Freitag, 11. Dezember 2015

Und dann ziehn wir mit Gesang in das nächste Restaurang **

















Wer - wie wir - erst mal über die Abkürzung GSV im Lokalnamen rätselt, erhält die Auflösung gleich vorneweg: Gesangs- und Sportverein. Und das auf Maichingens grüner Wiese, den ehemaligen Allmendäckern. Glücklicherweise lassen sich die riesigen Gasträume von der geschätzten Größe eines halben Fussballplatzes gnädig abtrennen, so dass nicht nur der Gesang aussen vor bleibt, sondern auch der Kellner Nr. 4 lange nicht den Weg an unseren Tisch findet.

Deftige Tagesessen und überschaubare Seniorenteller lassen durchaus Rückschlüsse auf die Hauptklientel zu. Auch ein geschmacklicher Hang zum Balkan kann dem Gast nicht schaden.

Menge: ausladende Portion, die auch vier weiteren Mitessern ein großzügiges Versucherle bot
Spätzle:  leider habe ich die Gretchenfrage nach der Herkunft nicht stellen können
Käse: Kellner Nr. 4 wollte für den ausgerufenen Edamer nicht seine Hand ins Feuer legen - daher konnte ich ihn vom gefühlten Emmentaler überzeugen
Zwiebeln: zuerst nicht sichtbar, da - glasklar angedünstet - unter die Spätzlemenge gemischt
Viskosität: dichter Körper, massig
Beilage: ein etwas uninspirierter Beilagensalat aus fertiger Dosenware (zwei Mal Bohnen: grüne Brech- und rote Kidney-) und frischen Bestandteilen (einige Gurkenscheiben, ein Tomatenviertel, gestiftelte Möhren, ein Salatherz)
Zubereitungszeit: 20-30 Minuten
Abgang: unbeschwert
Preis: 9,00 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Sportlich: Landesliga / Kulinarisch: Bezirksliga.

Lokalität: Vereinsgaststätte GSV Maichingen
Allmendweg 24
71069 Sindelfingen
Telefon: 07031 / 382371
E-Mail: info@gsv-vereinsgaststaette.de

Samstag, 7. November 2015

Der Punkt auf Schiller *****

 
















Welch Wonne, wenn sich literarische und kulinarische Ambitionen verbinden lassen. Als uns der redegewandte Bundestagspräsident Norbert Lammert zur Eröffnung der diesjährigen Schillerwoche nach Marbach lockt, erhoffen wir uns nicht mehr als ein kaltes Büffet in den Katakomben des Mustentempels.

Stattdessen machen wir im ehemaligen Wohnhaus von Schillers Urgroßvater Kodweiss eine unerwartete gastronomische Entdeckung. Erst seit einem Monat setzt hier das i-dipfele kulinarische Akzente mit liebevollen Unterstreichungen. Während Rolf Sälzle in der winzigen Küche von der Größe einer Kombüse kraftvoll und kreativ werkelt, mache ich im urgemütlichen Gastraum zufällig die Bekanntschaft eines Akteurs des morgigen Speed-Reading im Schiller-Nationalmuseum. 

Menge: eine beachtiche Portion, mit Tomaten- und Melonenscheiben im Pfännle serviert
Spätzle: aus Eigenproduktion
Käse: eine gelungene Mischung aus Bergkäse und Emmentaler
Zwiebeln: reichlich und saftig geschmälzt
Viskosität: gelungene Symbiose aus allen Aggregatzuständen
Beilage: allein der Beilagensalat erhebt Anspruch auf Sonderpunkte: knackige Frische bei Blattsalaten, Gurke und Tomate, dazu superfein gehobelter Kohl, aromatische Karotte, würziger Kartoffelsalat, erfrischende Scheiben von Kaki und Melone - das alles in leichtem, sahnigem Dressing
Zubereitungszeit: nach anfänglicher Überzeugungsarbeit (dank dem Service!) in Nullkommanichts
Abgang: Seligkeit und Sattheit liegen nah beisammen
Preis: 9,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Perfektes Lieblingsessen an einem harmonischen Wohlfühlort im Herzen der Schillerstadt Marbach.Wir wünschen dem Dipfele-Team viel Erfolg für die Zukunft!

Lokalität: i-dipfele
Marktstraße 8
71672 Marbach am Neckar
Tel: 07144 818964
E-Mail: reservierung@i-dipfele.de

Montag, 2. November 2015

Schuster, bleib bei Deinen Leisten *

 
















Die Ikeanisierung gastronomischer Kultur nimmt inzwischen bedenkliche Ausmaße an. Was mit Graved Lachs und Köttbullar beim schwedischen Einrichtungshaus begann, führte längst zum wechselnden Mittagstisch in jedem x-beliebigen Möbelgeschäft. Bei Hofmeister gar zu Seniorentanz, Jazzbrunch und Kinderbuchkino.

Aber man kann nicht alles haben. Im Reich von Klappsofas, Kristalleuchten und Klodeckeln können Kässpätzle eindeutig nicht zu den Kernkompetenzen gehören. So kehre ich nach meinem letzten Besuch des hofmeisterlichen Ambientes zur althergebrachten Binsenweisheit zurück: "Schuster, blieb bei Deinen Leisten!"

Menge: überschaubar
Spätzle: die stammen laut Auskunft der Thekenkraft von Schmid`s
Käse: Emmentaler, "mit Sahne und Muskatnuss verfeinert" (O-Ton der Thekenfachkraft)
Zwiebeln: da mir die standardmäßige Speck-Zwiebelschmelze als Vegetarier kaum bekäme, erhalte ich auf Wunsch einen Klacks fruchtige Rieslingzwiebeln
Viskosität: trocken, teigig, krisselig
Beilage: ein winziges Schälchen mit Blattsalat, sowie je einer abgezählten Alibi-Scheibe Tomate und Gurke - ertränkt in einem versalzenen Balsamico-Dressing.
Zubereitungszeit: unbekannt
Abgang: ausdruckslos
Preis: 6,10 Euro als Tagesessen (inkl. kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Geschmackloses Convenience-Food wird durch Überwürzung kaum schmackhafter. Ein Segen, dass man sich zu jedem Tagesessen einen Softdrink für 1,50 Euro zapfen darf.

Lokalität: Hofmeister Gastronomie
Eschenbrünnlestraße 12
71065 Sindelfingen
Telefon: 07031 4371-0

Freitag, 9. Oktober 2015

Dinkel ohne Dünkel ***

 
















Über die optimale Zusammensetzung der Zutaten meiner Leibspeise kursieren die tollsten Thesen und Geheimtipps. Manch einer favorisiert speziellen Käse, ein anderer schwört auf ein bestimmtes Spätzlemehl, ein dritter glaubt die ultimative Zubereitungsart zu kennen.

Geheimniskrämerische Köche schweigen beharrlich auf meine Rückfragen und halten ihre Küchen-Interna genauso verschlossen wie die Rezeptur von Coca Cola. Nicht so bei Frish. Wieso gerade Dinkel für den Spätzlesteig verwendet wird, rufe ich in die Runde. Die Fachkraft hinterm Tresen antwortet mit entwaffnender Ehrlichkeit: "Gute Frage. Wir kaufen die Spätzle halt so ein."

Weitere Diskussionen erübrigen sich. Denn zu High Noon herrscht im Selbstbedienungsrestaurant einer gut besuchten Shopping Mall natürlich eine drängende Drucketse. Schnell ab mit dem Tablett!

Menge: riesiger Teller mit ebensolcher Portion
Spätzle: eines steht fest: definitiv nicht hausgemacht
Käse: laut Auskunft der Tresenkraft: Bergkäse (was wir geschmacklich bestätigen können)
Zwiebeln: ein wahres Füllhorn von kross ausgebackenen, höchst aromatischen Zwiebelringen
Viskosität: comme il faut!
Beilage: so groß der Spätzlesteller, so winzig das Salatschüsselchen - dazu nichtssagend befüllt mit ein paar Salatblättern, einer geschmacklosen Tomatenscheibe und frischer Kresse, die leider auch nichts mehr retten kann
Zubereitungszeit: nicht bekannt
Abgang: leicht und unkompliziert
Preis: 8,90 Euro als Mittagstisch (inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Aromatischer Geschmack und gefällige Konsistenz auf der Basis von Convenience Food.

Lokalität: Frish Sindelfingen
Breuningerland
Tilsiter Strasse 15
71605 Sindelfingen

Dienstag, 8. September 2015

Gut. Besser. Paulaner ***

 
















Ende der Sommerpause! Schluß mit luftigen Salatbergen, frischen Melonenscheiben und kalten Getränken - jetzt bricht wieder die Zeit für mein wärmendes, pappsatt machendes Leibgericht an!

Passend zum finster umwölkten Himmel zeigt sich das Interieur des Sindelfinger Paulaner reichlich düster. Doch die fesch bedirndelte Servicedame, die kurz vor 12 selbst noch ihr Mittagsmahl an der Theke vertilgt, nickt mir einladend zu und ist auch schnell zur Stelle. Da ich meine Rentenbescheinigung nicht dauerhaft bei mir führe, verzichte ich auf das Rentnerviertele (zwischen 10 und 16 Uhr) für 3,20 Euro und komme ohne Umschweife zur Spätzlebestellung. Die Auslieferung erfolgt pünklich zum Mittagsläuten.

Menge: reichhaltig
Spätzle: "natürlich hausgemacht", wie die glaubwürdige Servicedame inbrünstig betont
Käse: mal wieder der Klassiker: Emmentaler
Zwiebeln: schön lätschig geschmälzte Zwiebelscheiben
Viskosität: weichgummiartig soft
Beilage: heute wahlweise eine Linsensuppe oder knackig frische Blattsalate mit Möhrenstiften und Beigaben von Kraut, roter Paprika, Gurke
Zubereitungszeit: unglaublich kurze 5 Minuten
Abgang: gut sättigend, jedoch nicht völlerisch
Preis: als Tagesessen - wahlweise mit Suppe oder Salatteller - sehr günstige 6,80 Euro (sonst 8,50 Euro)
Bewertung: Große Portionen, günstige Preise und fast keine Wartezeiten - die Grundbedürfnisse sind befriedigt! Einen kleinen Punkteabzug gibt es lediglich für den etwas faden Geschmack, doch die Pfeffermühle steht schon vorsorglich auf dem Tisch. 

Lokalität: Paulaner Sindelfingen
Mercedesstr. 9
71063 Sindelfingen
Tel. 0 70 31 / 43 64 727
Fax 0 70 31 / 43 64 726
E-Mail: info@paulaner-sindelfingen.de

Sonntag, 9. August 2015

Kaiserlicher Salamander ****

















Im Gefolge zweiter Familienfeiern nähern wir uns dem Neckartal, das aus Gründen schmählicher bisheriger Vernachlässigung zu lange kulinarische Terra incognita für uns war. Das muss sich unbedingt ändern!

Bei tropischer Hitze lässt die bis auf den letzten Platz belegte Terasse des Landgasthofes Kaiser durchaus mediterranes Flair aufkommen. Geschätzte zwei Drittel der Gäste strampelten sich tagsüber auf dem Neckartalweg ab und füllen nun die verbrauchten Kalorien mit Zwiebelrostbraten und den aus dem Lot geratenen Wasserhaushalt mit erlesenen Tröpfchen wieder auf. So gelingt uns nebenbei eine interessante Neuentdeckung: den überaus fruchtigen 2014er Grauburgunder aus dem Hause Arndt Köbelin.

Menge: eine beeindruckende Portion, die ich so genüsslich langsam vertilge, dass sie mir glatt ein zweites Mal aufgewärmt werden muss. Selbstverständlich wird mir die zweite Hälfte auf neuem Teller und mit neuer Garnitur serviert!
Spätzle: von Muttern Albus selbstgemacht
Käse: eine Mischung aus Emmentaler und Gouda
Zwiebeln: ein Topping aus soft angeschmelzten Zwiebeln
Viskosität: so sieht für mich die ideale Konsistenz aus: unterm Salamander gebräunte, knusprige Oberfläche über flutschigem Käse-Spätzle-Konglomerat
Beilage: schön schlonziger Kartoffelsalat (ebenfalls aus Mutterns Produktion) mit frischen Blattsalaten
Zubereitungszeit: selbst an einem gut besuchten Samstagabend und mit Slow-Food-Anspruch angenehme 20 Minuten
Abgang: das reichhaltige Angebot der hauseigenen Brennerei Kaiser erleichtert die Verdauung ungemein
Preis: 8,50 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Diese geschmackvolle und grundsolide Ausarbeitung meiner Leibspeise verdient die Höchstnote in allen Kategorien!

Lokalität: Landgasthof Kaiser
Burkhardtstraße 5
72108 Rottenburg-Bieringen
Telefon: 074 72 / 69 55
E-Mail: info@landgasthofkaiser.de

Montag, 3. August 2015

Kartoffelsalat aufs Haus ***


 

In diesem heißen Festspielsommer würde man die Herkunft des Ortsnamens Neubulach am ehesten mit Jedermanns Buhlschaft assoziieren. Nicht, wie die Wirtin des hiesigen Gasthauses Krone uns glauben machen möchte, mit der Aufforderung eines Vaters zu seinem Sohne: "Bua, lach!". So werden wir diesen Ort wohl in die Reihe etymologischer Rätsel (alphabetisch gleich hinter Bubenorbis) einreihen müssen.

Zünftig ist es hier auf jeden Fall. Zahlreiche Wandergruppen oder Großfamilien hätten im großzügigen Innenraum oder im schattigen Gastgarten der Krone Platz. Wer sich vor Begeisterung nicht durch die ganze Speisekarte essen kann, mag einige der kulinarischen Köstlichkeiten aus hauseigener Schlachtung  eingedost nach Hause tragen. Das Mitführen eines Rucksacks ist also angesagt.


Menge: so reichhaltig, dass ich mir die Reste (selbst) einpacken darf
Spätzle: schlank und etwas anämisch, getoppt mit frisch gemahlenem groben Pfeffer und fein geschnittenem Schnittlauch 
Käse: der wechselt schon mal, je nachdem, wovon man grad einen Klotz in der Küche hat - heute ist es ein Glockenzeller
Zwiebeln: sehr fein geschnittene, fast rohe Zwiebelringe
Viskosität: trocken bis schnittfest
Beilage: neben einem unspektakulären Beilagensalat traditioneller Ausprägung ist eine große Schale mit schön schlonzig-sämigen Kartoffelsalat immer sonntags als Beigabe umsonst
Zubereitungszeit: geschätzte 20 Minuten zur mittägliche Primetime, wobei uns die Wartezeit mit einem Gruß aus der Küche (zweierlei Brotscheiben mit je einer Kugel Schmalz und Kräuterfrischkäse) verkürzt wird
Abgang: für den Rest des Tages würzig aufstoßend
Preis: 8,40 Euro (inklusive kleinem Beilagensalat und einer Schale Kartoffelsalat)
Bewertung: Sympathisch geführtes Landgasthaus mit grundehrlicher, regionaler Küche. Auch wenn die Käsespätzle geschmacklich (noch) nicht die Höchstpunktzahl erreichen, beeindrucken die großen Mengen und das vielfältige Speisenangebot.

PS. Unbedingt probieren sollte man den wundervoll perlenden, naturtrüben Cidre der ortsansässigen Fruchsaftkellerei Dürr.

Lokalität: Gasthaus Krone Altbulach
Familien Geigle & Kapp
Mühlstraße 12
D-75387 Neubulach-Altbulach
Telefon: 0 70 53 / 71 56
Telefax: 0 70 53 / 96 77 88
E-Mail: krone-altbulach@gmx.de