Donnerstag, 1. August 2013

Essen macht selig **

 
















Der erste Gültigkeitstag des Beiblatts mit Wertmarke zu meinem neuen Schwerbehindertenausweis will gefeiert werden. Wagemutig und tolldreist treten wir die erste kleine Reise mit dem öffentlichen Nahverkehr an, wobei uns bei annähernd 40 Grad Aussentemperatur die heilklimatische Glücksgemeinde Schömberg als geeignete Destination erscheint.

Nicht nur im gepflegten, mediterran angelegten Kurpark fühlt man sich um Dekaden zurückversetzt. Hier ticken die Uhren noch bedeutend langsamer, so dass das meiner Gehbehinderung geschuldete Schneckentempo gar nicht auffällt. Ein ganzer Nachmittag lässt sich entspannt auf der Gartenterrasse des Kurhauses vertrödeln. Gemäß des hiesigen Mottos: Essen macht selig!

Menge: ausreichend
Spätzle: augenscheinlich Fertigware, mit etwas Petersilie und dem obgligatorischen Tomatenachtel aufgepimpt
Käse: die sind ein Betriebsgeheimnis - lässt uns der Koch ausrichten!
Zwiebeln: komplette Fehlanzeige
Viskosität: zuerst grisselig, nach dem ersten Abkühlen eher körnig bis trocken
Beilage: der leckere Beilagensalat verdient durchaus Sonderpunkte für die frischen Paprikastreifen und die minimalistisch gehobelten und fruchtig angemachten Möhrenstiftchen
Zubereitungszeit: kurze 10 Minuten
Abgang: unbedeutend und nichtssagend
Preis: 8,90 (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Offenbar wird hier vegetarisches Essen mit reizarmer Schonkost verwechselt. Die verfrüht abgekühlten Spätzle entpuppen sich als gesichtsloses, geschmacksneutrales Einheitsmahl fern von jeder individuellen Ausprägung. Das vermeintliche Betriebsgeheimnis lässt wenig Gutes ahnen!

Erfrischender Lichtblick: das erstaunlich durstlöschende Bitterlemon-Schorle. Erfrischender Anblick: die gekonnte Choreografie der Wasserfontänen zu klassischer Musik!

Lokalität:  Kurhaus Schömberg
Schwarzwaldstr. 22
75328 Schömberg
Telefon: 07084/ 9311320
Telefax: 07084/ 9311321

Samstag, 27. Juli 2013

Kupfertopf und Knusperzwiebeln ***

















Auf Recherche-Reise in der südlichsten Stadt Deutschlands. Die Erinnerung an die formidablen Allgäuer Käsespätzle früherer Jahre lässt uns im Vorfeld fast schon das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Doch erst mal läuft das Wasser eher in Sturzbächen die Stirn herunter. Das Thermometer liegt knapp unter die 40-Grad-Marke und der Aufstieg zu unserem Gästezimmer im Gasthof Schäffler gleicht einem mühevollen Erklimmen der Eiger Nordwand. Wie bequem, dass wir das Abendessen gleich im schattigen Biergarten neben dem Haus einnehmen werden.

Sehr vielversprechend und exquisit klingt die Ankündigung der "Käsespätzle aus dem Kupfertopf". Um so enttäuschender wirkt dann der unspektakuläre Metallnapf, in dem man eher Weisswürste ziehen lassen würde.

Menge: gerade richtig
Spätzle: die entpuppen sich - wie überall im Allgäu - als handfeste Knöpfle
Käse: ein besonderer Mix mit sehr rezentem Weisslacker (mehr mag die Wirtin nicht verraten)
Zwiebeln: extrem crispy frittierte Zwiebelknusperle, sowie frische Frühlingszwiebelringe
Viskosität: leichte Fäden ziehend
Beilage: der übliche gemischte Beilagensalat in einer leichten Sahnesauce (lecker: der frische Rettichsalat)
Zubereitungszeit: 20 Minuten bei vollem Haus und extremer Hitze
Abgang: unproblematisch
Preis: 8,50 (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hier war die Vorfreude größer als die servierte Portion. Selbst am sonst im Allgäu üblichen frischen Pfeffer mangelte es. Dafür waren wir über den Grillabend am nächsten Tag restlos begeistert. Doch das ist an anderer Stelle nachzulesen...

Lokalität: Gasthof Schäffler
Eddy Rolinger
Am Anger 8
87527 Altstädten
Telefon: 08321/ 26730

Samstag, 20. Juli 2013

Spätze Tricolore ***

















Bei satten 31 Grad im Schatten treibt uns die Hitze aus der Stadt. Während sich in den Straßen der Asphalt wölbt, steht uns der Sinn nach einem lauen Lüftchen und wogendem Grün.

Den Empfehlungen spätzles-affiner Freunde folgend, bietet sich ein Spaziergang über den Gewann Wasserberg an. Dort lockt am Rande der Kleingartenanlage die von Dieter Ansel ambitioniert geführte Gartenschenke. Die Speisekarte bietet vornehmlich Fleischlastiges (Schnitzel, Fleischküchle, Maultaschen - alles in XL-Portionen) - aber auch Kässpätzle - zu überaus günstigen Preisen. Während der Gastraum den unterkühlten Charme eines Vereinsheims ausstrahlt, würde die Möblierung des Biergartens durchaus eine Feng-Shui-Beratung verdienen. Dennoch navigiert die Service-Dame geschickt durch alle Hindernisse.


Menge: von der Riesenportion wurde mir freundlicherweise die Hälfte für den nächsten Tag eingepackt
Spätzle: die verdanken einer Prise Safran ihre satt goldgelbe Farbe
Käse: die Mischung macht`s: ein gelungener Mix aus Edamer, Gouda und Mozzarella
Zwiebeln: längs geschnittene und sehr saftig-würzig angeschmälzte Streifen
Viskosität: angenehm soft
Beilage: leider schwimmt das farbenfrohe, gelb-rot-grüne Arrangement aus Radieschenscheiben, gestiftelten Möhren, gehackten Frühlingszwiebeln und Chinakohl förmlich in einer essiglastigen Marinade - hier wäre weniger mehr gewesen!
Zubereitungszeit: knapp unter einer Viertelstunde
Abgang: trotz des begleitend konsumierten alkoholfreien Hefeweizens weitgehend blähungsfrei
Preis: sehr günstige 6,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Reichlich schwarzer Pfeffer und geschmälzte Zwiebeln verfeinern mein Leibgericht fachgerecht. Die floral inspirierte Präsentation passt zur Umgebung. Den ehrgeizigen Wirtsleuten würden wir dennoch eine gehobenere Location wünschen!

Lokalität: Gartenschenke
Baumgarten 6              
71032 Böblingen         
Telefon: 07031 / 275524

Freitag, 19. Juli 2013

Come in & see! **

 
















In einem sommerlichen Reigen von Einladungen und Gegeneinladungen führt uns heute die Brandenkopf-Connection in griechische Gefilde aus. Ganz entgegen des anglophilen Mottos des Lokals (Come in & see!)  suchen wir uns einen schattigen Tisch im Aussenbereich und geniessen eher das Gesehenwerden.

Ganz Sindelfingen rüstet zum Höhepunkt der 750-Jahr-Feier auf und hyperventiliert förmlich vor Überschwang. Da wirkt die Gaststätte Planie - nur wenige Schritte vom betriebsamen Marktplatz entfernt - geradezu als Ruhepol. Zahlreiche Stammgäste geniessen den wechselnden Mittagstisch. Heute sind das Fischfilet mit buntem Kartoffelsalat und der Salatteller mit Räucherlachs und Kartoffeltalern der Renner!

Wirt Plioukas Vassilios bedient höchstselbst, serviert zackig und schwungvoll, zeigt sich jedoch unbeugsam gegenüber ungeliebten Fragen. Da kann selbst unser Wunsch nach einem echt griechischen Mokka keine Wogen mehr glätten.

Menge: gerade ausreichend für ein Mittagessen an einem heissen Sommertag
Spätzle: mit der Frage nach der Herkunft verscherze ich es mir nachhaltig:
Käse: hierzu kann oder mag sich der Patron nicht äussern
Zwiebeln: fein gehackt, glasig gedünstet und recht sparsam unter der Spätzlemasse versteckt
Viskosität: tendenziell eher trocken
Beilage: der Beilagensalat (grüne Blattsalate, gestiftelte Möhre und ein Alibi-Tomatenachtel) überrascht hauptsächlich durch einen mit Gewürzgurken verfeinerten Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: nicht nennenswert
Preis: als Mittagstisch unschlagbar günstige 6,20 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Zentral gelegenes Lokal mit günstigem Mittagstisch, das sich einigen Convenience-Produkten ganz legitim bedient. Die Käsespätzle gehören eher nicht zu den Spezialitäten des Hauses, wirken blässlich und etwas fade.

Lokalität: GaststättePlanie
Planiestrasse 9
71063 Sindelfingen
Tel.:07031/8188044
Fax.:07031/7624474

Sonntag, 14. Juli 2013

Käsespätzle auf Italiensch ***

















In unserer Sonderreihe "Kuriosa und Special Effects" präsentieren wir heute: Teigwaren aus dem Parmesanlaib. Sozusagen: Käsespätzle auf Italiensch. Damit wirbt Bruno, der Butler für seinen außergewöhnlichen Catering-Service und für die Tage der Offenen Tür des Hotels am Schlossberg. Ein wahrhaft gelungenes Joint Venture!

An einem heissen Juliabend sind die eng aufgestellten Bierbänke und -tische vor dem Hotel bis auf den letzten Platz belegt. Sommerlich aufgebretzeltes Publikum schwelgt in weinseliger Erinnerung an die letzte Italienreise. Bruno kultiviert publikumswirksam seinen feinen Akzent. Das Büffet mit ausgewählten Köstlichkeiten wird mit schwäbischem Ehrgeiz gestürmt und abgeräumt. Ein wahrhaft gelungener Abend!


Menge: ganz nach eigenem Wunsch
Spätzle: die entpuppen sich - ganz nach italienischem Gusto - natürlich als Spaghetti
Käse: würziger, gut abgehangener Parmesan
Zwiebeln: die können als in Balsamico eingelegte Teile auf dem Beilagenteller konsumiert werden
Viskosität: flutschig
Beilage: alles, was das Büffet hergibt: gegrillte Zucchini- und Auberginenscheiben, Frutti di Mare, rote Paprika aus dem Backofen, mediterranes Gemüse, gemischter Salat und und und....
Zubereitungszeit: das bleibt Brunos Geheimnis
Abgang: es empfiehlt sich ein Grappa (3,00 Euro), gerne auch ein im Eichenfass gelagerter (5,00 Euro) zur Verdauung
Preis: mit 10,00 Euro für das gesamte Italienische Büffet inkl. "Käsespätzle auf Italienisch" ist man bestens bedient
Bewertung: natürlich ragt Brunos Interpretation an den schwäbischen Klassiker nicht annähernd heran, doch wir vergeben Sonderpunkte für Originalität und überraschende Geschmackserlebnisse. Alles in allem haben wir einen ausgelassenen, kulinarisch interessanten Sommerabend erlebt.

Lokalität: Hotel am Schlossberg
Untere Gasse/ Steile Gasse 8
71032 Böblingen
Telefon 0 70 31/7173-0  
Telefax 0 70 31/7173-50
info@hotel-am-schlossberg.com



Bruno der Butler / Genuss Creativo
Bruno Casola
Burgstraße 14
72800 Eningen u.A.
Telefon: +49(0)7121 - 30 176 88
Telefax: +49(0)7121 - 68 08 385
Mobil: +49(0)171 - 17 99 828
E-Mail: info@bruno-der-butler.de

Sonntag, 23. Juni 2013

Am Tisch mit Grimma ***


















Die Ettaler Mühle - bei Einheimischen wie Touristen gleichermassen beliebt - liegt malerisch zwischen Ettal, Oberammergau und Graswangtal. An einem regnerischen Sonntagabend platzt das enge Wirtshaus förmlich aus allen Fugen.

Drinnen quetschen sich einheimische Lodenträger mit disziplinierten tschechischen Reisegruppen und amerikanischen Gästen der nahen NATO-Schule an rustikalen Holztischen zusammen. Der Geruch feuchter Wolle dominiert die Gaststube. Die Amis fotografieren kreischend vor Begeisterung ihre Speisen aus verschiedenen Blickwinkeln (kommt uns irgendwie bekannt vor). Nur das tschechische Kombinat verlässt pünktlich um 19 Uhr das Lokal, um sich geschlossen auf den morgigen Besuch von Salzburg vorzubereiten.

Wir kommen an einem gemischten Tisch mit verhalten neugierigen Eingeborenen und zwei eben aus Grimma angereisten Touristen zu sitzen, die vor dem überfluteten Elbtal ins leider ebenso regnerische Ammergau geflüchtet sind. Als geborene Kosmopoliten bestreiten wir geschickt die Konversation nach allen Seiten und fühlen uns spontan akklimatisiert.

Menge:eine mächtige Riesenportion
Spätzle: kurzbeinige Hausmacherware
Käse: schlichter Edamer, mit etwas Sahne verfeinert
Zwiebeln: leider die regional üblichen knurpseligen Röstzwiebeln
Viskosität: elastische Fäden ziehend
Beilage: grüne Blattsalate mit Fertig-Croutons und Sprossen-Topping
Zubereitungszeit: sensationelle 10 Minuten (trotz vollem Haus)
Abgang: aufrührerisch brodelnd
Preis: 7,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hier steppt der Bär! Die zackige, toughe Bedienung bespielt gekonnt mehrsprachig den ganzen Gastraum. Sowohl meine Käsespatzen als auch der gebratene Leberkäs mit Ei meiner Mitesser entsprechen der landläufigen Vorstellung gutbürgerlicher, rustikaler Küche. Absolut empfehlenswert ist hier die Forelle vom Grill (falls wir in diesem Leben noch eine Outdoor-Saison erleben dürften).

Lokalität: Ettaler Mühle
Ettaler Mühle 1
82488 Ettal
Telefon: 08822/6422
Telefax: 08822/6482

Donnerstag, 20. Juni 2013

Im Schatten von St. Martin ***


















Ich liebe Geschäftsessen: ein bisschen plaudern, ein bisschen fachsimpeln, das Angenehme mit dem noch Angenehmeren verbinden. Heute darf ich mit einem Redakteur der Lokalpresse sehr kommod und entspannt zu Mittag speisen, mit dem Anreiz, der Rubrik "Presse" noch mehr Substanz zu verleihen.

Mein Gegenüber entpuppt sich als wahrer Kässpätzle-Connaisseur und lässt mich an seinem ausgeprägten Geschmack teilhaben. Schwingt nicht in der salzlastigen Käsemischung ein Hauch von Parmesan mit? Würde ein etwas säurebetontes Salatdressing nicht perfekt mit den Spätzle harmonieren? Diverse Zubereitungstipps verinnerlichend, ärgere ich mich kolossal, auf keine Homestory bestanden zu haben. Egal, vielleicht beim nächsten Mal!

Dafür ist das hiesige Outdoor-Ambiente doch zu schön! Der einladende Gastgarten des Lokals liegt zwischen ehrwürdiger Martinskirche und quirliger Ziegelstrasse. Und während ein aufkommendes Sommergewitter durch die Wipfel braust, sitzt man herrlich versorgt im Schatten alter Bäume.


Menge: überschaubar (dürfte gerne etwas mehr sein...)
Spätzle: in bandnudelartiger Form
Käse: eine lokale Eigenkreation aus Emmentaler, Tilsiter,  Gouda
Zwiebeln: saftig angeschmelzte Frischware mit reichlich Röstaromen
Viskosität: soft und schlüpfrig
Beilage: der übliche Beilagensalat mit grünen Blattsalaten, etwas Kartoffelsalat und fein gestiftelten Möhren, mit einem leichten Sahnedressing verfeinert
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: beschwingt und unbelastend
Preis: 9,50 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Herausragender Service und einladendes Ambiente lassen das ältestete Wirtshaus Sindelfingens im Jubiläumsjahr brillieren. Die Kässpätzle bewegen sich im soliden Mittelfeld, gehören aber wahrscheinlich nicht zu ausgewiesenen Highlights des Lokals. Im nächsten Leben würde ich zu gerne die Hirnsuppe goutieren.

Lokalität: Gasthaus Hirsch GmbH
Ziegelstr. 32
71063 Sindelfingen
Telefon : 07031 809006
Telefax : 07031 805332
eMail : info@gasthaus-hirsch-sindelfingen.de