Samstag, 25. Januar 2025

Fleisch und Wurst ****

 


 

 

 

 

 

 

 

 


Fleisch und Wurst
prangt in neonroter Leuchtschrift vor dem Landgasthof mit eigener Metzgerei. Kein schlechtes Omen! Wo carnivores Glück angepriesen wird, ist meist auch deftiges Beiwerk zu finden. Doch das hat hier seinen Preis.

Dafür dürfen wir im blau geplättelten Nebenraum zwischen sorgsam aufgeschichteten Wurstdosen und alten Familienfotos in melancholischen Erinnerungen an frühere Hausschlachtungen schwelgen. Allein das gewagte Ambiente ist ein Eldorado für visuelle Feinschmecker und Vintage-Freunde. 

Menge: selbst mit Löwenhunger nicht zu wuppen
Spätzle: vollschlanke Hausmacherware
Käse: ungeniert gesteht das Servicemädel: Grünländer
Zwiebeln: das sparsam dosierte, musig-marmeladige Topping und ein paar Frühlingszwiebelringchen erscheinen mir zu dürftig
Viskosität: trocken, mit salamandergebräunter Oberfläche
Beilage: die auf den ersten Blick unspektakulär wirkenden Blattsalate überzeugen durch frische Knackigkeit und ein leichtes Sahnedressing
Zubereitungszeit: gut über eine halbe Stunde bei vollem Haus
Abgang: der Völlerei folgt eine schwere Nacht
Preis: auch der stolze Preis ist ein Novum: 21,80 Euro (inkl. Beilagensalat) knacken die unsichtbare 20-Euro-Marke
Bewertung: Zwischen Schwarzwurst, Siedfleisch und saure Nierle munden auch die Kässpätzle ausgesprochen gut.

Lokalität: Gasthof zum Löwen
Marktplatz 4
74542 Braunsbach
Tel. 07906 91050
E-Mail: info@zum-loewen-braunsbach.de

 

Sonntag, 24. November 2024

Emsig werkelnde Geister **




 

 

 








Eher widerwillig erinnern wir uns an einen unbeliebten (vor)weihnachtlichen Brauch der anonymen Geschenkevergabe. So legen wir unmissverständlich den Besuch der Wichtel Brauerei noch vor den 1. Advent. Auch wenn uns der muckelige Ort bereits mit geschäftigem Gewusel empfängt.

An rustikalen Holztischen hocken wir erwartungsfroh auf unseren Bänklein und harren der milden Gaben, die vielleicht vom Himmel fallen. Nicht umsonst befand sich auf diesem Grund und Boden einst ein Aerodrom.

Menge: viel zu mächtig für einen kleinen Wicht
Spätzle: stammen wohl von fleißigen Heinzelmännchen aus der Nudelfabrik
Käse: der dominante Sahneüberschuss unterdrückt jeden Anflug von Käse
Zwiebeln: ein beeindruckend krosses Zwiebelgewölk
Viskosität: suppig-schlonzig
Beilage: ein vorkonfektionierter Beilagensalat mit überflüssigem Mais, einer ausgetrockneten Gurkenscheibe und einem degoutanten Tomatenachtel
Zubereitungszeit: elfengleich serviert uns die liebreizende Service-Maid schon nach kurzer Zeit das beeindruckende Mahl in einem gusseisernen Pfännlein
Abgang: der heroische Verzicht auf einen Digestif hat stundenlanges Magengrimmen zur Folge
Preis: 13,40 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Optisch ein Augenschmaus, doch geschmacklich eher enttäuschend. Dennoch herzlichen Dank an die emsig werkelnden Geister.

Lokalität: Wichtel Hausbrauerei
Graf-Zeppelin-Platz
71034 Böblingen
Tel: 07031 - 306 98 99
E-Mai: boeblingen@wichtel.de

Mittwoch, 20. November 2024

Toller Teller ****

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Beharrlichkeit zahlt sich aus. Als langjähriger Buchwochen-Fan und (Haus der) Wirtschaft-Besucher entdecke ich endlich eine Kässpätzle-Hauptspeise im gastronomischen Programm - zumindest auf der Wochenkarte. Zubereitet von einer multikulturell besetzten Küchen-Crew, die bereits vor Tagen ein fulminantes Kichererbsencurry hingezaubert hat. Wann immer sich die Automatiktür zur Küche öffnet, versuche ich dankbar zu winken, doch keiner schaut her. Selbst der Service glänzt durch vornehme Zurückgezogenheit.

Menge: reichhaltig und üppig - mehr als die Hälfte wird mir von der Servicedame fachgerecht in eine Polystyrol-Mitnahmebox verpackt und von der Garderobiere mütterlich mit einer Plastiktüte umhüllt
Spätzle: mal habhaft dickbauchig, mal sehnig schlank - ganz augenscheinlich Hausmacherware
Käse: beim Bergkäse-Emmentaler-Mix wurde auch mit Sahne nicht gegeizt
Zwiebeln: die vermisst tatsächlich keiner
Viskosität: unten herum sahnig-schlüpfrig, dazu krosse Salamander-Röstung on top
Beilage: endlich ein Beilagensalat, mit knackig frischem Grünzeug und einem herrlich knätschigem Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: eine gute Viertelstunde
Abgang: angenehm gesättigt erklimme ich erneut literarische Höhen
Preis: 16,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Es ist nie zu spät: als vollwertige Hauptspeise mit einem frischen Beilagensalat läuft das kross überbackene Spätzlegericht zu lukullischer Höchstform auf. Das ist den Preis auch wert.

Lokalität: Logo im Haus der Wirtschaft
Willi-Bleicher-Straße 19
70174 Stuttgart
Tel.
0711/2265002
E-Mail:
Laub-Logo@t-online.de

Sonntag, 3. November 2024

Jeder Zehnte lügt **

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

"Neun von zehn Leuten mögen Schokolade," behauptet das Museumscafé von Ritter Sport. Doch der Zehnte lügt mitnichten, sondern frönt schlicht einem anderen Gusto. Und der treibt mich ganze 8 Jahre und 7 Monate nach dem letzten Essen zu einem erneuten Besuch. 

Andernorts haben sich Speisekarten, Pächter und Räumlichkeiten verändert, doch hier wurde bei gleicher Optik und Haptik nur der Preis angepasst.Wie auch der einer Tafel Schokolade. Denn Tradition ist dem Hause Ritter heilig.

Menge: rangiert nach wie vor in der Sparte "für den größeren Hunger" - den sollte man jedoch eher nicht haben
Spätzle: Convenience
Käse:  man bleibt dem Emmentaler treu
Zwiebeln: das winzige Häufchen von angeschmälzten Zwiebelstückchen ist in den Jahren nicht gewachsen
Viskosität: so smooth wie eine heiße Schokolade
Beilage: mein Geschick, die sperrigen Beilagenbestandteile aus einer quadratisch-unpraktischen Schüssel zu hieven, hat sich nicht gebessert
Zubereitungszeit: viel zu kurze 10 Minuten bei vollem Haus
Abgang: erst zwickt der Hosenbund, dann nervös der Mundwinkel
Preis: 12,20 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Das Essen gleicht so frappierend der Portion aus dem Jahre 2016, dass ich mir verwundert die Augen reibe. Ein Schelm, der hier ausgeklügeltes (oder geklontes?) Convenience vermutet. Mangelnde Innovationsgabe und Weiterentwicklung verleiten mich leider zum Punkteabzug.

Lokalität: Museum Ritter - Museumscafé
Alfred-Ritter-Straße 27
71111 Waldenbuch
Tel.: 07157/538169

Sonntag, 20. Oktober 2024

Mach mal einer das große Licht an ***

 



 

 

 

 

 

 

 


Kaum zu glauben: a) meine Prophezeiung aus dem Jahre 2010 hat sich bewahrheitet und b) fast 15 Jahre später herrscht hier immer noch das alte Funzellicht. Obwohl gleich mehrfach in den letzten Jahren Inhaber, Betreiber und Pächter gewechselt haben dürften. Und haben wir nicht auf diese grünkarierte Tischdecke schon mal gekleckert, unsere Rücken nicht an diese fein bestickten Kissen gedrückt? Ein bisschen fühlt sich das geschickt kuratierte Ambiente wie eine Inszenierung im Europapark Rust an. Themenpark Almhütten.

Menge: eine nicht zu wuppende Holzfällerportion: auch das taffe Mannsbild zwei Tische weiter bittet - ganz nach meinem Vorbild - um eine Mitnahmebox
Spätzle: voluminös und habhaft ("die werden hier hausgemacht")
Käse: Emmentaler as usual
Zwiebeln: leider nur ein kleines Häuflein Schmelzzwiebeln on top
Viskosität: von sämiger Kompaktheit
Beilage: ein (vorbereiteter) Beilagensalat: unter schlapp gewordenen Salatblättern in einer senfbetonten Vinaigrette finden sich feine Möhrenstiftchen, grob gehobelter Rettich und 1a schlonziger Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: nach 7 Minuten kommt der Salat, nach 15 Minuten das Bier, nach 18 Minuten die Kässpätzle
Abgang: der Hopfengehalt des begleitenden Bieres sediert das Rumpeln und Pumpeln
Preis: 15,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Die Kontinuität hat ihre Grenzen. Feierten wir bei unserem letzten Besuch noch das feurige Paprrrrika-Puszta-Feeling, suchen wir jetzt vergebens nach einer Pfeffermühle. Doch die schiere Menge, das heimelige Ambiente und der belastbare Service imponieren. Und versprochen: in der nächsten Dekade kommen wir wieder. Wenn die Sindelfinger Altstadt dann noch steht.

Lokalität: Altstadtlokal Funzel
Untere Vorstadt 12
71063 Sindelfingen
Tel.: 07031 7655122
E-Mail: kontakt@altstadtlokal-funzel.de

Samstag, 19. Oktober 2024

Zwischen Appenzeller Spitzhauben **

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 


Wo früher mal ein Wienerwald war, ist heute eine Hendlbar. Mit zeitlosem Wirtshaus-Ambiente und einer gerahmten Galerie von Hühnerrassen an den Wänden. In gutem Gewissen platzieren wir uns zwischen Appenzeller Spitzhauben und Ostfriesischen Möwen, denn bei unserer Leibspeise geht es beiden nicht mal an den Kragen. Und Appenzell dürfte selbst beim Käse nicht im Spiel sein.

Menge: so opulent, dass die Hälfte eingepackt werden muss
Spätzle: wenn schon Convenience, dann bitte durchgegart
Käse: eher marginal
Zwiebeln: soft angeschmelzte Zwiebelringe
Viskosität: hart und trocken
Beilage: das reichhaltige Salatbüffet mit gehobeltem Kraut, hart gekochten Eiern, frischen Paprikastreifen und luftigen Salatblättern rettet den sonst dürftigen Eindruck
Zubereitungszeit: haben wir das Bimmeln einer Mikrowelle vernommen?
Abgang: jetzt wäre ein Digestif angesagt
Preis: hitverdächtig, wie in Vor-Corona-Zeiten: 11,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Wer Quantität mit Qualität verwechselt, dürfte hier glücklich werden. Immerhin hat die geschmacksneutrale Hauptkomponente durch das Aufwärmen am kommenden Tag noch einige Aromen gewonnen.

PS. Erst im Nachhinein bemerkt: heute vor genau 15 Jahren ging dieser Blog an den Start. Hoch die Tassen!

Lokalität: Hendlburg Böblingen
Poststraße 36
71032 Böblingen
Telefon: +49 (0) 7031223038
E-Mail: info@hendlburg-böblingen.de

Sonntag, 1. September 2024

Nach dem Fest ***




















Wer tagsüber beim Erlanger Poetenfest seinen literarischen Hunger stillt, wird am Abend veritables Magenknurren haben. Welch glücklicher Umstand, dass zwischen Schlossgarten und Hotel die Bräuschänke dazwischengrätscht. Dort residieren an sieben Tagen in der Woche fränkisch-kulinarisches Kulturgut, unkomplizierte Schunkelatmosphäre und beste Laune. Nur Vegetarier müssen hier sehr tapfer sein. Mein Leibgericht ist gottseidank auch in Franken bekannt.
 

Menge: in Kombination mit einem Beilagensalat reicht eine halbe Portion vollkommen aus
Spätzle: kurzkettige Knöpfle mit angenehmer Kräuternote (die aus der Symbiose mit Kresse, Schnittlauch, Frühlingszwiebeln resultieren)
Käse: der willfährige Serviceherr kundschaftet es gerne aus: Emmentaler mit Bergkäse und reichlich Sahne
Zwiebeln: Frühlingszwiebelröllchen im Spätzlekonglomerat, ein krosses Röstarrangement obendrauf
Viskosität: anschmiegsam
Beilage: offiziell keine - ein begleitender Beilagensalat erscheint mir jedoch obligatorisch und macht sich mit frischen Blattsalaten, kümmeluntermaltem Kraut, minimalistisch gehobelten Gurkenscheibchen und feinen Rettich- und Möhrenstiftchen absolut bezahlt
Zubereitungszeit: was der Service bei der Bestellung ins digitale Endgerät tippt, wird stande pede in der Küche umgesetzt (gefühlt in 10 Minuten)
Abgang: ein großes (Achtung: 0,5 Liter!!) fränkisches Weißweinschorle sorgt für kräftige Durchspülung
Preis: 14,90 Euro (Normalportion), bzw. 12,90 Euro (kleine Portion) + 4,10 Euro (Beilagensalat)
Bewertung: In der Hochburg von blauen Zipfeln und fränkischen Bratwürsten kann sich mein Lieblingsgericht durchaus behaupten.

Lokalität: Bräuschänke Erlangen
Südliche Stadtmauerstraße 25
91054 Erlangen
Tel: 09131 810833
E-Mail: hungerunddurst@t-online.de