Sonntag, 20. Juni 2010

Genuss im Gäu ***





























Gewinnen ist mein ausgewiesenes Lieblingshobby. Heute darf ich als Preisträgerin im Heckengäu-Fotowettbewerb des Jahres 2009 einen Nachmittag lang mit der zertifizierten Heckengäu-Naturführerin Sabine Frenzel über den Venusberg ziehen und hernach im Aidlinger Restaurant "Waldhorn", das zu den ausgezeichneten Schlemmermahl Restaurants zählt, einkehren. Die Freude ist so groß, dass ich hierzu gleich noch meine Wanderfreunde Dora und Hans mitnehme, die außerdem allen kulinarischen und regionalen Köstlichkeiten sehr aufgeschlossen sind. Und das ist gut so!

Obwohl der Inhaber Werner Großhans 2004 von der renommierten Zeitschrift "Der Feinschmecker" zu einem der besten Metzger (!) Deutschlands gekürt wurde, ist meine vorauseilende Sorge über die mögliche Fleischlastigkeit des abendlichen Vespers vollkommen unbegründet.

Menge: ausreichend
Spätzle: augenscheinlich selbstgemacht
Käse: Emmentaler
Zwiebeln: saftig geschmälzt - beim nächsten Mal gerne etwas mehr!
Viskosität: soft und fluffig
Beilage: vielseitiger, bunt gemischter Salat
Zubereitungszeit: leider seeeehhhr lange 40 Minuten
Abgang: leicht und ohne Malaisen
Preis: 7,80 Euro (inklusive kleinem Salatarrangement)
Bewertung: Überaus freundlicher Service und sehr ansprechende Präsentation auf einer XXL-Platte. Die lange Wartezeit haben wir durch angeregte Gespräche im rustikal-gemütlichen Ambiente überbrückt.

PS.
Die fruchtbare Kontaktaufnahme mit der ambitionierten Heckengäu-Naturführerin Sabine Frenzel hat sich gelohnt!! Derart inspiriert plane ich unseren Betriebsauflug 2011 mit ihrer engagierten Unterstützung. Die Destination ist (wie jedes Jahr) natürlich noch geheim. Demnächst mehr!


Lokalität:
Gaststätte Waldhorn
Inhaber: Werner Großhans
Gärtringer Strasse 17
D-71134 Aidlingen
Telefon: 07034 – 5334
Telefax: 07034 – 652929

Donnerstag, 17. Juni 2010

Spätzle ahoi! **






























Ein Bootshaus in Böblingen? So richtig mit Landungssteg, schnatternden Enten und romantischem Ausblick aufs Wasser? Jawohl, das gibt es tatsächlich am Oberen See. Doch leider müssen wir wenige Tage vor dem Sommeranfang 2010 bei mickrigen 13 Grad und nervendem Nieselregen das weniger romantische Innere des Lokals aufsuchen. Dort wird am Stammtisch lautstark der ambivalente Ausgang der letzten OB-Wahl und die immense Wichtigkeit von Leserbriefen diskutiert. Achja, bei einem spätzleschabenden, interkulturell und kosmopolitisch angehauchten Oberbürgermeisterkandidaten haben wir auch schon mal gegessen - und das war sehr empfehlenswert!

Menge: ordentlich viel
Spätzle: laut Auskunft: selbstgemacht
Käse: laut Auskunft: eine Fertigmischung aus Emmentaler und Bergkäse
Zwiebeln: leider knurpselige Röstzwiebeln aus der Packung
Viskosität: relativ sahnig
Beilage:
kleine Portion Blattsalate
Zubereitungszeit:
20 Minuten
Abgang:
ziemlich (ver)stopfend
Preis: 6,10 Euro, inklusive Beilagensalat (im Rahmen des wechselnden Mittagstisches)
Bewertung:
Freundliche Bedienung und attraktive Lage. Leider fällt auch diese Interpretation meines Leibgerichtes nach meinem Geschmack viel zu sahnig und pampig aus. Und diese komischen schnipseligen Pellets oben drauf dürften eigentlich nicht die Bezeichnung Zwiebel tragen. Trotzdem beeindruckt die schiere Menge und die preisgünstige Möglichkeit, seine Mittagspause an einem lauschigen Ort zu verbringen - und dabei noch richtig satt zu werden. Übrigens bietet das Bootshaus als eines der wenigen Böblinger Lokale durchgehend warme Küche an sieben Tagen in der Woche an. Mehr als nachahmenswert!

Lokalität: Bootshaus am Oberen See
Inhaber: Familie Percinic
Mönchweg 6
D-71032 Böblingen
Telefon: 07031/ 234790
Telefax: 07031/ 634 48 74
E-Mail: percinic@yahoo.de

Montag, 7. Juni 2010

Noch mal: Rössle mit Röstaromen **


























Okay, diese Überschrift hatten wir schon mal. Aber sie passt auch bestens zu meinem letzten Testessen im Allgäu.

Das Scheidegger Rössle liegt in prominenter Lage in zentraler Ortsmitte. Selbstredend wird auch dieses Lokal gut frequentiert, obgleich es etwas uninspiriert möbliert ist und mit einem billigen Geschirr aufwartet, das zuletzt in den 80er Jahre des letzten Jahrhunderts chic war. Schade!

Als ich - begeistert von den wohlschmeckenden Kässpätzle - die sehr bemühte Servicedame nach dem Geheimnis des Rezeptes frage, verweist sie an die Chefin, die sich bestimmt gleich Zeit für mich nehmen wird. Doch die nimmt eher Sicherheitsabstand und wähnt in mir wohl eine lukullische Spionin. Quasi eine Mata Hari der Kässpätzle. So harre ich einsam noch eine weitere Stunde an meinem Tischlein aus und lausche heimlich den Wanderempfehlungen meiner Nebensitzer, die schon gerne mal bei Hermine einkehren. Gut so, denn etwas Kundennähe kann niemals schaden!


Menge: reichlich bemessen
Spätzle:
offenbar hausgemacht
Käse:
ein Geheimnis (Bergkäse?)
Zwiebeln:
saftig, mit kräftigem Umami-Geschmack
Viskosität: oben herum: eher trocken / unten herum: in einer Fettpfütze schwimmend
Beilage:
gemischter Salat, prinzipiell recht ordentlich - nur der Kartoffelsalat hat eher die Konsistenz von Püree
Zubereitungszeit: 15 Minuten
Abgang:
sehr rezent und würzig herzhaft
Preis: 8,50 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung:
Selten war mein Eindruck so zwiespältig. Erstklassige Lage, jedoch einfallsloses Interieur. Engagierte Bedienung, jedoch fremdelnde Chefin. Beeindruckender Geschmack, jedoch mangelnde Transparenz der Zutaten.

Lokalität:
Brauereigasthof und Hotel zum Rössle
Inh. Irene Mrotzek
Zollstr. 2
88175 Scheidegg

Tel.: 08381 8917204

FAX: 08381 8917430

Email: info@roessle-brauereigasthof.de

Mittwoch, 2. Juni 2010

Max Planck, gourmetverdächtig **
















Glücklich, wer eine solche Kantine hat!

Die aus Feinkost-Böhm-Wurzeln hervorgegangene Stuttgarter Gourmet Compagnie bespielt solch prominenten Einrichtungen wie das Regierungspräsidium, die Max-Planck-Institute oder das Opernhaus. Ganz hervorragend sind ihre üppigen Salatbüffets und feinen Fischgerichte. Etwas kritischer bin ich jedoch bei meinem eigentlichen Forschungsobjekt.

Menge: genügend
Spätzle: selbstgemacht
Käse: eine abenteuerliche Mischung aus Roquefort, Emmentaler, Brie und Parmesan
Zwiebeln: reichlich
Viskosität: feucht, sahnig, sämig
Beilage: Beilagensalat nach Wunsch + Suppe oder Dessert
Zubereitungszeit: ?
Abgang: leicht
Preis: unglaubliche 3,60 € für Interne / 50 Cent Aufschlag für Externe
Bewertung: Die Preissensation! Eine lobende Erwähnung finden die vielfältigen Beilagen und die lecker geschmälzten Zwiebeln. Leider enttäuschen die soften Kässpätzle, die zu einer cremig-homogenen Substanz zusammenmatschen. Vielleicht ist dieses Gericht doch nicht als Kantinenessen geeignet?

PS
Apropos Feinkost Böhm: vielleicht mundet das Altbekannte doch in der Fremde ganz besonders?

Lokalität:
Gourmet Compagnie
@Max-Planck-Institute Stuttgart
Heisenbergstr. 1
70569 Stuttgart

Dienstag, 1. Juni 2010

Spätzle rot-weiss ***






























Heute angesagt: der Probelauf für den diesjährigen Betriebsausflug. Geblendet vom pompösen Mercedes-Benz-Museum taumeln wir gegen Mittag ins gegenüber liegende VfB Club Restaurant. Hier kann einem der eine oder andere Gast schon mal überraschend bekannt vorkommen (aus Funk? aus Fernsehen? aus der Tagespresse? aus der Zeitschrift "Kickers"???).

Die üppige Speisekarte beeindruckt durch eine aussergewöhnliche Vielfalt an schwäbischen Spezialitäten, herzhaften Fleischgerichten und deftigen Vesperangeboten. Selbstverständlich werden die Kässpätzle auf Wunsch auch ohne Speck zubereitet. Dieses sympathische Angebot sorgt für spontane Bonuspunkte!

Menge: ausreichend, hätte jedoch gerne etwas üppiger ausfallen können
Spätzle: hausgemacht und recht pikant mit feinem Paprikapulver bestäubt
Käse: natürlich Emmentaler
Zwiebeln: saftig geschmälzt
Viskosität: feuchte Fäden ziehend
Beilage: kleiner Beilagensalat (Blattsalate, Sprossen, Gurke, Radieschen)
Zubereitungszeit: erstaunlich kurze 10 Minuten
Abgang: unaufdringlich würzig und nachhaltig sättigend
Preis: 8,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Spontan für gut befunden! Die wohlschmeckenden Spätzle sind extrafein gewürzt, flutschen mit einem nur leicht cremigen Unterton und bei dezenter Viskosität fast wie von alleine hinunter. Gerne wieder!

PS
Ich war im September 2011 noch einmal zusammen mit ausländischen Gästen in diesem Lokal. Bei herrlichem Wetter sitzt man übrigens sehr bequem auf der weiträumigen Terrasse mit spannendem Ausblick auf den nahen grünen Rasen. Der Besuch war wieder mal ein voller Erfolg!

Lokalität:
VfB Club Restaurant
Schmieg Gastronomie GmbH
GF Axel Schmieg, Walter Schmieg
Mercedesstrasse 109
70372 Stuttgart - Bad Cannstatt
Telefon (07 11) 556 697
Telefax (07 11) 557 843
E-Mail info@vfb-restaurant.de

Donnerstag, 27. Mai 2010

Kunst kommt von Können *





























Kaum aus dem Allgäu zurück gekehrt, geraten die ersten schwäbischen Kässpätzle leider zur kompletten Katastrophe. Schadeschadeschade!

Auf der Terrasse des Stuttgarter Künstlerbundes sitzt man mit grandiosem Blick auf den Schloßplatz - Stuttgarts guter Stube - an wackligen Holztischchen und klapprigen Stühlen. Von den aufgemotzten Damen nebenan werden die Kässpätzle vollmundig gelobt. Als die Spätzle nach erstaunlich kurzer Wartezeit auch mir serviert werden, steht ihre anämische Blässe allerdings in wunderlichem Kontrast zur Fussnote 1) auf der Speisekarte: "mit Beta-Carotin". In der Hektik kam die Mikrowelle wohl zu kurz zum Einsatz: die Pampe ist lau bis kalt. Da tröstet auch die Winzigkeit eines schalen Beilagensalats nicht über die bitter-herbe Enttäuschung hinweg. Fast wünsche ich mich zurück zur demonstrativen Präsenz der Pfeffermühle in Allgäuer Lokalen.

Als ich beim Abräumen der Essensreste meinen Missmut formuliere, tritt die Bedienung ärgerlich brummelnd zur Seite. Auch der abkassierende Kollege hat keinerlei Worte der Entschuldigung übrig. Mit einer Reklamation kann man auch souveräner umgehen!

Menge: sehr überschaubar
Spätzle:
laut Kellner: "wohl von Bürger"
Käse: laut Kellner: "verschiedene Sorten - Edamer + Gouda + ?"
Zwiebeln: ein verschwindender Hauch von echten geschmälzten Zwiebeln
Viskosität:
streckenweise zäh
Beilage: geschmacksneutraler Blattsalat in homöopathischer Dosis
Zubereitungszeit: kurze 10 Minuten
Abgang:
erst nichtssagend, dann aufrührerisch revoltierend
Preis:
7,80 Euro (inkl. Salat)
Bewertung:
Kalt, schal, geschmack- und farblos. Uninspirierter kann man Kässpätzle wohl kaum servieren!

Lokalität:
Cafe Künstlerbund
Inhaber: Michael Helmstädter
70173 Stuttgart,
Am Schloßplatz 2

Telefon: 0711-2270036
Telefax: 0711-2270035
E-Mail: cafe-kuenstlerbund@gmx.de

Sonntag, 16. Mai 2010

Rote Lippen soll man küssen ****





























Scheidegg, die dritte. Im Landhaus Reni, wo ich sehr angenehm nächtige, empfiehlt der überaus zuvorkommende, distinguierte Landlord den nahe gelegenen Gasthof Hirsch, wenn einem der Sinn nach zünftigem und gutbürgerlichem Essen stehen sollte.

Dass auch dieses Lokal proppevoll ist, überrascht keineswegs. Während eine halbe Etage tiefer zwei Alleinunterhalter eine übermütig feiernde Großgruppe mit den gängigsten Schlagern des vergangenen Wirtschaftswunderdeutschlands beschallen, finden wir im oberen Gastraum gerade noch einen Eckplatz am Stammtisch. Der Service durch die Chefin ist äusserst kompetent und freundlich, die Gaststube verströmt angenehm gediegenes Landhausambiente.

Menge: sehr üppig (Reste werden selbstverständlich eingepackt)
Spätzle: sattgelbe Knöpfle, natürlich Hausmacherware
Käse: eine Mischung aus verschiedenen Käsesorten, inklusive Emmentaler und Bergkäse
Zwiebeln: vage an Burger King`s "Onion Rings" erinnernd
Viskosität: saftig-zäh und Fäden ziehend
Beilage: ein ansprechender, vielseitiger Beilagensalat (Kopfsalat, Gurke, Rettich, Kartoffeln, Kraut, Möhre, Bohnen, Kresse)
Zubereitungszeit: kurze 15 Minuten
Abgang: sättigend
Preis: 9,00 € inkl. Salat / wahlweise auch mit Bärlauchspätzle für 50 Cent Aufpreis
Bewertung: Im Allgäu gibt es eindeutig die besten Kässpätzle!! Im Gasthof Hirsch beeindrucken gleichermaßen Quantität und Qualität, sowie jahreszeitliche und regionale Reminiszenzen wie die Bärlauch-Variationen. Nur die knurpseligen Röstzwiebeln wünscht man sich gegebenenfalls etwas weicher.

Besonderer Tipp für den Winter: der Gasthof Hirsch ist Zentrum des Langlaufsports und die Loipe startert direkt vor der Haustüre.

Lokalität:
Gasthof-Pension-Hirsch
Familie Hans Nußbaumer
Hagspiel 6
88175 Scheidegg
Telefon: +49 (8387) 451
Telefax: +49 (8387) 8208
E-Mail: info@gasthof-pension-hirsch.de