Freitag, 13. April 2018

Wirtshaus mit Bettstatt ****

















Nur knapp verpassen wir das Highlight der Woche, den tradtionellen Kässpatzenabend jeden Donnerstag.  Das bedeuet: Show-Cooking in der Gaststube und bedenkenloses All you can eat. Davon schwärmen sogar die Eingeborenen.

Schon allein die malerische Fahrt nach Akams toppt visuell das morgendliche Alpenpanorama auf 3SAT. Auch das schmucke Wirtshaus in der Ortsmitte könnte geradewegs einem Landlust-Magazin entsprungen sein. Und man spürt: die feschen Dirndl der aufgeweckten Service-Damen sind keinesfalls pure Staffage, sondern gelebte Heimatverbundenheit.

Menge: so viel, wie in eine traditionelle hiesige Keramikschüssel passt (= nicht zu bewältigen!)
Spätzle: von Hand gehobelte Knöpfle
Käse: ein beeindruckend kräftiger, ungeheuer herzhafter  Diepolzer-Käserei-Mix aus Bergkäse, Emmentaler und - an bestimmten Tagen - Limburger. Und jawoll, wir haben genau einen bestimmten Tag erwischt!
Zwiebeln: reichlich krosse Röstzwiebeln, von denen man am liebsten ein Pfund mitnehmen würde
Viskosität: cremig-kompakt
Beilage: dieser traurige, wässrige, geschmacklose Beilagensalat aus einigen Kopfsalatblätter und einer Alibi-Tomate ist das einzige Ärgernis
Zubereitungszeit: kaum mehr als 10 Minuten
Abgang:  die zutiefst glücksbringende Sättigung wird nur noch durch einen Schlehengeist aus der Selection45 der der Sulzberger Allgäu-Brennerei versüsst
Preis: 9,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hier stimmt einfach alles: zünftiges Ambiente im gehobenen Landhausstil, entwaffnend herzlicher Service und absolut großartige Kässpätzle. Einen Punkteabzug gibt nur der Beilagensalat, der leider weit unter dem hiesigen Niveau rangiert. 

PS. Den Posttitel haben wir der farbenfrohen Serviette entnommen.

Lokalität: Wirtshaus "Zum lustigen Hirsch"
Akams 3
87509 Immenstadt im Allgäu
Telefon +49 (0) 8323 49 15
E-Mail: info@lustiger-hirsch.de

Montag, 2. April 2018

In Kürze: ohne Würze ***
















Oberlengenhardt muss man erst mal finden - wenn man nicht zufällig zu Fuss auf dem Heidelbeerweg unterwegs ist. Glücklicherweise können wir heute als Local Guide und Chauffeur einen Freund gewinnen, dessen überraschende Ortskenntnisse noch auf Erfahrungen der 80er Jahren des letzten Jahrhunderts basieren. Aber die sind fundierter als jegliche GPS-Koordinaten!

Wer vom still und ruhig gelegenen Landgasthof Ochsen übrigens nicht mehr heimfinden sollte, kann hier auch übernachten. Doch auf der Homepage wird gemahnt: "Stellen Sie sich aber auf jeden Fall den Wecker, denn unsere Betten sind so gemütlich, dass Sie vielleicht gar nicht mehr aufstehen möchten."

Menge: die beachtliche Portion wird direkt im gusseisernen Pfännle an den Tisch gebracht - Reste werden gerne eingepackt
Spätzle: leider vollkommen geschmacksneutral
Käse: was uns hier als Bergkäse propagiert wird, zieht zwar ansehnliche Fäden, hat jedoch keinerlei Aroma und Würze
Zwiebeln: crispy Röstzwiebeln, von denen wir gerne noch mehr gehabt hätten
Viskosität: fädenziehend (s. Käse)
Beilage: am Salatbüffet darf man sich eine grosse Schale nach eigenem Gusto selbst befüllen, z.B. mit Kartoffelsalat, Blattsalaten, fein gestifteltem Rettich, noch feiner geriebenen Möhren, Krautsalat, Gurkensalat, Maiskörnern, Artischockenböden, Croutons, Kürbiskernen, Leinsamen
Zubereitungszeit:  überraschend kurz und zudem mit einem Gruss aus der Küche schnell überbrückt
Abgang: leider etwas schal und unbefriedigend - ein geheimnisvoller Moor-Birnen-Brand sorgt für den letzten Kick!
Preis: 11,80 Euro (inkl. Salat vom Büffet)
Bewertung: An der ambitionierten Speisekarte und dem Engagement des Services lässt sich ein deutlich höheres Niveau erahnen, als wir letztendlich auf unserem Teller vorfinden. Die Kässpätzle sind leider derart geschmacklos, dass auch reichlich Pfeffer und Salz dieses doch optisch hübsche Arrangement nicht mehr retten können. War der Koch heute einfach undisponiert und nicht ganz bei der Sache?

Lokalität: Landgasthof Hotel Ochsen
Burgweg 3
75328 Schömberg-Oberlengenhardt
Tel. +49 7084 927950
E-Mail: info@landgasthof-ochsen.de


Sonntag, 11. März 2018

Üppiges Gastmahl ****
















Die Erfahrung zeigt: je mehr man sich in Richtung Allgäu oder Vorarlberg bewegt, desto schmackhafter werden die Kässpätzle und desto intensiver nähern sie sich meinem favorisierten Idealzustand an.

Auch wenn die Zeppelinstadt Friedrichshafen noch kaum auf meiner imaginierten Kässpätzle-Landkarte verzeichnet ist, reise ich neugierig an. Eine aktuelle Kunstausstellung und das längst überfällige Treffen mit alten Freunden ist Anlass genug! Den einheimischen Freunden ist dann auch die Empfehlung dieses hervorragenden, fast bis zum letzten Platz belegten, recht zünftigen Restaurants zu verdanken. Kein Wunder, wurde es doch nach einem römischen Feldherrn benannt, der für seine üppigen Gastmahle bekannt war...


Menge: eine kaum zu bewältigende Portion, formschön im gusseisernen Pfännle serviert
Spätzle: natürlich hausgemacht (und das schmeckt man!)
Käse: eine höchst gelungene, rezente Mischung aus 65% Bergkäse und 35% Emmentaler von der Sennerei Bremenried aus Weiler im Allgäu
Zwiebeln: jede Menge crispy Röstzwiebeln
Viskosität: saftig-knusprig
Beilage: leider keine - ein extra Beilagensalat (z.B. nach Reichenauer Art) kann jedoch dazu bestellt werden
Zubereitungszeit: eine geschätzte Viertelstunde
Abgang: wohlig
Preis: 9,90 Euro
Bewertung: Höchst schmackhafte Kässpätzle, sehr ansprechende Präsentation, rustikales Ambiente und ein überaus freundlicher Service machen dieses Essen zum Genuss. Lediglich ein fehlender Beilagensalat verhindert die Vergabe der Höchstpunktzahl.

Lokalität: Lukullum
Friedrichstraße 21
88045 Friedrichshafen
Tel. +49 (0) 75 41 68 18
E-Mail: info@lukullum.de

Donnerstag, 8. März 2018

Unter Hauben und Sternen *****

 

Wallfahrt in den Wanderhimmel und das Haubenparadies. Wenn ein befreundeter Wirtschaftskundler einen runden Geburtstag begeht, kann man den schon mehrfach feiern. Und das nicht zu sparsam...

In der urigen, rustikalen Bauernstube der Traube Tonbach habe ich vor gefühlt einer Dekade bereits sensationelle Käsespätzle gegessen. Ob das wiederholbar ist? Auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin, zaubert der Küchenchef Florian Stolte eine neue Interpration meiner Leibspeise, obwohl sie derzeit nicht auf der Karte steht. Zusammen mit einem prickelnden Hausaperitiv, aromatischen Hors d´Oeuvres (winzige Quiches, sahniger Kräuterquark, deftiges Griebenschmalz) und liebreizendem Konfekt zum Digestiv ergibt dieses Mittagsmahl ein unvergessliches Geburtstagsarrangement. Dermaßen gestärkt hält unser Freund sicherlich weitere 10 Jahre durch!

Menge: schlichtweg die Idealportion
Spätzle: habhaft
Käse: Emmentaler pur
Zwiebeln: knackige Röstzwiebeln als Topping
Viskosität: Spätzle, Käse und mikroskopisch feingehackte Kräuter vermengen sich herrlich homogen
Beilage:  ein extra georderter Beilagensalat aus megafrischen Blattsalaten und aromatisch würzigen Rettichstiften in delikatem Dressing
Zubereitungszeit: circa 20 Minuten, die mit einem formidablen Gruß aus der Küche und nach Wunsch mit einer Vorspeise sehr angenehm verkürzt werden
Abgang: dank 4cl Zibärtle aus dem Hause Scheibel ganz vorzüglich
Preis: 12,00 Euro (Käsespätzle) plus 6,00 Euro (Beilagensalat)
Bewertung: Für mich ein lang ersehntes Revival der besonderen Art! Hochwertige Zutaten, eine qualitätsvolle Zubereitung und ein höchst aufmerksamer Service sorgen für ein genussvolles Erlebnis!

Lokalität: Traube Tonbach
Tonbachstraße 237
72270 Baiersbronn
Telefon : +49 7442 492-0
E-Mail : reservations@traube-tonbach.de

Donnerstag, 22. Februar 2018

Fenster zum (Bechtle-)Hof ****

 


Waldhäuser Ost war für mich immer die am häufigsten besuchte Ecke meiner Geburtsstadt. Dort wohnten entfernte Verwandte, dort lockte der Botanische Garten. Spannend wird es, wenn man in die unbekannten Tiefen des alten Fleckens Waldhausen vordringt: hier dampfen noch die Misthaufen, hier stapfen noch die Ackergäule durch das Dorf.

Wer mit etwas mehr PS anreisen möchte, kann den aussichtsreichen Feldweg allerdings nur wochentags passieren. Sonntags sind hier zu viele Spaziergänger mit akademischen Hintergrund unterwegs. Der Waldhäuser Hof hatte sicherlich nicht immer eine gastronomische Nutzung. Auch heutzutage blickt man von Terrasse und Fenster erst mal auf landwirtschaftliche Betriebe, einen Hofladen, eine Milchzapfanlage.

Menge: eine nicht zu bewältigende Riesenportion - für solche Fälle wird gleich auf der ersten Seite der Speisekarte eine Mitnahmebox für 1,50 Euro angeboten
Spätzle: die sind dermaßen hausgemacht, dass sogar der Teig von Hand geschlagen wurde (nicht unerheblich, wie ich von meiner Mutter weiß!)
Käse: ein Bergkäse mit einer Mischung von speziellem Spätzleskäs (Emmentaler, Gouda, Parmesan) - gibts beim Edeka!
Zwiebeln: kross gebräunte Röstzwiebeln in zweierlei Aggregatzuständen
Viskosität: der Käsemix zieht wundervolle Fäden, geradezu lehrbuchmäßig
Beilage:  so stellt man sich den idealen Beilagensalat vor: eine ehrliche, authentische Mischung aus ultrafrischen Blattsalaten, würziger Kresse, erdverbundener Möhre
Zubereitungszeit: die wird uns von einem wohlschmeckenden "Gruß aus der Küche" (Bauernbrot mit Kräuterfrischkäse) verkürzt - wär gar nicht nötig gewesen: der Briefkasten befindet sich direkt vor der Haustüre
Abgang: dank eines Haselnussbrands mit betörendem Nutella-Aroma aus dem Hause Theurer (5,60 Euro) ganz problemlos
Preis: 11,50 Euro
Bewertung: Wohlschmeckende, klassische schwäbische Küche auf hohem Niveau, mit hochwertigen Zutaten und authentischer Zubereitung. Aufmerksamer, entspannter, auskunftsfreudiger Service. Empfehlenswert als Ausflugsziel!

Lokalität: Waldhäuser Hof
Waldhausen 9 
72076 Tübingen
Tel: 07071 - 95 94 175
E-Mail: restaurant@waldhaeuserhof.de

Montag, 19. Februar 2018

Nunc est bibendum ***

 


Es bedarf schon gewiefter Recherchen, um am Mittelrhein - und zudem zur besten Fastenzeit! - ein zünftiges Lokal mit Allgäuer Kässpätzle im Angebot zu finden. Zwar ist dem Rheinländer an sich ein Brauhaus nicht fremd, doch dort sind eher Halver Hahn und Reibeküchlein angesagt.

Das Bonner Wirtshaus Salvator wirkt wie geradewegs vom Münchner Marienplatz hergebeamt, inclusive Schweinshaxen und Starkbier. Die kernigen bayrischen Sprüche an den Wänden werden allerdings noch von einer Reminiszenz an die römische Vergangenheit von Bonna getoppt: Nunc est bibendum - später auch als beliebter Trinkspruch in studentischen Verbindungen benutzt!

Menge: eine immense Portion, an der ich - trotz mächtigem Hunger - letztendlich doch scheitere
Spätzle: vollmundig, vollschlank, mollig
Käse: das Servicemädel federt energiegeladen zur Küche und kommt mit erstaunlichem Resultat zurück: verwendet wird ein Emmentaler der Marke "President"  (mengenmäßig gefühlt ein 500-Gramm-Klotz)
Zwiebeln: grob geschnittene und würzig gebräunte Zwiebelscheiben (vermutlich von überdimensionalen Gemüsezwiebeln)
Viskosität: von breiig-rahmiger Suppenkonsistenz
Beilage: ein vom Sahnedressing förmlich etränkter, ansonsten geschmacksneutraler und nicht sehr ideenreicher Beilagensalat
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: fühle mich um mindestens 2 Kilo schwerer
Preis: 9,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: So beeindruckend die schiere Menge und so deftig der Käse, so ambivalent war doch der Service und geradewegs grottenschlecht der Salat.

Heinrich Knieps 
In der Sürst 5-7
53111 Bonn
Tel: 0228/94499200
E-Mail: info@salvator-bonn.de

Donnerstag, 15. Februar 2018

Von hinten Lyzeum, von vorne Museum ***

















Nach langer Krankheit und Appetitlosigkeit treibt uns die Rekonvaleszenz nun erstmals wieder in die Gasthäuser. Welche Stadt könnte - Gesundung und Genesung betreffend - heilsamer sein als mein Geburtsort Tübingen?

Die Klientel des Restaurant Museum bewegt sich altersmäßig in ebenselbigem - durchsetzt von einigen Nadelstreifen-Jung-Honoratioren beim Business-Lunch.  Hier muss ich mir an  meinem Katzentisch erst mal entsprechenden Respekt verschaffen. Nachdem dies gelungen ist, dienert sich die übereifrige Servicedame so bemüht und devot davon, dass man ihr am liebsten mal den Blutdruck messen würde. Der meinige entspannt sich auf jeden Fall verlässlich, nachdem die Speisen endlich auf dem Tisch sind. 

Menge: was erst mal beschämend dürftig aussieht, entpuppt sich zusammen mit einem üppigen Salat vom Büffet als nachhaltig sättigend
Spätzle: selbstredend hausgemacht
Käse: der ideale Mix aus Bergkäse und Emmentaler
Zwiebeln: grazil geschnittene Ringe von Frühlingszwiebeln
Viskosität: ein homogenes Spätzle-Käse-Konglomerat
Beilage: vom vielseitigen Salatbüffet nehme ich mir: erstaunlich aromatische Tomatenscheiben / kleine Abschnitte von frischem grünen und weißen Spargel / einen herrlich lauwarmen, knätschigen Kartoffelsalat / knackig-scharfen, gestiftelten Rettich / einen fruchtigen Krautsalat mit unterschwelligem Apfelaroma / sämige, weiße Dicke Bohnen / Kidneybohnen in Cocktailsauce / Mozzarellastückchen
Zubereitungszeit: nach übermäßig langer Wartezeit auf die Annahme der Bestellung flutscht es dann gewaltig und die Spätzle landen binnen 5 Minuten auf dem Tisch
Abgang: etwas grummelig, was sicherlich meiner noch instabilen Gesundheit geschuldet ist
Preis: 12,50 Euro (inklusive Salat vom Büffet)
Bewertung: Gehobene schwäbische Küche mitten in Tübingen. Durch den sichtlich hohen Stammgastanteil hat man sich als "Reig´schmeckter" erst mal seinen Platz zu erkämpfen. Die Kässpätzle bewegen sich nur preislich im oberen Segment.

Lokalität: Restaurant Museum
Wilhelmstraße 3
72074 Tübingen
Tel 07071-22828
info@restaurant-museum.de