Beilagensalat entpuppt sich eher als kleine Salatbeilage, dafür frisch und knackig, mit leichtem Dressing
Zubereitungszeit: die fertigen Kässpätzle warten schon im Front-Cooking-Bereich auf uns
Abgang: leicht stopfend
Preis: 8,50 Euro (inklusive Salatbeilage)
Bewertung: Selten werden Fastfood und Schnellrestaurant so trendy, chic und scheinbar urwüchsig  zelebriert. Leider sind die Spätzle kalt, bis sie den Weg auf meinen Terrassenplatz gefunden haben.

Lokalität: Leo Bistro & Metzgeria
Kegetstraße 6
Bad Windsheim
Tel. 0172/6661931

Montag, 3. Juni 2019

The local Gouda Geheimnis ***

















Mit The Local hat sich das Sindelfinger Marriott Hotel ein sinniges Wortspiel ausgedacht - changierend zwischen netter Stammkneipe und regionalen Genüssen. Denn wer sich zum Speisen nicht ins habhafte hoteleigene Steakhouse begeben möchte, kann sich fortan sehr leger im luftigen Ambiente dieses Erlebnisraumes niederlassen.

Neben Burger, Chicken Wings und Spare Ribs darf man hier ruhig auch mal schwäbisches Soulfood erwarten. Meine Leibspeise findet sich zwar nicht auf der Karte, wird auf meine Anfrage hin jedoch mutig aus den "Small local bites" ("Meatballs meets Swabian cheese noodles") extrahiert. Der Flexibilität des Kochs sei gedankt!


Menge: ausreichend
Spätzle: Convenience
Käse: offenbar Gouda (was eigentlich ein Geheimnis ist, wie uns die jugendliche Servicedame insgeheim eröffnet)
Zwiebeln: knurpselige Fertigröstzwiebeln, wie sie Hotdogs gut zu Gesicht stehen würden
Viskosität: sahnig-suppig
Beilage: kleiner Beilagensalat, in ebenso kleiner Suppentasse serviert: einige Blätter grüner Salat, zwei Cherrytomatenhälften, zwei Stückchen Zwiebel - schmackhaft angerichtet mit einer würzigen Senf-Vinaigrette
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: füllig
Preis: 15,00 Euro (inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Bei aller Wertschätzung dieser exklusiven Sonderanfertigung, bewegt sich das Resultat doch eher im gefälligen Mittelbereich (bei nicht ganz angemessenem Preis). Angenehm versöhnt werden wir dagegen durch das runderneuerte Marriott-Ambiente im skandinavischen Stil.

Lokalität: The Local
Mahdentalstr. 68
71065 Sindelfingen
Tel. +49 7031 6960

Samstag, 11. Mai 2019

Von der Tauber an den Nesenbach ***

















Tauberquelle? Liegt Stuttgart nicht eher an Neckar und Nesenbach? Und die Quelle der Tauber gut 100 Kilometer entfernt? Naja, seien wir nicht traditioneller als Thaddäus Troll und lassen wir beim Lokalnamen ruhig mal alle Erdkundekenntnisse ruhen.

Das traditionsreiche Stuttgarter Restaurant kann zumindest als verlässlicher Quell urschwäbischer Küche gelten. Und das in einem gemütlichen Ambiente ohne anbiederndem Lokalkolorit. Zwar herrscht bei kühlem Wetter drängende Enge im Gastraum, doch dabei kommt man gerne seinem Nebensitzer näher. Der lässt uns sogar von seinem Serviettenknödel kosten.

Menge: hier stehen Hauptgericht und Beilage endlich mal in ansprechender Korrelation
Spätzle: schmecken hausgemacht
Käse: sollte diese herrlich fädenziehende, satt vollmundige und nicht zu sparsam verwendete Zutat tatsächlich nur schnöder Emmentaler gewesen sein? Kaum zu glauben!
Zwiebeln: das gab´s noch nie: die butterweich geschmälzten Zwiebeln liegen stückig im Spätzle-Käse-Konglomerat eingebettet - wie Gemüse in einem Omelett
Viskosität: elastisch
Beilage: ein sehr anständiger, reichhaltiger Beilagensalat mit würziger Vinaigrette, aber leider viel zu schlonzigem Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: verdächtig kurze 5 Minuten, die die forsche Bedienung mit dem aufmunternden Kommentar begleitet: "Aber Sie hen doch Honger!"
Abgang: überraschend leicht
Preis: 11,90 Euro (inklusvie Beilagensalat)
Bewertung: Herzhafte Konsistenz, schmackhafte Zutaten und ein wohliges Gaumengefühl hätten Bestnoten verdient - wenn uns nicht die ultrakurze Zubereitungszeit etwas unangenehm aufstoßen würde.

Lokalität: Tauberquelle
Torstr. 19
70173 Stuttgart
Tel.: +49 (0) 711 5532933
E-Mail: info@tauberquelle-stuttgart.de

Montag, 15. April 2019

Auf der Suche nach Mo ***


















Heutzutage wird man nicht mehr häufig in ein Esszimmer eingeladen. Und wer ist Mo? The Mothers of Invention? Ein ländlicher Ableger von Mos Eisley? Oder schlichtweg der coole Nickname des Besitzers?

Die Suche nach Mo treibt uns an einem Montagmittag ins kulinarisch eher vernachlässigte Schönaich. Das Esszimmer enpuppt sich als verwunderliches Crossover zwischen einem rustikalen amerikanischen Diner und der flitternden Glitzerwelt einer türkischen Hochzeit. Da wir die einzigen Gäste sind, kann sich ein sehr bemühter, fast serviler jugendlicher Kellner (Mo´s Grossneffe?) ganz und gar unserem Wohle widmen.

Menge: eine üppige Portion
Spätzle:  vollschlank und vollmundig
Käse: Gouda
Zwiebeln: fein angeschmelzte Zwiebelstreifen
Viskosität: extrem sahnig
Beilage: eine sparsame Deko von relativ geschmacksneutralen Bauteilen eines Beilagensalats - mit einem Klacks roséfarbener Cocktailsauce
Zubereitungszeit: relativ rasche 12 Minuten
Abgang: die gehaltvolle Sahnebombe stopft enorm
Preis: 8,80 Euro inklusive Salatdekoration plus 0,2 Liter eines Softgetränks (als Mittagstisch-Angebot)
Bewertung: Nach diesem Besuch sind Augen und Magen dermassen gestättigt, dass wir unverzüglich aufs heimische Canapée niedersinken.

Lokalität: Mo´s Esszimmer
Bahnhofstr. 8
71101 Schönaich
Tel. 07031 9227321
E-Mail: info@mos-esszimmer.de