Freitag, 9. Oktober 2015

Dinkel ohne Dünkel ***

 
















Über die optimale Zusammensetzung der Zutaten meiner Leibspeise kursieren die tollsten Thesen und Geheimtipps. Manch einer favorisiert speziellen Käse, ein anderer schwört auf ein bestimmtes Spätzlemehl, ein dritter glaubt die ultimative Zubereitungsart zu kennen.

Geheimniskrämerische Köche schweigen beharrlich auf meine Rückfragen und halten ihre Küchen-Interna genauso verschlossen wie die Rezeptur von Coca Cola. Nicht so bei Frish. Wieso gerade Dinkel für den Spätzlesteig verwendet wird, rufe ich in die Runde. Die Fachkraft hinterm Tresen antwortet mit entwaffnender Ehrlichkeit: "Gute Frage. Wir kaufen die Spätzle halt so ein."

Weitere Diskussionen erübrigen sich. Denn zu High Noon herrscht im Selbstbedienungsrestaurant einer gut besuchten Shopping Mall natürlich eine drängende Drucketse. Schnell ab mit dem Tablett!

Menge: riesiger Teller mit ebensolcher Portion
Spätzle: eines steht fest: definitiv nicht hausgemacht
Käse: laut Auskunft der Tresenkraft: Bergkäse (was wir geschmacklich bestätigen können)
Zwiebeln: ein wahres Füllhorn von kross ausgebackenen, höchst aromatischen Zwiebelringen
Viskosität: comme il faut!
Beilage: so groß der Spätzlesteller, so winzig das Salatschüsselchen - dazu nichtssagend befüllt mit ein paar Salatblättern, einer geschmacklosen Tomatenscheibe und frischer Kresse, die leider auch nichts mehr retten kann
Zubereitungszeit: nicht bekannt
Abgang: leicht und unkompliziert
Preis: 8,90 Euro als Mittagstisch (inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Aromatischer Geschmack und gefällige Konsistenz auf der Basis von Convenience Food.

Lokalität: Frish Sindelfingen
Breuningerland
Tilsiter Strasse 15
71605 Sindelfingen

Dienstag, 8. September 2015

Gut. Besser. Paulaner ***

 
















Ende der Sommerpause! Schluß mit luftigen Salatbergen, frischen Melonenscheiben und kalten Getränken - jetzt bricht wieder die Zeit für mein wärmendes, pappsatt machendes Leibgericht an!

Passend zum finster umwölkten Himmel zeigt sich das Interieur des Sindelfinger Paulaner reichlich düster. Doch die fesch bedirndelte Servicedame, die kurz vor 12 selbst noch ihr Mittagsmahl an der Theke vertilgt, nickt mir einladend zu und ist auch schnell zur Stelle. Da ich meine Rentenbescheinigung nicht dauerhaft bei mir führe, verzichte ich auf das Rentnerviertele (zwischen 10 und 16 Uhr) für 3,20 Euro und komme ohne Umschweife zur Spätzlebestellung. Die Auslieferung erfolgt pünklich zum Mittagsläuten.

Menge: reichhaltig
Spätzle: "natürlich hausgemacht", wie die glaubwürdige Servicedame inbrünstig betont
Käse: mal wieder der Klassiker: Emmentaler
Zwiebeln: schön lätschig geschmälzte Zwiebelscheiben
Viskosität: weichgummiartig soft
Beilage: heute wahlweise eine Linsensuppe oder knackig frische Blattsalate mit Möhrenstiften und Beigaben von Kraut, roter Paprika, Gurke
Zubereitungszeit: unglaublich kurze 5 Minuten
Abgang: gut sättigend, jedoch nicht völlerisch
Preis: als Tagesessen - wahlweise mit Suppe oder Salatteller - sehr günstige 6,80 Euro (sonst 8,50 Euro)
Bewertung: Große Portionen, günstige Preise und fast keine Wartezeiten - die Grundbedürfnisse sind befriedigt! Einen kleinen Punkteabzug gibt es lediglich für den etwas faden Geschmack, doch die Pfeffermühle steht schon vorsorglich auf dem Tisch. 

Lokalität: Paulaner Sindelfingen
Mercedesstr. 9
71063 Sindelfingen
Tel. 0 70 31 / 43 64 727
Fax 0 70 31 / 43 64 726
E-Mail: info@paulaner-sindelfingen.de

Sonntag, 9. August 2015

Kaiserlicher Salamander ****

















Im Gefolge zweiter Familienfeiern nähern wir uns dem Neckartal, das aus Gründen schmählicher bisheriger Vernachlässigung zu lange kulinarische Terra incognita für uns war. Das muss sich unbedingt ändern!

Bei tropischer Hitze lässt die bis auf den letzten Platz belegte Terasse des Landgasthofes Kaiser durchaus mediterranes Flair aufkommen. Geschätzte zwei Drittel der Gäste strampelten sich tagsüber auf dem Neckartalweg ab und füllen nun die verbrauchten Kalorien mit Zwiebelrostbraten und den aus dem Lot geratenen Wasserhaushalt mit erlesenen Tröpfchen wieder auf. So gelingt uns nebenbei eine interessante Neuentdeckung: den überaus fruchtigen 2014er Grauburgunder aus dem Hause Arndt Köbelin.

Menge: eine beeindruckende Portion, die ich so genüsslich langsam vertilge, dass sie mir glatt ein zweites Mal aufgewärmt werden muss. Selbstverständlich wird mir die zweite Hälfte auf neuem Teller und mit neuer Garnitur serviert!
Spätzle: von Muttern Albus selbstgemacht
Käse: eine Mischung aus Emmentaler und Gouda
Zwiebeln: ein Topping aus soft angeschmelzten Zwiebeln
Viskosität: so sieht für mich die ideale Konsistenz aus: unterm Salamander gebräunte, knusprige Oberfläche über flutschigem Käse-Spätzle-Konglomerat
Beilage: schön schlonziger Kartoffelsalat (ebenfalls aus Mutterns Produktion) mit frischen Blattsalaten
Zubereitungszeit: selbst an einem gut besuchten Samstagabend und mit Slow-Food-Anspruch angenehme 20 Minuten
Abgang: das reichhaltige Angebot der hauseigenen Brennerei Kaiser erleichtert die Verdauung ungemein
Preis: 8,50 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Diese geschmackvolle und grundsolide Ausarbeitung meiner Leibspeise verdient die Höchstnote in allen Kategorien!

Lokalität: Landgasthof Kaiser
Burkhardtstraße 5
72108 Rottenburg-Bieringen
Telefon: 074 72 / 69 55
E-Mail: info@landgasthofkaiser.de

Montag, 3. August 2015

Kartoffelsalat aufs Haus ***


 

In diesem heißen Festspielsommer würde man die Herkunft des Ortsnamens Neubulach am ehesten mit Jedermanns Buhlschaft assoziieren. Nicht, wie die Wirtin des hiesigen Gasthauses Krone uns glauben machen möchte, mit der Aufforderung eines Vaters zu seinem Sohne: "Bua, lach!". So werden wir diesen Ort wohl in die Reihe etymologischer Rätsel (alphabetisch gleich hinter Bubenorbis) einreihen müssen.

Zünftig ist es hier auf jeden Fall. Zahlreiche Wandergruppen oder Großfamilien hätten im großzügigen Innenraum oder im schattigen Gastgarten der Krone Platz. Wer sich vor Begeisterung nicht durch die ganze Speisekarte essen kann, mag einige der kulinarischen Köstlichkeiten aus hauseigener Schlachtung  eingedost nach Hause tragen. Das Mitführen eines Rucksacks ist also angesagt.


Menge: so reichhaltig, dass ich mir die Reste (selbst) einpacken darf
Spätzle: schlank und etwas anämisch, getoppt mit frisch gemahlenem groben Pfeffer und fein geschnittenem Schnittlauch 
Käse: der wechselt schon mal, je nachdem, wovon man grad einen Klotz in der Küche hat - heute ist es ein Glockenzeller
Zwiebeln: sehr fein geschnittene, fast rohe Zwiebelringe
Viskosität: trocken bis schnittfest
Beilage: neben einem unspektakulären Beilagensalat traditioneller Ausprägung ist eine große Schale mit schön schlonzig-sämigen Kartoffelsalat immer sonntags als Beigabe umsonst
Zubereitungszeit: geschätzte 20 Minuten zur mittägliche Primetime, wobei uns die Wartezeit mit einem Gruß aus der Küche (zweierlei Brotscheiben mit je einer Kugel Schmalz und Kräuterfrischkäse) verkürzt wird
Abgang: für den Rest des Tages würzig aufstoßend
Preis: 8,40 Euro (inklusive kleinem Beilagensalat und einer Schale Kartoffelsalat)
Bewertung: Sympathisch geführtes Landgasthaus mit grundehrlicher, regionaler Küche. Auch wenn die Käsespätzle geschmacklich (noch) nicht die Höchstpunktzahl erreichen, beeindrucken die großen Mengen und das vielfältige Speisenangebot.

PS. Unbedingt probieren sollte man den wundervoll perlenden, naturtrüben Cidre der ortsansässigen Fruchsaftkellerei Dürr.

Lokalität: Gasthaus Krone Altbulach
Familien Geigle & Kapp
Mühlstraße 12
D-75387 Neubulach-Altbulach
Telefon: 0 70 53 / 71 56
Telefax: 0 70 53 / 96 77 88
E-Mail: krone-altbulach@gmx.de

Freitag, 17. Juli 2015

Nessum dorma *****

















"Und, wo gibt´s die besten?" ist eine beliebte Frage an die Spätzialistin. Nach meinem Gusto liegt das Allgäu und der Vorarlberg auf den ersten Rängen. Mag es am verwendeten rezenten Käse liegen oder an der Zubereitungsart oder an den durchweg vollmundigen Knöpfle?

So sind die Bregenzer Festspiele ein beliebter Fixpunkt im kulinarischen und kulturellen Jahresablauf. Dieses Jahr lockt Turandot unter neuer Intendanz. Und während vor den angesagten Fotoproben ein wahrlich tropisches Gewitter über den Bodensee zieht, rette ich mich mit feuchten Klamotten und hoteleigenem Regenschirm in den fast noch dampfenden Gastgarten des festspielnahen Wirtshauses am See.


Menge: von dieser Portion könnten zwei Hungrige satt werden: allein die Tatsache, dass ich nur mit dem Rucksack unterwegs bin, hält mich davon ab, die Reste einpacken zu lassen
Spätzle: voluminöse Knöpfle
Käse: eine spezielle, sehr pikante Mischung aus Bergkäse und Räßkäse
Zwiebeln: wundervolle Röstzwiebeln mit leicht karamellisiertem Geschmack
Viskosität:  von satter, gummiartiger Homogenität
Beilage: schon die einzelnen Bestandteile dieses tagesfrischen Beilagensalates hätten die Höchstnote verdient: knackige Blattsalate in leichtem Sahnedressing, ein phänomenaler Kartoffelsalat mit sämiger Konsistenz, würziger Rettich
Zubereitungszeit: überraschend kurze 10 Minuten
Abgang: Nessum dorma gilt nicht für mich: denn diese Riesenportion lässt mich selig schlafen.
Preis: vollkommen angemessene 12,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung:  Großartig! Sehr zünftig in der Holzschüssel (mit mächtigem Holzlöffel) werden die Käsknöpfle hier serviert. Geschmack und Menge überzeugen sowieso.

Lokalität: Wirtshaus am See
Seepromenade 2
A-6900 Bregenz
Telefon: +43 5574-4 22 10
Telefax: +43 5574-4 22 10-4
E-Mail: info@wirtshausamsee.at

Dienstag, 14. Juli 2015

Trojanische Spätzle ***

















Bereits in früheren Zeiten bemerkten wir die Durchsetzung indigener Speisen durch die multikulturelle Crossover-Küche - zur allseitigen Bereicherung! So entpuppen sich türkische Kässpätzle nicht als einmaliger Marketing-Gag, sondern als bleibender Bestandteil auf der osmanischen Speisekarte. Und mitnichten als trojanisches Pferd.

Das Sindelfinger Troya überzeugt durch ein wahrlich sultanisches Ambiente, herzliche Gastlichkeit, geschmackvolle Gedecke und kaum zu glaubende Preise (letzteres zumindest für den Mittagstisch). Herrlich kühl sitzt man im Sommer im überdachten Aussenbereich, mit Blick auf einen künstlerisch in Stein gehauenen Trojaner. Und gleich daneben ein muschelverziertes Pelargonien-Arrangement.

Menge: zusammen mit einer köstlich cremig-leichten Tomatensuppe, frischem Fladenbrot, einem kleinen Beilagensalat und einer karamelisierten Puddingschnitte im Mittags-Quintett: wunderbar sättigend!
Spätzle: natürlich nicht selbst gemacht, sondern vom Großhandel bezogen (wird offenherzig zugegeben)
Käse: ein sehr untürkischer Emmentaler
Zwiebeln: keine, denn das ist der ausgewiesene Unterschied zum deutschen Original
Viskosität: schlüpfrig
Beilage: siehe unter Bewertungskriterium "Menge" - oder was die Homepage als 4-Gang-Business-Lunch propagiert!
Zubereitungszeit: die vielen kleinen Beigaben und das angeregte Geplänkel mit einer Mitesserin am Nebentisch lassen uns gänzlich die Zeit vergessen
Abgang: leicht, wohlig, wohltuend (auch dank einem reichlich mit Eiswasser verdünntem Yeni Raki)
Preis: alles in allem unglaubliche 6,90 Euro
Bewertung: Hier wird mit allem erfrischend großzügig umgegangen: mit der Speisenabfolge, dem Geschirr, der Gastfreundschaft. Allein genommen, wären die Kässpätzle keine besondere Erwähnung wert, doch nach der Summe der durchweg positiven Erfahrungen kommen wir sehr gerne wieder!

Lokalität: Troya
Gartenstr. 24
71063 Sindelfingen
Tel. 07031/ 7288816
E-Mail: info@troya-restaurant.de

Sonntag, 28. Juni 2015

Ausser Pfeffer nichts gewesen **


















Ein Nachmittag in der Bruderhaus-Diakonie entführt uns in die reizvolle Umgebung des Reutlinger Stadtwaldes. Wie immer auf Ausflügen setzt prompt ein mächtiger Bärenhunger ein, eine kaum stillbare Ess-Lust. Praktischerweise lockt gleich ums Eck ein schattiger Biergarten mit attraktivem Speiseangebot.

Die Herren vom Service sind aufmerksam und rasch zur Stelle, finden für jede Frage eine Antwort und für jeden Sonderwunsch eine Lösung. Weniger ambitioniert scheint es in der Küche zuzugehen. Das Essen steht so schnell auf dem Tisch, dass man dafür kaum die Mikrowelle anwerfen konnte. Die Kässpätzle in zweierlei Varianten (mit und ohne Speck) und zweierlei Größen entpuppen sich als gleichbleibende Enttäuschung. Einzige Finesse: ein Hauch von frisch gemahlenem buntem Pfeffer.


Menge: die kleine Portion: eher was für Hungerhaken / die normale Portion: rundum enttäuschend
Spätzle: Hofbauer Spätzle aus Spaichingen
Käse: Emmentaler pur
Zwiebeln: die wurden erstmals nicht gesichtet, aber auf unser Monieren hin in kross gerösteter Form auf einer extra Schale dazu serviert
Viskosität: krisselig
Beilage: einfach nichts (beim nächsten Besuch wünschen wir uns einen Beilagensalat)
Zubereitungszeit: erschreckend kurze 240 Sekunden
Abgang: ein Nichts ist ein Nichts ist ein Nichts
Preis: 7,90 für die kleine Portion / 9,20 für die normale Portion
Bewertung:  Allein den bemühten und aufrichtigen Servicekräften ist der zweite Stern zuzuschreiben. Denn Geschmack, Preis-Leistungs-Verhältnis und Kreativität liegen auf unterstem Niveau.

Lokalität: Waldesslust
Mark (Gewand )
72762 Reutlingen
Tel.: 07121/240693
Fax: 07121/204059
E-Mail: info@waldesslust.de